Johannes 19, 31-42 Blut und Wasser

Johannes liebt es durch sein ganzes Evangelium hindurch hinter der Erzählebene tiefere Botschaften zu verstecken. Manchmal sind seine Anspielungen leicht zugänglich, manchmal bleibt offen, was er eigentlich genau damit meint. In dem heutigen Abschnitt fällt vor allem die Betonung auf, mit der er erzählt, dass nach Jesu Tod durch einen Lanzenstich Blut und Wasser aus der Seite Jesu kamen. Das ist auf der reinen Erzählebene ein deutlicher Hinweis, dass Jesus tatsächlich tot ist. Er war nicht scheintot und wurde dann wiederbelebt, sondern er ging tatsächlich ins Totenreich und ist dann auferstanden.

Aber wenn es nur um die Tatsache des Todes gegangen wäre, dann hätte ein Hinweis auf das Blut Jesu gereicht. Außerdem wird gerade diese Beobachtung durch den nachfolgenden Vers 35 in besonderer Weise hervorgehoben. Aber es ist nicht ganz eindeutig, worauf Johannes mit Blut und Wasser anspielen will. In der Alten Kirche wurde es meist als Anspielung auf die Sakramente von Abendmahl und Taufe gedeutet. Das macht von den Symbolen her durchaus Sinn. Allerdings scheint Taufe und Abendmahl im Johannesevangelium insgesamt keine besonders große Rolle zu spielen (es ist z.B. das einzige Evangelium, das die Einsetzungsworte des Abendmahles nicht überliefert).

In 1. Joh. 5,6 gibt es eine interessante Parallelstelle: Dort wird festgehalten, dass Jesus durch Wasser und Blut gekommen ist. Dies scheint im Zusammenhang eine Anspielung auf Jesu eigene Taufe und sein Kreuzestod zu sein. Allerdings scheint eine Anspielung auf Jesu Taufe bei Jesu Tod wenig Sinn zu machen. Was auch immer Johannes genau gemeint hat: Blut spielt sicherlich auf die erlösende Kraft von Jesu Tod an (an welche ja beim Abendmahl erinnert wird) und das Wasser könnte ganz allgemein auf den Geist anspielen (der ja im Neuen Testament eng mit der Taufe verbunden ist – sowohl bei Jesu Taufe, als auch bei der späteren Taufe von Gläubigen). Dann würde der Hinweis deutlich machen, dass wir in Jesus Christus Erlösung und neues Leben durch den Heiligen Geist haben.

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Exodus 39 Priesterkleidung

Als freikirchlicher Pastor könnte ich bei dem Thema müde abwinken: Wir sind überzeugt vom Priestertum aller Gläubigen. Durch Jesus Christus gibt es keinen besonders herausgehobenen Priesterstand mehr – wir sind alle Priester (1. Petr 2,9f; Offb 1,6). Um einen Gottesdienst zu feiern oder auf die Kanzel zu steigen, brauchen wir kein besonderes Amt und auch kein besonderes Priestergewand. Ist dieser Text durch Jesus Christus für uns also unbedeutend geworden, hat er uns gar nichts mehr zu sagen?

Ich denke von den wörtlichen Bestimmungen her ist es tatsächlich so, dass wir durch Jesus Christus keinen Hohepriester und auch keine besondere Priesterkleidung mehr brauchen. Jesus ist der eine Hohepriester und durch ihn haben wir Zugang zu Gott, wir brauchen keine Priester mehr als Mittler.

Aber ich denke auch, dass wir von diesem Text durchaus etwas über die Bedeutung von Symbolen lernen können. Die Priesterkleidung macht deutlich, dass es hier nicht um den Menschen geht, der in irgendeiner Weise einen besonderen Vorzug hat, sondern um ein bestimmtes Amt, eine bestimmte Funktion. Ich merke das z.B. bei Beerdigungen. Dort trage ich auch als freikirchlicher Pastor meist einen Talar. Das macht mir selbst und der Trauergemeinde deutlich, dass ich nicht nur als Person dort am Grab stehe, sondern in der Funktion desjenigen, der Im Namen Gottes Trost zuspricht. Wohlgemerkt: Nicht die äußere Kleidung bewirkt das innere Geschehen des Trostzusprechens im Namen Gottes. Aber sie unterstreicht dieses innere Geschehen.

Wir Freikirchler sind schnell dabei Symbole als reine Äußerlichkeit abzutun. Die Gefahr besteht natürlich immer bei Symbolen, dass sie nur noch leere Forme ohne Inhalt sind. Aber sie können auch auf kraftvolle Weise das Eigentliche, den Inhalt unseres Glaubens unterstreichen und sinnfällig machen. Wenn wir leichtfertig darauf verzichten, verlieren wir auch etwas.

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