Apostelgeschichte 3, 17- 26 Werbende Predigt

Petrus wirbt um seine Landsleute. Das ist in diesem Abschnitt deutlich zu spüren. Er gesteht ihnen zu, dass sie Jesus aus „Unwissenheit“ getötet haben (V.17) und er stellt Jesus, mit deutlichem Rückbezug auf die hebräische Bibel, vor allem als den von Gott ausersehenen Christus (= Messias) dar. Er zeigt die Bedeutung Jesu auf dem Hintergrund ihrer Tradition und ihrer Kultur. Trotz allem Entgegenkommen und Werben weißt er deutlich darauf hin, dass Umkehr nötig ist (V.19: „So tut nun Buße und bekehrt euch“; V.26: „… dass ein jeder sich bekehre von seiner Bosheit“).

Er stellt sich also ganz auf seine Hörer ein und umwirbt sie. Und zugleich verwässert er die Botschaft nicht. Er predigt keine billige Gnade. Es ist gut, wenn wir auch heute diese Ausgewogenheit beibehalten. Wir sollen auf andere eingehen, ihre Kultur und ihr Lebensgefühl wahrnehmen, das Evangelium so übersetzen, dass sie es in ihrer Welt verstehen können. Das ist heute schwieriger als für Petrus damals in einer jüdischen Kultur – und gerade deswegen ist es um so wichtiger. Aber wir dürfen das Evangelium dabei nicht verwässern. Sündenerkenntnis und Umkehr bleibt in jeder Kultur und zu jeder Zeit nötig.

| Bibeltext |

Psalm 6 – Tu Buße, Gott!

Nachdem ich mit dem Psalm gestern (Psalm 5) so meine Probleme hatte, was den Umgang mit Sünde angeht, zeigt Psalm 6, dass auch damals die Gläubigen schon ein sehr tiefes Verstehen ihrer eigenen Sünde und Verlorenheit hatten. Psalm 6 wird als der erste von sieben Bußpsalmen gesehen (Ps. 6; 32; 38; 51; 102 und 143). Der Psalmbeter spricht nun gerade das Gebet, das ich auch in Ps. 5 erwartet hätte: „Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach.“ (V.3)

Mich bewegt die Ehrlichkeit des Beters: Seine Verzweiflung, seine Kraftlosigkeit, seine Tränen sind förmlich mit Händen zu greifen. Immer wieder erstaunlich, was in unserer Bibel alles Platz haben darf: An vielen Stellen in den Psalmen der erschreckend harte Zorn von Gläubigen gegenüber ihren Feinden. Und hier die offene Frage und Anklage an einen Gott, der sich mit seinem Eingreifen und seiner Hilfe offensichtlich Zeit lässt. Schön, dass die Bibel nicht einfach alles theologisch glatt bügelt, sondern dass sie uns genügend Ecken und Kanten gibt, an denen wir uns immer wieder anstoßen, aber auch festklammern können.

Interessant fand ich bei dem Psalm auch, dass zur Buße offensichtlich nicht nur das reumütige Bekenntnis der eigenen Schuld und Verlorenheit gehört, sondern auch die eindringliche Bitte an Gott, endlich einzugreifen: „Ach du, Herr, wie lange! Wende dich, Herr, und errette mich, hilf mir um deiner Güte willen!“ (V.4-5) Buße heißt ja von der Grundbedeutung her „Umkehr“ oder „Sinneserneuerung“. In Psalm 6 kehrt nicht nur der Beter um zu Gott, sondern er fordert zugleich von Gott, dass dieser auch umkehrt („Wende dich, Herr!“). In diesem Sinn fordert der Beter auch Gott zur Buße auf: Er soll umkehren, er soll endlich eingreifen, er soll anders handeln als bisher. Ganz schön mutig dieses Gebet! Ob wir heute auch noch so mutig beten dürfen?!? 😉

Psalm 5 – Sünder sind immer die andern

Also ich finde den Umgang mit eigener und fremder Sünde in diesem Psalm ziemlich seltsam. Die Lügner und Übeltäter können nicht vor Gott bestehen. Denen wird’s allen ziemlich dreckig gehen, weil Gott sie auf den Tod nicht ausstehen kann. Aber selbstverständlich gehört der Psalmbeter selbst nicht zu diesem Lumpenpack. Er darft vor Gott kommen und ihn in seinem Tempel anbeten. Er scheint frei von aller Sünde zu sein und darf sich deshalb in Gottes Güte sonnen.

Hmhm, hat sich da was in unserem Sündenverständnis geändert? Sehen wir heute die Sünde zu kleinlich? Ich könnte nicht in diese Richtung beten: „Hab Dank Herr, dass ich nicht so ein verkommener Sünder bin wie die anderen, sondern dass ich ein Gerechter bin, dem du Gunst erweist.“ Mein Gebet ist eher: „Herr, sei mir Sünder gnädig.“