Johannes 6, 16-20 Im Sturm

In meinem Leben verläuft oberflächlich gesehen alles seinen ruhigen, gut bürgerlichen Gang. Da gibt es keine bedrohliche Finsternis, da gibt es keine großartigen Unwetter. Wir haben mehr als genug zu essen, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben genügend Geld um ein normales Leben zu führen, wir haben gesunde Kinder, … wir haben eigentlich keinen Grund zu klagen. Erleben wir deshalb so wenig mit Jesus, weil alles so mittelmäßig gut läuft und wir ihn im Alltag eigentlich gar nicht brauchen? Erleben Menschen, die tagtäglich mit Finsternis und Stürmen zu kämpfen haben öfters einen Jesus, der den Sturm beruhigt und sie sicher ans Ziel bringt?

Aber da gibt es doch bei mir und wahrscheinlich auch bei vielen anderen hinter der ruhigen Oberfläche doch auch Dunkelheiten und Stürme, mit denen ich zu kämpfen habe. Da gibt es genügend Dinge, die nicht in Ordnung sind oder die ich nicht verstehe. Da gibt es genügend Dinge, die mir den Lebensmut rauben und mir das Vertrauen auf Gott schwer machen. Sind diese Stürme Jesus nicht wichtig genug? Oder kann ich ihn in der Dunkelheit manchmal gar nicht erkennen? Oder will ich diese Dinge gar nicht als Stürme wahrnehmen und verdränge sie lieber?

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Apostelgeschichte 27, 13-44 Der ruhende Pol

Ja, so sollte es eigentlich sein – auch heute noch. In einer stürmischen Welt, in der wir die Orientierung verloren haben, sollten die Christen der ruhende Pol sein, der auch den anderen Hoffnung schenkt. Aufgrund der Verheißung Gottes kann Paulus mitten im Sturm gelassen bleiben und andere trösten. Er gibt Hoffnung und ganz automatisch fangen die anderen an, ihm mehr und mehr zu vertrauen.

Das wäre schön, wenn wir Christen auch heute noch so leben und so wahrgenommen werden könnten. Als Menschen die auch im Sturm eine Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlen, die nicht von dieser Welt kommen kann. Als Menschen die sich gehalten wissen von einer Macht, die stärker ist, als jeder irdische Sturm. Als Menschen die aufgrund ihres ruhigen Handelns und Redens auch andere aus dem Sturm retten.

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Lukas 8, 22-25 Die Stille vor dem nächsten Sturm

Die Jünger sind mit Jesus auf einem kleinen Boot im Sturm. Während die Jünger Todesangst haben, schläft Jesus seelenruhig. Er weiß sich geborten von einer Macht die stärker ist als jeder Sturm. Die Jünger wecken Jesus und dieser bringt den Sturm zum Schweigen. „Und es entstand eine Stille.“ Diese Worte haben mich heute beim Lesen besonders angesprochen.

Ich hab auch schon so manche Stürme erlebt und dann auch erfahren, dass Jesus da ist und den Sturm wieder zum Schweigen bringen kann. Oft sah es zunächst so aus, als ob er schläft, als ob er gar nichts tut. Aber er war da. Das stärkt mein Vertrauen zu Jesus. Aber so manches mal wünsche ich mir, dass er die Stürme entgültig zum Schweigen bringt. Es ist ja auch als Christ so, dass immer wieder neue Stürme aufziehen. Stelbst wenn Jesus für Stille sorgt, so kommt früher oder später immer wieder ein neuer Sturm. Ich hab richtige Sehnsucht danach, dass es still bleibt…

Glaube muss im Sturm immer wieder neu wachsen und sich bewähren. Glaube heißt nicht, dass es keine Stürme mehr gibt. Ich möchte von Jesu Gelassenheit lernen. Auch im Sturm ruhig schlafen zu können. Das ist ein weiter Weg und ich bin weit von dieser Gelassenheit entfernt. Aber ich will weiter auf Jesus vertrauen, auch wenn nach der Stille der nächste Sturm kommt.

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Matthäus 14, 22-33 – Im-Boot-Sitzenbleiber

GewitterWas für eine Geschichte! Hab sie schon so oft gelesen und doch ist das immer wieder neu faszinierend. Man könnte dazu sehr viel sagen und schreiben. Was ich mich beim Lesen heute gefragt habe ist: Wie und warum um alles in der Welt kommt Petrus auf die Idee, dass es das Boot verlassen möchte? Das ist doch eigentlich total absurd und verrückt. Die Jünger waren nachts in der Dunkelheit auf dem See, sie hatten mit Sturm und Wellen zu kämpfen, dann erschraken sie fast zu Tode, weil so ein komisches Gespenst über den See läuft. Erst nach dem Schreck offenbart sich das „Gespenst“ als Jesus.

Das allein ist doch schon verrückt genug. Jeder normale Mensch hat da doch erst mal genug Abenteuer und ist froh dass Jesus da ist und dass er so schnell wie möglich mit ins Boot kommt. Und Petrus?!? Der will raus auf den See! Der will auch das tun was Jesus tut! Der will auch auf dem Wasser laufen, obwohl er als Fischer sehr, sehr gut weiß, dass das nicht geht! Verrückt, oder?! Wie kommt der überhaupt erst auf so einen Gedanken?

Ich fürchte, ich bin mehr so ein „Im-Boot-Sitzenbleiber“. Ich hab im Sturm schon Schiss genug, da brauch ich nicht auch noch versuchen, auf dem Wasser zu gehen… Hut ab, Petrus! Du hast nicht nur ne große Klappe, du hast (zumindest in dieser Situation) auch ganz schön viel Mut. Das fehlt mir beides. So verrückt nach Jesus wie du möchte ich auch sein.

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Matthäus 8, 23-27 – Die Sturmstillung im Heute

Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem See unterwegs. Er ist brotfertig und schläft friedlich im Boot. Doch dann kommt ein Sturm auf und selbst den erfahrenen Fischern rutscht das Herz in die Hose. Sie wecken verzweifelt Jesus auf und der gibt ihnen erst mal einen Rüffel wegen ihrem Kleinglauben. Aber dann wendet er sich doch dem Sturm zu und stillt ihn mal kurz.

Bei der Geschichte muss ich immer an einen Jugendkreisabend vor vielen, vielen Jahren denken. Ein Mitarbeiter erzählte die Sturmstillung auf so fesselnde und lebendige Weise, dass ich heute noch davon beeindruckt bin. Er war jetzt nicht der riesige Erzähler, aber er hat es an diesem Abend auf ganz besonder Weise geschafft, diesen Bibeltext mit seinem Leben und mit dem Leben der Zuhörer in Beziehung zu setzen. Er hat ständig die Perspektiven gewechselt zwischen dem Sturm damals und den Stürmen in unseren Leben und in seinem eigenen Leben. Er hat uns die Wellen vor Augen gemalt – die Wellen damals und die Wellen in unserem Leben. Er hat uns die Angst der Jünger vermittelt und damit unsere eigene Angst angesprochen. Ich kam mir ein bisschen so vor, als ob ich selbst ein Jünger bin, der gerade mit Jesus in diesem Boot unterwegs ist. An diesem Abend hat dieser Text nicht nur meinen Verstand angesprochen, sondern mein Herz. Schade, dass das in dieser Intensität so selten geschieht…