Apostelgeschichte 10, 34-48 Kurskorrektur

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der jungen Christenheit. Hier wird Petrus eindrücklich deutlich gemacht, dass Gott in Jesus Christus alle Menschen erreichen möchte. Gott sieht die Person nicht an (V.34). Petrus erkennt, dass Menschen nicht erst Juden werden müssen, um an Jesus zu glauben und den Heiligen Geist zu empfangen. Allein durch seine Predigt des Evangeliums (V.37-43) kommen Menschen zum Glauben und Gott schenkt ihnen den Heiligen Geist (V.44). Für die Judenchristen war das ein Schock (V.45) – dieser Gedanke war für sie so ungewöhnlich und fremd! Für sie war es selbstverständlich, dass man nur als Jude an den Gott Israels und an den Messias Jesus glauben konnte.

Ich habe mich bei dem Text gefragt, warum Gott das so kompliziert gemacht hat. Warum braucht es dieses besondere Erlebnis? Warum hat Jesus nicht einfach seinen Jüngern erklärt, dass auch Heiden ihm nachfolgen dürfen? Das hätte er doch schon zu Lebzeiten klar stellen können, dann wäre das für Petrus und die anderen Jünger später nicht so schwer zu verstehen gewesen.

Obwohl ich schon lange Jahre Christ bin, bleibt dieser Gott der Bibel immer auch ein rätselhafter, überraschender, unverfügbarer und oft auch verborgener Gott. Ich habe ihn nicht in der Hand. Ich verstehe ihn nie völlig. Er bleibt immer anders. Meine Theologie bleibt Stückwerk. Meine Ansichten über Glaube, Gott und die Welt haben immer wieder Korrektur nötig. Das war selbst bei Petrus so. Obwohl er viel Zeit in Jesu leiblicher Nähe verbracht hatte, viel gesehen, erlebt und gehört hatte, war seine Theologie Stückwerk und seine Ansicht über Glaube, Gott und die Welt hatte Korrektur nötig.

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Kolosser 3, 12-17 Kleiderprobleme

Im vorigen Abschnitt ging es um die schlechten Eigenschaften und Handlungsweisen, die wir als Christen ablegen sollen. Jetzt geht es um das, was wir stattdessen anziehen sollen. Tja, wenn es nur so einfach wäre! Ein paar neue und saubere Kleider anzuziehen ist kein Problem – sich selbst aber ändern ist gar nicht so leicht. Kleider gehören ja nicht zu unserem Wesen, sind nicht mit uns verwachsen. Die können schnell gewechselt werden. Aber wie sieht es mit unseren Handlungen und unserem Wesen aus? Einzelne schlechte Handlungen zu vermeiden, kann schon herausfordernd sein, ist aber noch relativ einfach. Schlechte Angewohnheiten zu verändern wird schon schwieriger. Schlechte Eigenschaften und Wesenszüge zu verändern ist aber eine Herkulesaufgabe, an der wir ein Leben lang zu knabbern haben.

Auch hier ist es wieder ein untrennbares Ineinander von göttlichem Wirken und eine Aufforderung an uns Menschen. Es ist auch ein Ineinander von dem, was schon längst durch Christus geschehen ist und dem, was noch geschehen soll. In Kol.3,10 wird gesagt, dass der neue Mensch erneuert wird – das ist passiv formuliert: nicht wir tun das, sondern Gott tut es. Im heutigen Abschnitt sind aber ganz gezielt wir selbst angesprochen: zieht ihr den neuen Menschen an. In Kol. 3,9f wird gesagt, dass wir als Christen den alten Menschen schon ausgezogen haben und den neuen schon angezogen haben. Im heutigen Abschnitt werden wir aufgefordert, die Eigenschaften des neuen Menschen auch zu leben. Irgendwie ist beides richtig.

Ich muss ehrlich sagen: dieses ewige Kämpfen macht mich müde. Ich kann als Christ nie sagen: „So jetzt hab ich’s geschafft. Jetzt hab ich alles alte abgelegt und bin völlig erneuert.“ Ein Leben lang hab ich mit diesen Kleiderproblemen zu kämpfen: Altes ausziehen, Neues anziehen. Und dann immer wieder feststellen, dass das Alte gar nicht wirklich verschwunden ist, sondern immer wieder neu auftaucht. Auch das Ineinander von göttlichem und menschlichem Tun ist ermüdend. Da gibt es die einen, die mehr das göttlich Tun betonen und sagen: „Ja, du musst nur mehr beten und größeren Glauben haben, dann geschieht alles von selbst.“ Und die anderen sagen: „Du musst dich halt mehr anstrengen und radikaler das Gute tun, nur dann geschieht wirklich Veränderung.“ Aber beide Wege werden letztendlich Stückwerk bleiben. Das vollkommene neue Leben in Christus ist noch verborgen (Kol.3,3).

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2. Timotheus 2, 8-13 Treue

Sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (V.13) Der Kontext macht deutlich, dass es hier nicht um eine billige Entschuldigung für menschliche Leichtfertigkeit geht – im Zusammenhang geht um Christen, die um ihres Glaubens willen leiden, dulden, kämpfen, ja sogar sterben. Es geht um echten Trost, wenn wir trotz allem guten Willen Gott doch untreu werden: Gott hält uns trotzdem fest.

Ja, wir können immer nur Stückwerk vollbringen. Wir fallen viel zu oft auf die Nase. Wir versagen. Wir sind untreu. Wenn wir nur auf uns und unsere schwache Kraft schauen würden, dann müssten wir verzweifeln. Wie gut, dass wir auf Gottes Kraft und seine Treue schauen dürfen.

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Josua 23 Stückwerk

Auch in diesem Abschnitt wird noch einmal deutlich, dass die Israeliten nicht alle Völker aus dem verheißenen Land vertreiben konnten (V.7). Gerade darum warnt Josua so eindringlich davor, sich mit diesen verbliebenen Völkern zu vermischen und vor allem davor, ihre Götter zu übernehmen. Obwohl nicht das ganze Land im Besitz Israels ist, kann Josua seinen Landsleuten sagen, „dass nichts dahingefallen ist von all den guten Worten, die der Herr, euer Gott euch verkündigt hat.“ (V.14)

Mein Leben als Christ kommt mir manchmal ähnlich vor: es bleibt Stückwerk.Ich darf viele gute Erfahrungen mit Gott machen, es gibt viele Bereiche, in denen Gott für mich streitet und Veränderung geschieht. Aber es bleiben auch immer Landstriche meines Lebens zurück, in denen nicht alles perfekt läuft. Die Israeliten mussten sich damit abfinden, dass im gelobten Land weiterhin andere Völker lebten und sie mussten darum um so fester und treuer an Gott festhalten. Ich muss mich als Christ damit abfinden, dass mein Christsein Stückwerk bleibt und ich muss mich darum um so fester und treuer an Gott festhalten. Was wir von Josua lernen können: nicht auf das schauen, was Gott noch nicht getan hat, sondern auf das, was er bereits getan hat.

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Kohelet 11, 1-8 Befreiendes Stückwerk

Kohelet stutzt wieder einmal unseren menschlichen Größenwahn zusammen. Er schreibt: „So kannst du auch Gottes Tun nicht wissen, der alles wirkt.“ (V.5) Auch der klügste Bibelleser und der frommste Geisterfüllte kann Gottes Tun nicht wissen. Gott ist immer noch einmal eine Nummer größer. Unsere menschliche Erkenntnis und unser menschliches Tun (und seien sie noch so fromm und geistgewirkt) bleiben Stückwerk.

Frustrierend? Nein, befreiend! Ich darf Mensch bleiben. Ich brauche nicht die Rolle Gottes übernehmen, sondern ich darf aus meinen begrenzten Möglichkeiten das Beste machen. Ich darf tun, was mir vor die Hände kommt und muss nicht bis ins Letzte alle möglichen Folgen abschätzen, weil ich das ja eh nicht kann. Das heißt nicht, dass ich faul auf der Haut rumliege und mir so klein und nutzlos vorkomme. Sondern es heißt, dass ich mein Bestes gebe, dass ich den Samen ausstreue und bis zum Abend arbeite, aber was dann daraus wird, das ist Gottes Sache (V.6). Ich muss nicht Perfektion abliefern, sondern ich darf auch mit Stückwerk zufrieden sein.

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