Weihnachtliche Stille

Beim windhauch wird sich jetzt erst mal weihnachtliche Stille breit machen. Ich merke, dass ich mal wieder und gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit mehr Ruhe brauche, um auch Bibeltexte ganz für mich persönlich zu lesen. Es hilft mir zwar auf der einen Seite meine Gedanken hier schriftlich zu fixieren, aber es bringt auch immer die Gefahr mit, dass ich mir schon beim Lesen zu überlege, was ich dazu schreiben könnte (anstatt zu fragen: was sagt es mir persönlich).

Allen Lesern schon mal ein frohes Fest! Vergesst in all dem Trubel und bunten Durcheinander nicht, um was es eigentlich geht…

Lukas 8, 22-25 Die Stille vor dem nächsten Sturm

Die Jünger sind mit Jesus auf einem kleinen Boot im Sturm. Während die Jünger Todesangst haben, schläft Jesus seelenruhig. Er weiß sich geborten von einer Macht die stärker ist als jeder Sturm. Die Jünger wecken Jesus und dieser bringt den Sturm zum Schweigen. „Und es entstand eine Stille.“ Diese Worte haben mich heute beim Lesen besonders angesprochen.

Ich hab auch schon so manche Stürme erlebt und dann auch erfahren, dass Jesus da ist und den Sturm wieder zum Schweigen bringen kann. Oft sah es zunächst so aus, als ob er schläft, als ob er gar nichts tut. Aber er war da. Das stärkt mein Vertrauen zu Jesus. Aber so manches mal wünsche ich mir, dass er die Stürme entgültig zum Schweigen bringt. Es ist ja auch als Christ so, dass immer wieder neue Stürme aufziehen. Stelbst wenn Jesus für Stille sorgt, so kommt früher oder später immer wieder ein neuer Sturm. Ich hab richtige Sehnsucht danach, dass es still bleibt…

Glaube muss im Sturm immer wieder neu wachsen und sich bewähren. Glaube heißt nicht, dass es keine Stürme mehr gibt. Ich möchte von Jesu Gelassenheit lernen. Auch im Sturm ruhig schlafen zu können. Das ist ein weiter Weg und ich bin weit von dieser Gelassenheit entfernt. Aber ich will weiter auf Jesus vertrauen, auch wenn nach der Stille der nächste Sturm kommt.

| Bibeltext |

Leere Geschäftigkeit

Gestern war ich bei einem ökumensichen Gottesdienst zum Jahresabschluss dabei. Beim Segen sprach der katholische Pfarrer unter anderem davon, dass Gott bei uns ist in unserer „leeren Geschäftigkeit“. Dieser Ausdruck hat mich sofort angesprochen und berührt. Ja, so vieles in unserem Leben ist „leere Geschäftigkeit“. Es gibt so viel zu tun und so viel Stress in unserer Welt – aber ist nicht vieles davon „leere Geschäftigkeit“? Besonders in unserer multimedialen und vernetzten Welt, in der tausende von Reizen auf uns einströmen und um unsere Aufmerksamkeit buhlen: wir sind ständig beschäftigt und in Eile – aber muss das wirklich alles sein?

Ich merke das bei mir selbst immer wieder: wenn man viel am Computer arbeitet und ständig online ist, dann passiert es schnell, dass man den ganzen Tag beschäftigt ist und sich am Ende fragt: was hab ich eigentlich gemacht? Aber auch sonst gestalten wir doch unser Leben oft so, dass wir immer was zu tun haben wollen. Langeweile ist uncool und wir wollen ja auf oft verzweifelte Weise entweder unsere Zeit sinnvoll nutzen oder uns auf entspannende Weise vom Stress erholen und abschalten. Natürlich jammern wir alle über den Stress und darüber, dass so viel auf uns einströmt – aber fliehen wir nicht auch oft, bewusst oder unbewusst, in „leere Geschäftigkeit“ weil wir in Wahrheit Angst vor der Ruhe und Stille haben?

Ach ja: Wünsch natürlich auch noch allen Lesern ein gutes und gesegnetes neues Jahr! Ich wünsche Euch für 2012 viel Weisheit, um zu unterscheiden, was wirklich notwendig und gut für Euch und andere ist und was nur „leere Geschäftigkeit“ ist. 🙂

Tim Parks: Stille

Schade, der Roman hat mich nicht überzeugt. Obwohl ich die Grundidee der Geschichte interessant finde und der Autor zweifellos gut und spannend schreiben kann. Es geht um einen übergewichtigen Topjournalisten, der sich in die Einsamkeit einer kleinen Berghütte in Südtirol zurück zieht. Der äußere Anlass ist ein Enthüllungsbuch seines Sohnes über ihn. Dabei kommt der Vater nicht gut weg und das kränkt ihn zutiefst.

In der Stille und Einsamkeit der Bergwelt und in Auseinandersetzung mit den wenigen Nachbarn, die er wegen des Dialektes kaum versteht, kommt seine tragische Familiengeschichte an die Oberfläche, mit welcher er sich im Getriebe seiner erfolgreichen Karriere kaum beschäftigt hatte.

Der Roman ist gut zu lesen und dafür, dass relativ wenig passiert, recht spannend geschrieben. Besonders gefallen haben mir die schnellen Wechsel zwischen den Beschreibungen der alltäglichen Begebenheiten in der einsamen Berghütte und der inneren Reflektion der Hauptperson. Da wird auch stilistisch etwas deutlich von der inneren Unruhe, die den Journalisten auch in der Stille noch umtreibt.

Allerdings hatte ich das ganze Buch hindurch nicht das Gefühl, dass die Hauptfigur eine reale Person sein könnte. Es scheint alles etwas konstruiert und übertrieben. Die Personen und die Geschichte wirkt auf mich nicht so richtig glaubwürdig. Vor allem das Ende, der große Showdown zwischen Vater und Sohn hat mich nicht überzeugt. Aber das ist ja das schöne an Literatur: anderen Lesern geht’s da vielleicht ganz anders…

Noch ein schönes Zitat, das mir wirklich gefallen hat: „Warum bin ich so erschöpft? Wer hätte gedacht, dass es so anstrengend ist, allein zu sein? So laut.“ (S. 225) Klasse! Ja, diese Erfahrung wird wohl so mancher machen: dass in der äußeren Stille erst der innere Lärm so richtig an die Oberfläche kommt.

(Amazon-Link: Tim Parks: Stille)