Hebräer 9, 1-15 Barrierefreier Zugang

Der Hebräerbrief stellt dem irdischen Heiligtum (V.1) Christus als den Hohenpriester der größeren und vollkommeneren Stiftshütte (V.11) gegenüber. In der irdischen Stiftshütte, und in der Nachfolge auch im irdischen Tempel in Jerusalem, gab es das Allerheilgste, dass selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr betreten durfte. Vorher musste er ein Opfer bringen für die eigenen Sünden und die des Volkes. Der Zugang zu Gott war also streng begrenzt. Die Kluft zwischen uns sündigen Menschen und dem heiligen Gott ist so groß, dass selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr Zugang zum Allerheiligsten hatte. Dabei wurde das Allerheiligste nicht einmal als Ort der unmittelbaren Gegenwart Gottes gesehen, sondern die Bundeslade im Allerheiligsten lediglich als Fußschemel des viel größeren, alles irdische übersteigenden göttlichen Thrones gedacht.

Für den Hebräerbrief ist die irdische Stiftshütte nur eine Abbild der vollkommenen Stiftshütte. In diese ist Christus als Hohepriester eingegangen und hat ein für alle mal eine ewige Erlösung erworben (V.12). Das was in der irdischen Stiftshütte nur ansatzweise geschehen konnte, hat Christus letzt-gültig umgesetzt. Es braucht daher keine irdische Stiftshütte, kein Tempel und keine Opfer mehr. Die Erlösung, die Jesus Christus erwirkt hat, gilt für alle Ewigkeit, der Zugang zu Gott ist frei – nicht nur für den Hohepriester, sondern auch für mich.

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Exodus 40 Befreit und doch nicht am Ziel

Das letzte Kapitel des Buches „Exodus“, zu deutsch: „Auszug“. Am Anfang stand die Gefangenschaft und am Ende? Immer noch die Wanderung durch die Wüste. Das Volk ist zwar frei, aber immer noch nicht angekommen. Was aber auch am Ende steht, ist die Einweihung der Stiftshütte, hier noch einmal betont „Wohnung“ (V.34) des heiligen Gottes genannt – Gott bezieht sozusagen seine Wohnung: „Die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnung.“ (V.34) Das entscheidende bei der Befreiung ist nicht, dass man am Ziel angekommen ist, sondern dass man unterwegs ist in der Gegenwart Gottes.

Die Gegenwart Gottes ist nicht so gedacht, dass der herrliche Lichtglanz Gottes sich für immer in dieses Zelt zwängt. Die Stiftshütte ist eine Erinnerung an die unsichtbare Gegenwart Gottes. Bezeichnend ist, was das Heiligste der Stifthütte ist: die Lade mit den zehn Geboten (V.20). Gott ist in seinem Wort gegenwärtig. Anders als in anderen Religionen wird kein Gottesbild aufgestellt und angebetet, sondern die Worte Gottes sind das heiligste, das das Volk auf seiner Wanderung hat. Gott wird nicht durch ein Bild oder eine Statue repräsentiert, sondern durch sein Wort.

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Exodus 37-38 Spiegel zu Altären

Auch hier wieder eine Wiederholung der genauen Bestimmungen, wie das Wüstenheiligtum und seine Gerätschaften hergestellt werden sollten und wie es dann auch tatsächlich genauso ausgeführt wurde. Diese ganze Angaben sind recht öde zum Lesen, vor allem weil sie an dieser Stelle schon zum zweiten Mal auftauchen. Aber ein Vers ist mir dann doch ins Auge gefallen: Ex. 38,8. Das Kupfer von Spiegeln der Frauen, die vor der Stiftshütte Dienst taten, wurde für das Gestell des kupfernen Beckens verwendet.

Warum wird das erwähnt? Für mich ist das ein wundervolles und aussagekräftiges Beispiel dafür, was passiert, wenn wir uns Gott zur Verfügung stellen. Ein Spiegel dient dazu, sich selbst anzuschauen. Aus diesen Spiegeln (die damals noch nicht aus Glas, sondern aus Metall waren) werden Geräte für das Heiligtum gefertigt. Das, was zur Selbstspiegelung diente, wird eingeschmolzen und es wird daraus etwas zur Ehre Gottes hergestellt!

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Exodus 36, 8-38 Gründlicher Gehorsam

Und noch einmal geht’s um die Stiftshütte… Das muss für manche ganz schön wichtig gewesen sein, sonst würde es nicht so oft und ausführlich in der Überlieferung auftauchen. Dieses mal wird berichtet, wie das Zelt genau nach den Vorgaben (Ex. 26) errichtet wurde.

Was mir aufgefallen ist: Es wird ausführlich wiederholt und aufgezählt, was vorher schon ausführlich aus Auftrag formuliert wurde. Einfacher wäre es gewesen zu schreiben: „Die Kunsthandwerker erstellten die Stiftshütte genau nach den Vorgaben (siehe oben).“ Hätte eine Menge Zeit und kostbares Schreibpapier gespart. Und es wäre inhaltlich dasselbe gewesen. Aber es war offensichtlich wichtig, diese genaue Ausführung auch noch einmal zu formulieren. Damit wird der Gehorsam betont: Wir halten uns genau an Gottes Wort. Es wird betont, dass dieser Gehorsam nicht schnell und oberflächlich ist, sondern gewissenhaft und gründlich.

Vielleicht würde es auch uns gut tun, nicht einfach zu sagen: „Ja, Herr, ich tue alles genau so wie du gesagt hast“, sondern Gottes Worte zu wiederholen und sie einzeln in unserem Leben durch zu buchstabieren. Vielleicht sind wir manchmal zu schnell und oberflächlich in unserem Gehorsam. Statt dessen sollten wir uns die Zeit nehmen, uns alles noch einmal Wort für Wort vor Augen zu führen und erst dann, Schritt für Schritt, an die Umsetzung zu gehen.

Exodus 35, 30 – 36, 7 Spezielle und allgemeine Berufung

In diesem Abschnitt geht es um die Kunsthandwerker, welche die Stiftshütte bauen sollen. Da werden auf der einen Seite zwei mit Namen genannt: Bezalel und Oholiab (36,1). Sie sind von Gott zu dieser Aufgabe berufen und mit den entsprechenden Gaben befähigt (mich würde ja interessieren, auf welche Weise Gott sie berufen hat – es wird aber nur berichtet, wie Mose diese Berufung im Namen Gottes ausgesprochen hat, 35,30).

Spannend ist nun, dass es nicht nur die direkt von Gott berufenen gibt, sondern dass sich auch Kunsthandwerker freiwillig erboten haben, beim Bau mitzuhelfen (36,2). Und auch ihnen hat Gott Weisheit ins Herz gegeben, auch sie hat er mit Gaben befähigt. Es gibt hier also eine Aufgabe, die zu tun ist, und dafür werden manche speziell herausgerufen. Es ist aber auch okay, dass sich andere freiwillig für diese Aufgabe melden. Beide Gruppen werden von Gott mit Weisheit beschenkt, um diese Aufgabe auszuführen.

Wenn es um Aufgaben im Reich Gottes geht, dann braucht es nicht immer eine besondere und außergewöhnliche Berufung durch Gott. Um mich einzubringen und mitzuarbeiten reicht meine Bereitschaft – auch dann darf ich darauf vertrauen, dass Gott mir die Gaben dazu schenkt. All zu leicht kann das Thema „Berufung“ zu einer faulen, auch noch fromm klingenden Ausrede werden: „Für diese Aufgabe hat mich der Herr nicht berufen, deswegen kann ich mich da nicht einbringen!“

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Exodus 35, 4-29 Freiwillig

In diesem Abschnitt geht es um Gaben für die Stiftshütte – sowohl materieller Art wie auch von Zeit und Fähigkeiten. Stark betont wird die Freiwilligkeit. „Erhebt von eurem Besitz eine Opfergabe für den Herrn, sodass einer jeder die Opfergabe für den Herrn freiwillig bringen.“ (V.5) Schon an dieser Formulierung wird deutlich, dass die Sache mit der Freiwilligkeit gar nicht so einfach ist. Damit die Stiftshütte gebaut werden kann, müssen möglichst viele ihre Gaben einbringen, es geht gar nicht anders – von nichts kommt nichts. Da ist durchaus ein gewisser Druck da – es ist schließlich das Gebot des heiligen Gottes, dass das Heiligtum so gebaut wird, wie er es befohlen hat. Zugleich wird jedoch die Freiwilligkeit betont. Jeder soll nur das geben, was er freiwillig gibt.

Das ist bis heute in jeder Gemeinde oder christlichen Gemeinschaft dasselbe: Wir sind darauf angewiesen, dass möglichst viele sich einbringen. Wenn sich jeder nur zurück lehnt und den anderen machen lässt, dann wird daraus nichts. Zugleich betonen auch wir heute immer wieder, dass alles freiwillig geschehen soll. Das steht in einer gewissen Spannung.

Man kann nun unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Manche möchten den Druck erhöhen, damit auch wirklich was passiert, damit wir den Ansprüchen Gottes gerecht werden. Ich selbst tendiere lieber zur anderen Seite: lieber weniger tun, als etwas zu erzwingen und nur mit schlechtem Gewissen zu tun. Der Sinn dieses Bibelabschnittes liegt ja gerade darin zu betonen, dass auf dieser Freiwilligkeit ein besonderer Segen liegt. Wenn allerdings nichts von freiwilligen Gaben zu sehen ist, dann muss sich eine Gemeinschaft fragen, ob nicht an anderer Stelle etwas im Glauben schief läuft…

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Exodus 35, 1-3 Vor aller Arbeit

Nachdem in den Kapiteln 25-31 genau beschrieben wurde, wie die Stiftshütte aussehen soll, wird nun in den Kapiteln 35-40 berichtet, wie die Israeliten das Wüstenheiligtum genau nach den Vorgaben hergestellt haben. Spannend ist: Vor aller Arbeit steht die Erinnerung an das Sabbatgebot. Gerade bei der Arbeit an der Stiftshütte ist wichtig, dass dieses Gebot eingehalten wird. Es geht dabei nicht nur um die Erholung für den Menschen, sondern um die Heiligung des Menschen.

Der Sabbat ist der Tag, an dem alle Arbeit ruht und sich der Mensch ganz auf Gott ausrichten kann. Der Sabbat ist ein Zeitraum, in dem der heilige Gott in besonderer Weise unter seinem Volk gegenwärtig ist und in dem sich das Volk in besonderer Weise auf Gott ausrichten kann. Wenn der Alltag geheiligt sein soll, dann braucht es diese Unterbrechung, dann braucht es die bewusste Auszeit für Gott.

Vor aller Arbeit – auch vor der Arbeit für Gott – steht das Schauen auf Gott, das Offensein für ihn, das Empfangen!

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Exodus 31 Die Gabe der künstlerischen Gestaltung

Das gefällt mir irgendwie: zum Abschluss der Bestimmungen zum Wüstenheiligtum wird betont, dass Gott die Handwerker „erfüllt mit dem Geist Gottes, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit aller Geschicklichkeit, kunstreich zu arbeiten…“ (V.4f). Es geht nicht nur um Zahlen, genaue Angaben und stumpfsinnige Erfüllung von Gottes Vorgaben, sondern es geht um künstlerische Gestaltung in der Kraft des Geistes Gottes. Es geht nicht nur um Funktion, sondern auch um Schönheit.

Gott gibt nicht nur den Auftrag für die Stiftshütte, sondern er gibt auch die Gaben, diese Aufgaben auszuführen. Davon dürfen wir auch heute ausgehen: Wenn Gott uns eine Aufgabe gibt, dann schenkt er uns auch die Fähigkeiten, diese Aufgabe zu erfüllen.

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Exodus 30 Das Beste für den König

Gääähn… Noch einmal ein Kapitel über das Heiligtum, über Altare, Geldabgaben für das Heiligtum, ein Reinigungsbecken, Salböl und Räucherwerk. Was soll das mit meinem heutigen Glauben zu tun haben? Ich hab kein Wüstenheiligtum…

Aber dann bin ich auf drei Begriffe gestoßen, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben: Gold (V.3), Weihrauch (V.34) und Myrrhe (V.23). Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Waren da nicht später auch mal einige Weise aus dem Morgenland, die dem König der Welt Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten (Mt.2,11)?

Ich denk mir: Ja, schon damals in der Wüste und damals im Stall von Bethlehem waren Menschen überzeugt, dass nur das Beste und Kostbarste gut genug für den König der Welt ist. Und ich frage mich: Was ist für mich das Beste und Kostbarste, das ich Gott zur Verfügung stellen kann?

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Exodus 27 Das Zelt der Begegnung

In diesem Kapitel wird das mobile Heiligtum der Israeliten zum ersten mal als „Zelt der Begegnung“ bezeichnet. Luther hat diesen Ausdruck in Anlehnung an eine „Stiftskirche“ als „Stifshütte“ übersetzt. Der wörtliche Ausdruck im hebräischen zeigt jedoch ganz gut die Bedeutung dieser Stiftshütte: Es ist ein Zelt in dem sich Gott und Mensch begegnen.

Die Israeliten unterschieden sich mit ihrem Heiligtum deutlich von anderen damaligen Religionen: Es war damals üblich, dass man im Heiligtum Götterstatuen aufstellte und diese Statuen auch anbetete. Israel hält sich da ganz zurück. Es befolgt das Gebot, dass es sich kein Bildnis machen soll von Gott. Das Zelt der Begegnung ist nicht an sich heilig. Es gibt keine Götterstatue darin. Auch die Bundeslade hat man sich nur als eine Art Fußschemel Gottes vorzustellen.

An diesem „Zelt der Begegnung“ wird deutlich, dass Gott viel größer und herrlicher ist, als wir uns das vorstellen können. Wir können ihn nicht in Statuen, Bilder oder menschliche Vorstellungen hineinpressen. Wir können höchstens ein „Zelt der Begegnung“ aufbauen und auf Gott warten. Wir können bereit sein, dem unsichtbaren, heilige und herrlichen Gott zu begegnen.

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