Apostelgeschichte 7, 54 – 8, 3 Das Evangelium breitet sich aus

Diskussionen über die Bedeutung von Gesetz und Tempel, sowie prophetische Gerichtsbotschaften gab es schon im Alten Testament. Alles was Stephanus bis jetzt gesagt hatte sorgte zwar für Ärger und Wut, wäre aber noch halb so schlimm gewesen für die Zuhörer. Aber als er nun sagt, dass er den Menschensohn (damit meint er Jesus) zur Rechten Gottes sieht, bringt er das Fass zum Überlaufen. Aus dem geordneten Prozess gegen ihn wird ein Aufruhr, der in Lynchjustiz endet.

Aber gerade diese dunkle Stunde wird zu einem entscheidenden Impuls für die Verbreitung des Evangeliums. Die griechisch sprechenden Judenchristen werden aus Jerusalem vertrieben und fliehen in das Gebiet von Judäa und Samarien. So beginnt sich die Verheißung von Apg. 1,8 zu erfüllen, dass die Christen Jesu Zeugen werden „in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“. Vielleicht kann Gott auch heute noch unsere dunklen Stunden nutzen, um uns zu Zeugen werden zu lassen…

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Apostelgeschichte 7, 44-53 Jetzt wird’s persönlich

Die Hauptanklagepunkte gegen Stephanus waren, dass er gegen „diese heilige Stätte“ (also den Tempel) und gegen „das Gesetz“ redet (7,13). Zunächst hat er sich in seiner Rede mit dem Überbringer des Gesetzes, mit Mose, beschäftigt. Jetzt geht es um den Tempel, den er ganz grundsätzlich kritisiert: Ein von Menschenhänden errichtetes Haus kann keine Wohnung Gottes sein. Mit dieser Kritik bewegt er sich auf dem Boden der alttestamentlichen Tradition. Schon da gab es von verschiedenen Propheten grundsätzliche Kritik am Tempel. Dann wird es persönlich: im Stil eines alttestamentlichen Propheten kritisiert er seine Zuhörer als halsstarrig und verstockt. So wie ihre Vorfahren die Propheten getötet haben, so töteten sie nun Jesus, den von den Propheten angekündigten Gerechten.

Ich hab mich an der Stelle gefragt, ob diese harten Worte wirklich hilfreich und klug waren. Durch die heftigen Angriffe wird Stephanus niemand vom Hohen Rat überzeugen – im Gegenteil: der Hass wird sich nur verstärken. Und auch seine eigene Lage hat Stephanus damit nicht gerade verbessert. Taktisch klüger wäre ein Zurückziehen auf die gemeinsamen Wurzeln gewesen. „Wir glauben doch alle an denselben Gott…“  Was ja auch stimmt: Jesus hat keinen anderen Gott als den des Alten Testaments verkündigt. Aber an der Person Jesus scheiden sich bis heute die Geister. Stephanus hat diese Konfrontation nicht von sich aus gesucht – das ist wichtig. Soweit es an uns liegt, sollen wir versuchen mit allen – auch Andersgläubigen – im Frieden zu leben. Aber wenn Jesus in Frage gestellt wird, dann stehen wir vor der Entscheidung, ob wir ihn bekennen oder verleugnen.

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