Römer 11, 33-36: Ein unbegreiflicher Gott

Wenn ich Gottes Wege nicht immer begreifen kann, dann habe ich zwei Möglichkeiten: Ich kann entweder daran verzweifeln oder ich kann über die Größe und Unerforschlichkeit Gottes staunen. Ich kann mir entweder wünschen, dass Gott kleiner wird und für mich und meine menschliche Logik besser verstehbar wird. Oder ich kann gerade dafür dankbar sein, dass Gott größer ist als meine menschliche Vorstellungskraft und ihn dafür rühmen. Paulus entscheidet sich hier für das zweite.

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1. Timotheus 3, 14-16 Das Geheimnis des Glaubens

Ein Geheimnis ist normalerweise etwas, das man verborgen halten möchte, etwas, das man nicht ausplaudern sollte. Mit dem Geheimnis des Glaubens ist es anders. Seit Jahrhunderten verkündigen wir es in der ganzen Welt: Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, gestorben, auferstanden und zurück gekehrt in die himmlische Herrlichkeit. Das blöde ist nur, dass so wenige wirklich etwas von diesem Geheimnis erfahren wollen. Sie denken, sie kennen es schon und sie denken, es hätte keine Bedeutung für sie.

Aber ich brauche nicht auf andere zu zeigen: Habe ich selbst das Geheimnis des Glaubens richtig verstanden, in seiner Tragweite und Bedeutung richtig erfasst? Nein, auch ich bin noch auf dem Weg, auch ich habe nur eine kleine Ahnung von diesem wunderbaren Geheimnis des Glaubens, auch für mich ist es noch rätselhaft und unbegreiflich. Was bedeutet dieses Geheimnis in seiner Fülle für mich und meinen Glauben? Es bleibt ein lebenslanges Entdecken und Staunen.

Ach und übrigens: die Christen, die meinen sie hätten schon alles verstandenund jedes göttliche Geheimnis gelüftet, die gehen mir gehörig auf die Nerven…

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Josua 2 Erstaunliche Geschichte

Immer wieder erstaunlich diese Stelle! Verwunderlich ist nicht so sehr, dass die Kundschafter sich in Jericho gerade das Haus einer Hure aussuchen. Das ist durchaus logisch: bei einer Prostituierten fällt es nicht weiter auf, wenn Fremde aus- und eingehen. Hier waren offensichtlich taktische Überlegungen wichtiger als moralische Hindernisse. Erstaunlich ist aber, wie die Frau auf die israelitischen Kundschafter reagiert, mit welcher Überzeugung, mit welchem Glauben und mit welchem persönlichen Einsatz sie die Kundschafter vor der Obrigkeit rettet. Erstaunlich auch, dass gerade sie – eine kanaanäische Frau mit zweifelhaftem Beruf – später im Stammbaum Jesu auftaucht (Mt.1,5)! Erstaunlich, dass sie überhaupt zu der Erkenntnis kommt, dass der Gott Israels stärker ist, als ihr eigener Gott – obwohl sie den Gott Israels nur vom Hörensagen kennt.

Erstaunlich, wie unser Gott so manches mal auf krummen Linien gerade schreiben kann!Erstaunlich dieser Gott, der sich immer wieder unseren frommen Mustern und Vorstellungen entzieht und so ganz anders ist, als wir das erwarten.

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Die Reha – müde

Gut dass bald Wochenende ist. Mein Körper ist müde und erschöpft. Für jemand, der sonst viel Zeit am Schreibtisch sitzt und zu wenig Sport macht, ist das Programm hier doch recht anspruchsvoll. Aber ich merke auch wie es mir gut tut. Mein Fuß macht weiter Fortschritte, wenn auch nicht mehr in dem Tempo, wie in der ersten Woche. Die Wade schmerzt nicht mehr, dafür spüre ich ganz unten an der Ferse den Ansatz der Muskeln. Ganz ohne Schmerzmittel geht es noch immer nicht.

Auf das Wochenende freue ich mich. Ich darf von Samstag auf Sonntag nach Hause – Halbzeitpause! Danach noch zwei Wochen. Ich freu mich auf meine Familie, die gewohnte Umgebung und auch den Pfingstgottesdienst, bei dem ich einfach nur als Gast dabei sein darf!

Machmal blitzt bei mir noch immer ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit auf, ein inneres Staunen darüber, dass ich lebe und dass ich diesen Tag erleben darf. Ich hoffe, dass ich mir dieses Staunen und diese Dankbarkeit auch ein Stück weit im Alltag bewahren kann. Jeder Tag den wir erleben dürfen ist ein Wunder und ein Geschenk Gottes. Das vergessen wir viel zu schnell.

Psalm 76 – Furchtbarer Gott

Drei mal wird Gott in diesem Psalm als „furchtbar“ bezeichnet (V.8.12.13). Natürlich ist uns sofort klar, dass es hier nicht um eine erschreckende und angsteinflössende Furcht geht, sondern um die Ehrfurcht. Und natürlich ist es falsch und schrecklich, wenn Menschen im Namen Gottes Angst gemacht wird, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Glaube soll nicht Angst machen, sondern von Angst und Furcht befreien. Mit diesen Gedanken können wir uns dann wieder entspannt zurück lehnen und uns in Gottes barmherziger Liebe sonnen… 😉

Aber sind wir nicht manchmal zu schnell dabei, die „Furcht“ aus unserem Glauben zu streichen? Auch in der Ehrfurcht steckt noch die Furcht drin. Wo bleibt das erschrockene Staunen über Gott, der so mächtig und unbegreiflich ist, dass es fast schon unheimlich ist? Wo bleibt das Kribbeln in der Begegnung mit dem Geheimnisvollen und Göttlichen? Wo bleibt das aufgeregte Zittern, wenn wir vor dem König der Welt stehen? Mir fällt dazu ein christliches Kinderlied ein: „Aber der Herr ist immer noch größer, größer als ich denken kann.“ – Ich hab Gott nie „im Griff“. Ich kann ihn nicht klein falten mit meiner menschlichen Theologen-Logik. Er bleibt immer ein Stück weit größer. Und er bleibt immer auch ein Stück weit „furchtbar“.
Bibeltext

Entlarvter Zynismus

Falls ihr’s nicht schon längst gesehen habt, schaut euch das an! Unbedingt! Die Schottin Susan Boyle bei der britischen Talentshow „Britains got Talent“:

Unglaublich! Hab vorher irgendwo gelesen, dass sie mit ihrer Stimme Menschen zu Tränen rührt und gedacht: Naja! Etwas übertrieben! Jetzt muss ich sagen: Nein! Nicht übertrieben!

Klasse sind auf dem Video die Gesichter der Jury (ungläubiges Kopfschütteln, ehrfürchtiges Staunen, glückliches Strahlen,…) und die begeisterte Reaktion des Publikums. Da hat jeder instinktiv gemerkt, dass hier was ganz großes passiert. Bemerkenswert auch die Aussagen der Jury am Schluss. Die Frau in der Jury meinte dazu: „Ich weiß dass alle gegen dich waren. Ich denke ehrlich, dass wir alle sehr zynisch waren und das war der größte Weckruf aller Zeiten.“

Schön, wenn ab und zu im Fernsehen auch der ganze Zynismus und die Fixiertheit auf Äußerlichkeiten entlarvt wird. Und das betrifft ja nicht nur das Showbuisness, das betrifft uns ja alle. Lass dich auf aufwecken und schau hinter die Oberfläche!

(Hier auch der Youtube-Link – aus irgendeinem Grund ist es nicht erlaubt, das Video von Youtube aus einzubetten)