John Williams: Stoner

Williams: StonerIst dieser Roman jetzt deprimierend oder faszinierend? Einerseits ist diese Lebensgeschichte eines Literaturprofessors eine Geschichte voller Enttäuschungen und unerfüllter Träume. Nichts läuft in diesem Leben so richtig gut. Man leidet als Leser mit dieser tragischen Hauptperson. Andererseits hat dieser nüchterne Bericht auch eine eigenartige Faszination. Die Hauptperson lässt sich nicht kleinkriegen und man ist als Leser beeindruckt von seiner Stärke. Auch wenn in dem Roman nichts außergewöhnliches geschieht, versteht es der Autor so zu schreiben, dass man als Leser dran bleiben möchte.

Der Roman ist schon älter, er wurde 1965 von dem amerikanischen Literaturprofessor John Williams veröffentlicht. Allein schon der Beruf verät, dass in dem Buch wohl auch manch autobiographische Erlebnisse verarbeitet wurden. Es liegt eine gewisse passende Tragik darin, dass der Roman zunächst nicht groß beachtet wurde und erst Jahre nach dem Tod von Williams (1994) wieder entdeckt wurde und inzwischen zu einem Welterfolg wurde. Es gibt inzwischen zahllose begeisterte Rezensionen zu diesem Buch. Nur hat der Autor nichts mehr von dieser späten Anerkennung… John Williams: Stoner weiterlesen

Apostelgeschichte 27, 13-44 Der ruhende Pol

Ja, so sollte es eigentlich sein – auch heute noch. In einer stürmischen Welt, in der wir die Orientierung verloren haben, sollten die Christen der ruhende Pol sein, der auch den anderen Hoffnung schenkt. Aufgrund der Verheißung Gottes kann Paulus mitten im Sturm gelassen bleiben und andere trösten. Er gibt Hoffnung und ganz automatisch fangen die anderen an, ihm mehr und mehr zu vertrauen.

Das wäre schön, wenn wir Christen auch heute noch so leben und so wahrgenommen werden könnten. Als Menschen die auch im Sturm eine Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlen, die nicht von dieser Welt kommen kann. Als Menschen die sich gehalten wissen von einer Macht, die stärker ist, als jeder irdische Sturm. Als Menschen die aufgrund ihres ruhigen Handelns und Redens auch andere aus dem Sturm retten.

| Bibeltext |

Lukas 22, 54-62 Felsenfest

Zu der Verleugnung des Petrus habe ich am letzten Sonntag gepredigt. Ein wichtiger Gedanke für mich war, dass gerade das Versagen der Verleugnung und die spätere Erfahrung, dass Jesus Christus ihn dennoch annimmt, den Petrus zum Fels der Gemeinde gemacht haben. Jesus hat dem Simon ja den neuen Namen Petrus (griechisch für „Fels“) gegeben und verheißen, dass er auf diesen Fels seine Gemeinde bauen will. Petrus hat durch sein Versagen in der Verleugnung nun ganz deutlich gemerkt und bitter lernen müssen, dass er dieser Fels der Gemeinde nicht aus eigener Kraft sein kann. Dieser Fels kann er nur als begnadigter Sünder sein.

Das gilt auch für andere Christen: Stark im Glauben macht uns nicht unsere eigene Kraft und Glaubensstärke, sondern die bittere Erfahrung unseres Scheiterns und die Erfahrung von Gottes vergebender Liebe. Felsenfest auf Jesus stehen wir nur, wenn unsere eigene Selbstsicherheit gründlich erschüttert wurde und wir ganz existentiell merken, wie tief wir von Gottes Gnade und Kraft abhängig sind.

| Bibeltext |

Exodus 15, 1-21 Barmherzigkeit und Stärke

In diesem Lobpsalm des Mose über die erfahrene Rettung durchs Meer ist mir vor allem V. 13 aufgefallen: „Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast, und hast sie geführt durch deine Stärke zu deiner heiligen Wohnung.“ Gott wird hier als barmherzig und zugleich als stark bezeichnet. Beides zugleich!

Es ist wichtig, dass wir beides festhalten. Gott ist nicht nur der Barmherzige, der mit allen Leidenden mitleidet, nein er ist auch der Starke, der die Macht und Kraft hat zu helfen. Gott ist nicht nur der Starke, der seinen Willen ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen kann, sondern er ist auch derjenige, der Barmherzigkeit übt, der die Schwäche der Leidenden versteht. Wenn wir nur den barmherzigen Gott sehen, dann wird daraus ein Schlappschwanz, wenn wir nur den starken Gott sehen, dann wird daraus ein Despot. Aber Gott vereinigt auf wunderbare Weise beides: Barmherzigkeit und Stärke.

| Bibeltext |

Epheser 3, 14-17 Macho-Christentum

Zwei Dinge sind mir in diesem Text aufgefallen. Das Erste: es geht um innere Stärke (V.16: „…stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen…“). Die entscheidende Stärke ist also nicht eine äußerliche, sondern eine innerliche (die äußerliche zunächst einmal gar nicht sichtbar sein muss). Wir leben in einer Welt, in der v.a. äußere Stärke zählt. Zu dieser äußerlichen Stärke gehört nicht nur Muskelkraft, sondern auch solche Dinge wie: Selbstbewusstsein, gutes Aussehen, Redegewandtheit, materielle Statussymbole, usw.

Leider schauen auch wir Christen oft auf Äußerlichkeiten: Erfolgreiche Gemeinden, die in schicken Gemeindehäusern mit allem technischen Schnickschnack ihre minutiös geplanten Gottesdienste performen, oder selbstbewusste Christen, die mit gewinnendem Vertreterlächeln von ihrem siegreichen Leben in Christus berichten, oder überzeugende und redegewandte Prediger, die allein schon durch ihre Ausstrahlung begeistern, usw. Zugespitzt gesagt: das ist Macho-Christentum. Aber um dieses äußerliche Machogehabe geht es nicht, es geht um innere Stärke. Um das nicht so Offensichtliche. Um die Stärke, die auch dann noch da ist, wenn äußerlich alles zu Ende scheint.

Das zweite, was mir an dem Text aufgefallen ist, ist die Grundlage für diese innere Stärke: Eingewurzelt und gegründet sein in der Liebe (V.17). Ein schönes Bild! Es kann sein, dass ein Baum nach außen hin kümmerlich und unscheinbar aussieht, dass er aber tiefe Wurzeln hat, dass er sich mit aller Kraft in das Erdreich klammert und die Stürme des Lebens ihn nicht entwurzeln können. So soll es sein! Diese Verwurzelung macht einen Menschen wirklich stark.

| Bibeltext |

Jeremia 9, 11-25 Angeber

Aus gegebenem Anlass darf ich heute ein bisschen angeben 😉 :

„Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.“ (V.22-23)

Nicht dass ich denke, dass ich Gott wirklich im umfassenden Sinne „kenne“. Es geht hier mehr um das anerkennen. Und wer das tut, der ist ganz schön schlau. Viel schlauer als alle, die sich auf ihre eigene Klugheit, Stärke und Reichtum verlassen…
Bibeltext

Psalm 92 – Der singende Baum

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Ein wundervolles Bild, das da in den Versen 13-16 entfaltet wird. Wer Gott vertraut ist wie ein Baum, der auch im Alter noch blüht, fruchtbar und frisch ist. Das Foto oben stammt aus unserem Urlaub in England. Dieser Baum hat mich beeindruckt. Was für eine Kraft, Schönheit und Stärke dahinter steht. Als einziger Baum hat er sich halten können. Als einziger Baum streckt er sich dort oben dem Himmel entgegen. Vom Wind gebeugt und nicht mehr ganz der Jüngste – und trotzdem ist er frisch und grün. Trotz schwieriger Bedingungen lebt er und lobt allein schon dadurch Gottes gute Schöpfung. Ich hör ihn förmlich singen: „Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen.“ (V.2-3)
Bibeltext

Psalm 18, 38-51 – Göttliches Doping

Mit diesen Hass-Tiraden gegen irgendwelche Feinde des Beters kann ich wieder mal wenig anfangen. Da schimmert eine fremde Welt durch, die sich doch deutlich von meiner Welt unterscheidet, ein fremdes Denken, das ich heute nicht mehr in dieser Tiefe nachvollziehen kann. Ich hab einfach keine Feinde, die mein Leben existentiell bedrohen, ich hab keine Feinde die mir nach dem Leben trachten.

Aber ich hab vielleicht andere Feinde, die mein Leben kaputt machen wollen. Ich spüre auch so manches mal Hass in mir, mit dem ich versuchen muss umzugehen. Ein Satz der mir in diesem Abschnitt des Psalms besonders aufgefallen ist, ist V.40: „Du rüstest mich mit Stärke zum Streit.“ Nicht immer ist es so, dass Gott einfach den Weg freimacht und er die Feinde aus dem Weg räumt. Nicht immer ist es so, dass wir auf wunderbare Weise durch’s Meer gehen können und die Feinde ertrinken darin. Manchmal lässt Gott den Kampf zu. Auch mit Gott werden wir mit Feinden des Lebens konfrontiert. Auch Christen haben zu kämpfen. Die Hilfe Gottes besteht dann nicht darin, dass er alle Probleme einfach aus dem Weg räumt, sondern darin, dass er uns die Stärke gibt, damit umzugehen.

Ich hät’s ja gern einfacher und bequemer. Ich mag keine Konflikte. Wann immer es möglich ist, weiche ich dem Streit aus. Vielleicht sollte ich nicht so oft darum beten, dass Gott Probleme aus dem Weg schafft, sondern darum, dass er mir Kraft zum Kampf gibt… ?
Bibeltext

2. Korinther 12, 1-10 – Ein Schwächling

Um so schwach zu sein wie Paulus muss man ganz schön stark sein. Das ist ja eine paradoxe Sache. Paulus sieht sich selbst als schwach: Damit meint er sich als ganz normaler natürlicher Mensch. Er weiß, dass er in den Augen der Welt kein besonders toller Hecht ist. Er weiß, dass er kein begnadeter Rhetoriker ist, wie manche andere. Er kennt nur zu gut seine körperliche Schwäche, die ihn immer wieder plagt (V.7: Pfahl im Fleisch). Er weiß: er kann nichts. Wenn er etwas zustande bringt, dann nur durch die Kraft Gottes.

Gerade in diesem Vertrauen liegt seine Stärke. Es ist nicht einfach, sich selbst aufzugeben, nichts selbst machen zu wollen, sondern in allem nur auf Gott zu vertrauen. Es ist nicht einfach, weiter auf Gott zu vertrauen, selbst wenn Gebete nicht erhört (zumindest nicht so wie sich das auch ein Paulus gewünscht hat: Er wäre seinen „Pfahl im Fleisch“ auch gern losgeworden – aber Gott wollte nicht…).

Nach außen hin Stärke zu demonstrieren ist auch heute noch einfacher, als vor anderen seine Schwäche einzugestehen. Schwach sein kann ganz schön weh tun. Schwach sein macht angreifbar. Die Schwächlinge sind schon in der Schule ein beliebtes Opfer…

1. Korinther 16, 5-24 – Mehr Mut!

Hier finden wir einige Schlussbemerkungen, mit denen Paulus seinen Brief beendet. Ganz besonders angesprochen hat mich V. 13: „Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!“ Besonders diese Aufforderung mutig und stark zu sein, finde ich klasse. So ganz lapidar und selbstverständlich fordert Paulus uns dazu auf. Mut und Stärke – das sind zwei Dinge, die mir viel zu oft fehlen. Viel zu oft bin ich ängstlich („Was denken wohl die anderen über mich?“) oder jammere herum („Warum tut Gott den nichts und warum bin ich so unzufrieden?“).

Wir Christen sind heute oft viel zu weit entfernt von dem Mut und der Stärke, die ein Paulus hatte und die wir bei Jesus sehen. Wir wählen viel zu schnell die sichere Variante und haben Angst vor Risiko. In der Gemeinde machen wir die Dinge am liebsten so, wie wir sie immer schon gemacht haben – denn bei allem anderen weiß man ja nicht, was herauskommt (bei dem Bekannten weiß man immerhin, dass wenig herauskommt 😉 ). Jawohl: Mehr Mut und mehr Stärke! Mehr Risiko und weniger Jammern! … Jetzt brauch ich nur noch jemanden, der das auch umsetzt…