Apostelgeschichte 2, 1-13 Stürmischer Windhauch

Wie der Name meines Blogs ja schon aussagt, erlebe ich Gott eher als ein „stilles, sanftes Sausen“ (1.Kön.19,12) – wie ein leiser Windhauch. Aber Gott kann sich auch in einem „Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind“ (Apg.2,2) zeigen. „Wind“ ist im hebräischen das gleiche Wort wie Geist. Gottes Geist wirkt oft leise und unscheinbar. Er kann aber auch mächtig und stürmisch wehen. So wie die Jünger das damals beim ersten Pfingstfest erlebt haben.

Ich wünsche mir manchmal, dass ich Gottes Geist deutlicher spüre, dass sein Windhauch kräftiger durch mein Leben weht. So dass es auch andere deutlich sehen und davon „begeistert“ sind. Allerdings stelle ich beim Lesen dieses Textes auch fest, dass dieses gewaltige Brausen allein und dieses deutliche Wunder, dass Menschen in anderen Sprachen geredet haben bei den Zuhörern nur Entsetzen, Verwunderung und Ratlosigkeit hervor gebracht haben (V.7 und 12). Anstatt in das Lob Gottes einzustimmen, fingen sogar viele an über die Christen zu spotten (V.13). Selbst an Pfingsten zeigt sich (was ja auch bei Jesus selbst immer wieder sichtbar wurde): Wunderhafte Zeichen alleine führen nicht zum Glauben. Aber ab und zu ein kleines (oder großes) Wunder selbst zu erleben, tut dem schon vorhandenen Glauben ganz gut…

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Hesekiel 35 Bruderzwist durch Jahrhunderte hindurch

Überraschenderweise folgt hier noch einmal ein Gerichtswort über ein Nachbarvolk der Israeliten: und zwar über die Edomiter. Gerichtsworte über andere Völker wurden eigentlich schon in den Kap. 25.32 zusammengefasst. Das hat wohl zum einen kompositorische Gründe: dieses Kapitel dient als negative Folie für die folgenden Verheißungen an Israel (Kap. 36).

Es hat wohl auch damit zu tun, dass Israel Edom als Brudervolk sah und durch seinen Spott und Hass nach dem Untergang Jerusalems besonders betroffen war. Die Edomiter galten als Nachkommen Esaus, dem Bruder Jakobs. Jakob war der Stammvater der Israeliten. Durch die Jahrhunderte hindurch gab es immer eine besondere Konkurrenzsituation zwischen diesen beiden Völkern.

Nachdem Juda von Babylonien erobert wurde, hofften die Edomiter selbst daraus Kapital schlagen zu können und ihre Macht auszubauen. Daraus wurde allerdings nichts. Sie sind selbst abhängig von anderen Großmächten geblieben (zunächst von den Neubabyloniern und dann von den Persern) und schließlich im 4. Jh. v. Chr. von den Nabatäern verdrängt worden.

Wenn es wirklich so ist, dass die Edomiter Nachkommen von Esau waren, dann ist es erstaunlich und erschreckend, wie sich die Probleme zwischen den Brüdern Jakob und Esau durch die Jahrhunderte hindurch fortsetzen. Wer weiß, wie die Geschichte weiter gegangen wäre, wenn sich Jakob und Esau wirklich versöhnt hätten und nicht nur aus dem Weg gegangen wären…

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Psalm 115 – Gegen den Augenschein

Spott über den Gott der Bibel gab es zu allen Zeiten. Auch vor tausenden von Jahren. Allerdings nicht von Atheisten, sondern von Andersgläubigen. Der Psalm wurde wahrscheinlich in der Zeit des babylonischen Exils geschrieben. Ganz offensichtlich hatte damals der Gott der Bibel seinem Volk nicht geholfen und die Götter der Babylonier haben sich als mächtiger erwiesen. Klar, dass dann über den Gott Israels gespottet wird.

Der Psalm sagt, dass es nicht um die Israeliten geht, dass der Spott nicht sie selbst trifft, sondern Gott. Deswegen soll Gott nicht uns die Ehre geben, sondern zeigen, dass er selbst mächtig ist, dass er selbst seinem Namen Ehre gibt (V.1). Auch wenn es nicht so aussieht, auch wenn es scheint als ob der Gott der Bibel nicht so mächtig ist, hält der Psalm an Gottes Macht fest: Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen was er will. (V.3)

Das ist Glaube: Vertrauen auf Gott – auch gegen den Augenschein. Die Israeliten hätten ja irgendwann auch sagen können: „Ne, das war’s jetzt! An solch einen Gott kann ich nicht mehr glauben!“ Und wenn man anschaut, was Israel im Lauf der Jahrhunderte alles durchmachen musste, dann wäre es durchaus verständlich gewesen. Und doch glauben die Juden bis heute an den Gott der Bibel. Und es ist dann auf der anderen Seite auch erstaunlich, dass es dieses Volk bis heute immer noch gibt, dass selbst ein hasserfüllter, skrupelloser und bösartiger Verrückter im 20. Jh. es nicht geschafft hat, dieses Volk auszurotten. Als ob da jemand seine Hand darüber hält…
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Matthäus 27, 31-44 – Der verhöhnte Gott

Christus am KreuzIn Mt. 26,53 sagt Jesus noch: „Meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte?“ Ja, er hätte das ganze leicht vermeiden können, aber er tat es nicht. Er lässt sich ans Kreuz nageln, er lässt sich verhöhnen und verspotten. Die „Zuschauer“ schütteln die Köpfe und lästern über ihn: „Wie kann man nur mit solch einem Anspruch auftreten? Sohn Gottes?! Selbst schuld, wenn er für diesen Größenwahn jetzt sterben muss!“ Die religiösen Anführer verspotten ihn: „So, der will also der König von Israel sein? Soll er doch runterkommen vom Kreuz und den Thron besteigen! Wenn er wirklich Gottes Sohn wäre, dann würde Gott ja spätestens jetzt eingreifen!“ Und selbst die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren, verschmähen ihn: „Wo ist jetzt deine Macht?! Wo bleiben jetzt die Zeichen und Wunder, von denen du angeblich so viele getan hast? Warum kannst du dir selbst und uns nicht helfen?“

Was ist das für ein Gott, der all das über sich ergehen lässt? Der tatenlos zusieht, wie sein Sohn ermordet wird und wie er lächerlich gemacht wird? Was ist das für ein Gott, der sich so demütigen lässt, der so schwach wird, dass alle auf ihm herum trampeln? Hätte er nicht mit einem Fingerschnipsen alles beenden können? Ja – hätte er können! Er tat es aber nicht. Muss ihm wohl wichtig gewesen sein, dass Jesus am Kreuz für uns starb! Sehr wichtig!

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Foto: Havlena / pixelio.de