Römer 15, 22-33: Gemeinschaft genießen

Mich hat bei diesem Abschnitt besonders angesprochen, dass Paulus sich auf die Gemeinschaft mit den Christen in Rom freut, weil er damit rechnet, dass er dadurch „erquickt“ wird (V.24). Die Elberfelder Bibel, die ja recht wörtlich übersetzt, spricht an dieser Stelle davon, dass Paulus die Christen in Rom „genießen“ will. Die Gute Nachricht übersetzt, dass Paulus sich an der Gemeinschaft „stärken“ will. Ja, so sollte christliche Gemeinschaft sein: dass wir es genießen können, dass wir dadurch erquickt und gestärkt werden.

Solche Erfahrungen hat sicher schon jeder Christ gemacht. Aber es gibt eben auch anderer Erfahrungen in der christlichen Gemeinschaft. Das ist nichts Neues, das war bei Paulus schon so. Vorsichtig deutet er in V.31 an, dass er hofft, dass sein Dienst den Heiligen (als den Christen) in Jerusalem willkommen sei. Da merken wir, dass es da wohl Spannungen gibt und die Beziehung nicht unbelastet ist. Wir brauchen uns da nichts vormachen, es wird immer beides geben: christliche Gemeinschaft, die uns stärkt und die wir gerne genießen, aber auch christliche Gemeinschaft, die belastet ist und nicht immer einfach ist.

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Römer 15, 7-13: Eine unmögliche Möglichkeit

Paulus kommt hier zum Abschluss seiner Gedanken zu den Starken und Schwachen im Glauben. Er spricht hier von Juden(christen) und Heiden(christen), was darauf hindeuten könnte, dass die Spannungen zwischen Starken und Schwachen ihren Ursprung im Miteinander von Heidenchristen und Judenchristen hatten. Zugleich verweist Paulus damit an den Beginn seines Briefes in 1,16: Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, welche Juden und Griechen (= Heiden) selig macht.

Diese grundsätzliche Aussage ist auch heute noch eine große Herausforderung für uns: Einander so annehmen, wie Christus uns angenommen hat. Andererseits ist sie eigentlich selbstverständlich. Wie könnte jemand, der die Annahme Christi und die Kraft des Evangeliums selbst erlebt und erfahren hat, den Bruder oder die Schwester, die dasselbe erleben durften, nicht annehmen? Wie sollte jemand, der die Liebe Christi erfahren hat, sich weigern in dieser Liebe auch anderen zu begegnen? Eigentlich eine unmögliche Möglichkeit – und doch geschieht gerade das viel zu oft…

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Römer 8, 18-25: Schon jetzt und noch nicht

Paulus scheint in diesem Abschnitt klar geworden sein, dass er nicht nur triumphalistisch das „schon jetzt“ der Kinder Gottes betonen kann, sondern dass auch das „noch nicht“ zur Sprache kommen muss. Wer als Kind Gottes lebt, bei dem hat etwas grundsätzlich Neues angefangen. Aber zugleich stellen wir fest, dass wir noch nicht am Ziel angekommen sind. „Wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung“ (V.24). Wir leben noch immer in einem vergänglichen Leib und nicht in der Vollendung der Herrlichkeit. Wir seufzen und ängstigen uns noch mit der restlichen Schöpfung, weil wir noch nicht endgültig am Ziel sind.

Mir hilft dieser Abschnitt, weil er deutlich macht, dass auch ein Leben als Christ noch ein Leben in Spannungen ist und ein Leben in der Vorläufigkeit. Nicht weil ich mir dieses spannungsvolle Leben so wünsche, sondern weil es ganz einfach meiner erlebten Realität entspricht. Da ist auf der einen Seite die Freude über das was Jesus für mich getan hat und was sich durch den Glauben in meinem Leben schon verändert hat. Da ist aber auf der anderen Seite auch das Seufzen über Unvollkommenheit, Vergänglichkeit und Vorläufigkeit. Beides gehört zu meinem Christsein dazu.

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Römer 4, 1-12: Wer hat Recht – Paulus oder Jakobus?

Paulus begründet seine Sicht der Rechtfertigung aus Glauben mit dem Hinweis auf den Urvater des Glaubens: Abraham. Für Paulus folgt aus Gen. 15,6 eindeutig, dass Abraham aus Glauben und nicht wegen seiner Werke vor Gott gerecht wurde. Diese Aussage wird über Abraham schon vor seiner Beschneidung (Gen. 17,10-27) und auch vor seiner schweren Glaubensprüfung, als er Isaak opfern soll (Gen. 22), gemacht. D.h. schon vor allen Werken wurde Abraham durch Glauben gerecht.

Soweit so gut. Das ist logisch nachvollziehbar. Schwierig wird es jetzt nur, wenn wir diesen Text mit dem Jakobusbrief vergleichen. Dort spricht Jakobus auch über Abraham und schaut sich genau denselben Text an (Gen.15,6) – kommt aber genau zu der gegenteiligen Erkenntnis: „Ist nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerecht geworden?“ (Jak.2,21) Hier wird in der Bibel ein biblischer Text von zwei biblischen Autoren unterschiedlich ausgelegt. Wer hat nur Recht? Wie gehen wir damit um?

Man kann natürlich versuchen zu harmonisieren. Viele die sich bibeltreu nennen, meinen der Bibel gegenüber besonders treu zu sein, wenn sie solche Spannungen auf Biegen und Brechen harmonisieren. Das ist an dieser Stelle nicht einfach, aber kann man durchaus versuchen. Eine andere Möglichkeit ist, Luther zu folgen: Er hat sich hier ganz klar auf die Seite des Paulus positioniert. Für ihn war es ein klarer Widerspruch. Er sah die Meinung des Paulus sehr viel näher an Jesu Lehre als die Meinung des Jakobus (deswegen nannte er den Jakobusbrief auch eine „stroherne Epistel“ und setzte ihn ganz an das Ende des neutestamentlichen Kanons).

Ich tendiere zu einer dritten Möglichkeit: Es gibt für viele biblische Stellen nicht die eine allein richtige Auslegung, die unabhängig von Zusammenhang, Fragestellung, zeitgeschichtlichem Hintergrund, kulturellem Hintergrund und persönlicher Perspektive gültig ist. Man kann denselben Bibeltext durchaus unterschiedlich auslegen – so wie es hier Paulus und Jakobus getan haben. Damit meine ich nicht, dass man Bibeltexte beliebig auslegen kann. Es ist bei jedem Lesen wichtig zu fragen, was denn der Text ursprünglich sagen will. Aber im einzelnen kann man dann durchaus zu verschiedenen Ergebnissen kommen – das schmälert die Autorität der Bibel nicht, sondern bereichert sie.

An dieser Stelle finde ich die Auslegung des Paulus die grundsätzlichere und wichtigere. Hier kann man durchaus mit Luther argumentieren, dass hier besser deutlich wird, „was Christus treibet“, d.h. was im Sinne Christi ist. Jakobus hat Abraham von einem anderen Zusammenhang her betrachtet, aus einer speziellen Perspektive. Er hatte es wohl mit Christen zu tun, die es sich all zu bequem in ihrer Glaubensgerechtigkeit eingerichtet haben und denen Werke wohl völlig egal waren. Von diesem Hintergrund her betont er, dass bei Abraham neben dem Glauben auch die Werke wichtig waren. Aber wie gesagt: wir sollten die Spannung zwischen Paulus und Jakobus nicht all zu schnell glatt bügeln. Unterschiedliche (aber nicht beliebige!) Verstehensweisen desselben Textes gehören schon in der Bibel ganz selbstverständlich dazu.

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Johannes 20, 1-10 Zwei Jünger

Auch dieser Bericht steckt, wie im Johannesevangelium typisch, voller Symbolik. Vor allem die Beziehung zwischen den beiden Jüngern, die zum Grab laufen ist interessant. Der eine ist Petrus, der andere wird nicht mit Namen genannt. Petrus war schon zu Lebzeiten Jesu so etwas wie der Anführer und Sprecher der zwölf Jünger. An verschiedenen Stellen in den Evangelien wird das deutlich. Aufgrund dieser Stellung wurde er auch in der Urchristenheit als maßgebliche Autorität anerkannt. Der andere Jünger scheint für die Adressaten des Evangeliums eine besondere Rolle zu spielen. Auf sein Zeugnis beruft sich das Evangelium, er wird aber nicht eindeutig identifiziert.

In dieser kurzen Begebenheit wird nun eine Verhältnisbestimmung zwischen den beiden Jüngern ausgedrückt. Beide laufen zu offenen Grab, aber der unbekannte Jünger ist schneller, er ist vor Petrus am Grab und schaut hinein. Aber er lässt Petrus den Vortritt. Er erkennt die Autorität des Petrus an. Besonders auffällig ist dann, das von dem unbekannten Jünger gesagt wird: er „sah und glaubte“ (V.8). Schon bevor er den Auferstandenen gesehen hatte, findet er den Glauben. Damit wird seine besonders enge Beziehung und sein starkes Vertrauen auf Jesus ausgedrückt. Im Johannesevangelium wird dieser Jünger zu einem besonderen Glaubensvorbild – ohne dass damit die Autorität des Petrus in Frage gestellt wird.

Interessant dass schon in dieser frühen Zeit die Frage nach Amt und Autorität aufkam. Die Stellung des Petrus war in der Urchristenheit eine besondere. Jesu hat ihn quasi offiziell an Leiter der Zwölf eingesetzt. Trotzdem gab es andere Nachfolger, die „schneller“ im Glauben waren. Das hat wohl schon früh zu Spannungen geführt. Aber das Johannesevangelium macht deutlich: Das muss kein Widerspruch sein. Wer einen großen Glauben hat, kann auch gelassen einer Amtsperson den Vortritt lassen.

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Johannes 9, 8-23 …und niemand freut sich

Eine seltsame Heilsungsgeschichte. Anstatt dass sich die Menschen freuen, dass ein Blinder wieder sehend wurde und Gott dafür loben, wird der Geheilte ausgefragt wie ein Verbrecher. Wie ist das geschehen? Wer hat das getan? Als dann noch heraus kommt, dass die Heilung an einem Sabbat geschah, rückt nicht nur Jesus selbst, sondern auch der Geheilte und seine ganze Familie noch mehr ins Zwielicht.

In der Art wie diese Begebenheit erzählt wird, spiegelt sich sicher auch die Situation zwischen der christlichen Gemeinde und der jüdischen Gemeinde zur Zeit der ersten Leser wieder. In dem Abschnitt hier taucht Jesus selbst nicht auf, es ist nur ein Gespräch zwischen einem von Jesus Geheilten und seinem Umfeld. Viele sind misstrauisch und wollen genau wissen, was geschehen ist. Die Eltern des Geheilten haben Angst davor, mit Jesus in Verbindung gebracht zu werden. Zur Zeit der Abfassung des Johannesevangeliums gab es wohl solche Spannungen zwischen jüdischer und christlicher Gemeinde. Zu dieser Zeit wurden auch Christen aus der Synagoge ausgestoßen (V.22). Immerhin wird in dem Abschnitt auch deutlich, dass sich die Pharisäer untereinander nicht einig waren (V.16). Manche sahen in Jesus durchaus jemand, der von Gott kam, andere lehnten ihn ganz ab.

Auf jeden Fall ist es traurig, wenn ein solch positives Ereignis wie eine Heilung durch verschiedene theologische oder glaubenspolitische Standpunkte zerredet wird. So geht es, wenn Theologie und Dogma wichtiger werden als Gottes Liebe zu den Menschen. Das heißt nicht, dass Theologie und Dogma unnötig sind, aber dass sie im richtigen Verhältnis eingeordnet werden müssen.

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Apostelgeschichte 6, 1-7 Keine heile Welt

Die ach so heile Welt der Urgemeinde in Jerusalem ist gar nicht so heil… Wie in jeder irdischen Gemeinde, in welcher Menschen zusammenleben, gibt es auch hier Konflikte und Spannungen. In der Gemeinde gab es einheimische Juden, die zu Christus gefunden haben. Witwen von dieser Gruppe wurden von ihren ortsansässigen Familien versorgt. Das war damals so üblich, weil es keine staatliche Altersvorsorge gab. Daneben gab es in der Gemeinde griechisch sprechende Christen, die von außerhalb nach Jerusalem gezogen waren. Diese hatten dann oft keine Familie in der Nähe. Wenn von ihnen eine Frau Witwe wurde, dann hatte sie niemand, der sie versorgte.

Eigentlich müsste man denken, dass diese Witwen ganz selbstverständlich von der Gemeinde mitversorgt wurden. Zumal Lukas zweimal ausdrücklich betont, dass die Christen alles gemeinsam hatten und es niemand unter ihnen gab, der Mangel hatte (2,44f; 4,34). Aber ganz so problemlos war es dann doch nicht… Schon die ersten Christen hatten sich mit ganz profanen Organisationsfragen zu beschäftigen. Das was uns heute in der Gemeindearbeit oft so lästig und nervenaufreibend vorkommt, gab es damals schon. Die alltäglichen Konflikte, die im Miteinander entstehen waren damals schon genauso da wie heute. Die Urgemeinde war keine perfekte Übergemeinde, sondern eine ganz normale Gemeinde.

Die Frage damals wie heute ist, wie man mit Konflikten und Problemen umgeht. Folgt auf den Konflikt Trennung und Unversöhnlichkeit – oder sucht man gemeinsam nach einer Lösung? Interessant finde ich, wie nüchtern und sachlich die Sache damals geklärt wurde. Da gab es kein göttliches Eingreifen oder eine göttliche Offenbarung durch den Heiligen Geist. Nein, die Apostel haben ihren gesunden Menschenverstand benutzt und eine vernünftige Lösung vorgeschlagen. Die Diakone wurden dann nicht auf göttlichen Fingerzeig hin eingesetzt, sondern demokratisch gewählt.

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Josua 4 Wichtiges und Unwichtiges

Im Studium war ich nie ein großer Fan der Literarkritik und der Untersuchung der Traditionsgeschichte von biblischen Texten. In diesen Schritten der Auslegung wird versucht, ein Text auf unterschiedliche schriftliche und mündliche Quellen zu untersuchen. Das war mir oft zu spekulativ und hat am Ende für die Aussage des Textes wenig ausgetragen. Es gibt aber auch Stellen, an denen ganz offensichtlich verschiedene Überlieferungen zusammen getragen wurden. Da kann es durchaus hilfreich sein, Spannungen im Text mit unterschiedlichen Quellen zu erklären, die vom Autor zusammengestellt wurden.

Im heutigen Text ist das auch deutlich: In V.9 wird berichtet, dass Josua zwölf Steine zur Erinnerung mitten im Jordan aufgestellt hatte und in V.20 heißt es, dass Josua die zwölf Steine aus dem Jordan in Gilgal als Erinnerungszeichen aufgestellt hatte. Auch in V.8 wird berichtet, dass die Israeliten zwölf Steine aus dem Jordan heraus holten und sie ins Lager am Ufer brachten. Ja was denn nun? Wurden die zwölf Steine im Jordan oder am Ufer aufgestellt? Darüber gab es wohl schon damals unterschiedliche Überlieferungen und der Schreiber hat sicherheitshalber beide in den Text aufgenommen.

Nun kann man sich fragen, was die historische Wahrheit ist. Wo waren die Steine tatsächlich? Da kann man nur sagen: wir wissen es nicht. Das ist aber nicht die Schuld einer kritischen Bibelauslegung, sondern der Text selbst legt sich hier ja nicht fest. Auch der Text selbst lässt es offen, bzw. lässt beide Aussagen nebeneinander stehen. Offensichtlich ist es nicht wichtig, wo die Steine waren. Das Entscheidende ist, dass Gott seinem Volk geholfen hat und dass die nachfolgenden Generationen sich an dieses Eingreifen Gottes erinnern sollen. Und so erinnern wir uns noch heute beim Lesen des Textes an dieses Erleben von Gottes Hilfe. Das ist auch die Absicht des Textes: er ist geschrieben, „damit alle Völker auf Erden die Hand des Herrn erkennen, wie mächtig sie ist, und den Herrn, euren Gott, fürchten allezeit.“ (V.24)

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Galater 2, 3-10 Theologische Spannungen

An dieser Stelle wird deutlich, wie groß die theologischen Spannungen schon in der Urkirche waren. Da gab es auf der einen Seite Leute wie Paulus, die vor allem die Nichtjuden im Blick hatten und für Christus gewinnen wollten. Auf der anderen Seite gab es jüdische Christen, die davon ausgingen, dass man zuerst Jude werden müsste, bevor man ein vollwertiger Nachfolger Jesu werden konnte (Jesus und seine Jünger waren ja schließlich auch alle Juden). Paulus berichtet in diesem Abschnitt, dass man sich friedlich geeinigt hatte: Paulus soll das Evangelium den Heiden bringen und Petrus soll für die Juden zuständig sein (V.7). Mit Nachdruck betont Paulus, dass man ihm für die Heidenmission keine Auflagen gemacht habe (d.h. weder die Beschneidung noch die Befolgung anderer jüdischen Gesetze sei für nichtjüdische Christen notwendig).

Vergleicht man allerdings diese Stelle mit der Apostelgeschichte, dann wird deutlich, dass die Einigung doch nicht so klar und eindeutig war. Da wird auch von einem Treffen des Paulus und Barnabas ein Treffen mit den Aposteln und Ältesten in Jerusalem hatten. Dort werden dann allerdings einige Einschränkungen aufgezählt. Für die Heidenchristen werden keine weitere Lasten auferlegt, außer diesen: sie sollen kein Fleisch von Götzenopfern, kein Blut und kein nicht ausgeblutetes Fleisch essen und sich von Unzucht fernhalten (Apg. 15,28f). Entweder hat Paulus diese Zusatzbestimmungen in seinem Brief verschwiegen oder es gab danach noch mal ein Treffen, auf dem diese Ergänzungen gemacht wurden. Auch in 1. Kor. 8 wird deutlich, dass Paulus die Bestimmung zum Essen von Götzenopferfleisch theologisch anders beurteilt hat und nur aus Rücksicht auf die Schwachen im Glauben empfiehlt kein Götzenopferfleisch zu essen.

Wir sehen: schon früh gab es gewaltige theologische Unterschiede. Von Paulus wissen wir, dass er sich bei seiner Argumentation auf Jesus selbst, auf den Heiligen Geist und auf die Heilige Schrift bezogen hat. Bei seinen Gegnern wird das nicht anders gewesen sein… Erinnert mich fatal an so manche theologische Diskussion heute. Entscheidend damals war, dass man sich getroffen hat, diskutiert hat und dann einen groben Kompromiss gefunden hat, mit dem alle leben konnten (außer den Extremisten, die nach wie vor eine Beschneidung der Nichtjuden als Voraussetzung für echtes Christsein forderten). In Detailfragen gab es dann zwar weiterhin Unstimmigkeiten, aber von der Richtung her war klar: Paulus missioniert unter den Heiden und Petrus ist für die Judenchristen zuständig. Im Klartext heißt das doch: Die Einheit der Kirche wird festgehalten, aber jeder hat seinen eigenen Bereich für den er zuständig ist.

Epheser 2, 14-18 Er ist unser Friede

Schon in der Urchristenheit gab es gewaltige Spannungen zwischen unterschiedlichen Gruppierungen. Vor allem zwischen den Judenchristen und den Heidenchristen. Also zwischen Juden, die Christen geworden waren und Heiden, die Christen geworden waren. Das waren nicht nur Unterschiede in der Kultur oder im Frömmigkeitsstil, sondern auch handfeste theologische Differenzen. Man hat zwar auch hier versucht, eine gemeinsame Linie zu finden, aber so manche Unstimmigkeiten blieben.

Der Epherserbrief betont nun, dass in Christus beide Gruppierungen zu einem Leib zusammengefügt wurden. Wer an Jesus und seinen Kreuzestod für uns glaubt, der ist mit Gott versöhnt. Und wer mit Gott versöhnt ist, der kann nicht in Unfrieden mit seinem Bruder oder seiner Schwester leben. „Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.“ (V.18)

Nun gibt es heute bei uns in Deutschland nur wenige Judenchristen. Aber es gibt eine große konfessionelle Zersplitterung, mit Unterschieden in der Kultur, im Frömmigkeitsstil und auch in der Theologie. Ich würde mich z.B. im Frömmigkeitsstil so mancher charismatischen Gemeinde oder bei der katholischen Kirche nicht wohl fühlen. Ich könnte so manche theologische Aussage aus dem charismatisch-pfingstlerischen Lager sowie aus der katholischen Lehre nicht unterschreiben.

Und doch bleibt das entscheidende Kriterium Christus. Wer durch ihn Frieden mit Gott gefunden hat, der gehört zum Leib Christi. Christus hat uns eins gemacht, trotz gewaltiger Unterschiede.

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