Apostelgeschichte 2, 37-41 Buße, Taufe und Heiliger Geist

„Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“ (V.38) Mhm, hätte Petrus das nicht ein wenig genauer ausdrücken können? Das würde uns heute manch theologische Streitigkeiten ersparen. Wie hängen genau hängen Umkehr, Taufe und Geistesempfang zusammen? Was genau heißt Buße tun? Ist das eine einmalige Umkehr? Kann das prozesshaft geschehen oder ist das ein einmaliger Zeitpunkt der Bekehrung? Brauchen wir Buße nicht immer wieder neu? Geht das mit oder ohne Bußsakrament? Dann zu Taufe: Ist Säuglingstaufe und Kindertaufe okay? Wenn ja, wird die Taufe dann ungültig, wenn der Getaufte später nicht glaubt? Wenn nein, ab welchem Alter ist eine Taufe gültig? Wie sieht das mit Behinderten aus, die sich nicht selbst entscheiden können? Wie geschieht das mit dem Geistempfang? Geschieht das automatisch bei der Taufe, auch wenn wir nichts davon merken? Müssen dabei immer ähnliche Phänomene auftauchen, wie beim ersten Pfingstfest? Muss man die Wassertaufe von der Geistestaufe unterscheiden? Schließlich: Wie ist der zeitliche Zusammenhang zwischen Umkehr, Taufe und Geistestaufe? Gehört das alles zeitlich eng zusammen oder kann das auch zeitlich auseinanderliegen?

Unterschiedliche Kirchen und theologische Strömungen beantworten diese Fragen unterschiedlich. Häufig haben Differenzen bei diesen Fragen zu Kirchenspaltungen geführt und noch heute verlassen manche Christen ihre Gemeinden, weil sie in solchen Fragen anderer Meinung sind. Und gar nicht so selten sprechen sich die unterschiedlichen Strömungen gegenseitig das wahre Christsein ab. Solche Probleme hatte Petrus wohl noch nicht, sonst hätte er und die frühe Christenheit sich hier präziser ausgedrückt. Ihm war allein wichtig: zum Christsein gehört Buße, Taufe und der Heilige Geist. Wie all die genaueren Fragen zu beantworten sind (und ob sie überhaupt so eindeutig geklärt werden können), war ihm wohl nicht so wichtig.

| Bibeltext |

Matthäus 22, 23-33 – Der Anecker

Nach dem vorherigen Abschnitt nun noch so eine vorgeschobene, scheinbar fromme Diskussion, bei der es nur darum geht Jesus lächerlich zu machen. Dieses mal von einer anderen theologischen Richtung, von den Sadduzäern. Während die Pharisäer mehr die einfachen Frommen aus dem Volk waren, waren die Sadduzäer die etablierten Leiter der Volksgemeinde, die aus der gehobenen Gesellschaftsschicht stammten. Als Konservative waren sie vor allem am Erhalt des religiösen und politischen Status quo interessiert. So jemand wie Jesus kommt da natürlich ungelegen.

Schon interessant, dass keine der damaligen religiösen Richtungen mit Jesus zurecht kam. Weder die frommen Pharisäer, noch die konservativen Sadduzäer und auch nicht die radikalen Zeloten. Jesus passt in kein kirchenpolitisches Lager. Er eckt überall an.

Wie das wohl heute wäre? Natürlich berufen sich alle christlichen Gruppierungen und Richtungen auf Jesus, aber wenn er heute kommen würde, würden wir mit diesem aneckenden Jesus zurecht kommen? Was für Probleme hätten wohl die Evangelikalen, die Charismatiker oder die Liberalen mit Jesus? Und welche Probleme hätte ich mit ihm? Würde ich es akzeptieren, dass er so manche meiner theologischen Überzeugungen in Frage stellen würde? Würde ich erkennen, wo ich mir falsche Vorstellungen und Erwartung von Gott gemacht habe? Würde ich es akzeptieren, dass sich Jesus eben nicht meiner theologischen und kirchenpolitischen Richtung anschließt, sondern dass er noch einmal ganz anders ist?

Matthäus 10, 34-39 – Der Friedefürst mit dem Schwert

Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Mt. 10,34) Oh?!? Dann haben sich die Engel wohl getäuscht, die bei Jesu Geburt noch vollmundig versprochen haben: „Friede auf Erden“ (Lk. 2,14)? Und auch Jesaja war etwas zu optimistisch als er uns einen Friede-Fürst (Jes. 9,5) als Messias versprochen hatte?

Hier zeigt es sich wieder, dass es wichtig ist, Bibelstellen im Zusammenhang zu lesen und sie auch in den Gesamtzusammenhang der Schrift einzubetten. Mit einzelnen herausgesuchten Bibelstellen kann ich so gut wie jede Meinung begründen… Was aber zählt ist das Gesamtzeugnis der Bibel. Das ist dann viel schwieriger herauszufinden, als die eigene Meinung mit ein paar Bibelstellen zu belegen.

Aber zurück zu der Stelle bei Matthäus. Ich denke hier kann man bei genauerem Hinsehen die scheinbaren Widersprüche ganz gut auflösen: Jesus ist der Friede-Fürst, er bringt Frieden zwischen Gott und Mensch und er bringt auch Frieden zwischen den Menschen (so z.B. sehr deutlich in Eph. 2,14: Er ist unser Friede – dort bezieht sich der Friede auf das Einssein von Judenchristen und Heidenchristen in Christus). Aber wenn es darum geht (so wie in Mt. 10) an Christus gegenüber Nichtgläubigen festzuhalten, dann ist dieses Bleiben an Christus wichtiger, als alle faulen Kompromisse mit Leuten, die uns von Jesus abbringen möchten.

Wichtig ist mir dabei, dass es eben um Menschen geht, die uns vom Glauben abbringen möchten und nicht um andere Christen, die eine andere theologische Meinung haben oder die in einer anderen kirchlichen Tradition aufgewachsen sind. Ich werd immer richtig traurig, wenn mir manche Christen begegnen, die meinen ihre eigene „Rechtgläubigkeit“ ohne Rücksicht und ohne Liebe verteidigen zu müssen (…und die das dann oft tun, indem sie mit einzelnen Bibelstellen um sich werfen). Natürlich müssen wir als Christen um die Wahrheit streiten und können nicht einfach alles stehen lassen. Aber dieser Streit soll nicht mit dem Schwert geführt werden sondern in Liebe.

Matthäus 3, 13-17 – Taufe

Ich habe das Gefühl: Je länger ich Christ bin, desto unklarer wird mir, was bei der Taufe eigentlich geschieht. Und es tut mir manchmal im Herzen weh wenn ich sehe mit welcher Vehemenz, Verbissenheit und Rücksichtslosigkeit wir Christen oft gerade über dieses Thema streiten. Gerade die Taufe, die ein Zeichen unserer Einheit sein soll, spaltet uns durch die unterschiedlichsten Taufverständnisse. Es ist ja okay, wenn man über unterschiedliche Meinungen diskutiert, das Tragische sind jedoch die Verletzungen und Spaltungen, die solche Diskussionen häufig begleiten. Ich hab aber auch keine Ahnung wie man das ändern sollte. Denn Taufe ist nun mal ein zentrales Thema und es gibt unterschiedliche Auffassungen (und das nicht erst heute: Schon in der Reformation wurde ja buchstäblich bis auf’s Messer deswegen gekämpft).

Auch für die Taufe Jesu gibt es bestimmt kluge Antworten, was denn da geschehen ist und warum das geschehen ist. Aber ich finde das alles nicht so unmittelbar zugänglich und verständlich. Warum lässt Jesus sich taufen? Johannes praktiziert dort am Jordan eine Bußtaufe. Die Leute sollen ihre Sünden einsehen, bekennen und sich als Zeichen dieser Buße taufen lassen. Hat Jesus, der Sohn Gottes, diese Buße notwendig? Muss er sich von Sünden reinwaschen lassen?

Oder war seine Taufe für ihn einfach der Punkt, an dem er selbst erst erkannt hat, wer er ist und was seine Aufgabe war? Oder hat er es vorher schon gewusst und die Taufe ist nur ein öffentliches Zeichen, dass Gott zu ihm steht under er seine Wirksamkeit beginnt? Und was hat Jesu Taufe damals mit unserer heutigen Taufe zu tun? Passiert da ähnliches oder etwas ganz anderes? Wie gesagt: Zum Thema Taufe nehmen meine Fragen eher zu als dass sie weniger werden…

1. Korinther 1,10-17 – Respekt

Das erste, das Paulus anspricht sind die unterschiedlichen Gruppierungen in der Gemeinde. Es gibt Spaltungen, und zwar Spaltungen, die sich mit bestimmten Personen verknüpfen. Manche halten zu Paulus, manche zu Apollos, manche zu Kephas und eine vierte Gruppe sagt, sie gehört zu Christus. Die Positionen dieser Gruppierungen werden nicht näher beschrieben, wir können da nur Vermutungen anstellen. Zu Paulus zählen sich vielleicht am ehesten Heidenchristen, die die Botschaft der christlichen Freiheit zu stark betonen. Apollos ist ein Judenchrist aus Alexandria. An ihm gefiel wohl seine Redekunst und seine Bildung (Apg. 18,24-25). Er schien rethorisch viel besser drauf zu sein als Paulus, der selbst betont, dass er nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit predigt (1. Kor. 2,4). Zu Kephas (also dem Jesusjünger Petrus) zählten sich vermutlich diejenigen, die stärker das alttestamentliche Gesetz betonten. Ist die vierte Gruppe eine Ergänzung des Paulus, um die Absurdität dieser Gruppen zu verdeutlichen, oder ist es eine Gruppe, die sich exklusiv als die wahren Christen sah?

Spannend ist auf jeden Fall, dass Paulus nicht seine eigenen Anhänger verteidigt und ihre Position stärkt, sondern dass er alle in die Pfanne haut. Wenn wir uns in Spaltungen aufsplittern und gegenseitig bekämpfen, dann liegen wir alle falsch. Wie ist das dann heute, wo der eine sagt: Ich bin katholisch, ich bin evangelisch, ich bin Baptist, ich bin Methodist, ich bin Charismatiker und wieder andere sagen, dass alle Konfessionen falsch liegen und nur sie selbst wirklich Christus nachfolgen? Wir sind bis heute eine gespaltene Christenheit. Ich glaube es kommt darauf an, wie viel Gewicht wir diesen Unterschieden beimessen und ob wir einander gegenseitig die Rechtgläubigkeit absprechen. Paulus ist es wichtig, dass wirklich alle sich an Jesus Christus ausrichten, dass wir in dieser Beziehung wirklich eine Gesinnung und eine Meinung haben. Wenn das gegeben ist, dann dürfen unterschiedliche Traditionen und unterschiedliche Frömmigkeitsrichtungen durchaus sein. Also nicht vergessen: RESPEKT ist wichtig!