Richter 5 Feinde, Liebe und die Sonne

Fremdartig wirkt auf mich dieses Siegeslied der Debora. Gott wird gelobt für den militärischen Sieg und für den Tod der Feinde. Und ganz selbstverständlich wird vorausgesetzt, dass die politischen Feinde Israels auch die Feinde Gottes sind. Für uns modernen Menschen gibt es diese selbstverständliche Einheit von Politik und Religion nicht mehr. Wir haben zurecht ein ungutes Gefühl, wenn Gottes Macht mit Waffengewalt in Verbindung gebracht wird.

Am Ende des Liedes heißt es: „So sollen umkommen, Herr, alle deine Feinde! Die ihn aber lieb haben sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!“ (V.31) Mir ist dazu ein Abschnitt aus der Bergpredigt eingefallen: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt. 5,44f). Auffällig ist, dass sowohl in Richter 5,31 als auch in Mt. 5,44f dieselben Stichworte auftauchen: Feinde, Liebe und Sonne. Aber in völlig anderem Sinn und anderer Zuordnung. Ob das eine bewusste Anspielung von Jesus war?

Das Kennzeichen der Sonne Gottes, des Lichtes Gottes ist für Jesus nicht, dass man seine Feinde hasst und Gott liebt, sondern dass man über die Liebe zu Gott hinaus auch die Feinde liebt!

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Jeremia 48 Gottes Sonne über den Bösen

Auffällig ist, dass die Weissagungen gegen Moab sehr viel mehr Platz einnehmen (47 Verse), als die Weissagungen gegen die Philister (7 Verse). Vielleicht liegt das daran, dass das jüdische Volk Moab näher stand als den Philistern. Nach 1. Mo.19,37 war Moab der älteste Sohn Lots, das jüdische und moabitische Volk waren also miteinander verwandt, hatten gemeinsame Vorfahren. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Siedlungsgebiet der Moabiter dem Selbstverständnis der Israeliten nach, eigentlich den Stämmen Ruben und Gad zustand.

Im Lauf der Geschichte gab es durchaus positive persönliche Beziehungen zwischen Israeliten und Moabitern (z.B. Rut, Rut 1,1-2 ; 4,13-17 oder David, der seine Eltern in die Obhut eines Moabiterkönigs gibt, 1. Sam. 22,3-4). Aber es gab auch immer wieder kriegerische Konflikte (zur Zeit des Jeremia z.B. versuchte eine Koalition aus Moabitern, Chaldäern, Aramäern und Ammoniter das Land Juda zu erobern, 2. Kön. 24,1-6). Entsprechend dieser wechselvollen Geschichte mischen sich in diesem Kapitel Schadenfreude (V.26-27) und Mitgefühl (V.17.31-32).

Spannend und überraschend finde ich, dass – ähnlich wie für das jüdische Volk – das Strafgericht Gottes zeitlich begrenzt wird: „Aber in der letzten Zeit will ich das Geschick Moabs wenden, spricht der Herr.“ (V.47) Gottes Gnade und Langmut gilt nicht nur dem eigenen Volk, sondern auch darüber hinaus. Zwischen all den Gerichtsankündigungen leuchtet schon im Alten Testament immer wieder Gottes Liebe auch für die Feinde auf. Jesus malt uns diese Liebe zu den Feinden eindrücklich vor Augen: „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ Er fügt hinzu, dass diejenigen zu lieben, die uns lieben, keine Kunst ist – das kann jeder. Aber die Feinde zu lieben, das ist göttlich, das entspricht Gottes Wesen. „Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute“  (Mt. 5,44-48).
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Psalm 67 – Let it shine!

„Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Antlitz leuchten.“ (V.2) Die Vorstellung von Gottes leuchtendem Angesicht gefällt mir. Natürlich kann ich mir nicht vorstellen, wie das aussehen soll. Ich kann Gottes Antlitz nicht sehen. Genau so wenig, oder besser: noch viel weniger, wie ich direkt in die Sonne schauen kann.

Aber sich stell mir vor: Ich liege im Sommer auf auf einer duftenden Wiese. Um mich herum zirpen die Grillen und einige Vögel zwitschern in der Ferne. Sonst ist nichts zu hören. Ein angenehm kühler Windhauch ( 😉 ) streicht über mein Gesicht. Ich habe die Augen geschlossen. Und über mir, am tiefblauen Himmel, strahlt nicht die Sonne, sondern Gottes Angesicht. Ich kann es nicht anschauen, aber ich spüre die Kraft, die Wärme, die Energie, die auf mich herabströmt… „Ja, Herr, lass dein Angesicht leuchten!“
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Matthäus 17, 1-13 – Im-Tal-Sitzenbleiber

Sonne durch die BäumeViel zu oft bleib ich unten im Tal sitzen. Viel zu oft ist mein Kopf und mein Herz voll von anderen Dingen, die mich beschäftigen. Viel zu oft höre ich den Ruf Jesu auf den Berg zu kommen gar nicht. Und dann leuchtet das Licht nur von ferne auf…

Oder sind es nur bestimmte Jünger, die mit auf den Berg dürfen? In der Geschichte wählt sich Jesus drei von seinen Jüngern aus (Petrus, Johannes und Jakobus) und nimmt sie mit nach oben. Sie dürfen das Licht Jesu sehen, sie dürfen seinem Geheimnis etwas näher kommen. Und die anderen? Die bleiben unten im Tal und schlagen sich mit dem Alltag herum. Dürfen sie nicht mit? Wollen sie nicht mit? Haben sie ein anderes mal die Chance etwas von Jesu Herrlichkeit zu sehen?

Wie ein Drache im Windhauch

Drache im WindNoch ein Foto von unserer weihnachtlichen Drachensteigaktion. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatten wir wunderschönen Sonnenschein und genug (eisig kalten) Wind, um einen Drachen steigen zu lassen.

So wie dieser Drache möchte ich auch gern sein: Mich tragen lassen vom Windhauch Gottes. Fliegen, ohne selbst verzweifelt und angestrengt mit den Flügeln schlagen zu müssen. Sich einfach in Gottes Wind hineinlegen und abheben…

2. Korinther 3, 18 – Herrlichkeit

Boa! Was für ein Anspruch: Wir schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn. Noch nicht direkt, aber wie in einem Spiegel. Dazu muss man wissen, dass damalige Spiegel noch kein so perfektes Spiegelbild lieferten wie heutige. Alles ist ein bisschen verschwommen und unscharf. Paulus sagt damit also: Jetzt schon können wir Gottes Herrlichkeit verschwommen und unscharf wahrnehmen. Aber selbst solch ein altertümlicher Spiegel kann die strahlende Herrlichkeit der Sonne mehr als genug reflektieren. Und so können wir die strahlende Herrlichkeit Gottes mehr als genug erkennen.

Aber der eigentliche Hammer ist, wie es weitergeht: Wir können nicht nur Gottes Herrlichkeit sehen, nein wir werden sogar (jetzt schon!) in dieses Bild der Herrlichkeit verklärt. Wow! Ich kann das zwar in meinem Leben nie so richtig wahrnehmen, aber trotzdem stimmt’s: Wir werden durch Jesus ständig und Stück für Stück zum Bild seiner Herrlichkeit verwandelt. Ab und zu leuchtet auch in meinem Leben das Wissen um dieses Strahlen auf – und das ist geil!


Foto: Joetra | pixelio.de

Der Sonne entgegen

Irgendwie scheinen die Blumen schlauer zu sein als wir Menschen. Es ist für sie gar keine Frage, was sie tun sollen: Wachsen – und zwar der Sonne entgegen. Alles andere ist unwichtig. Wir dagegen erkennen oft die Sonne gar nicht. Und selbst wenn, dann wollen wir immer noch dies und jenes tun, diesem und jenem nachgehen, anstatt einfach nur der Sonne und dem Licht entgegen zu wachsen.