Richter 17 Tragischer Held

Erstaunlich, dass die Geschichte von Simson überhaupt in der Bibel vorkommt. Er kämpft zwar gegen die Feinde Gottes, aber ansonsten verhält er sich nicht gerade vorbildhaft und klug. Er geht zu einer Hure (V.1) – war hier übrigens nur kommentarlos dargestellt wird und nicht bewertet wird! – und er lässt sich von Delila das Geheimnis seiner Kraft entlocken, so dass die Philister ihn überwältigen können.

Ich finde es wunderbar, dass in der Bibel auch die tragischen Helden auftauchen. Immer wieder macht vor allem das Alte Testament deutlich, dass wir fehlbare Menschen sind. Das spricht für die Glaubwürdigkeit der Bibel. Es tauchen nicht nur strahlende und makellose Helden auf, sondern die Bibel zeichnet ein realistisches Bild von uns Menschen. Und gerade damit macht sie deutlich, dass Gott jeden gebrauchen kann – auch dich und mich. Wir müssen nicht perfekt sein, um den Weg zu Gottes Herz zu finden.

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Richter 15 Wie du mir, so ich dir

Was für ein Gegensatz! Simson sagt über seine Feinde: „Wie sie mir getan haben, so habe ich ihnen wieder getan.“ (V.11) Ein gewisser Jesus sagt: „Liebet eure Feinde und bittet für die die euch verfolgen“ (Mt.5,44) und „wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“ (Mt.5,39). Ganz unterschiedliche Arten mit seinen Feinden umzugehen. Und doch steht beides in unserer Bibel.

Zum einen denke ich, dass wir als Bibelleser hier schon gewichten dürfen und müssen: Was aus dem Mund Jesu kommt, hat für mich mehr Gewicht als das was Simson getan hat (obwohl auch er in der Kraft des Geistes gehandelt nach; V.14). Zum anderen bin ich froh, dass beides in unserer Bibel steht. Denn je nach Situation und Umständen können vielleicht beide Handlungsweisen gut und angemessen sein. Wenn man z.B. einem Mobbing-Opfer nur mit der Bergpredigt kommt, dann wird er daran verzweifeln…

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Richter 14 Krumme Linien

Seltsame Geschichte. Simson tut genau das, wovor Gott sein Volk eindringlich gewarnt hat: er heiratet nicht eine Frau aus dem eigenen Volk, sondern eine Frau aus den Philistern. Hinter diesem göttlichen Gebot steckt nicht Ausländerfeindlichkeit, sondern die reale Gefahr, dass durch verwandtschaftliche Beziehungen auch fremde Götter in Israel Einzug halten (was dann nach der Darstellung des Alten Testaments vielfach geschehen ist).

Aber Simson wird von Gott offensichtlich gerade durch dieses Fehlverhalten gebraucht: „Sein Vater und seine Mutter wussten nicht, dass es von dem Herrn kam; denn er suchte einen Anlass gegen die Philister.“ (V.4) Zweimal wird dann betont, dass der Geist des Herrn über Simson geriet (V.6.19). Simson scheint weder besonders weise zu sein, noch hat er eine besondere Botschaft Gottes weiter zu geben. Er hat vor allem eins: Kraft. Und diese Kraft benutzt Gott gegen die Philister, welche Israel zu der Zeit unterdrückten (Ri.13,1).

Ich würde das mal unter folgender Rubrik einordnen: Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben. Es ist nicht so, dass er sich wünscht, dass wir krumme Wege gehen, aber er hat zumindest die Macht dazu auch diese krummen Wege in seinem Sinn zu nutzen.

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