2. Timotheus 1, 6-11 Kraft zum Leiden

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (V.7) Schön! Ermutigend! Tröstend! Aber es ist auch ganz gut mal anzuschauen, wie dieser beliebte Vers fortgesetzt wird. Wozu hat uns Gott diesen Geist der Kraft gegeben? Um siegreich und triumphierend durchs Leben zu ziehen?

Nein. Paulus setzt diesen Gedanken folgendermaßen fort: „…sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.“ (V.8) Gott schenkt uns nicht einen Geist der Kraft, der alle Probleme mit links aus dem Weg räumt oder der uns dazu verhilft, im Sinne eines Wohlstandsevangliums, materiell reich gesegnet durchs Leben zu spazieren. Nein. Gott schenkt uns den Geist der Kraft, damit wir leiden können. Kein Selbstmitleid, sondern Leiden um des Evangeliums willen.

| Bibeltext |

Psalm 86 – Weise mir deinen Weg

Dem Beter geht es dreckig: „Ich elend und arm“ (V.1). Und was tut er? Er schaut auf den großen, guten und gnädigen Gott. Durch den ganzen Psalm hindurch unterbricht er immer wieder seine Bitten und hält sich Gottes Wesen vor Augen (V.5.8.10.15). Und schon bevor sein Gebet erhört wurde, dankt er Gott dafür, dass er ihn aus Todesgefahr erettet hat: „Du hast mich errettet aus der Tiefe des Todes.“ (V.13)

Starke Sache! Nicht im Selbstmitleid versinken, oder nur über die böse Welt und die bösen Menschen schimpfen… Nein, auf Gott schauen. Sich klar machen, dass er stärker ist als all mein Elend. Darauf vertrauen, dass er hilft. Und zugleich wissen: Ich darf mit meinem Elend und mit meiner Bitte zu ihm kommen.

Zu Vers 11 noch ein schönes Erlebnis: „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ Ich war zu Besuch bei einer älteren Dame und sie berichtete aus ihrem Leben. Voller Begeisterung erzählte sie von einem bestimmten Ort und ich fragte: „Da war es schön? Da hat es ihnen gefallen, oder?“ Ein ganz kurzen Augenblick schaute sie etwas verwundert und meinte dann nur: „Der Herr hat mich dorthin geführt!“

Und mir wurde mit einem Schlag klar: Sie hat ihr Leben nicht an der Frage ausgerichtet, was ihr gefällt, was schön und was angenehm ist, sondern an der Frage, wo Gott sie hinführt. Das tolle bei dieser Frau ist, dass sie trotzdem (oder besser gesagt: gerade deswegen!!!) ein erfülltes, schönes, zufriedenes Leben hatte und auch jetzt im hohen Alter ist sie einfach fröhlich und zufrieden.
Bibeltext