1. Thessalonicher 2, 1-12 Die Kirche und das liebe Geld

Obwohl sich Paulus auf mütterliche (V.7) und väterliche (V.11) Weise liebevoll um die Gemeinde gekümmert hat, muss er sich hier offensichtlich mit Vorwürfen auseinandersetzen, er habe Menschen verführt um selbst einen finanziellen Gewinn daraus zu ziehen. Für uns ist das natürlich schwer zu beurteilen, wir kennen nur die Argumente des Paulus. Aber so wie wir das Leben und die Überzeugungen des Paulus aus seinen Briefen kennen, ist es eigentlich nicht vorstellbar, dass diese Verleumdungen zutreffen. Paulus geht es nicht um’s Geld, sondern um Gott.

Wir sehen, dass das Thema Kirche und Geld schon damals ein heikles Thema war. Schon bei Paulus bestand der Argwohn, dass unter Christen nicht redlich mit dem Geld umgegangen wurde. Die Empörung ist ja bis heute in der Öffentlichkeit zu Recht sehr groß, wenn ein kirchlicher Würdenträger leichtfertig und eigennützig mit Geld umgeht. Andererseits ist es immer leicht, sich über andere zu empören und ihre Fehler aufzubauschen. Die Frage gilt ja nicht nur für einen Missionar wie Paulus oder einen kirchlichen Amtsträger, sondern an jeden Christen: passt mein persönlicher Umgang mit dem Geld zur Botschaft des Evangeliums? Natürlich ist es gut, auf Missstände hinzuweisen. Aber genauso wichtig ist es, dass wir uns selbst an die eigene Nase fassen.

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Psalm 106 – Schwarzmalerei

Das ist ja schon interessant, wenn man die Psalmen so im Zusammenhang liest und sich nicht einzelne Aussagen oder Psalmen raussucht: Gestern kam mir der Psalm ja ziemlich „schönfärberisch“ vor. Und als ob die Leute, die die Psalmensammlung zusammengestellt haben das auch bemerkt hätten, setzen sie gleich dahinter einen Psalm, der genau in die andere Richtung geht.

In Psalm 106 geht es auch um einen Rückblick auf die Geschichte Israels – aber diesmal wird nicht Gottes wunderbare Führung betont, sondern der Unglaube und Ungehorsam des Volkes. Sehr, sehr selbstkritisch und ehrlich wird durch den ganzen Psalm hindurch immer wieder deutlich gemacht, wie Israel versagt hat. Immer wieder hat Gott eingegriffen und geholfen und doch haben die Israeliten immer wieder ihren Glauben und ihre Vertrauen verloren. „Er rettete sie oftmals; aber sie erzürnten ihn.“ (V.43) Es war eben nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, so wie es sich in Psalm 105 anhört…

Aber das wundervolle ist: Auch wenn das Volk sein Teil für Friede und Freude nicht beigetragen hat, bleibt Gott doch treu und barmherzig. Immer wieder hat er sich erbarmt und seinen Leuten zugewandt. Immer wieder sieht er ihre Not und hört ihre Klage, immer wieder denkt er an seinen Bund mit Israel und er ringt sich zu Barmherzigkeit und Güte durch (V.44-46). Gut dass Gott jenseits aller menschlichen Schönfärberei oder Schwarzmalerei steht!
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Psalm 78 – Von den Alten lernen

Ein Psalm, der auf die Geschichte Israels zurückblickt. Beeindruckend fand ich, dass hier nichts schön geredet wird. Ziemlich hart wird mit den Vorfahren ins Gericht gegangen. Da werden nicht vergangene, goldene Zeiten gerühmt. Da wird nicht behauptet, dass die Moral früher viel besser war und dass die heutige Jugend sich so schlecht verhält. Nein, sehr selbstkritisch und realistisch werden die Ereignisse der Vergangenheit der neuen Generation weiter erzählt. Sie sollen daraus lernen und nicht dieselben Fehler machen wir ihre „Väter“.

Gerade als Deutsche können wir von diesem Umgang mit Geschichte lernen. Die Alten können lernen, die Geschichte nicht schön zu färben und zu verharmlosen. Die Jüngeren können lernen, aufmerksam zuhören und dann selbst dafür sorgen, dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.
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