Eric-Emmanuel Schmitt: Vom Sumo, der nicht dick werden konnte

Ja, ganz nett. Aber insgesamt doch etwas platt und konstruiert. Es geht um einen japanischen Jungen, der eine unglückliche Kindheit hinter sich hat und auf den Straßen Tokios irgendwelchen Plunder verkauft. Man merkt, dass Schmitt mit dem aggressiven Ton der Straße und der Jugend nicht vertraut ist, die Dialoge klingen etwas bemüht und unnatürlich.

Natürlich kommt für den armen kleinen Jungen die Rettung: sie kommt in Gestalt eines alten Sumo-Ringers, der inzwischen eine Schule für Sumo-Ringer betreibt. Er überzeugt den Jungen in seine Schule zu kommen und nach ein paar Hindernissen wird am Ende alles gut. Das Problem des Jungen ist, dass er nicht zunehmen kann – was er aber unbedingt muss, um ein richtiger Sumo-Kämpfer zu werden. Das eigentliche Problem liegt aber hinter dem körperlichen Bereich im psychischen: der Junge hat sich selbst nicht gefunden und keinen Zugang zu seinen Gefühlen. Diesen Zugang findet er durch Gespräche mit seinem Lehrer und durch den Zen-Buddhismus.

Ein nettes Büchlein für zwischendurch. Aber auf den groß bedruckten gut hundert Seiten darf man keine großartigen Erkenntnisse über den Zen-Buddhismus erwarten und auch keine detaillierte Beschreibung der inneren Entwicklung vom hoffnungslosen Straßenverkäufer zum glücklichen und ausgeglichenen Mann. Was ich allerdings nach wie vor Klasse finde, ist der Titel des Buches und die Grundidee, die dahinter steht.

Psalm 103 – Barmherzig und gnädig

Ein sehr bekannter und beliebter Psalm. Ein wundervoller Aufruf, Gott zu loben. Ich bin heute vor allem an einem Vers hängen geblieben: „Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.“ (V.14) Im Zusammenhang mit dem gestrigen Psalm (Psalm 102), tröstet mich das jetzt doch: Trotz aller Größe und Herrlichkeit denkt Gott doch daran, dass wir nur Staub sind, dass wir vergänglich sind, dass wir eben Menschen mit all unseren Schwächen und Fehlern sind.

Gerade deshalb ist mit uns so barmherzig und gnädig, so geduldig und gütig (V.8). Gerade deswegen vergibt er uns unser Sünden (V. 10) und erbarmt sich über uns wie ein Vater sich über seine Kinder erbarmt (V. 13). Ich hab das Gefühl, dass ich das auch öfters zu Gott sagen muss: „Vater, du weißt doch wer ich bin, du kennst mich doch, du weißt doch dass ich nur Staub bin!“ Oder vielleicht muss ich das auch weniger Gott sagen, sondern eher mir selbst?! Damit auch ich selbst mit mir barmherziger und gnädiger umgehe…
Bibeltext

Johannes 4, 1-42 – Gott braucht dich!

Beeindruckend, wie Klaus Douglass immer wieder aus diesen bekannten Texten, welche ich schon oft gehört und gelesen habe, doch immer wieder neue und überraschende Gedanken heraus filtert. Er nimmt bei seiner Betrachtung der Texte oft eine ungewöhnliche Perspektive ein und macht die Texte somit auch für langjährige Christen wieder ganz neu lebendig.

Was mich heute richtig ins Nachdenken und Staunen bringt, sind seine Gedanken zu der Aufforderung Jesu an die Frau am Jakobsbrunnen: „Gib mir zu trinken“ (V.7). Da liest man leicht drüber weg. Aber Douglass beobachtet zurecht, dass hier eigentlich ein sehr seltsames Gottesbild deutlich wird. Ein Gott, der müde und erschöpft am Brunnenrand sitzt und der eine einfache Frau bittet, ihm zu trinken zu geben. Douglass schreibt dazu: „Christen glauben an einen durstigen Gott! […] Ein atemberaubender Gedanke: Könnte es sein, dass der Sohn des lebendigen Gottes, ja dass Gott selbst einen Durst hat, den nur ich auf Erden zu stillen vermag?“ ( S.228 )

Ich denke das stimmt: Gott hat einen Durst, eine Sehnsucht, ein Verlangen nach mir. Und dieses Verlangen kann nur ich stillen. Und zwar indem ich mich ihm öffne, indem ich mich ihm zuwende, indem ich ihm vertraue. Es gibt auch heute noch viel zu viele Menschen, die sich unnütz und überflüssig vorkommen. „Niemand braucht mich!“ – Doch! Gott braucht dich! Er hat einen Durst, den nur du stillen kannst!