Johannes 15, 1-8 Wenn…, dann…

Kann man aus diesen Versen einen einfachen Tun-Ergehen-Zusammenhang ableiten? Wenn du in Jesus bleibst, dann bringst du Frucht – und wenn du keine Frucht bringst, dann heißt das im Rückschluss, dass du nicht in Jesus bist? Du musst nur genug Glauben haben, dann wird Gott dich segnen und dir alles schenken, was du willst – und wenn du nicht alles bekommst, dann ist ein Zeichen für fehlenden Glauben? In vielen Ländern dieser Welt wächst das Christentum, es kommen Menschen zum Glauben, die Gemeinden wachsen. In Deutschland werden wir weniger, es gibt nur wenige geistliches Aufbrüche, es scheint wenig Frucht zu geben. Liegt das einfach daran, dass wir zu wenig glauben? Sind wir selbst Schuld daran, dass unsere Gemeinden schrumpfen? Ist das Gottes gerechte Strafe dafür, dass wir nicht eng genug an Jesus bleiben?

So einfach ist es nicht. Immer wieder in der Bibel taucht dieser Tun-Ergehen-Zusammenhang auf. Vertraue auf Gott und er wird dich segnen (wobei die Bibel den Menschen nicht in dieser individualistischen Zuspitzung sieht, wie wir uns heute verstehen). Das geschieht in vielen Fällen auch so. Aber schon im Alten Testament haben die Gläubigen festgestellt, dass das nicht immer so einfach funktioniert. Schon so manche Psalmisten haben sich gefragt: Warum geht es dem Gottlosen so gut? Das Hiobbuch z.B. ist eine ausführliche Auseinandersetzung damit, dass diese Gleichung nicht immer so einfach aufgeht.

Trotz dieser Anfragen und dem Wissen, dass Glaube nicht immer automatisch zu Lebensglück und Segen führt, gibt Jesus uns diese Verheißung. Es bleibt die grundsätzliche Wahrheit der Bibel: Bleibe in Gott, dann bleibt er auch in dir. Jesus verheißt an dieser Stelle ja auch nicht jedem Gläubigen die Erfüllung aller seiner Wünsche und das Erreichen des ganz persönlichen Lebensglücks. Er verheißt Frucht. Die sieht vielleicht manchmal anders aus als wir uns das vorstellen. Und er sagt auch nicht, dass wir aus der vermeintlich fehlenden Frucht, den Glauben eines Menschen ablesen können. Diese Verse sind nicht dazu gedacht, um unseren Glauben messen zu können, sondern sie sind eine Ermutigung an jeden, in Jesus zu bleiben. Wenn wir das tun, dann wird Gott schon auf die richtige Weise für Frucht sorgen.

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Lukas 24, 50-53 Deine segnenden Hände

Ja Herr, das brauchen wir: dass du deinen Hände erhebst und uns segnest. Du segnest uns mit den Händen, die am Kreuz durchbohrt wurden. Das brauchen wir mehr als all unsere eigenen guten Vorsätze oder als gute Wünsche. Wir brauchen deinen Segen. Ohne deinen Segen bleibt alles leere menschliche Religion. Wir brauchen deine Kraft, wir brauchen deinen Trost, wir brauchen deine heilenden Hände, wir brauchen deine Gegenwart, wir brauchen dich.

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Exodus 17, 8-16 Selbst kämpfen oder Gott kämpfen lassen?

Gott kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise eingreifen und helfen. Am Schilfmeer mussten die Israeliten nur fliehen und nicht kämpfen. Gott selbst schlug das übermächtige Heer der Ägypter: „Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“ (Ex.14,14) Jetzt, beim Kampf gegen die Amalekiter sind die Israeliten selbst zum Kampf aufgefordert. Es bleibt aber auch hier klar, wer allein den Sieg schenkt: Mose betet segnend für sein Volk und solange seine Hände erhoben sind, behält Israel die Oberhand, wenn er sie sinken lässt wird Amalek stärker. Auch hier hängt alle von Gott ab.

Vom neuen Testament her gibt es für uns keine heiligen Kriege gegen andere Völker mehr. Aber auch wir leben in einer Welt, in der wir immer wieder in Kämpfe verwickelt sind. Seien es persönliche Kämpfe, z.B. gegen schlechte Angewohnheiten oder gegen Ängste, seien es Kämpfe um Frieden und Gerechtigkeit in Familie, Freundeskreis oder Gemeinde, sei es der Kampf um andere Menschen, die verzweifeln, leiden oder ihr Leben ohne Gott führen.

All diese Kämpfe können wir nur mit Gott bestehen. An Gottes Segen ist alles gelegen. Aber wichtig kann auch sein zu unterscheiden, wann wir selbst stille sein sollen und Gott allein für uns kämpfen lassen oder wann wir auch selbst in der Kraft Gottes kämpfen sollen. Beides kann richtig sein: selbst kämpfen oder still sein und Gott kämpfen lassen. Gott gebe uns die Weisheit zu entscheiden, was in unserem Leben gerade dran ist.

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Epeheser 1, 1-2 Grüß Gott!

Ein ganz normaler Briefanfang, so wie er damals üblich war: Absender und Empfänger werden genannt und dann kommt ein Gruß: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ (V.2) Viele Briefe im Neuen Testament beginnen mit diesem Gruß (oder leicht abgewandelt). Das scheint ein gebräuchlicher Gruß unter Christen gewesen zu sein.

Mich fasziniert, was darin betont wird: Gnade und Friede. Das sind zwei zentrale Dinge, die wichtig für uns sind. Beide sind für Paulus mit Gott verbunden: Gott gibt die Gnade und den Frieden, den wir brauchen. Das können wir uns nicht selbst schenken, das können wir nicht selbst herstellen. Aber wir können es uns gegenseitig zusprechen und wünschen.

Solch ein gebräuchlicher Gruß kann schnell verflachen. Man sagt bzw. schreibt ihn so dahin und denkt gar nicht mehr an seine Bedeutung. Bei uns im Schwabenländle begrüßen sich die Leute noch immer häufig mit „Grüß Gott“. Kaum einer weiß noch, was hinter diesem Gruß steht und mancher Norddeutsche ist versucht darauf zu antworten: „Ja, wenn ich ihn das nächste mal seh’…“. Die ursprüngliche Bedeutung ist aber: „Sei gegrüßt von Gott!“ Und vom lateinisch-römischen Sprachgebrauch her kann „grüßen“ auch segnen bedeuten. Also: „Grüß Gott“ heißt nichts anderes als „Sei von Gott gesegnet!“

Ich bin mir sicher, dass Paulus seinen Segensgruß nicht nur so dahin geschrieben hat, weil es halt so üblich war, sondern dass er es ganz bewusst so gemeint hat. Wenn ich in Zukunft durch die Straßen gehe und die Leute mit „Grüß Gott“ begrüße, dann werd ich innerlich lächeln dabei und mich freuen, dass ich dabei all die Leute segnen darf… 😉 In diesem Sinn also an alle Leser: „Grüß Gott! Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“

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Kohelet 8, 1-17 Radikaler Realismus

Kohelet ist radikal nüchtern und realistisch. Er schaut sich auf der Welt um und sieht: „Es gibt Gerechte, denen geht es, als hätten sie Werke der Gottlosen getan, und es gibt Gottlose, denen geht es, als hätten sie Werke der Gerechten getan.“ (V.14) Das ist selbst einem nüchtern Menschen wie mir zu extrem. Natürlich hat er recht: Das sehen wir ja bis heute, dass es den Gottlosen oft besser geht als den Gläubigen.

Aber: Ist das die Regel, dass es den Gottlosen besser geht? Und was heißt das überhaupt, dass es dem Gerechten gut gehen soll? Schaut der Prediger da nicht etwas zu einseitig auf irdisches Ansehen, Reichtum und Gesundheit? Ich habe keine großen irdischen Reichtümer und es ist auch nicht so dass ich körperlich völlig gesund und ohne Probleme bin. Aber trotzdem erlebe ich mich von Gott gesegnet, gerade auch in Zeiten der Krankheit. Ich weiß nicht, ob ich als Nichtchrist so gelassen mit meinem Gehirntumor umgehen hätte können. Ich darf Gemeinschaftserfahrungen machen, die ich als Nichtchrist niemals in ähnlicher Weise hätte machen können. Ich habe eine Ahnung von Gottes Liebe und Herrlichkeit in meinem Herzen, die ich gegen kein Geld der Welt umtauschen möchte.

Ja, rein äußerlich betrachtet, geht es den Gottlosen oft besser als vielen Christen. Und es gibt genügend Christen, die leiden und am Leben verzweifeln. Aber ich erlebe bei mir selbst und bei anderen, dass sich Christen auch in Schmerzen, Leid und Problemen von Gott reich beschenkt wissen. Gott gibt mir Halt, auch wenn es mir mal nicht so gut geht – auch das ist radikaler Realismus.

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Kohelet 7, 15-29 Die Weisheit mit Löffeln gefressen

Die traditionelle Weisheit sagt: Lebe gerecht und du wirst dafür gesegnet werden. In der Theologie wird das als Tun-Ergehen-Zusammenhang bezeichnet. Wer Gutes tut, dem wird auch Gutes widerfahren. Kohelet rät aber zur Vorsicht mit dieser simplen Aussage. Er macht die Augen auf und sieht: „Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit.“ (V.15) Seine Folgerung: „Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht sterbest vor deiner Zeit.“ (V. 16f)

Damit meint er nicht, dass wir nur noch einen halbherzigen Glauben haben sollten und nicht mit ganzer Seele Gott und seine Gerechtigkeit suchen sollen. Aber er rät zur Vorsicht gegenüber platten, theologischen Verallgemeinerungen. Er warnt davor, sich zu sehr auf seine Gerechtigkeit und Weisheit zu verlassen. Es gibt ja bis heute Leute, die meinen, die biblische Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und die anderen ganz genau sagen können, was sie glauben und tun sollen, um ein siegreiches und erfolgreiches Leben als Christ zu führen…

Kohelet sagt: Vorsicht! Bilde dir nicht zu viel auf deine Gerechtigkeit und Weisheit ein. Es ist immer noch Gott, der den Segen dem schenkt, dem er will. Du kannst ihn dir nicht erarbeiten. Und du kannst die Weisheit Gottes in ihrer Tiefe nie völlig ergründen. Darum bleibt das Wesentliche: „Wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.“ (V.18) Zentral bleibt die Gottesfurcht. Fürchte Gott, mit Liebe und Respekt, dann brauchst du nicht auf deine Gerechtigkeit und Weisheit zu schauen.

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Kohelet 6, 1-12 Düster, düster!

Kohelet spricht von Reichtum, Kindersegen und einem langen Leben. Nach der damaligen Vorstellung war all dies ein deutliches Zeichen für ein gesegnetes Leben. Aber er stellt fest: All das bringt auch nichts, wenn man dabei nicht glücklich ist, wenn Gott es nicht schenkt, dass man es genießen kann. Was ist die Konsequenz? Es lohnt sich nicht nach solch irdischen Gütern zu streben, es kommt ja doch nur darauf an, dass Gott einem Glück schenkt. Aber auch das kann man ja nicht erzwingen, das ist für Kohelet ein freies Geschenk Gottes. Was bleibt dann? Schicksalsergebenheit in das was kommt oder was nicht kommt? Wenn man Glück hat, kann man sein Leben ein bisschen genießen, wenn man Pech hat, dann wäre es besser eine Fehlgeburt gewesen zu sein (V.3)?

Gottes Wort hin, Gottes Wort her – das ist mir doch ein wenig zu düster! Ich kann Kohelet nicht lesen, ohne das Neue Testament im Hinterkopf. Kohelet geht davon aus, dass nach dem Tod alles aus ist. Ich gehe davon aus, dass nach dem Tod etwas ganz Neues beginnt. In manchen Dingen korrigiert sich die Schrift auch selbst und wir müssen manche Texte im Gesamtzusammenhang der Bibel in einem anderen Licht lesen, als sie ursprünglich gedacht waren. Das heißt nicht, dass wir leichtfertig alle düsteren, unbequemen und schwierig zu verstehende Texte aus der Bibel streichen sollen. Aber es bedeutet für mich z.B. solch einen Text im Licht von Ostern zu lesen. Und in diesem Licht wird eben deutlich, dass das Glück oder Unglück in diesem Leben nicht das letzte Wort ist.

Philipper 4, 10-13 Mangel und Überfluss

Paulus hat gelernt mit Mangel umzugehen. Er hat gelernt, dass Christsein nicht immer automatisch bedeutet satt, reich und zufrieden zu sein. Er lehrt also kein Wohlstandsevangelium. Aber das Gute ist, dass er auch nicht ins andere Extrem verfällt und ein asketisches Christentum lehrt, bei dem man nur wahrer Christ ist, wenn man alles den Armen gibt und selbst kaum überleben kann. Er sagt, dass ihm beides vertraut ist: satt sein und hungern, Überfluss haben und Mangel haben. Beides kann vorkommen, mit beidem muss man als Christ rechnen  und beides ist nicht an sich falsch.

Paulus kann mit beidem zurecht kommen durch den, der ihn mächtig macht: Jesus Christus. Es ist nicht leicht mit Mangel zurecht zu kommen, es ist aber auch nicht leicht mit Überfluss zurecht zu kommen. In beiden Situationen haben wir Jesus nötig. Es kann sein, dass ich als Christ Mangel leiden muss, nicht jeder wird von Gott mit materiellem Segen und irdischen Glück überschüttet. Aber es kann auch sein, dass Gott uns Überfluss schenkt, und dann dürfen wir uns auch darüber ohne schlechtes Gewissen freuen.
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Psalm 112 – Reich gesegnet?

Warum steht so was in der Bibel? „Die Kinder der Frommen werden gesegnet sein. Reichtum und Fülle wird in ihrem Haus sein.“ (V.2-3) Natürlich glaube ich, dass Gott die segnet, die ihm vertrauen. Aber warum wird dieser Segen hier so undifferenziert mit Reichtum in Verbindung gebracht? Jeder der Augen im Kopf hat, sieht doch, dass das nicht stimmt. Es ist eben nicht automatisch so, dass jeder fromme Christ auch mit einem fetten Bankkonto gesegnet ist.

Auch Jesus spricht davon, dass er gekommen ist, um uns „das Leben in ganzer Fülle zu schenken.“ (Joh.10,10; Neues Leben) Aber bei Jesus ist es ganz klar, dass es eben nicht um materiellen Reichtum geht, sondern um eine Fülle in einem umfassenderen Sinn. Für Jesus ist Reichtum nicht unbedingt ein Segen Gottes, sondern er warnt sehr scharf vor den Gefahren des Reichtums: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt.6,24) „Es ist leichter dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ (Mt.19,24) Es geht nicht darum, reich in dieser Welt zu sein, sondern „reich bei Gott“ (Lk. 12,21).
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