Exodus 23, 20-33 (K)ein süßes Engelchen

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.“ (V.20) Ach wie süß von Gott! Er sendet uns einen Schutzengel, der uns den Weg beleuchtet und seine Flügel über uns breitet. Wer denkt da nicht an einen kleinen, kindlichen und weiß leuchtenden Engel, so ähnlich wie sie an vielen Christbäumen hängen?

Um so überraschender der nächste Vers: „Hüte die vor ihm und gehorche seiner Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn; denn er wird eure Übertreten nicht vergeben, weil mein Name in ihm ist.“ (V.21) Das hört sich schon nicht mehr so süß und heimelig an! Ja, Gott beschützt uns und leitet uns auf dem Weg. Aber er ist dabei nicht süß und harmlos, sondern heilig und mächtig! Er ist nicht der große Wünscheerfüller, der uns jedes Hindernis aus dem Weg räumt, sondern er begleitet uns und hat dabei auch Ansprüche und Herausforderungen an uns.

| Bibeltext |

Die Reha – Fit

Hab jetzt den zweiten Tag mit Anwendungen hinter mir. Ich merke schon jetzt, wie die Anwendungen meiner Wade und und meinem Fuß gut tun. Die Wade schmerzt nicht mehr so viel und auch die Schwellung ist ein bisschen zurück gegangen.

Das ist das erste mal, dass ich in Reha bin. Ich musste ehrlich gesagt bisher immer innerlich etwas schmunzeln, wenn Leute erzählt haben, wie stressig die Reha sei. Jetzt geht’s mir selbst so. Ich hab vorher viel zu wenig Sport gemacht (und bin zuviel am Schreibtisch und Computer gesessen) und hier geht es den ganzen Tag rund: Muskelaufbautraining, Ergometertraining, Krankengymnastik, Wassergymnastik, Schwimmen, … Und dazwischen soll ich immer wieder Dehnübungen für meine verhärtete Wade machen. Außerdem laufe ich viel. Und dazu kommen noch andere Termine, wie Entspannungsübungen, Sprechstunden, Visite beim Arzt und noch anderes.

Ich glaube, nach den vier Wochen hier werde ich körperlich so fit sein, wie seit zwanzig Jahren nicht mehr… 😉

Interessant ist, was man hier für Leute trifft und kennen lernt. Mein Tischnachbar beim Essen ist Anfang zwanzig und er hatte im Januar einen schweren Autounfall (als Mitfahrer). Seine Hüfte und sein Bein wurden zertrümmert. Sein Gehirn hatte eine Blutung. Er lag eine Woche im Koma und hat dann eine Woche nur geschlafen. Die Ärzte haben ihn schon aufgegeben. Dann war er insgesamt 78 Tage im Krankenhaus und ist jetzt hier in Reha.

Er kann wieder einigermaßen gehen und das Körperliche kommt langsam wieder, auch wenn er noch immer viele Schmerzen hat. Aber viel schwieriger sind die psychischen Schmerzen. Er hat leere, traurige Augen. Bei dem Autounfall waren vier Personen im Auto, nur drei haben überlebt… Er meint er hatte viele Schutzengel. Im Moment sieht er es so, dass dieser Unfall sein Leben verändern wird. Vorher hat er unter anderem auch Drogen genommen, aber damit will er aufhören. Bitte betet für ihn, für seinen Körper, für sein Psyche und für seine Seele…

Psalm 91 – Getragen trotz Fußschmerzen

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ (V.11-12) Bei solchen Aussagen bin ich immer hin- und hergerissen zwischen Freude und Getröstet-Sein auf der einen Seite und stirnrunzelnder Skepsis auf der anderen Seite.

Diese Verse klingen ja toll, aber wenn ich mein Leben und das Leben anderer Christen anschaue, dann kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln und sagen: „Das ist doch Quatsch! Ich werd nicht ständig von Engeln auf Händen getragen, so dass ich nicht einmal meinen Fuß an einem Stein stoße! Natürlich haut’s auch uns Christen immer wieder in den Dreck – im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Diese Aussagen sind doch ziemlich übertrieben!“

Andererseits merke ich doch auch immer wieder, dass Gott mir tatsächlich Halt und Trost gibt, dass seine Engel mich tatsächlich tragen. Nicht in dem Sinn, dass mir gar nichts Schlimmes mehr zustößt und ich nicht auch mal mit meinem Fuß kräftig gegen einen Stein knalle – aber doch so, dass ich auf einer tiefen und existentiellen Ebene spüre, dass ich getragen bin.
Bibeltext

Matthäus 18, 10-14 – Göttliche Briefumschläge

EngelIch bin ja kein besonderer Freund von diesem „Engelhype“: Engel hier und Engel dort, alles voller Engel. Da werden im christlichen Gewand so manche esoterische Phantasien auf den Buchmarkt geworfen. Das spricht die Leser offenbar an. Und das ist wohl für viele säkulare Leser leichter zu verdauen und zu akzeptieren als die sperrige Botschaft vom Sohn Gottes, der da elend am Kreuz zugrunde geht.

Doch macht mir der heutige Text deutlich, dass auch Jesus konkret mit Engeln gerechnet hat. Er spricht von den „Kleinen“. Damit sind Kinder gemeint oder im übertragenen Sinn: „kleine, unbedeutende Menschen“ (so übersetzt die Gute Nachricht Bibel). Und dann erwähnt er „ihre Engel“. Das heißt, dass es Engel gibt, die in besonderer Weise für diese „Kleinen“ zuständig sind – es ist wohl anzunehmen, dass für jeden dieser „Kleinen“ ein Engel zuständig ist. Hier liegt eine der Wurzeln für die später sehr ausgedehnte Vorstellung vom persönlichen „Schutzengel“.

Soweit, so gut: Es gibt also wohl für jeden (jeden Menschen oder jedes Kind Gottes?) einen Engel, der im Himmel allezeit das Angesicht Gottes sieht (Mt. 18,10). Aber was heißt das? Rettung und Leben gibt es nach wie vor nur durch Jesus Christus – er allein ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und auch in dem Text selbst geht es Jesus nicht um die Engel an sich, sondern um die „Kleinen“ für die sie zuständig sind. Gott freut sich unendlich darüber, wenn auch nur ein einziger der verloren war, wieder gefunden wird. Die Engel dienen hier nur zur Unterstreichung, dass auch die Kleinsten für Gott wichtig sind.

Auch wenn wir an anderen Stellen in der Bibel schauen, dann stehen nie die Engel selbst im Mittelpunkt: Das wichtigste sind nicht die Engel selbst, sondern ihre Botschaft. Daher kommt ja auch ihre Bezeichnung: Im Griechischen bedeutet „angelos“ Bote. Sie sind nur so etwas wie der Briefumschlag, der das Eigentliche transportiert. Schade, wenn sie heute auch bei manchen Christen so groß und wichtig werden. Denn wenn der Bote wichtiger als die Botschaft wird, dann stimmt was nicht…

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Foto: A. Rausch / pixelio.de