Psalm 148 – Lobgesang des Universums

Der Psalm ist ein Aufruf an die ganze Schöpfung, Gott zu loben. Und zwar nicht nur die Menschen, sondern an alles, was existiert: Engel und himmlische Wesen, Sonne, Mond und Sterne, der Himmel, Fische und die Tiefen des Meeres, Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Berge, Bäume, Tiere, … und schließlich auch die Menschen: Könige und Richter, Junge und Alte, die Kinder Israels. Was für eine Fülle!

Wobei mir nicht ganz klar ist, warum z.B. Feuer, Hagel, Schnee und Nebel zum Lob Gottes aufgefordert werden und wie das dann aussehen soll?!? Auf jeden Fall wird deutlich, dass unser menschliches Lob eingeschlossen ist in das Lob der ganzen Schöpfung. Wir sind eingebunden in einen gigantischen Lobgesang des ganzen Universums – von der kleinsten Ameise bis zur unvorstellbaren großen Galaxie. Eine Bestimmung der ganzen Schöpfung ist, Gott zu loben. Gott ist auf unser kleines, kümmerliches Menschenlob nicht angewiesen, aber er freut sich, wenn wir diese Bestimmung erfüllen.

Ich vermute ja, dass z.B. die Berge Gott schon dadurch loben, dass sie einfach da sind. Allein durch ihre Existenz bezeugen sie Gottes Größe und seine Schöpfermacht. Und so ist es wohl in allen Bereichen der Schöpfung: Allein die Existenz der Schöpfung lobt Gott. Und das müsste dann ja auch auf ähnliche Weise für uns gelten: Allein schon dadurch, dass wir existieren und dass wir so sind, wie Gott uns gemacht hat, loben wir ihn. Allein schon dadurch, dass ich versuche der zu sein, zu dem Gott mich erschaffen hat, lobt meinen Schöpfer. Das faszinierende am menschlichen Lob ist, dass wir darüber hinaus bewusst über unser Lob nachdenken können, dass wir reflektieren können und dass wir uns deshalb dazu entscheiden können, Gott ganz bewusst zu loben (oder auch ihn nicht zu loben).
Bibeltext

Psalm 139 – Wunderbarer Schöpfer

Nachdem ich am Wochenende unterwegs war geht es jetzt weiter mit dem bekannten Psalm 139 (auf den sich manche ja schon sehr freuen… 😉 ). Mit wundervoller und bildhafter Sprache wird hier Gottes Größe, Schöpfermacht und Fürsorge beschrieben. Ich finde diesen Psalm klasse und für mich ist es nicht beängstigend, dass Gott mich besser kennt als ich mich selbst, sondern tröstlich.

Aber beim heutigen Lesen bin ich an V.13-14 hängen geblieben: „Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ Dabei musste ich an Menschen denken, denen diese Worte nicht so einfach über die Lippen kommen. Z.B. Menschen, die von Geburt an behindert sind oder Menschen, denen ein depressiver Charakter mit in die Wiege gelegt wurde und die ein Leben lang damit zu kämpfen haben. Oder missgestaltete Babys, die mit zu viel oder zu wenig Gliedmaßen auf die Welt kommen. Oder Menschen mit Intersexualität. Können wir da auch so einfach sagen, dass sie wunderbar gemacht sind?

Für mich deutet sich hier ein grundsätzliches Spannungsfeld an, wenn wir von Gott dem Schöpfer sprechen. Einerseits betont die Bibel, dass Gott alles erschaffen hat und dass alles, was er erschafft, sehr gut ist. Andererseits sieht die Bibel auch sehr klar, dass wir in einer gefallenen Schöpfung leben und dass so manches nicht mehr dem guten Schöpferwillen Gottes entspricht. Die Schwierigkeit ist, diesem Spannungsfeld gerecht zu werden. Einerseits die Freude über Gottes gute Schöpfung (welche in Psalm 139 sehr deutlich wird) und andererseits der Realismus, dass es in unserer gefallenen Schöpfung und auch in mir selbst so manches gibt, was dem Schöpfer gar nicht gefällt.

Nichts desto trotz bin ich auch davon überzeugt, dass auch ein Mensch, der die Gefallenheit unserer Welt am eigenen Leib in besonderer Weise tragen muss (z.B. durch eine Behinderung), trotzdem für sich selbst zu der Aussage gelangen kann (nicht muss!), dass Gott ihn wunderbar geschaffen hat. Ich glaube, dass Gott auch aus Scherben noch etwas Schönes und Wundervolles gestalten kann. Und das erlebt ja jeder, auch ich: In jedem von uns wird an mehr oder weniger offensichtlichen Stellen deutlich, dass wir in einer gefallenen Welt leben, die eben nicht perfekt ist. Ich bin z.B. stark kurzsichtig – ohne Brille ziemlich hilflos… Trotzdem kann ich für mich sagen, dass Gott mich wunderbar erschaffen hat. Und auch bei mir gibt es sicher noch so manche andere Scherben, aus denen Gott in mühevoller Kleinarbeit etwas Gutes und Schönes schafft. Bibeltext

Psalm 104 – Wahre Schönheit

Der Psalm ist ein eindrucksvolles Loblied auf Gott den Schöpfer. Zwei Aussagen sind mir dabei besonders aufgefallen: Zum einen spricht der Psalm von Gottes Schönheit: „Du bist schön und prächtig geschmückt.“ (V.1) Das ist eine Dimension Gottes, über die wir uns normalerweise wenig Gedanken machen: Gott ist schön. Nicht im heutigen, flachen Sinn von „gut aussehend“ oder „sexy“, sondern schön in einem ganz umfassenden Sinn. Wir können Gott nicht sehen und somit auch nicht sein Aussehen beurteilen. Aber der Psalm sagt, dass Gott von seinem Wesen her schön ist. Es geht dabei nicht um irgendeinen oberflächlichen Topmodell-Contest, bei dem es auf eine schöne Fassade ankommt. Es geht nicht um Schönheit, die unseren Augen gefällt, sondern Schönheit, die unsere Herzen berührt.

Ich denke, wenn wir Menschen in unserer Welt etwas Schönes entdecken, dann spiegelt sich darin auch etwas von der Schönheit des Schöpfers wieder. Insofern haben die „schönen Künste“ sehr viel mit Gott zu tun. So mancher Künstler hat eine tiefe Sehnsucht nach dem Schönen und ist sich vielleicht gar nicht bewusst, dass dahinter eine Sehnsucht nach Gott stehen könnte. Durch alle Jahrhunderte hindurch haben Menschen immer wieder gemerkt, dass etwas wahrhaft Schönes unsere normale, irdische Welt transzendiert und übersteigt. Natürlich sollte Kirche nicht zum Kunstverein verkommen und sich nur noch um kulturelle Programme drehen. Aber wir brauchen auch keine Angst vor der Schönheit der Kunst haben – richtig verstanden öffnet sie einen Zugang zur Schönheit Gottes.

Das andere Bild, das mich berührt steht in V.3: „Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes.“ Gott als Wolkenreiter. So wie manche Menschen auf Wasserwellen reiten und surfen, so surft Gott auf den Wolken und Winden. Ein starkes Bild, ein schönes Bild, ein Bild, das mich schmunzeln lässt. Aber nicht weil es lächerlich ist, sondern weil es für mich etwas ausdrückt von der Freude Gottes an seiner Schöpfung.

Interessant ist übrigens, dass diese Vorstellung aus anderen Religionen geklaut ist: Im kanaanäischen Umfeld des Volkes Israel wurde der Himmelsgott Baal auch als „Wolkenreiter“ bezeichnet. Das Alte Testament grenzt sich immer wieder sehr scharf gegenüber anderen Gottesvorstellungen ab – und doch greift es immer wieder auch andere Vorstellungen auf und überträgt sie auf den eigenen Gott. Nach dem Motto: „Ihr redet von Baal als dem Wolkenreiter, aber eigentlich gibt es nur einen Wolkenreiter: unseren Gott Jahwe.“ Ich mag diese Unbekümmertheit, mit der hier fremde Gottesbezeichnungen einfach auf den Gott der Bibel übertragen werden. Manche ängstliche Christen schreien ja gleich bei allem, was mit anderen Göttern und Religionen zu tun hat: „Vorsicht okkult! Alles ganz Böse!“ Aber die Bibel geht hier nicht nur den Weg der Abgrenzung, sondern auch den Weg der Einverleibung und Neudeutung.
Bibeltext

Psalm 24 – Der gekidnappte Psalm

Dieser Psalm wude gekidnappt! Mir zumindest geht es so, dass ich bei „Macht hoch die Tür!“ (V.7) sofort an Weihnachten denke: An das Jesusbaby, an den Christbaum, an romantisches Kerzenlicht, an sentimentale Weihnachtslieder, …

Dabei geht es in Psalm 24 ganz und gar nicht um eine romantische und besinnliche Stimmung. Es geht nicht um ein Baby, sondern um den König der Ehre. Es geht um den Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der Gott, der stark und mächtig ist. Ihm sollen wir die Tore und Türen aufmachen, ihn sollen wir einlassen.
Bibeltext