Römer 8, 26-30: Himmlisches Seufzen

Ich finde es bezeichnend, dass der Geist Gottes uns nicht beim Jubeln hilft, sondern dass er uns mit himmlischem Seufzen hilft. Es gibt viel Schönes in dieser Welt, über das wir uns freuen können und über das wir vor Gott jubeln können. Aber es gibt auch vieles, bei dem wir nur Seufzen können – auch als erlöste Christen.

Vor diesem Hintergrund kann ich auch den herausfordernden V.28 besser einordnen: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Das ist nicht leichtfertig dahingesagt, so als ob uns die Schmerzen dieser Welt gar nicht mehr berühren könnten. Das ist kein triumphales Bekenntnis, dass wir stärker sind als alle Anfechtungen dieser Welt. Nein, das ist ein Festklammern unter Seufzen, dass Gott es am Ende gut machen wird.

| Bibeltext |

Christoph Schlingesief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein

Schlingensief war ein deutscher Allround-Künstler, der unter anderem als Film-, Theater- und Opernregisseur tätig war. 2008 wird bei ihm, im Alter von 47 Jahre Lungenkrebs festgestellt. Es folgen Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Das hektische Leben des aktiven Künstlers steht plötzlich still und es kommen jede Menge Fragen und Ängste hoch. Schlingensief versucht das alles zu verarbeiten, indem er – vor allem in der Anfangszeit nach der Diagnose und der Operation – immer wieder seine Gedanken und Gefühle auf ein Diktiergerät spricht. Das Buch ist die Verschriftlichung dieser Aufzeichnungen. Es ist so etwas wie das Tagebuch eines Krebserkrankten (der dann 2010 an seiner Krankheit stirbt).

Als jemand, der selbst eine Operation wegen eines Gehirntumors hinter sich hat und regelmäßig zur Nachuntersuchung muss, hat mich das Buch besonders berührt. Jede Krebserkrankung ist wieder anders und jeder Betroffene geht damit wieder anders um. Bewegend bei Schlingesief ist, mit welcher Offenheit und Radikalität er sich seinen Fragen und Gefühlen stellt. In den Aufzeichnungen erlebt man mit ihm den rasanten Wechsel zwischen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung auf der einen Seite und immer wieder Hoffnung und zur Besinnung kommen auf der anderen Seite.

Der Autor sucht nach Antworten, er ringt mit sich selbst und mit Gott. Immer wieder beschäftigt ihn auch die Auseinandersetzung mit seinem vor kurzem verstorbenen Vater. Interessant für mich war vor allem die Beschäftigung mit Gott. Schlingensief stammt aus katholischen Hintergrund und er spricht immer wieder von Gott, Jesus und Maria. Manchmal will er gar nichts mehr mit Gott zu tun haben und Gott erscheint ihm weit entfernt und höhnisch. Manchmal fühlt er sich auch getröstet und der Glaube gibt ihm Halt. Spannend auch wie er realisiert, dass er sein Lebenstempo ändern muss, dass er langsamer leben muss und nicht mehr für alles Zeit haben muss.

Worin ich ihm unbedingt zustimme ist, dass sich unsere Gesellschaft nicht ernsthaft mit dem Tod und dem Sterben auseinandersetzt. Das hat kein Platz bei uns. Natürlich haben wir alle Angst davor – aber ob wir mit dieser Angst besser zurecht kommen, wenn wir den Tod einfach verdrängen und nicht wahr haben wollen? Ich fürchte auch wir Christen tun uns oft damit schwer. Wie oft begegnet mir gerade bei Christen eine Verdrängung der Vergänglichkeit. Viele Christen leben genauso nach dem Motto: Hauptsache gesund. Leid und Schmerz hat keinen Platz. Was zählt ist Heilung, Glück und Frieden. Wie viele Berichte und Bücher gibt es über Menschen, die von Gott auf wunderbare Weise gerettet und geheilt wurden? Und wie viele Bücher gibt es darüber, wie Christen mit Würde in den Tod gegangen sind? Aber früher oder später trifft es uns alle! Im Mittelalter gab es noch Bücher über die Kunst des Sterbens (ars moriendi) – heute beschäftigen wir uns mehr mit der unmöglichen Kunst des Nicht-Sterbens.

Das Buch von Schlingensief ist ein guter Anlass, um über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken. Aber auch über das eigene Leben: was ist mir wichtig, womit lohnt es sich, meine kostbare Lebenszeit zu verbringen, was will ich für mich oder auch für andere in meinem Leben tun? Schlingensief hatte auch in seiner Krankheit noch einen unbändigen Hunger nach Leben. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es noch etwas schöneres geben kann, als dieses irdische Leben. Ich lebe auch gern – aber ich seh das dann doch anders: wenn’s schon hier so schön ist – wie genial wird das erst im Himmel werden!

Zitate

  • „Aber Jesus ist trotzdem nicht da. Und Gott ist auch nicht da. […] Es ist alles ganz kalt. Es ist keiner mehr da. Alles ist tot.“ (S. 71)
  • „Es geht um dieses Gefühl, dass es in der Welt, direkt vor meiner Nase, so viele wunderschöne Sachen gibt. Das kann ein Baum sein, ein leckeres Essen, alles, was mir jetzt mehr bedeutet als jemals zuvor. Das Normalste ist das Schönste.“ (S. 103)
  • „Musik kommt jedenfalls aus einer anderen Sphäre, Musik ist wirklich göttlich. Das sagen die Indios, das sagen die Afrikaner, das sagen eigentlich alle. Nur wir glauben, sie kommt aus dem Radio.“ (S. 174)
  • „Das Gottesprinzip ist im Laufe der Jahrhunderte zu einem Prinzip der Schuld und des Leidens verkommen. Warum ist das Gottesprinzip kein Freudenprinzip?“ (S. 211)

(Amazon-Link: Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!)

Siegfried Lenz: Schweigeminute

Ein schönes und melancholisches kleines Büchlein. Hat mir gut gefallen. Lenz lese ich immer wieder gerne. Er ist kein spektakulärer Erzähler, keine ausgefallenen und abgedrehten Geschichten und Figuren. Aber er ist ein Erzähler, ein guter Erzähler. In der heutigen Literatur wollen ja viele durch ungewöhnliche Geschichten, Personen oder einen spektakulären Schreibstil auffallen (zumindest wenn es nicht gerade seichter Kitsch sein soll oder ein Fließbandkrimi). Lenz erzählt einfach nur. Auf ruhige, aber gekonnte Art. Das mag ich.

In dieser Novelle geht es um einen Gymnasiasten, der sich in seine Englisch-Lehrerin Stella verliebt. Lenz arbeitet sehr schön die Hoffnungen und Träume, aber auch die Ängste und Schwierigkeiten heraus, die diese Liebe mit sich bringt. Das ganze endet natürlich tragisch: Stella kommt durch einen Unfall ums Leben. Der traurige Schüler, Christian, erzählt angesichts der Schweigeminute auf der schulischen Trauerfeier der Verstorbenen, dem Leser von ihrer Liebe. Wobei er beim erzählen zwischen Bericht und direkter Anrede an seine tote Liebe wechselt. Auch zeitlich wird immer wieder zwischen der Trauerfeier und der erzählten Geschichte gewechselt.

Dass man als Leser von Anfang an weiß, wie es enden wird, nimmt der Erzählung nichts von ihrer Spannung. Im Gegenteil, dadurch wird die Geschichte zwischen Christian und Stella nur noch intensiver. Wobei ich auch zugeben muss, dass mir die Figur der Stella letztendlich doch etwas zu perfekt und glatt erscheint. Von Anfang an liegt auf ihr der verklärte Blick, mit dem man bei der Trauerfeier das Leben eines Verstorbenen anschaut. Aber es geht ja auch nicht in erster Linie um sie, sondern um Christian und sein Trauer.

Erstaunlicherweise bemerkte ich in dem Buch keine Wut, keine verzweifelte Frage nach dem Warum. Es wird vor allem eines deutlich: Traurigkeit. Es wird nicht Gott angeklagt, wie er so etwas zulassen konnte, sondern es wird einfach nur die Trauer und der Schmerz des Verlustes deutlich. Man ahnt, dass diese Erlebnisse Christian nicht aus der Bahn werfen werden, aber der Verlust wird sein Leben prägen und ihn verändern.

Ich finde das einen guten Umgang mit Trauer und Schmerz. Diese Themen werden in unserer heutigen Welt all zu oft ausgeblendet. Schmerz und Tod darf nicht sein. Und wenn es doch vorkommt, dann finden wir oft gar keine angemessene Weise damit umzugehen. Richtiges Trauern ist gar nicht so einfach. Wir verdrängen viel lieber und wundern uns dann, dass uns das krank macht.

Jeremia 45 Kein Happy End

Das liest sich wie eine abschließende Bemerkung des Schreibers Baruch (der „die Worte, wie Jeremia sie ihm sagte, auf eine Schriftrolle schrieb.“ V.1). Nach diesem Abschnitt kommen noch einige Kapitel mit Gerichtsworten und ein kurzer Nachtrag. Es wird deutlich, dass der Schreiber mit Jeremia und auch mit seinem Volk gelitten hat: „Weh mir, wie hat mir der Herr (!) Jammer zu meinem Schmerz hinzugefügt! Ich seufze mich müde und finde keine Ruhe.“ (V.3) Gott antwortet sinngemäß: „Stell dich nicht so an! Ich muss leider kräftig zuschlagen, weil keiner auf mich hört. Freu dich darüber, dass ich dich mit dem Leben davon kommen lasse…“

Kein Happy End! Bei Jeremia (und Baruch) wird eben nicht am Schluss doch noch alles gut. Es endet mit Gericht, es endet damit, dass Gott einreißt, was er gebaut hat und ausreißt, was er gepflanzt hat. Heute wissen wir, dass er sein Volk trotzdem nicht aufgegeben hat – aber Jeremia wusste nicht, wie es weitergeht. Er hat nur das Scheitern erlebt. Sicher: er wusste, dass Gott einmal einen Neuanfang schaffen wird – aber das war für ihn ferne Zukunft. Er konnte nichts davon sehen. Eine tragische Figur: Er hat sich sein Leben lang für Gott und seine Botschaft aufgeopfert und darf am Ende kein Erfolg sehen… 🙁
Bibeltext

Jeremia 31, 1-14 Getröstet und geleitet

In diesem Abschnitt hat mich ein Vers besonders angesprochen. Nein, es ist nicht der bekannteste aus diesem Kapitel (V.3): „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“ (So übersetzt nicht ganz richtig Luther. Wörtlich müsste die zweite Hälfte, so wie in der Elberfelder Übersetzung heißen: „…darum habe ich dir <meine> Güte bewahrt.“) Egal in welcher Übersetzung: das ist auch ein schöner und tröstlicher Vers.

Aber der Vers, der mich heute berührt hat war V.9: „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ Weinen, Enttäuschung, Versagen, … das alles gehört zu unserem Leben hier. Wir können versuchen, es zu überspielen, oder versuchen, es zu verdrängen, aber es wird immer wieder an die Oberfläche kommen. Dann ist es gut, wenn wir in solchen Situationen nicht ins Leere laufen, sondern in die Arme unseres Vaters, der uns tröstet und der uns leitet. D.h. dass er uns nicht nur in unserm Schmerz versteht und tröstet, sondern dass er uns auch wieder aufrichtet und hilft, den richtigen Weg weiter zu gehen.
Bibeltext

Die Reha – Fit

Hab jetzt den zweiten Tag mit Anwendungen hinter mir. Ich merke schon jetzt, wie die Anwendungen meiner Wade und und meinem Fuß gut tun. Die Wade schmerzt nicht mehr so viel und auch die Schwellung ist ein bisschen zurück gegangen.

Das ist das erste mal, dass ich in Reha bin. Ich musste ehrlich gesagt bisher immer innerlich etwas schmunzeln, wenn Leute erzählt haben, wie stressig die Reha sei. Jetzt geht’s mir selbst so. Ich hab vorher viel zu wenig Sport gemacht (und bin zuviel am Schreibtisch und Computer gesessen) und hier geht es den ganzen Tag rund: Muskelaufbautraining, Ergometertraining, Krankengymnastik, Wassergymnastik, Schwimmen, … Und dazwischen soll ich immer wieder Dehnübungen für meine verhärtete Wade machen. Außerdem laufe ich viel. Und dazu kommen noch andere Termine, wie Entspannungsübungen, Sprechstunden, Visite beim Arzt und noch anderes.

Ich glaube, nach den vier Wochen hier werde ich körperlich so fit sein, wie seit zwanzig Jahren nicht mehr… 😉

Interessant ist, was man hier für Leute trifft und kennen lernt. Mein Tischnachbar beim Essen ist Anfang zwanzig und er hatte im Januar einen schweren Autounfall (als Mitfahrer). Seine Hüfte und sein Bein wurden zertrümmert. Sein Gehirn hatte eine Blutung. Er lag eine Woche im Koma und hat dann eine Woche nur geschlafen. Die Ärzte haben ihn schon aufgegeben. Dann war er insgesamt 78 Tage im Krankenhaus und ist jetzt hier in Reha.

Er kann wieder einigermaßen gehen und das Körperliche kommt langsam wieder, auch wenn er noch immer viele Schmerzen hat. Aber viel schwieriger sind die psychischen Schmerzen. Er hat leere, traurige Augen. Bei dem Autounfall waren vier Personen im Auto, nur drei haben überlebt… Er meint er hatte viele Schutzengel. Im Moment sieht er es so, dass dieser Unfall sein Leben verändern wird. Vorher hat er unter anderem auch Drogen genommen, aber damit will er aufhören. Bitte betet für ihn, für seinen Körper, für sein Psyche und für seine Seele…

Haare waschen!!!

Heute morgen konnte ich – das erste mal seit über zwei Wochen – die Haare waschen! Die Fäden wurden am Montag gezogen und zwei Tage danach darf auch wieder Wasser an die Wunde. Ach – das tat gut!!! 🙂 Damit mein umgekehrter Irokesen-Schnitt nicht so auffällt hab ich gleich den ganzen Schädel auf ähnliche Haarlänge gebracht, wie die nachgewachsenen Haare an der Wunde. Jetzt seh ich schon fast wieder normal aus 😉 :

Die Wunde auf dem Kopf verheilt gut. Das ganze fühlt sich noch etwas taub an, aber das stört nicht. Mehr Sorgen und Probleme macht mir mein linkes Bein. Ich kann es zwar schon leicht besser bewegen, aber es ist total verkrampft und schmerzt. Vor allem in der Wade habe ich Schmerzen und es fühlt sich manchmal so an, als ob sämtliche Muskeln unterhalb des Knies um einige Millimeter zusammen geschrumpft sind. Mit Schmerztabletten geht es dann aber wieder einigermaßen, das ganze entspannt sich etwas und tut auch nicht ständig weh.

Am Freitag darf ich für vier Wochen zur Reha. Ich geh nach Bad Buchau am Federsee und freu mich schon drauf. Hab gehört, dass es ’ne sehr schöne Gegend da ist. Und ich hoffe natürlich, dass die dort auch die richtige Therapie finden für meinen verkrampften Fuß…

Jeremia 18, 1-17 Töpfer und Ton

Eine der bekanntesten Stellen von Jeremia. Er vergleicht Gott mit einem Töpfer und Israel mit einem Tonklumpen. Wie der Töpfer einen missratenen Formgebungsversuch wieder abbricht, den Tonklumpen wieder zusammen knetet und von vorne beginnt, so macht es auch Gott mit Israel: Wenn sie ständig nur anderen Göttern nachlaufen, verwirft er sie und beginnt von Neuem.

Bei diesem Bild erscheint Gott auf den ersten Blick als ziemlich willkürlich und unfair. Er formt etwas und wenn es nicht so wird, wie er sich das vorstellt, dann zerstört er es wieder. Wir fragen uns unwillkürlich: Was kann denn der Ton dafür, wenn der Töpfer sich so blöd anstellt?

Aber aus dem Text wird deutlich, dass der Ton in diesem Vergleich keineswegs als rein passives Material gedacht wird. Es kann sich dem Gestaltungswillen des Töpfers entziehen, es hat seinen eigenen Kopf und seinen eigenen Willen. Da kommt das Bild an seine Grenzen. Das ist ja gerade das Unverständliche: Gott formt etwas und aus irgendwelchen Gründen lässt sich der Ton nicht so formen, wie Gott es gedacht hatte.

Ich möchte bei diesem Abschnitt nicht so sehr auf die vermeintliche Willkür des Töpfers blicken, sondern mich selbst anschauen: Was bin ich für ein Ton? Will ich, dass Gott mich so hin formt, wie er es für richtig hält? Bin ich bereit – auch wenn es weh tut und ich manches nicht verstehe – mich von in die richtige Form kneten zu lassen? Ich bin überzeugt: Auch Krankheit und Schmerzen kann Gott gebrauchen, um mich zu formen.
Bibeltext

Jeremia 10, 17-25 Züchtige mich!

„Züchtige mich, HERR, doch mit Maßen und nicht in deinem Grimm, auf daß du mich nicht ganz zunichte machst.“ (V.24) Was für eine Bitte! „Züchtigen“ – das klingt für uns heute völlig uncool und absolut daneben. Wer will schon gezüchtigt werden?! Da fallen uns doch sofort Prügelstrafe und andere brutale Erziehungsmethoden aus früheren Zeiten ein. Dahin will doch niemand zurück!

Warum bittet Jeremia so etwas?! Verständlich wären andere Bitten: „Vergib mir! Hilf mir! Errette mich! Lass mich nicht zu Grunde gehen!“ Und wenn es sein muss: „Verändere mich! Gib mir ein neues Herz!“ Aber die Bitte: „Züchtige mich“ ?!?!? Ich glaube Jeremia hat kapiert, dass mit unserem so sturen und selbstverliebten menschlichen Herzen Veränderung manchmal nur unter Schmerzen funktioniert. Es kann sein, dass ich erst mal gründlich auf die Nase fallen muss um zu erkennen, dass ich drauf und dran war in den Abgrund hinein zu rennen.

Wir können darum beten, dass Gott uns vor Fehlern bewahrt und dass er uns vor schlimmen Folgen von Fehlern schützt. Wir können aber auch darum beten, dass wir aus unseren Fehlern lernen – das ist wahrscheinlich schmerzhafter, aber ich glaube es langfristig gesehen gesünder. „Züchtige mich! Erziehe mich! Ziehe mich näher zu dir! Nicht nur dadurch, dass Du mir Schwieriges und Schmerzhaftes abnimmst, sondern auch dadurch dass ich durch Schwieriges und Schmerzhaftes hindurch lerne, neu auf Dich zu vertrauen. Nimm mir meine Fehler nicht einfach weg, sondern zeige sie mir, damit ich daraus lernen kann.“
Bibeltext

Jeremia 4, 19-31 Leiden am Unglauben

In zunehmendem Maße leidet Jeremia unter seiner Botschaft. Er ruft seine Landsleute eindringlich zur Umkehr auf, aber sie wollen einfach nicht hören. Jeremia wird immer klarer, dass es zur großen Katastrophe kommen wird: Juda wird erobert und zerstört werden. In diesen Versen beschreibt er diese Zerstörung, die er in einer Vision jetzt schon zu sehen bekommt.

„Wie ist mir so weh! Mein Herz pocht mir im Leibe und ich habe keine Ruhe.“ (V.19) Es zerreißt im förmlich das Herz. Jeremia ist kein unbeteiligter Zuschauer, sondern er liebt sein Volk und er leidet körperliche Schmerzen wegen ihres Unglaubens.

Es ist erschreckend, wie wenig Jeremia mit seiner Botschaft ausrichten kann. Und eigentlich wird hier nicht nur das Leiden Jeremias sichtbar, sondern dahinter steht auch das Leiden Gottes am Unglauben seines Volkes. Auch ihm zerreißt es das Herz! Aber alles Drohen und Warnen scheint nichts zu helfen. Die echte Umkehr bleibt eine Entscheidung des Menschen, die Gott nicht erzwingt – selbst wenn er an dieser fehlenden Umkehr leidet und verzweifelt.
Bibeltext