Apostelgeschichte 20, 1-16 Alltägliche Glaubenskämpfe

Ob diese Geschichte wohl auch in der Bibel gelandet wäre, wenn der eingeschlafene Zuhörer bei diesem Unfall nicht gestorben und von Paulus wieder auferweckt worden wäre? Wahrscheinlich nicht, denn das ist ja gerade das besondere an diesem Ereignis: dass Gott durch Paulus dieses Wunder einer Totenauferweckung bewirkt hat.

Mir selbst geht es allerdings so, dass ich mit dem eingeschlafenen Predigthörer sehr viel mehr anfangen kann, als mit einer Totenauferweckung. Solch ein dramatisches Wunder habe ich noch nie erlebt. Das liest man nur in der Bibel oder hört es aus verschiedenen Quellen, bei denen man nie genau weiß, wie zuverlässig diese Berichte sind. Müde Predigthörer hab ich dagegen schon öfters erlebt (allerdings noch keinen, der dabei vom Stuhl gekippt ist…). Diese ganz normale menschliche Schwäche, die aufgrund einer überlangen Predigt bis um Mitternacht ja auch verständlich ist, ist mir viel vertrauter als irgendwelche besonderen Glaubensereignisse. Das finde ich in der Bibel gerade schön, dass nicht nur die Erfolgsgeschichten erzählt werden, sondern auch die Schwierigkeiten. Ich finde es tröstlich, wenn man in dieser Geschichte so nebenbei erfährt, dass die Christen damals auch nur ganz normale Menschen waren, die mit ihrer Müdigkeit zu kämpfen hatten…

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Lukas 8, 22-25 Die Stille vor dem nächsten Sturm

Die Jünger sind mit Jesus auf einem kleinen Boot im Sturm. Während die Jünger Todesangst haben, schläft Jesus seelenruhig. Er weiß sich geborten von einer Macht die stärker ist als jeder Sturm. Die Jünger wecken Jesus und dieser bringt den Sturm zum Schweigen. „Und es entstand eine Stille.“ Diese Worte haben mich heute beim Lesen besonders angesprochen.

Ich hab auch schon so manche Stürme erlebt und dann auch erfahren, dass Jesus da ist und den Sturm wieder zum Schweigen bringen kann. Oft sah es zunächst so aus, als ob er schläft, als ob er gar nichts tut. Aber er war da. Das stärkt mein Vertrauen zu Jesus. Aber so manches mal wünsche ich mir, dass er die Stürme entgültig zum Schweigen bringt. Es ist ja auch als Christ so, dass immer wieder neue Stürme aufziehen. Stelbst wenn Jesus für Stille sorgt, so kommt früher oder später immer wieder ein neuer Sturm. Ich hab richtige Sehnsucht danach, dass es still bleibt…

Glaube muss im Sturm immer wieder neu wachsen und sich bewähren. Glaube heißt nicht, dass es keine Stürme mehr gibt. Ich möchte von Jesu Gelassenheit lernen. Auch im Sturm ruhig schlafen zu können. Das ist ein weiter Weg und ich bin weit von dieser Gelassenheit entfernt. Aber ich will weiter auf Jesus vertrauen, auch wenn nach der Stille der nächste Sturm kommt.

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Psalm 128 – Schlafen und arbeiten

Das mag ich einfach an der Bibel: Dass vieles immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird. Die Bibel ist kein kühles Lehrbuch, sondern ein Lebensbuch. Und so wie das Leben manchmal verwirrend kompliziert ist, so gibt uns auch die Bibel manchmal eine scheinbar verwirrende Vielfalt von Hilfestellungen für dieses Leben.

Gestern noch (bei Psalm 127) hab ich gelesen, dass Gott es den Seinen im Schlaf schenkt und heute: “Du wirst dich nähren von deiner Hände Arbeit; wohl dir, du hast’s gut.” (V.2) “Ja wat denn nun??? Schlafen oder arbeiten?” Logischerweise beides! Beides gehört zum Leben dazu! Und wir vertrauen darauf, dass Gott beides segnet. Für einen Workaholic ist wichtig zu hören, dass nicht alles nur an ihm hängt und dass Gott das entscheidende Gelingen ohne sein Zutun schenken kann. Für einen müden Faulpelz ist es wichtig, dass Gott gerade seine eigenen Bemühungen segnen und stärken will. Dumm läuft’s dann nur, wenn die Workaholics nur die Stellen mit dem “Arbeite!” hören und die Faulpelze sich auch Psalm 127,2 ausruhen… ;)
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Psalm 127 – Ohne Augenzwinkern

„Denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.“ (V.2) Komisch: Wenn ich so darüber nachdenke, dann wird dieser Vers meistens nur mit einem Schuss Ironie oder mit einem Augenzwinkern zitiert. Z.B. als witzig gemeinte „Ausrede“ wenn jemand verschlafen hat. Oder mit leicht vorwurfsvollem Ton, wenn sich jemand zu wenig in der Gemeinde einbringt. Diese Aussage scheint für uns eher eine nicht ganz ernst gemeinte Übertreibung zu sein. Es scheint eine stille Übereinkunft zu geben, dass der Vers, so wie er dasteht, natürlich nicht gemeint sein kann: „Natürlich wird uns alles von Gott geschenkt, aber wir müssen doch auch was dafür tun! Nur die Hände in den Schoss legen und den Tag verschlafen geht doch nicht!“

Wie wär’s wenn wir den Vers mal ohne Augenzwinkern lesen?!?