John Williams: Stoner

Williams: StonerIst dieser Roman jetzt deprimierend oder faszinierend? Einerseits ist diese Lebensgeschichte eines Literaturprofessors eine Geschichte voller Enttäuschungen und unerfüllter Träume. Nichts läuft in diesem Leben so richtig gut. Man leidet als Leser mit dieser tragischen Hauptperson. Andererseits hat dieser nüchterne Bericht auch eine eigenartige Faszination. Die Hauptperson lässt sich nicht kleinkriegen und man ist als Leser beeindruckt von seiner Stärke. Auch wenn in dem Roman nichts außergewöhnliches geschieht, versteht es der Autor so zu schreiben, dass man als Leser dran bleiben möchte.

Der Roman ist schon älter, er wurde 1965 von dem amerikanischen Literaturprofessor John Williams veröffentlicht. Allein schon der Beruf verät, dass in dem Buch wohl auch manch autobiographische Erlebnisse verarbeitet wurden. Es liegt eine gewisse passende Tragik darin, dass der Roman zunächst nicht groß beachtet wurde und erst Jahre nach dem Tod von Williams (1994) wieder entdeckt wurde und inzwischen zu einem Welterfolg wurde. Es gibt inzwischen zahllose begeisterte Rezensionen zu diesem Buch. Nur hat der Autor nichts mehr von dieser späten Anerkennung… John Williams: Stoner weiterlesen

Apostelgeschichte 23, 12-35 Etappen auf dem Weg nach Rom

Ehrlich gesagt, kann ich mit diesem Text nicht besonders viel anfangen. Fanatische Juden wollen Paulus umbringen und die Römer sind sich etwas unschlüssig, wie sie mit Paulus umgehen sollen. Nicht jeder Bibeltext ist gleich wichtig für meinen persönlichen Glauben. Und auch nicht jeder Bibeltext ist von seinem theologischen Gewicht her gleich wichtig.

Ich denke, Lukas geht es darum das Schicksal von Paulus zu erzählen. In der gesamten Erzählung wird immer wieder deutlich, dass hier zwar Menschen handeln, dass aber letztendlich Gott seine Finger mit ihm Spiel hat. In Apg.23,11 spricht Gott dem Paulus zu, dass er in Rom Zeuge für das Evangelium sein wird. Dieser Text heute ist ein kleiner Baustein, wie Gott gerade das gegen Paulus gerichtete Verhalten von Menschen benützt, um diese Verheißung wahr zu machen.

Vielleicht ist das ja etwas, was ich mitnehmen kann aus diesem Text: Auch in meinem Leben kann ich Gottes Handeln oft nicht direkt erkennen. Ich fühle mich als Spielball des Schicksals, mache mir um so manche Bedrohungen Sorgen und es scheint von Gottes Seite her nicht viel zu passieren. Aber letztendlich ist er doch da und hat mein Leben im Griff.

| Bibeltext |

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden

Tolstoi: Krieg und FriedenWas für ein monumentales Werk! Das Buch ist wie ein riesiger Berg: Auf dem Weg zum Gipfel kann man sich leicht verlaufen, man kann die Lust verlieren, man kann müde werden, man fragt sich, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Berg zu erklimmen,… und ich muss zugeben auch ich hab mich durch das Buch durchkämpfen müssen. Aber ich bin froh, dass ich es getan habe. Es ist gut, am Ende auf dem Gipfel zu stehen und die Aussicht zu genießen. Lew Tolstoi: Krieg und Frieden weiterlesen

Hermann Hesse: Gertrud

Parallel zu Hesses Romanen lese ich gerade die Hesse-Biographie von Gunnar Decker. Darin wird deutlich, dass die Romane Gertrud und Roßhalde aus einer Übergangszeit von Hermann Hesse stammen. Er hatte mit Peter Camenzind einen großen Erfolg, mit dem darauffolgenden Roman „Unterm Rad“ verarbeitete Hesse seine Jugendzeit. Inzwischen hat er eigentlich sein großes Ziel erreicht: er ist Schriftsteller und kann von seine Einkünften leben. Recht gut sogar. Er hat geheiratet, hat Kinder bekommen, hat sich in Gaienhofen am Bodensee ein ansehnliches Haus gebaut. Er hat eigentlich die Krisen seiner Jugendzeit und des beruflichen Anfangs hinter sich – aber genau das macht ihm zu schaffen. Hermann Hesse: Gertrud weiterlesen

Anne Frank: Tagebuch

Überrascht, fasziniert und bewegt hat mich das Tagebuch von Anne Frank. Obwohl ich gerne lese und Anne Frank eigentlich zur Standardliteratur in deutschen Schulen zählt, hab ich das Buch bis jetzt noch nicht gelesen und wusste auch kaum etwas über den Inhalt.

Überrascht hat mich, dass von den eigentlichen Schrecken des Krieges recht wenig direkt deutlich wird (auf indirekte Weise dann natürlich schon). In den Tagebucheinträgen, welche Anne Frank im Alter zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren schrieb, wird vor allem der Alltag von acht Juden deutlich, welche sich in einem abgeschirmten Hinterhaus in Amsterdam während der deutschen Besetzung versteckt hielten. Vom Krieg selbst erhalten die untergetauchten Juden nur indirekt über ihre Helfer oder über Radio Informationen. Im Alltag bestimmender sind die zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen, die nervliche Anspannung aufgrund der Enge und der Angst und für Anne Frank selbst ihre persönliche Entwicklung und die Auseinandersetzung mit ihren Eltern in diesen Jahren der Pubertät.

Faszinierend ist, was in diesen ungeschönten Tagebucheinträgen deutlich wird von der Person der Anne Frank. Ein hoch intelligentes und schriftstellerisch begabtes junges Mädchen. Nach außen hin fröhlich, extrovertiert, selbstbewusst und oft auch frech. Aber in ihren Aufzeichnungen wird auch eine zweite, nachdenkliche und tiefgängige Seite ihres Charakters deutlich. Es werden ihre Ängste und Kämpfe deutlich, ihre Sehnsucht nach Verstandenwerden und Ernstgenommenwerden, ihre Verletzungen und wie sie diese Verletzungen nach außen hin überspielt.

Bewegt hat mich diese innere Entwicklung eines jungen Menschen unter extremen Bedingungen. Bewegt hat mich auch das Schicksal der ganzen Familie und der anderen im Versteck untergekommenen Juden. Was für ein Wahnsinn, dass diese ganz normalen Menschen mit ihren Träumen, Hoffnungen und Ängsten kein Recht zum Leben haben sollten, nur weil sie Juden waren!?! Bewegend sind auch und gerade diese Beschreibung der manchmal scheinbar kleinen Alltagssorgen, welche auf paradoxe Weise verdeutlichen, welcher Irrsinn es ist, wenn Menschen, die einfach nur leben und lieben wollen, im Chaos des Krieges zerrieben werden.

(Amazon-Link: Anne Frank Tagebuch)

Haruki Murakami: Mister Aufziehvogel

Ein monströser Roman der versucht, alles mögliche mit einzubinden. Gewaltig ist allein schon der Umfang: über 750 Seiten. Vielfältig sind auch die Erzählstränge und Personen. Schwer einzuordnen ist auch das Genre: Was ist dieser Roman? Ist es ein Entwicklungsroman? Ein Selbstfindungroman? Eine Liebesgeschichte? Ein surrealistischer Traum? Eine Fantasygeschichte? Eine Allegorie? Pure Esoterik? Eine neuromantische Suche nach dem Kern des Seins? Ein postmodernes Spiel mit der Realität? Irgendwie ist es von allem etwas…

Die Hauptfigur und der Ich-Erzähler des Romans ist Toru Okada. Der 30-jährige steht an einem Scheidepunkt in seinem Leben. Er hat seinen Job als besserer Laufbursche in einer Anwaltskanzlei gekündigt und ist sich unsicher, wie sein Leben weitergehen soll. Doch dann gerät sein normales bürgerliches „Hausmannsdasein“ aus den Fugen. Er erhält seltsame obszöne Anrufe, der geliebte Kater seiner Frau verschwindet, dann verschwindet ohne ersichtlichen Grund und ohne deutlicher Erklärung seine Frau (mit der er eigentlich ganz glücklich zusammen gelebt hat), er begegnet vielen seltsamen Menschen…

Am Ende wird deutlich, dass es um einen Kampf zwischen Gut und Böse geht. Das Böse wird repräsentiert vom Bruder seiner Frau, Noboru Wataya. Er ist ein aufstrebender, mediengewandter Politiker. Von Anfang an ist er Toru unsympathisch und im Lauf des Buches wird deutlich, dass Noboru eine übersinnliche Gabe hat, um Menschen auszunutzen und zu manipulieren.

Neben diesem Grundgerüst gibt es noch jede Menge Nebenfiguren, Erzählstränge und wiederkehrende Motive. Ein Motiv ist das des Aufziehvogels. Verschiedene Personen hören in entscheidenden Phasen ihres Lebens den Schrei eines Vogels, der sich anhört, als ob eine Feder aufgezogen wird. Die Hauptfigur deutet das so, als ob der Vogel durch seinen Schrei die Feder der Welt aufzieht, um sie am Laufen zu halten. Er selbst bekommt den Spitznamen „Mister Aufziehvogel“ von einer 16-jährigen nachdenklichen und suchenden Nachbarin, weil ihr sein wirklicher Name zu kompliziert ist.

Ein weiteres Motiv ist das des Brunnens. Toro Okada steigt in einen tiefen trockenen Brunnen, um in Ruhe über sich und seine Welt nachzudenken. Das Motiv symbolisiert deutlich die innere Einkehr, den Rückzug in die eigene innere Welt, indem man sich von allem Äußeren abschirmt. Zugleich ist für die Hauptfigur der Brunnen der Ort an dem er Zugang zu anderen Welten findet.

Etwas verloren und zusammenhanglos kommen mir in der Rahmenhandlung einige Episoden aus dem japanisch-chinesischen Krieg (welcher von 1937-1945 stattfand). Hier tritt das phantastische Element zurück und Murakami schildert eindrücklich an Einzelschicksalen die Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges.

Charakteristisch ist für Murakami der prägnante, fesselnde und sehr realistische Erzählstil. Dieser steht in Spannung zu den fantastischen und surrealen Inhalten, welche in die reale Welt eingeschoben werden. Die Grenzen zwischen Realität und Traum sind fließend. Aber es sind nicht unbedingt nur reale und surreale Welt, die aufeinander stoßen, sondern es sind unterschiedliche Wahrnehmungen der Welt und damit – postmodern gesprochen – unerschiedliche Welten, die aufeinander stoßen.

Ich fand den Roman einerseits faszinierend. Er erinnert mich an fantastisch-phantasiereiche Romane von E.T.A Hoffmann, allerdings vermischt mit der bedrückenden Schwere eines Kafkas und einem schonungslos realistischen modernen Erzählstil. Handwerklich und stilistisch ist Murakami ein richtig Großer.

Andererseits wurde es mir nach dem ersten Drittel auch ein wenig zu viel. Zu viele Unklarheiten, zu viele surreale Begebenheiten, zu viele Personen, die dann plötzlich verschwinden, zu viele Nebenschauplätze,… Es ist teilweise kein roter Faden mehr zu erkennen. Aber vielleicht will der Autor gerade damit die Verlorenheit von uns Menschen in der postmodernen Welt verdeutlichen, in der einfach alles zu viel wird. Auf jeden Fall erschwerte es mir das Lesen, des vom Stil her eigentlich spannenden Buches. Man braucht schon eine gewisse Geduld und Ausdauer.

Es gelingt Murakami eine faszinierende fremde Welt aufzubauen. Ich kann verstehen, dass der Roman so manchen Leser in seinen Bann zieht und auf manche fast therapeutische Wirkung haben kann. Für mich ging der Roman aber hart an den Punkt, an dem ich dem Autor seine Romanwelt nicht mehr abgenommen habe. Nach meinem Empfinden ist der Roman knapp davor, den Bogen zu überspannen. Für mich wäre der Roman mit etwas weniger Durcheinander und weniger Übersinnlichem überzeugender gewesen. Aber Murakami bleibt trotzdem ein faszinierender Schriftsteller und jeder Leser muss selbst entscheiden und ausprobieren, ob er in das Murakamische Universum abtauchen und überzeugen lassen kann.

(Amazon-Link: Murakami: Mister Aufziehvogel)

John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

Schade, seine frühen Romane habe ich regelrecht verschlungen und war begeistert von seinen skurrilen Figuren, von einfallsreichen Geschichten und seiner bizarren Fantasie. Die letzten paar Bücher von ihm fand ich nicht so prickelnd und auch bei diesem (wie üblich langen) Roman musste ich mich phasenweise durchkämpfen.

Trotzdem ein guter Roman, der mir letztendlich auch gefallen hat. Und mit dem urwüchsigen und eigensinnigen Holzfäller Ketchum ist Irving wieder einmal ein toller skurriler Charakter gelungen. Wer Irving kennt, wird sich freuen, dass auch in diesem Buch wieder einmal Bären auftauchen und es an einigen Stellen um das Ringen geht.

Die Hauptperson des Buches und zugleich der Erzähler ist ein Schriftsteller, der als Sohn eines Kochs in einem Holzfällercamp aufwächst. Der Roman erstreckt sich über einen Zeitraum von über 50 Jahren und erzählt fast die ganze Lebensgeschichte der Hauptperson. Auf Grund eines (wieder mal skurrilen) „Unfalls“ müssen der Erzähler und sein Vater aus dem Holzfällercamp fliehen und sie verbringen ihr restliches Leben in der Angst, aufgespürt und getötet zu werden. Immer wieder finden sie ein neues zu Hause und verbringen einige Jahre oder Jahrzehnte an einem Ort.

Der Holzfäller Ketchum ist im gleichen Alter wie der Vater und der beste Freund der beiden. Er begleitet ihr Leben aus der Ferne. Weil sie auf der Flucht sind wechseln sie öfters die Namen. Der Schriftsteller wird unter dem Pseudonym Danny Angel nach einiger Zeit recht erfolgreich, findet aber nie so richtig ein geordnetes Leben und privates Glück. Im Grunde ist das ganze Buch eine Beschreibung davon, wie einige Menschen trotz dunklen Schicksalsschlägen irgendwie durch’s Leben torkeln, ohne unter zu gehen.

Schwierig bei diesem Buch fand ich die Länge, die vielen verschiedenen Schauplätze und auch die vielen verschiedenen Personen, die auftauchen. Für meinen Geschmack ist das einfach zu viel des Guten und es verwirrt den Leser unnötig.

Gefallen hat mir wie gesagt die Figur des Ketchum, da leuchtet noch etwas auf von Irvings bissiger, übertriebener und doch liebevoller Erzählweise der frühen Romane. Gefallen hat mir auch der melancholische Grundton des Buches. Das Leben der Hauptperson ist geprägt von Verlustangst. Er hat mit zwei Jahren seine Mutter verloren und fürchtet nun ständig, die wenigen ihm nahestehenden Personen zu verlieren. Zur Dramatik des Buches gehört natürlich, dass er in diesem Bereich Schweres durchmachen muss. Er bleibt bis zum Ende auf der Suche nach einem Ort der Sicherheit und des Friedens, nach einem Engel, der ihn in die Arme nimmt und tröstet. Vielleicht ist es die Suche nach der verlorenen Mutter, in deren Armen er sich Geborgenheit und Sicherheit erhofft.

Ich glaube jeder Christ hat eine Ahnung von dieser Sehnsucht und Suche nach Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, Friede. Biblisch gesprochen: Schalom. Wir sollten als Christen nicht so tun, als ob wir schon am Ziel sind und alle Fragen des Lebens beantworten können. Auch wir sind noch auf dem Weg, auf der Suche nach diesem umfassenden Schalom. Auch wir haben nur eine leise Ahnung von dieser Geborgenheit in Gottes Armen, die allen Schmerz verschwinden lassen wird. Aber ich glaube auch, dass wir Christen zumindest auch eine Ahnung davon haben, in welcher Richtung wir diesen Schalom suchen sollen…

Kohelet 6, 1-12 Düster, düster!

Kohelet spricht von Reichtum, Kindersegen und einem langen Leben. Nach der damaligen Vorstellung war all dies ein deutliches Zeichen für ein gesegnetes Leben. Aber er stellt fest: All das bringt auch nichts, wenn man dabei nicht glücklich ist, wenn Gott es nicht schenkt, dass man es genießen kann. Was ist die Konsequenz? Es lohnt sich nicht nach solch irdischen Gütern zu streben, es kommt ja doch nur darauf an, dass Gott einem Glück schenkt. Aber auch das kann man ja nicht erzwingen, das ist für Kohelet ein freies Geschenk Gottes. Was bleibt dann? Schicksalsergebenheit in das was kommt oder was nicht kommt? Wenn man Glück hat, kann man sein Leben ein bisschen genießen, wenn man Pech hat, dann wäre es besser eine Fehlgeburt gewesen zu sein (V.3)?

Gottes Wort hin, Gottes Wort her – das ist mir doch ein wenig zu düster! Ich kann Kohelet nicht lesen, ohne das Neue Testament im Hinterkopf. Kohelet geht davon aus, dass nach dem Tod alles aus ist. Ich gehe davon aus, dass nach dem Tod etwas ganz Neues beginnt. In manchen Dingen korrigiert sich die Schrift auch selbst und wir müssen manche Texte im Gesamtzusammenhang der Bibel in einem anderen Licht lesen, als sie ursprünglich gedacht waren. Das heißt nicht, dass wir leichtfertig alle düsteren, unbequemen und schwierig zu verstehende Texte aus der Bibel streichen sollen. Aber es bedeutet für mich z.B. solch einen Text im Licht von Ostern zu lesen. Und in diesem Licht wird eben deutlich, dass das Glück oder Unglück in diesem Leben nicht das letzte Wort ist.

Kohelet 3, 1-8 Alles hat seine Zeit

Der wohl bekannteste Abschnitt aus Kohelet. Ein Text, der nicht nur Christen anspricht, sondern auch andere Menschen. Denn es geht um eine menschliche Grunderfahrung: Wir haben die Zeit nicht in unseren Händen. Trotz aller Terminplanung und allem Zeit-Management – wir machen immer wieder die Erfahrung, dass wir nicht Herr über die Zeit sind. Das Wesentliche im Leben können wir nicht bestimmen, herbeiführen und zeitlich einplangen, sondern es widerfährt uns.

Für mich ist klar, dass Gott derjenige ist, der alles zur rechten Zeit geschehen lässt. Auch wenn ich das nicht immer verstehe, ist mir das viel lieber als davon auszugehen, dass alles nur Zufall und blindes Schicksal ist. Alles hat seine Zeit und meine Zeit steht in Gottes Hand…

| Bibeltext |

Jeremia 49 Gott handelt in der Geschichte

In diesem Kapitel finden sich weitere Weissagungen gegen Nachbarvölker von Israel: gegen Ammon (östlich von Juda), gegen  Edom (südlich von Juda), gegen Damaskus (nordöstlich von Juda – wobei Damaskus als Hauptstadt für das syrische Reich steht), gegen arabische Stämme (in der weiter östlich von Juda gelegenen Wüstengegend) und gegen Elam (nördlich von Babylonien).

Sie alle betrifft die Machtexpansion des babylonischen Großreichs. In der damaligen Zeit waren Politik und Religion nicht getrennt, sondern auf engste verbunden. Die Babylonier eroberten im Namen ihres Gottes andere Länder. Wenn Jeremia hier nun Weissagungen vom Gott der Bibel gegen andere Völker ausspricht, so hat das auch eine sehr politische Dimension. Man ahnt in diesem Kapitel etwas von dem Schrecken, der von Babylonien damals ausging.

Trotzdem bleibt bei Jeremia deutlich, dass Babylonien nur so handeln und erobern kann, weil Gott selbst es zulässt. Gott gebraucht den babylonischen König Nebukadnezar und seine brutale Kriegspolitik und stellt sie in seinen Dienst. Wobei wir nicht den Fehler machen dürfen und jede geschichtlich-politische Gegebenheit als Willen Gottes anzuerkennen. Hier wird die politische Lage erst durch das Prophetenwort des Jeremia als Handeln Gottes gedeutet. Die Kunst ist zu erkennen, wann Gott dahinter steht und wann nicht, wann wir uns in eine schwieriges Schicksal ergeben müssen und daraus lernen müssen, und wann wir dagegen ankämpfen müssen.
Bibeltext