Römer 3, 9-20: Wozu das Gesetz?

Mit Römer 3,20 ist ein erster Gedankengang des Paulus abgeschlossen: Weder Heiden noch Juden können durch Werke des Gesetzes vor Gott gerecht werden. Die Juden haben zwar durch die besondere Gesetzesoffenbarung einen Vorteil, aber Gottes Forderungen zu kennen, bedeutet noch nicht, auch danach zu leben. Das Gesetz, die Gebote der Bibel, sie zeigen Gottes Willen. Wenn wir nicht fähig sind, diesen Willen zu erfüllen, dann zeigt uns das Gesetz vor allem unser Ungenügen, unsere Sünde vor Gott. Weiter geht es dann ab V.21 mit der positiven Entfaltung: mit der Rechtfertigung durch Glauben.

Paulus spekuliert an dieser Stelle nicht darüber, warum Gott dann überhaupt das Gesetz gegeben hat. Er hätte es doch gleich wissen müssen, dass die Menschen es nicht erfüllen können. Und wenn wir Gottes Forderungen eh nie gut genug erfüllen können, dann brauchen wir uns doch erst gar nicht darum bemühen. Man muss an dieser Stelle unterscheiden: Um vor Gott gerecht zu sein, kann uns das Gesetz nichts nützen. Wir werden immer wieder daran scheitern.

Aber trotzdem können Gottes Gebote doch einen positiven Effekt für unseren Umgang miteinander und mit Gott haben. Jemand der z.B. versucht, nicht zu lügen und mit anderen ehrlich umzugehen, hat sicher einen positiveren Effekt auf seine Umwelt, als jemand, der sich darum von vornherein nicht bemüht. Auch wenn wir immer wieder daran scheitern, so hat schon der Versuch, mit anderen liebevoll umzugehen andere Auswirkungen, als wenn wir gar nicht nach Gottes Willen fragen. Wir dürfen uns nur nichts darauf einbilden und meinen, dass uns das dann vor Gott gerecht machen kann. Das ist der Punkt des Paulus: In der Frage unserer Rechtfertigung vor Gott können wir uns durch Gesetzeswerke nichts verdienen – „durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“

Johannes 13, 12-20 Überforderung

Das überfordert mich! Jesus wäschst seinen Jünger die Füße und deutet damit seine eigene Lebenshingabe für sie an. Jetzt fordert er seine Jünger auf, sich auch gegenseitig die Füße zu waschen. Natürlich müssen wir unterscheiden zwischen Jesu Sühnetod für uns und dem, was wir für andere tun können. Wir brauchen für andere keine Erlösung zu erwirken, das hat Jesus am Kreuz getan. Aber Jesus fordert uns nachdrücklich zum Dienst am anderen auf – und dabei sollen wir uns Jesus selbst als Beispiel und Vorbild nehmen.

Wie soll das gehen? Wie sollen wir uns den, der von keiner Sünde wusste, zum Vorbild nehmen? Wie sollen wir je so perfekt, liebend und hingegeben werden wie Jesus? Wenn wir das wirklich ernst nehmen, dann kann man verstehen, dass so manche Christen an diesem Anspruch von vornherein scheitern und sich dauernd als Versager fühlen. Wer kann das schon erreichen? Je länger ich Christ bin, desto deutlicher spüre ich mein Unvermögen. Diesen Anforderungen kann ich nicht gerecht werden. Ich brauche selbst diesen Jesus, der mir immer wieder die Füße wäscht – wie sollte ich dann für andere ein Jesus werden? Ich kann nur hoffen und beten, dass Jesus gerade in meiner Schwachheit selbst durch mich wirkt.

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Lukas 22, 54-62 Felsenfest

Zu der Verleugnung des Petrus habe ich am letzten Sonntag gepredigt. Ein wichtiger Gedanke für mich war, dass gerade das Versagen der Verleugnung und die spätere Erfahrung, dass Jesus Christus ihn dennoch annimmt, den Petrus zum Fels der Gemeinde gemacht haben. Jesus hat dem Simon ja den neuen Namen Petrus (griechisch für „Fels“) gegeben und verheißen, dass er auf diesen Fels seine Gemeinde bauen will. Petrus hat durch sein Versagen in der Verleugnung nun ganz deutlich gemerkt und bitter lernen müssen, dass er dieser Fels der Gemeinde nicht aus eigener Kraft sein kann. Dieser Fels kann er nur als begnadigter Sünder sein.

Das gilt auch für andere Christen: Stark im Glauben macht uns nicht unsere eigene Kraft und Glaubensstärke, sondern die bittere Erfahrung unseres Scheiterns und die Erfahrung von Gottes vergebender Liebe. Felsenfest auf Jesus stehen wir nur, wenn unsere eigene Selbstsicherheit gründlich erschüttert wurde und wir ganz existentiell merken, wie tief wir von Gottes Gnade und Kraft abhängig sind.

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Richter 8 Ein Glaubensheld auf Achterbahnfahrt

Was für Extreme! In V.23 ist Gideon noch das große Vorbild im Glauben. Er lehnt es ab über die Israeliten zu herrschen und sagt demütig: „Ich will nicht Herrscher über euch sein, und mein Sohn soll auch nicht Herrscher über euch sein, sondern der Herr soll Herrscher über euch sein.“ Für ihn gibt es nur einen wahren Herrscher: Gott selbst. Doch schon in V.27 wird berichtet, dass auch Gideon auf Abwege geraten ist: Er hat sich aus dem erbeuteten Gold der Feinde eine Götterstatue machen lassen „und ganz Israel trieb dort mit ihm Abgötterei.“

Vom großen Helden zum Götzendiener! Wie nah liegen vorbildhafter Glaube und Scheitern doch oft zusammen! Es ist erschreckend, dass unser Herz so wankelmütig ist, dass wir Menschen uns so schnell aus der Bahn werfen lassen. Wir sollten uns nicht zu viel auf unsere eigene Glaubensstärke einbilden. Ohne Gottes Gnade und seinen Heiligen Geist sind wir schnell am Ende. Auch Glaubenshelden (und vielleicht sie in besonderer Weise) haben immer wieder die demütige Ausrichtung auf Gott nötig.

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Richter 1 Nüchterne Bilanz

Das Buch über die Richter schließt an das Buch über Josua an. Im ersten Kapitel wird eine nüchterne Bestandsaufnahme gegeben. Die charismatische Leiterperson des Josua ist tot. Die Stämme sind zwar im verheißenen Land, aber es ist ihnen nicht gelungen, die Kanaaniter völlig zu vertreiben. Immer wieder heißt es in diesem Kapitel, dass die Kanaaniter noch mitten unter ihnen waren und auch auf lange Sicht nicht vertrieben werden konnten, sondern später fronpflichtig wurden. Es wird schonungslos offen festgestellt: es ist nicht so gekommen, wie wir uns das erhofft hatten.

Auch in unsrem Leben brauchen wir immer wieder eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wie sieht es in unserem Leben aus? Haben wir das erreicht, was Gott von uns wollte? Haben sich Gottes Verheißungen erfüllt? Verheißungen sind keine Automatismen, die sich unabhängig von unserer Einstellung und den Umständen erfüllen. Es hilft nichts, sein Leben zu beschönigen und schwierige Situationen mit frommem Geschwätz schön zu reden. Das mag in an der Bibel, dass auch das Scheitern erwähnt wird, dass es nicht schamhaft verschwiegen wird. Wichtig ist, das Scheitern im Angesicht Gottes zu verarbeiten.

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