1. Johannes 3, 1-2 IHN sehen!

Wir werden „ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (V.2) Ich lebe gerne. Ich hab nicht den Wunsch, diese Welt so schnell wie möglich zu verlassen. Gott hat mir viel Gutes und Schönes geschenkt. Aber ich freue mich trotzdem auf diesen Augenblick: Ihm gegenüberstehen und ihn sehen, wie er ist. Das wird fantastisch werden!

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Richter 21 Am Ende bleibt die Hoffnung

Immerhin: das Richterbuch endet einigermaßen versöhnlich. Das Volk versammelt sich zum Gottesdienst und sie freuen sich nicht über den Sieg über den Stamm Benjamin, sondern sie trauern. Sie wollen den übrig gebliebenen Benjaminitern sogar helfen, um weiter überleben zu können. Die Mittel um den übrigen Männern von Benjamin Frauen „zu beschaffen“ sind allerdings ziemlich fragwürdig…

Am Ende bleibt die Hoffnung. Die Israeliten damals setzten ihre Hoffnung auf einen irdischen König (V.25). Den bekamen sie auch und es ging eine Zeit lang gut. Aber dann kam doch wieder das Chaos. Mir geht es heute als Christ manchmal ähnlich: am Ende bleibt die Hoffnung. Man erlebt so manches mal Gottes Hilfe und Eingreifen. Aber es bleibt trotz Jesus Christus und dem Heiligen Geist, durch den er in uns wohnt, immer noch so viel Chaos in unserer Welt. Auch wir haben die Vollkommenheit noch nicht in der Hand, auch wir leben noch im Glauben und Vertrauen und nicht im Schauen. Aber die Hoffnung bleibt.

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Exodus 33, 7-23 Gottes Herrlichkeit sehen

Für mich einer der schönsten und geheimnisvollsten Abschnitte des Alten Testaments. Zunächst wird berichtet, dass Gott mit Mose von Angesicht zu Angesicht geredet hat, „wie ein Mann mit seinem Freunde redet“ (V.11). So direkt und vertraut, wie ich mit einem guten Freund reden kann, hat Gott mit Mose geredet.

Die Formulierung „von Angesicht zu Angesicht“ bedeutet nicht, dass Mose Gott sehen konnte, sie betont vor allem den vertrauten Umgang. Das wird auch in den folgenden Versen deutlich. Denn hier wird beschrieben, wie Mose ein großes Verlangen danach hat, Gottes Herrlichkeit zu sehen. Gott antwortet darauf ausdrücklich: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ (V.20) Nicht einmal Mose kann es ertragen, Gott in seiner Herrlichkeit zu sehen. Gottes Lichtglanz ist unendlich stärker und strahlender als die Sonne, die ja nur ein Geschöpf ist. Wenn wir nicht einmal die Sonne direkt anschauen können, dann kann man sich vorstellen wie es ist, wenn wir vor Gottes Herrlichkeit stehen!

Das Wunderbare an dieser Stelle ist, dass Gott die Bitte nicht einfach abtut, sondern dass er dem Mose das Äußerste gewährt, was ein Mensch gerade noch ertragen kann: Gott stellt Mose in eine schützende Felsspalte, hält seine Hand über ihn und dann darf Mose hinter Gott hersehen (V.23). Mose bekommt nur den Abglanz, die Rückseite von Gottes Herrlichkeit zu sehen – aber schon das ist eine außergewöhnliche Ehre und sehr gefährlich!

In welchem Licht leuchten da manche neutestamentliche Verheißungen auf! Wer zu Jesus gehört, dem wird einmal Gott persönlich alle Tränen abwischen (Offb. 21,4) und der wird im ewigen Lichtglanz Gottes sein Angesicht sehen (Offb. 22,3-5)! Genial!

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Psalm 123 – Was guckst du?!

Zwei mal wird in dem Psalm gesagt, dass die Beter mit ihren Augen auf Gott schauen –  und zwar so lange, „bis er uns gnädig werde.“ (V.2) Würd‘ mich ja interessieren, wie die sich das vorstellen: auf Gott schauen. Ganz deutlich ist, dass das eigentlich nicht geht: In V.1 wird ausdrücklich gesagt, dass Gott im Himmel wohnt – also nicht irgendwie sichtbar hier auf Erden. Er ist eben kein Götze, den man in einem irdischen Götzenbild anbeten kann. Er ist im Himmel. Unsichtbar und eigentlich unerreichbar für unsere Augen.

„Mit den Augen auf Gott schauen“ ist wohl eine Metapher für das aufmerksame, intensive und wartende Beten zu Gott. Die Beter sehen sich im Geiste vor Gott stehen und warten darauf, dass er ihnen hilft. Sie wollen nicht auf sich selbst schauen oder auf ihre Probleme oder auf irgendwelche Ablenkungen, die ihre Probleme verdrängen und zudecken. Nein, sie wollen nur auf Gott sehen. Und zwar so lange, bis sich was tut, „bis er uns gnädig werde.“

Ich hab viel zu oft, viel zu viele andere, viel zu unwichtige und viel zu vergängliche Dinge im Blick… Und was guckst du?!
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Psalm 42 – Gottes Angesicht schauen

Was für eine Sehnsucht nach Gott! Wie ein Verdurstender nach Wasser lechzt und schreit, so sehnt sich der Beter nach Gott. Er sehnt sich danach, Gottes Angesicht zu schauen. Im Hintergrund steht bei ihm eine nicht näher beschriebene Not und der Spott seiner Feinde: „Wo ist nun dein Gott?“ (V.4.11)

Ich befinde mich nicht in einer Notsituation, mir geht es eigentlich ganz gut. Ich wüsste nicht, dass jemand mich verspottet. Und ich glaube nicht, dass ich eine ähnlich tiefe und existentielle Sehnsucht nach Gottes Angesicht habe. Aber mir ist dieser Gedanke, „Gottes Angesicht schauen“ in letzter Zeit immer wieder begegnet. Ich sehne mich danach, Gott näher zu kommen, mehr von seinem Angesicht zu sehen.

Auf dem Blog Tiefebene bin ich auf ein Buch zum kontemplativen Gebet von Franz Jalics gestoßen (Kontemplative Exerzitien: Eine Einführung in die kontemplative Lebenshaltung und in das Jesusgebet
). Gleich bestellt und angefangen zu lesen. Jalics beschreibt als Hauptanliegen des kontemplativen Gebets, dass es dabei nicht darum geht, über Gott nachzudenken, oder mit ihm zu reden, sondern ihn zu schauen. Kontemplation heißt, Gott schauen. Klingt toll, weiß aber nicht, ob ich die Geduld und Ausdauer habe, diese Übungen von Jalics wirklich durch zu ziehen.
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Psalm 27 – Gottes Angesicht suchen

„Mein Herz erinnert dich: »Suchet mein Angesicht!« — Dein Angesicht, HERR, suche ich. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, weise deinen Knecht nicht ab im Zorn!“ (V.8f; Elberfelder Bibel) Gottes Angesicht suchen – wie geht das? Damals vielleicht ganz wörtlich gemeint: Man ging davon aus, dass im Tempel Gottes Gegenwart zu finden ist. Wenn man Gott begegnen wollte, ging man in den Tempel… Aber da muss doch mehr dahinter stecken! Schon im Alten Testament gab es viele Stimmen, die erkannten, dass ein Haus aus Stein Gottes Gegenwart nicht fassen kann (1. Kön. 8,27Jes. 66,1).

Aber wie sieht das dann aus? Sein Angesicht suchen, d.h. seine Nähe und Gegenwart suchen? Natürlich gibt es die Standardantworten: Bibellesen, Gebet, Gottesdienst, Lobpreis,… Aber all das sind nur Hilfsmittel auf der eigentlichen Suche. Sie können die Suche nach Gottes Angesicht nicht ersetzen. Ganz offensichtlich rechnet der Beter auch damit, dass Gott sich verbergen kann, dass er sein Angesicht abwenden kann und wir ihn dann nicht finden können.

Man kann V.14 als eine Art Antwort lesen. Eine Antwort auf die Suche nach Gottes Angesicht, auf die Suche nach seiner Gegenwart: „Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!“
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