2. Timotheus 2, 14-26 Krebsgeschwür des Bösen

In diesem Abschnitt wird Timotheus vor unnützem Streit mit Irrlehrern gewarnt. Zwei Beschreibungen sind mir besonders aufgefallen: „ihr Wort frisst um sich wie der Krebs“ (V.17) und „Verstrickungen des Teufels, von denen sie gefangen sind“ (V.26). Das Gefährliche am Bösen ist, dass es sich so langsam und fast unmerklich ausbreitet. Es wächst im Verborgenen, wie ein Krebs. Man verstrickt sich immer mehr darin und irgendwann, kann man sich gar nicht mehr daraus befreien.

In meinem Kopf ist jahrelang ein Tumor vor sich hingewachsen und ich hab nichts davon gemerkt! Er war nicht sichtbar, er war nicht eindeutig spürbar, er ist einfach langsam gewachsen und immer größer geworden. Ähnlich kann sich das Böse ausbreiten: es nistet sich im christlichen Leben ein und breitet sich langsam aus. Zunächst merkt man es gar nicht. Es sind scheinbar harmlose Worte und Gedanken. Es scheint alles in Ordnung zu sein – aber es steigert sich langsam, es frisst um sich. Irgendwann wird es dann offensichtlich und dann wird die Bekämpfung schon ziemlich schwierig. Es ist wie beim Krebs: je früher man es erkennt, desto leichter ist es zu bekämpfen.

Erstaunlich ist für mich, wie behutsam Timotheus mit diesem Krebsgeschwür des Bösen umgehen soll: Es soll Abstand halten (V.16), sich reinigen (V.21), dem Guten nachjagen (V.22), freundlich bleiben und das Böse ertragen (V.24) und mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen (V.25). Kein radikaler Kampf gegen das Böse, sich nicht verstricken lassen in eine Auseinandersetzung, keine Angriffsfläche bieten, sondern sich abwenden und dem Guten zuwenden.

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Galater 6, 1-5 Lasten tragen statt vergrößern

Immer und immer wieder ist es dasselbe: bei anderen sehen wir die Fehler und ihr Versagen sehr viel schneller als bei uns. Immer und immer wieder ist es dasselbe: anstatt dem anderen die Wunden zu verbinden, legen wir unseren Finger in seine Wunden und stochern darin herum. Und wenn ich das so schreibe, dann muss ich mit dieser Feststellung bei mir selbst anfangen: auch ich bin einer, der immer und immer wieder die Fehler beim anderen sucht…

Paulus sagt uns, dass wir zuerst mal uns selbst anschauen sollen: „Ein jeder prüfe sein eigenes Werk“ (V.4). Schau zuerst mal dich selbst an, schau auf das was du tust und denkst. Dieses Schauen auf sich selbst hilft zur nötigen Demut, Nachsicht und Sanftmut. Wenn du dann beim anderen eine „Verfehlung“ entdeckst, dann hilft „ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist“ (V.1). Vergrößere die Last des anderen nicht durch Vorwürfe und selbstgerechte Besserwisserei, sondern hilf dem anderen mit dem Tragen seiner Last (V.2).

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1. Petrus 3, 13-17 – sanftmütige Mission

Das gefällt mir: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht.“ (V.15-16a) So manches mal hat Mission mit Angst, Druck und großartigen Versprechungen zu tun – und zwar sowohl gegenüber denen, die missioniert werden sollen, als auch gegenüber denen, die missionieren sollen.

Petrus beschreibt hier eine sehr zurückhaltende Art, seinen Glauben zu bekennen. Nicht anderen den Evangeliumsknüppel überziehen, sondern voller Überzeugung und in Gottesfurcht meinen Glauben leben. Und wenn jemand interessiert ist, dann in Sanftmut (auch da gehört der Mut dazu!) von seiner Hoffnung reden. Wohlgemerkt: Hoffnung! Nicht in dem Sinn: Ich bin Christ und ich weiß alles besser, sondern: Ich folge diesem Jesus und er erfüllt mein Herz mit Hoffnung.
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