Lukas 8, 4-15 Geduld

Beim Lesen des Textes ist mir dieses mal besonders das Stichwort Geduld aufgefallen. Lukas hat dieses  Wort in V.15 eingefügt – bei der Parallelstelle in Markus und auch bei Matthäus taucht es nicht auf. Der Samen den Jesus ausstreut bringt Frucht – aber dazu braucht es Geduld. Es geht nicht so schnell und offensichtlich, wir wir uns das wünschen.

Diese Aussage ist im Grunde im ganzen Gleichnis schon angelegt. Zuerst erzählt Jesus ausführlich, was beim Ausstreuen des Wortes Gottes alles schief gehen kann. Es kann auf den harten Weg fallen und zertreten werden, es kann auf felsigen Boden fallen und wegen zu wenigen Wurzeln schnell wieder verdorren, es kann unter die Dornen fallen und erstickt werden. Das ist das erste was wir sehen: es ist zuerst offensichtlich, wo das Wort Gottes keine Frucht bringt. Noch bevor der Sämann irgend etwas positives sehen kann, muss er zur Kenntnis nehmen, wo er vergeblich gesät hat.

Denn den Samen auf dem guten Boden sieht man zunächst nicht. Er wird in die Erde eingepflügt und es scheint zunächst einmal gar nichts zu passieren. Erst langsam wächst die Frucht heran und erst zur Erntezeit kann man feststellen, dass das Wort Gottes doch noch reichlich Frucht gebracht hat. Das braucht Geduld, Ausdauer und Gelassenheit.

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Galater 6, 6-10 säen und warten

Jesus hat in seinen Gleichnissen sehr oft vom säen, wachsen und ernten gesprochen. Auch Paulus bringt hier das Bild vom säen in seine theologischen Differenzierungen zwischen Geist und Fleisch ein: „Wer auf das Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.“ (V.8) Wer seine Hoffnung auf Vergängliches, auf seine eigene Kraft setzt, der wird auch Vergängliches bekommen, wer aber auf ewiges baut, der wird auch ewiges bekommen.

Das faszinierende und oft auch schwierige bei diesen Vergleichen mit der Landwirtschaft ist ja die Zeitebene. Wenn man etwas sät, dann sieht man zunächst einmal gar nichts. Der Same ist weg, er liegt in der schmutzigen Erde und es geschieht zunächst einmal gar nichts. Man braucht Geduld. Viel Geduld. Irgendwann sieht man dann einen zarten, kleinen, empfindlichen Spross aus der Erde kommen. Und auch dann braucht man noch Geduld. Nur langsam wächst dieser Spross heran, wird größer und kräftiger. Und auch dann braucht man noch Geduld. Selbst dann ist noch keine Frucht da, sondern es dauert, bis die Pflanze ihre Frucht bringt.

Es ist gar nicht so leicht auf den Geist zu säen, denn man sieht zunächst oft gar nichts. Ich muss zugeben, dass ich so manches mal an Gott und dem Glauben zu verzweifeln drohe, weil so wenig zu sehen ist. Und vielleicht wird oft so mancher zarte Spross aus Unachtsamkeit platt getreten, oder er bekommt nicht genug Wasser, oder wird vom Unkraut erdrückt. Ich bin eigentlich ein sehr geduldiger Mensch, aber so manches mal wünsche ich mir doch, dass Gott das Geistliche schneller wachsen und kräftig werden lässt…

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1. Korinther 15, 14-44 – Ein armseliger Same

Was mir heute bei diesem Text ganz neu aufgefallen ist, ist die Andersartigkeit und Herrlichkeit mit der Paulus die leibliche Auferstehung beschreibt. Er sagt, dass nicht einfach der bestehende Leib wieder hergestellt wird, sondern dass der Leib in einer neuen Gestalt wieder auferstehen wird.

Der Vergleich den er bringt macht das sehr schön deutlich: Es ist wie bei einem Samenkorn das man einpflanzt, das stirbt und das dann in neuer Gestalt wieder lebendigt wird. Man kann aus dem Samenkorn kaum ablesen, wie die Pflanze später einmal aussehen wird. Sie wird viel herrlicher und schöner sein, als so ein einzelnes Samenkorn. Und doch entsteht das Neue gerade aus diesem Samenkorn und ist irgendwie immer noch identisch mit ihm. Der Vergleich macht auch deutlich, warum die Jünger damals solche Schwierigkeiten hatten, den auferstandenen Jesus wieder zu erkennen. Es war derselbe und doch irgendwie ganz anders.

So wie bei einem Samenkorn wird es mit der Auferstehung sein: „Man säht etwas Armseliges – und es entsteht etwas ungeheuer Kraftvolles.“ (V.43 nach der Übersetzung von Fabian Vogt). Ich finde Gott hat schon unsere irdischen Körper ziemlich genial gemacht, wie genial wird es dann erst man im Himmel sein!

Matthäus 13, 24-30 – Gelassenheit im Angesicht des Feindes

Warum gibt es immer noch das Böse in der Welt, obwohl doch in Jesus Gott schon gegenwärtig ist und er in Jesus jetzt schon herrscht? Genau auf diese Frage scheint Jesus mit dem Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen zu antworten. Ein Mensch sät guten Samen auf einen Acker, doch über Nacht sät sein Feind Unkraut unter den Weizen. Aber anstatt das Unkraut auszujäten, befiehlt der Bauer beides wachsen zu lassen und erst bei der Ernte das Unkraut auszusortieren. Ich hab mich da gefragt: Bei einem Menschen ist es ja verständlich, dass er nachts seinen Acker nicht im Blick hat – aber warum hat Gott das überhaupt erst zugelassen, dass der Feind Unkraut aussät? Warum hat er das nicht von vornherein verhindert?

Aber wie so oft bei Gleichnissen muss man darauf achten, was eigentlich der Punkt bei der Geschichte ist. Ich glaube es geht weniger um eine Erklärung des Ursprungs des Bösen, sondern um die Frage, wie man mit dem „Unkraut“ umgehen soll. Und da ist die Gelassenheit des Bauers ja schon erstaunlich. Es war damals durchaus üblich, das Unkraut schon vor der Ernte auszujäten. Aber der Bauer im Gleichnis lässt es wachsen bis zur Ernte. Er ist sich sicher, dass sein selbst ausgestreuter guter Same trotz des Unkraut wachsen wird und Frucht bringt. Die genaue Unterscheidung in Gut und Böse hat Zeit bis zur Ernte. Vielleicht würde uns solch eine Gelassenheit im Angesicht des Feindes auch manchmal gut tun.

Matthäus 13, 1-9 – Und Jesus organisierte ein Event…

„An demselben Tage ging Jesus aus dem Hause und fing an ein großes Event zu organisieren. Er beauftragte seine Jünger, eine große Versammlungshalle zu besorgen, er stellte ein Musikteam zusammen, das mit Schofarhörnern die neuesten Lobpreishits einstudierte, setzte verschiededen Teams für Dekoration, Verpflegung und Begrüßung ein. Besonderen Wert legte er auf das Gebetsteam, das die Veranstaltung im Gebet unterstützen sollte. Und noch vieles mehr gab es zu organisieren, zu planen und zu besprechen, so dass er am Abend völlig erschöpft in sein Bett sank…“

Ach nee, stop! Das war der falsche Textanfang. In der Bibel heißt es ganz schlicht: „An demselben Tage ging Jesus aus dem Hause und setzte sich an den See. Und es versammelte sich eine große Menge bei ihm, sodass er in ein Boot stieg und sich setzte, und alles Volk stand am Ufer. Und er redete vieles zu ihnen in Gleichnissen.“ (Mt. 13,1-3a) Schön, wie einfach und unproblematisch das ging. Er geht einfach raus, setzt sich irgendwo hin. Die Leute kommen und er predigt ihnen. Faszinierend! Ich wünschte das würde heute auch noch so funktionieren. Sind die Erwartungen der Zuhörer gestiegen? Haben heute einfach die Leute grundsätzlich weniger Interesse an Religion? Oder fehlt es uns an echter geistlicher Ausstrahlung, welche die Menschen von alleine anzieht?

Das andere, was mich an dieser Stelle fasziniert, ist die verschwenderische Großzügigkeit des Sämanns. In dem Gleichnis, das Jesus erzählt, verteilt er seinen Samen ziemlich unachtsam nicht nur auf dem Acker, sondern auch auf dem Weg, auf den Felsen und unter die Dornen. Einem richtigen Bauern wäre das damals wohl nicht passiert. Der hätte viel mehr auf sein kostbares Saatgut geachtet und es nicht so verschwendet. Aber so ist Gott: Verschwenderisch und großzügig.