Lukas 20, 27-40 Es wird anders

Wie wird es sein in Gottes himmlischer Ewigkeit? Diese Frage kann auch Jesus nicht beantworten. Weil wir es uns mit unserem irdischen Verstand gar nicht vorstellen können. Auch den Sadduzäern kann er nicht beschreiben, wie das Zusammenleben der Menschen im Himmel aussehen wird. Den Himmel kann er nur durch negative Formulierungen beschreiben. Er kann sagen, was es nicht mehr geben wird: es wird keine Ehen mehr geben und es wird keinen Tod mehr geben. Jesus kann sagen, dass es anders sein wird, aber nicht sagen wie wir uns das vorstellen können.

Was er aber gegenüber den fortschrittlich, aufgeklärten und skeptischen Sadduzäern deutlich sagt ist, dass es ein Leben über den Tod hinaus gibt. Der Tod ist für uns Menschen nicht das letzte Wort. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden. Am Ende steht nicht das Nichts, sondern die Gegenwart Gottes – wie auch immer das aussehen wird…

| Bibeltext |

Psalm 16 – Billige Vertröstung auf das Diesseits

Sonne über GräbernIch finde es immer wieder erstaunlich, dass ein Thema das im Neuen Testament sehr zentral ist, im Alten Testament fast gar nicht vorkommt: das ewige Leben bei Gott. Das Neue Testament ist ohne eine Auferstehung der Toten nicht zu denken.  Im Zentrum steht dabei die Auferstehung Jesu Christi, aber auch darüber hinaus, wird immer wieder vom Leben nach dem Tod gesprochen. Im Alten Testament taucht dieser Gedanke und diese Erwartung fast gar nicht auf. Die Gläubigen des Alten Testaments sind sehr Diesseits-orientiert. Erst im Lauf der Geschichte breitet sich langsam die Gewissheit aus, dass es eine Auferstehung der Toten gibt. Aber selbst zu Zeit Jesu wurde unter den Juden noch heftig darüber gestritten, ob es so was geben kann. Die Sadduzäer glaubten z.B. nicht daran (vgl. Mt. 22,23).

In Psalm 16 taucht so ein kleiner Schimmer der Hoffnung auf, dass mit dem Tod doch nicht alles aus sein könnte: „Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.“  (V.10) Allerdings ist auch die Auslegung von diesem Vers umstritten: Man kann V.10 auch so deuten, dass der Beter sich sicher ist, dass er nicht sterben wird, sondern Gott ihm noch ein glückliches, irdisches Leben schenkt.

Ich denke wir dürfen beide Dimensionen nicht vernachlässigen: Das Diesseits und das Jenseits. Mit dem Neuen Testament bin ich überzeugt, dass Gott stärker ist als der Tod. Die Gemeinschaft mit Gott kann durch den Tod nicht einfach abgebrochen werden. Aber er ist zugleich ein Gott, der uns hier auf der Erde, hier im Diesseits begegnen möchte. Gerade dazu hat er ja Jesus gesandt.

Es gibt zwei Gefahren: Man kann zu stark das Jenseits betonen. Das wirft man uns Christen ja oft vor, dass wir nur eine billige Vertröstung auf die Zukunft haben. Aber man kann auch zu sehr das Diesseits betonen. Ich habe vor kurzem gehört, wie das jemand als „billige Vertröstung auf das Diesseits“ bezeichnet hat. Wenn ich alles Glück und Leben aus diesen 80 Jahren hier auf der Erde rausquetschen muss – das ist doch schrecklich, hoffnungslos und überfordert total! Klar, ich darf mich über das Leben und über manches Glück freuen und es genießen. Aber ich weiß auch: Selbst wenn ich nicht jeden Tag den ultimativen Kick erlebe, kann ich gelassen bleiben. Ich hab ja noch eine Ewigkeit mit Gott. 😀

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Foto: aboutpixel.de / licht am ende… © Mosquita

Matthäus 22, 23-33 – Der Anecker

Nach dem vorherigen Abschnitt nun noch so eine vorgeschobene, scheinbar fromme Diskussion, bei der es nur darum geht Jesus lächerlich zu machen. Dieses mal von einer anderen theologischen Richtung, von den Sadduzäern. Während die Pharisäer mehr die einfachen Frommen aus dem Volk waren, waren die Sadduzäer die etablierten Leiter der Volksgemeinde, die aus der gehobenen Gesellschaftsschicht stammten. Als Konservative waren sie vor allem am Erhalt des religiösen und politischen Status quo interessiert. So jemand wie Jesus kommt da natürlich ungelegen.

Schon interessant, dass keine der damaligen religiösen Richtungen mit Jesus zurecht kam. Weder die frommen Pharisäer, noch die konservativen Sadduzäer und auch nicht die radikalen Zeloten. Jesus passt in kein kirchenpolitisches Lager. Er eckt überall an.

Wie das wohl heute wäre? Natürlich berufen sich alle christlichen Gruppierungen und Richtungen auf Jesus, aber wenn er heute kommen würde, würden wir mit diesem aneckenden Jesus zurecht kommen? Was für Probleme hätten wohl die Evangelikalen, die Charismatiker oder die Liberalen mit Jesus? Und welche Probleme hätte ich mit ihm? Würde ich es akzeptieren, dass er so manche meiner theologischen Überzeugungen in Frage stellen würde? Würde ich erkennen, wo ich mir falsche Vorstellungen und Erwartung von Gott gemacht habe? Würde ich es akzeptieren, dass sich Jesus eben nicht meiner theologischen und kirchenpolitischen Richtung anschließt, sondern dass er noch einmal ganz anders ist?