Sacharja 14 Es wird ein Happy End geben

Machen mir solche apokalyptischen Bilder Angst oder sind sie eher tröstlich? Sacharja sagt, dass große Katastrophen kommen werden, aber er sagt auch, dass am Ende Gott Sieger sein wird und dass ein großer Friede anbrechen wird. Für mich ist bei solchen Texten die Zielrichtung wichtiger: Trotz aller Schwierigkeiten und durch alles Leid hindurch wird Gott zum Ziel kommen.

Mir ist aufgefallen, dass wir diese apokalyptische Grundstruktur bis heute in vielen Filmen und Büchern wiederfinden. Es geschehen große Katastrophen mit viel Kampf und Leid, aber am Ende gibt es ein Happy End. Am Ende siegt das Gute. Diese Botschaft spricht uns wohl noch heute ganz tief im Innern an. Wir ahnen, dass es ein Happy End nicht ohne Kampf geben wird, wir ahnen, dass der große Friede nicht einfach so selbstverständlich vom Himmel fällt. Auch im Glauben ist es nicht anders. Gott dauerhaft und treu vertrauen zu können ist auch nicht etwas, das einfach so vom Himmel fällt. Auch das muss immer wieder neu erkämpft werden. Aber es wird ein Happy End geben. Nicht weil mein Glaube so groß ist, sondern weil mein Gott so groß ist.

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Sacharja 13 Läuterung durch Gericht

Auch hier geht es wieder um den Gerichtsgedanken. Dabei ist zu beachten, dass es nicht um ein Gericht über einzelne Personen geht, sondern über das Volk Israel. Sacharja kündigt an, dass zwei Drittel ausgerottet werden und untergehen (V.8) und ein Drittel geprüft und geläutert werden (V.9). Schon im Alten Testament hat Gericht also nicht nur das Ziel der Vernichtung der Bösen, sondern zugleich soll es auch der Läuterung dienen. So ist wohl auch das „Gericht“ des Exils gedeutet worden. Gott hat sein Volk im Exil untergehen lassen, aber nicht um es zu vernichten, sondern um es zu läutern.

Können wir diesen Grundgedanken auch auf uns persönlich übertragen? Gott vernichtet das Böse in mir und läutert mich dadurch? Ändert sich durch das Neue Testament etwas an diesen Aussagen Sacharjas? Was bedeutet Jesu Tod am Kreuz für das Gericht? Geht es nur um ein zukünftiges Endgericht, oder geschieht Gericht Gottes auch schon jetzt, um uns zu läutern?

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Sacharja 12 Der Durchbohrte

In Kap. 10 lesen wir Verheißungen, in Kap. 11 dann Gerichtsworte und jetzt folgen wieder Verheißungen trotz und durch alles Gericht hindurch. Ein faszinierendes in- und nebeneinander. Das Gericht mit all seiner Ernsthaftigkeit gehört zu Gottes Wort. Wir können es nicht einfach übergehen. Aber Sacharja 12 macht zumindest an Gottes Volk deutlich, dass das Gericht nicht das letzte Wort Gottes ist. Trotz allem Versagen steht Gott zu seinem Volk und wird es nicht untergehen lassen.

In diesem Kapitel taucht auch eine nicht näher beschriebene Person auf, die durchbohrt wird und um die geklagt wird. Was hat sich Sacharja damals dabei gedacht? Hatte er jemand bestimmtes vor Augen, den wir heute nicht mehr kennen? Oder hat er eine göttliche Vision weiter gegeben ohne selbst genau zu wissen, wovon er schreibt? Wie auch immer – wenn ich auf dem Hintergrund des Neuen Testaments diesen Vers lese, kann ich nicht umhin, dabei an Jesus Christus zu denken. Und so wird die Stelle ja auch im Neuen Testament verstanden: Ein Vorhinweis auf Christus, der am Kreuz gestorben ist. Er ist für mich der offene Quell gegen Sünde und Befleckung (13,1). Er hat das Gericht auf sich genommen, um uns frei zu machen.

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Sacharja 11, 4-17 Zerbrochene Hirtenstäbe

Nach den Verheißungen in Kap. 10 folgen unvermittelt massive Droh- und Gerichtsworte. Für uns als Leser heute ist es schwer nachzuvollziehen, warum sich der Inhalt und der Ton so plötzlich verändert. Wir kennen die konkreten Hintergründe nicht mehr, in welche der Prophet die jeweiligen Worte hinein sprach. Gott macht hier seinem Volk und den Hirten des Volkes den Vorwurf, dass sie ihn nicht mehr wollen (V.8). Die Konsequenz ist, dass Sacharja symbolisch die zwei Hirtenstäbe Gottes, welche Huld und Eintracht genannt werden, zerbricht.

Was auch immer die genauen Hintergründe sind, es wird deutlich, dass es Folgen hat, wenn wir Menschen uns von Gott abwenden. Wenn wir Gott, seine Verheißungen und sein Segen nicht wollen, dann bekommen wir ihn auch nicht. Wenn wir unser Glück woanders suchen, dann lässt das zu. Zugleich merkt man diesem Text an, dass es Gott nicht egal ist, er ringt um sein Volk. Er will sie wachrütteln. Insofern sind auch diese Gerichtsworte ein Ausdruck seiner Liebe.

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Sacharja 10 Verheißungen

Ich tue mich schwer mit diesen Verheißungen. Gott verheißt Regen zur rechten Zeit, wenn man ihn darum bittet (V.1). Das haben auch viele schon so erfahren. Aber gibt es nicht genauso die andere Erfahrung: dass Christen aufrichtig und ernst um Regen bitten und es geschieht nichts? Gott verheißt seinem Volk, dass er sie wieder zurück ins verheißene Land bringt und es wieder so sein soll, als sie verstoßen wurden (V.6). Ja Gott hat sein Volk wieder aus Babylonien zurück gebracht – aber es war nicht wieder wie vorher. Es ist bis heute nie wieder so geworden, wie unter David und Salomo.

Als Glaubender ist man dann schnell dabei zu fragen: Warum haben sich die Verheißungen nicht umfassend erfüllt? Es kann ja nicht an Gott liegen. Also muss es an uns liegen. Wenn wir Menschen uns richtig verhalten würden, dann würde Gott auch alle seine Verheißungen völlig erfüllen. Aber so wird aus einer Verheißung eine Drohung: Wenn es nicht so kommt, dann bist du schuld! Aus einer positiven Zusage, wird eine negative Belastung.

Wäre es nicht besser, wenn Gottes Verheißungen realistischer und bescheidener wären? Aber vielleicht liegt das gerade in der Natur einer Verheißung: sie muss groß und leuchtend genug sein, um uns wirklich zu ermutigen. Eine Vision, die zu normal und kleinkariert ist, kann wenig bewegen. Eine Vision muss immer das Normale übertreffen, sonst bewegt sie uns nicht.

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Sacharja 9, 9-12 Der arme König

Im Alten Testament ist dies ein wichtiger Text für die Messiaserwartung. Der Messias ist der von Gott zum König gesalbte. Er wird kommen und das Königreich des Volkes Gottes aufrichten. Spannend an diesem Text ist, dass dieser künftige König nicht als reich und mächtig in weltlichem Sinn geschildert wird. Er reitet auf einem Esel, das war das Lasttier der armen Leute damals – Könige ritten auf Pferden. Er wird nicht durch militärische Macht herrschen, sondern im Gegenteil, „der Kriegsbogen soll zerbrochen werden“ (V.10). Trotzdem wird seine Herrschaft alle Welt umfassen. Hier scheint sich die Erwartung eines Heilskönigs mit der Vorstellung eines leidenden Gottesknechtes zu verbinden.

Wenn Jesus von Nazareth hunderte von Jahren später auf einem Esel nach Jerusalem reitet, dann macht er damit sehr deutlich, was für einen Anspruch er hat. Er will dieser Heilskönig sein. Er will nicht mit militärischer Macht herrschen, sondern er will gerade in seiner Armut den Menschen helfen.

Hat sich diese Verheißung in Jesus Christus nun erfüllt? Ja und nein. Er ist tatsächlich auf einem Eseln nach Jerusalem geritten. Aber es sind bei weitem nicht alle Kriegsbogen zerbrochen. Er herrscht bei weitem nicht über alle Welt. Auch als Christen warten wir noch auf die endgültige Erfüllung dieser Verheißung. Sein Friedensreich hat schon angefangen, aber es ist noch nicht vollendet.

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Sacharja 8 Gottes Zuwendung

Hier wird noch einmal die Grundbotschaft Sacharjas deutlich: Nach der Zeit des Exils, wendet sich Gott seinem Volk neu zu. Diese Zuwendung ist nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft, welche Gott vorher an sein Volk stellt. Aber natürlich erwartet Gott, dass sich sein Volk wieder neu auf Gottes Willen einstellt und in versucht zu befolgen (V.16f). Interessant ist, dass Sacharja hier nicht von der Liebe zu Gott spricht, sondern von einem korrekten Verhalten gegenüber unseren Nächsten. Für ihn zeigt sich wohl die Liebe zu Gott ganz praktisch in einem wahrhaftigen und gerechten Verhalten gegenüber dem Mitmenschen.

Gottes Zuwendung kann ich mir nicht verdienen oder erarbeiten – sie ist Geschenk. Aber wenn ich mich wirklich auf Gott einlasse, dann wird das Folgen haben. In meiner Beziehung zu Gott und ganz praktisch auch in meiner Beziehung zum Mitmenschen.

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Sacharja 7, 1-14 Warum beten?

Warum beten wir, lesen in der Bibel, besuchen Gottesdienste und haben Gemeinschaft mit anderen Christen? Damit es uns besser geht, damit wir wachsen, damit wir gesegnet werden und damit unsere Gebete erhört werden? Sacharja legt den Finger in die Wunde: Wenn es so ist, dann könnt ihr es auch bleiben lassen. Wenn ihr wirklich auf Gott hören wollt, dann hat Sacharja auch nichts anderes zu sagen als die Propheten vor ihm: Lebt Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Das ist das, was Gott von euch will. Ohne das bringt alles beten und fasten nichts.

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Sacharja 6, 9-15 Unerfüllte Verheißung?

Noch einmal tauchen hier zwei künftige Heilsfiguren auf. Mit „Spross“ (V.12) bezeichnen die Propheten den Messias. Neben ihm soll einen Priester geben und die beiden werden einmütig und in Frieden (V.13) Gottes Volk anführen. Auffällig ist, dass hier zwar der Name des damaligen Hohenpriesters Jeschua fällt – dieser wird jetzt schon zeichenhaft gekrönt – dass aber der Name Serubbabel nicht mehr erwähnt wird. In Sach. 4,6-10 wird er noch als derjenige angekündigt, der den Tempelbau vollenden wird. Jetzt wird ein zukünftiger „Spross“ erwartet, der den Tempel bauen wird (V.13).

Offensichtlich hat sich die messianische Erwartung an Serubbabel so nicht erfüllt. Nicht Serubbabel ist der zukünftige Messias, sondern Sacharja wartet auf jemand Anderes. Hier zeigt sich innerhalb eines biblischen Buches, dass Prophezeiungen nicht immer ihre automatische Erfüllung nach sich ziehen. Oder hat sich Sacharja geirrt? Aber dann hätte man die ursprüngliche Erwartung an Serubbabel ja konsequenterweise aus dem Buch gestrichen und verschwiegen. Nein, in Serubbabel hat sich die Verheißung des Wiederaufbau des Tempels ansatzweise erfüllt, aber noch nicht vollendet. Nun wartet Sacharja auf einen Anderen, einen Größeren (das Neue Testament spricht von einem, der Gottes Tempel in drei Tagen auf eine andere Weise wieder aufbaut…).

Sacharja selbst sagt zu dieser neuen Erwartung: „Das soll geschehen, wenn ihr gehorchen werdet der Stimme des Herrn“ (V.15). Er selbst macht deutlich, dass Gott seine Verheißungen nicht automatisch und unabhängig von unseren menschlichen Reaktionen erfüllt. Göttliche Verheißungen schließen unsere menschliche Reaktion nicht aus, sondern sie schließen sie ein. Wenn Gott handelt, heißt das nicht, dass wir nicht handeln brauchen…

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Sacharja 6, 1-8 Der Herrscher aller Lande

Die achte und abschließende Vision des Sacharja. Wie immer bei Visionen ist sie bis zu einem gewissen Grad offen für verschiedene Deutungen. Bei allen Auslegungen, die bis ins kleinste Detail hinein vorgeben zu wissen was gemeint ist, wäre ich vorsichtig. Das haben nun mal Bilder, Visionen und auch Gleichnisse an sich: es sind keine exakten Definitionen, sondern Vergleiche, die zwar eine Aussageabsicht haben, aber auch offen sind für verschiedene Interpretationen.

Deutlich bei dieser Vision ist, dass die vier Wagen mit den vier Pferden von Gott her kommen (V.5). Es sind also Boten Gottes, die nun in alle Welt ziehen. Vier steht in der hebräischen Bibel normalerweise für etwas umfassendes, so wie die vier Himmelsrichtungen. Die vier Wagen und Rosse werden auch als „Winde“ bezeichnet (V.5). „Wind“ ist im Hebräischen dasselbe Wort wie Geist. Besonders erwähnt wird der Wagen, der nach Norden zieht (V.8) und dort wird auch ausdrücklich gesagt, dass Gottes Geist im Lande des Nordens ruhen wird. Es geht also um die Gegenwart von Gottes Geist in allen vier Himmelsrichtungen (nicht nur in Jerusalem). Der Norden wird besonders erwähnt, weil von Norden her die Babylonier (und davor die Assyrer und danach die Perser) nach Jerusalem kamen.

Was Gottes Geist aber im Land des Nordens näher für eine Aufgabe hat, bleibt offen. Manche vermuten, er soll die noch in Babylonien zurück gebliebenen Juden zu Rückkehr bewegen (dann wären die Wagen Transportwagen für die Rückkehr), andere deuten die Wagen eher als militärische Herrschaftswagen und die Aufgabe des Geistes wäre dann eher eine richterliche. Wie auch immer: in allen Wirrnissen der damaligen und auch unserer heutigen Zeit bleibt Gott der Herrscher über alles.

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