Hebräer 13, 9-14 Außenseiter

Als Christen sind wir von vornherein Außenseiter. Jesus Christus wurde nicht von der Masse angehimmelt und verehrt, sondern er hat „gelitten draußen vor dem Tor“ (V.12). So sollen auch wir hinausgehen aus dem „Lager“, wo sich die vielen im Schutz ihrer gemeinsamen Interessen und Ansichten zusammen finden, und wir sollen mit Jesus „sein Schmach tragen“ (V.13). Die anderen sind drinnen, wir sind draußen, weil auch Jesus draußen war.

Draußen sind wir auch, weil wir hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen. Wir wohnen hier nur vorübergehend. Es ist nicht unser eigentliches zu Hause. Das heißt nicht, dass wir das Leben hier nicht genießen dürften, aber wir wissen, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als all die irdischen Dinge. Auch in einer Ferienwohnung kann man es sich ja gemütlich einrichten und die Zeit genießen, aber man weiß, dass es irgendwann wieder nach Hause geht. Wir gehen auch irgendwann nach Hause – allerdings nicht in einen grauen und stressigen Arbeitsalltag, sondern in eine himmlische Ruhe (vgl. Hebr. 4,9f).

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Hebräer 4, 1-13 Himmlische Ruhe

Der Hebräerbrief hat ein ganz eigenes Bild für Gottes Vollendung der Schöpfung. Er spricht nicht vom Reich Gottes, vom ewigen Leben oder vom Himmel, sondern er verwendet den Begriff „Ruhe“. So wie Gott am siebten Schöpfungstag geruht hat, so wird am Ende seine ganze Schöpfung zu einer göttlichen Ruhe finden.

Mir gefällt dieses Bild. Unsere Welt ist so unruhig und ich sehne mich so manches mal nach einer endgültigen himmlischen Ruhe. Mir fällt dazu das bekannte Zitat von Augustinus ein: „Unser Herz ist unruhig in uns, bis es Ruhe findet in dir.“ Ja, so ist es. Mir fällt dazu auch die Liedzeile ein: „Herr, ich suche deine Ruhe, fern vom Getöse dieser Welt.“ Ja, es gibt so viel Getöse in unserer Welt – auch in unserer frommen Welt.

Beim Bild der Ruhe gefällt mir auch, dass es kein rein zukünftiges Bild ist. Wenn wir Gott nahe sind, dann können wir jetzt schon eine Ahnung dieser endgültigen Ruhe und dieses endgültigen Friedens haben. Das ist ähnlich wie mit dem gegenwärtigen und zukünftigen Reich Gottes. In Jesus Christus hat dieses Reich Gottes schon angefangen. Wir gehören jetzt schon zum Herrschaftsbereich Gottes. Aber die endgültige Vollendung steht noch aus. So auch die himmlische Ruhe: sie fängt jetzt schon in unseren Herzen an, aber die Vollendung steht noch aus. Ich freu mich schon darauf.

Leere Geschäftigkeit

Gestern war ich bei einem ökumensichen Gottesdienst zum Jahresabschluss dabei. Beim Segen sprach der katholische Pfarrer unter anderem davon, dass Gott bei uns ist in unserer „leeren Geschäftigkeit“. Dieser Ausdruck hat mich sofort angesprochen und berührt. Ja, so vieles in unserem Leben ist „leere Geschäftigkeit“. Es gibt so viel zu tun und so viel Stress in unserer Welt – aber ist nicht vieles davon „leere Geschäftigkeit“? Besonders in unserer multimedialen und vernetzten Welt, in der tausende von Reizen auf uns einströmen und um unsere Aufmerksamkeit buhlen: wir sind ständig beschäftigt und in Eile – aber muss das wirklich alles sein?

Ich merke das bei mir selbst immer wieder: wenn man viel am Computer arbeitet und ständig online ist, dann passiert es schnell, dass man den ganzen Tag beschäftigt ist und sich am Ende fragt: was hab ich eigentlich gemacht? Aber auch sonst gestalten wir doch unser Leben oft so, dass wir immer was zu tun haben wollen. Langeweile ist uncool und wir wollen ja auf oft verzweifelte Weise entweder unsere Zeit sinnvoll nutzen oder uns auf entspannende Weise vom Stress erholen und abschalten. Natürlich jammern wir alle über den Stress und darüber, dass so viel auf uns einströmt – aber fliehen wir nicht auch oft, bewusst oder unbewusst, in „leere Geschäftigkeit“ weil wir in Wahrheit Angst vor der Ruhe und Stille haben?

Ach ja: Wünsch natürlich auch noch allen Lesern ein gutes und gesegnetes neues Jahr! Ich wünsche Euch für 2012 viel Weisheit, um zu unterscheiden, was wirklich notwendig und gut für Euch und andere ist und was nur „leere Geschäftigkeit“ ist. 🙂

Kohelet 4, 4-8 Eine Hand voll mit Ruhe

Hach… brillant und erschreckend aktuell: „Da ist nur Eifersucht des einen auf den anderen… Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe.“ (V.4.6) Dieser eifersüchtige Blick auf das neue Handy des anderen, diese Gier nach mehr Kohle und Ansehen, dieses verkrampfte Ballen der Fäuste, beim Versuch möglichst viel an sich zu reißen – das ist bis heute die Gleiche. Und damals wie heute wissen wir eigentlich: Besser das, was man hat in Ruhe genießen, als sich verzweifelt abzustrampeln für das vermeintlich doppelte Glück. Leicht gesagt und schwer getan!

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Jeremia 14 Unruhe des Herzens

Gott hat die Nase voll. Er sagt über sein Volk: „Sie laufen von einem zum andern, wie es ihnen gerade passt; das ist so ihre Art. Ich habe keine Freude mehr an ihnen. Ich sehe über ihre Vergehen nicht mehr hinweg, sondern ziehe sie jetzt zur Rechenschaft.“ (V.10; Gute Nachricht Bibel) Damit ist gemeint, dass sie Leute von einem Götzen zum anderen laufen und nicht einfach bei ihrem Gott bleiben.

Dieses ungeduldige Hin- und Herlaufen scheint etwas zutiefst Menschliches zu sein. Ich kenn das von mir selbst. Nicht dass ich von einem Götzen oder von einer Religion zur anderen renne. Aber diese Unruhe des Herzens, die ewige Suche nach Glück, Zufriedenheit und Erfüllung – die kenne ich. Dieser ständige Gedanke, dass es noch mehr geben muss.

So sei nun still meine Seele in mir! Still und ruhig, wie ein kleines Kind bei seiner Mutter. Hoffe auf den Herrn, von nun an bis in Ewigkeit! (Psalm 131,2-3)
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