Römer 3, 21-28 – Rechtfertigung allein aus Gnade

Sehr gut durchdacht: Zum Abschluss der sieben Einheiten zum Thema Gemeinde geht es in dem Buch Expedition zum Ich um das Thema Rechtfertigung allein aus Gnade. Anhand von Röm. 3 beschäftigt sich Klaus Douglass mit den Begriffen Gerechtigkeit, Gesetz, Glauben und Gnade. Für meine Empfinden gelingt es ihm recht gut diesen theologischen Zusammenhang mit recht untheologischen Worten zu beschreiben und vermitteln.

Was hat das aber nun mit Gemeinde zu tun? Ganz einfach: „Die Gemeinde ist eine Gemeinschaft begnadigter Sünder.“ (S.321). Wenn ich für mich Gottes Gnade in Anspruch nehme, auch dann wenn ich oft Mist baue, dann muss ich diese Gnade auch dem Anderen zugestehen. Ich kann nicht selbst aus der Gnade leben wollen und zugleich nicht bereit sein, dem Anderen sein Fehlverhalten zu vergeben. Gemeinde lebt aus der Gnade Gottes und sie lebt von einem gnadenvollen Umgang miteinander.

Römer 12 – Hingabe braucht Gemeinschaft

Nette Idee von Douglass und Vogt: Heute ist Halbzeitpause. Sie schlagen vor, an diesem Tag durchzuatmen, feiern oder auszuruhen. Für die Unermüdlichen schlagen sie vor, Römer 12 zu lesen, allerdings gibt es dazu keine Kommentare von Douglass, nur den Bibeltext.

Hab mir dieses Kapitel im Römerbrief in der neuen Übertragung von Douglass/Vogt durchgelesen. Nur ein Gedanke dazu: Es geht in diesem Kapitel darum, wie wir leben sollen, wie sich unser Glaube in unserem konkreten Leben auswirken soll. Sehr spannend finde ich dabei, dass Paulus die individuelle Hingabe des Einzelnen eng mit der Gemeinschaft untereinander verknüpft.

Er sprich am Anfang des Kapitels davon, dass der wirkliche Gottesdienst darin besteht, Gott sein ganzes Leben zu schenken, begeistert zu sein und voller Hingabe. Wir sollen uns nicht der Welt anpassen, sondern uns an Gott orientieren. Danach geht es dann gleich um das Miteinander der Christen: Das berühmte Bild von Leib Christi taucht hier auf. Wie es am menschlichen Körper unterschiedliche Körperteile gibt, mit unterschiedlichen Aufgaben und Fähigkeiten, so ist es auch beim „Leib Christi“. Jeder soll sich auf seine Weise einbringen und nicht auf andere herunter schauen.

Für mich bedeutet das, dass mein persönliches Christsein immer auch eine Form von Gemeinschaft und Gemeinde braucht. Meine persönliche Hingabe bringt wenig, wenn sie sich nicht im Miteinander konkretisiert.

Römer 1, 18-32 – Gottes Zorn

Ein Text der normalerweise vor allem dafür „verwendet“ wird, um mit einem stichhaltigen biblischen Text den Homosexuellen ihre Sündhaftigkeit vorzuhalten. Bei genauerem Hinsehen gibt der Text aber gar nicht so viel her, wie manche vielleicht denken. Zu allererst muss man betonen, dass dieses Thema in dem Text nur beiläufig erwähnt wird. Paulus spricht davon, dass wir Menschen uns von Gott abgewandt haben und Gott uns nun ausliefert an unserer „schändlichen Leidenschaften“ und unseren „verkehrten Sinn“. D.h. dass die eigentliche Sünde die Gottlosigkeit ist und alles andere nur eine Folge dieser Sünde.

Dann ist die Frage, wovon Paulus hier genau spricht. Klaus Douglass meint z.B., dass Paulus nicht von Homosexualität als Veranlagung oder von homosexueller Liebe spricht, sondern „damals durchaus übliche homosexuelle Praktiken an sich heterosexueller, verheirateter Menschen“  (S.61) als „Verirrung“ bezeichnet.

Schließlich muss man auch nach der Gewichtung fragen. Paulus zählt noch weitere Folgen der einen Grundsünde auf: Ungerechtigkeit, Niedertracht, Habgier, Bosheit, Neid, …, Hochmut, Arroganz, Hinterhältigkeit, …, Unvernunft, Untreue, Härte und Unbarmherzigkeit. Warum richten sich manche evangelikale Christen nicht mit der gleichen Vehemenz gegen all diese Dinge, wie sie sich gegen Homosexualität wenden?

Tja, und nun bin ich auch wieder dabei, bei diesem Text nur dieses eine Thema zu sehen – ein Thema bei dem sich wunderbar streiten, verurteilen und richten lässt… Was eigentlich viel wichtiger und beeindruckender in diesem Text ist, ist das Verständnis von Gottes Zorn. Paulus macht deutlich, dass Gottes Zorn nicht heißt, dass er uns zusätzliche Strafen für unsere Sünden auferlegt, sondern dass er uns ganz einfach nur den Folgen unseres Tuns und Denkens überlässt. Gottes Zorn bedeutet, dass er uns die Konsequenzen unseres Tuns spüren lässt.

Matthäus 8, 5-13 – Ein Glaubensheld

Was für ein Glaube!!! Da kommt der römische Hauptmann (also kein Jude, sondern ein „ungläubiger“ Heide) zu Jesus und bittet Jesus, seinen Knecht zu heilen (schon dass er als Römer sich herablässt zu Jesus zu kommen und er dann auch noch für seinen Knecht bittet, spricht Bände!). Er bittet ihn nicht mal zu sich nach Hause sondern sagt: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Auch Jesus ist von diesem Vertrauen beeindruckt und stellt ihn als vorbildlich hin. Dann heilt er natürlich auch noch den Knecht aus der Ferne – aber das scheint bei dieser Geschichte nebensächlich zu sein. Es geht vor allem um diesen Glauben des Hauptmanns. Jesu Fazit: „Dir geschehe, wie du geglaubt hast.“

Wie kommt man zu solch einem Glauben? Warum hatte der Hauptmann solch ein Vertrauen zu Jesus? Er hat keinen Glaubensgrundkurs besucht. Er hat keine Seminare zur Glaubensvertiefung durchgemacht. Er hat nicht tagelang gefastet und gebetet, um Gott nahe zu kommen. Er hat ganz einfach dieses kindliche Vertrauen zu Jesus. Das ist Geschenk, das ist Gnade – das will ich auch!!! Aber wahrscheinlich denke ich zu viel darüber nach, wie ich diesen Glauben bekommen könnte, was ich dafür tun könnte, anstatt einfach zu vertrauen. Hach, wenn’s nur so einfach wäre…

Vladimir Nabokov: Lolita

Puh! Geschafft! Das letzte Drittel musst ich mich richtig durchkämpfen. Weiß nicht so recht, was ich von dem Buch halten soll. Es ist ganz bestimmt kein „schönes“ Buch zum Entspannen. Ein Buch das mich teilweise abgestoßen, verärgert, verwirrt und nachdenklich gemacht hat.

Die Geschichte ist ja in den Grundzügen bekannt: Ein Mann verfällt den Reizen eines Mädchens (am Anfang des Buches erschreckende 12 Jahre jung). Die Hauptperson erzählt in der Ich-Perspektive, was das Buch ziemlich unheimlich und beklemmend macht, weil man die Geschichte aus der Perspektive eines Verbrechers liest. Unter dem Pseudonym Humbert Humbert erzählt er von seinem Leben, das in den Untergang geführt hat. Aufgrund einer unglücklichen Jugendliebe verfällt Humbert zunehmend den Reizen von jungen Mädchen. Um seiner auserkorenen Lolita nahe zu sein, heiratet er ihre Mutter. Diese stirbt jedoch bald darauf bei einem Unfall und Humbert zieht mit seiner „Tochter“ durch die Lande und durch die Hotelbetten. Humbert wird in seiner „Liebe“ und sexuellen Verfallenheit immer krankhafter und bringt am Ende einen vermeintlichen Nebenbuhler um.

Zunächst mal zum sprachlichen: Nabokov ist ein ganz Großer. Er ist ein fabelhafter Erzähler und er hat einen tollen Schreibstil. Gut zu lesen und doch nicht platt. Er kann mit Sprache umgehen und findet viele schöne Sprachbilder. Aber der Inhalt! Der liegt schwer im Magen. Man schaut in die Psyche eines zunehmend kranken Pädophilen. Man gewinnt an manchen Stellen ein gewisses Verständnis für ihn und findet ihn aber zugleich einfach nur schrecklich.

Was wohl Nabokov dazu  bewogen hat so ein Thema aufzugreifen? Und dazu noch aus der Ich-Perspektive, so dass kein Erzähler und keine andere Person einen korrigierenden Blickwinkel einnehmen kann! Wollte er bewusst provozieren? Wollte er die Faszination des Verbotenen darstellen?

Was auch immer er beabsichtigt hat: In dem Buch kann man einiges über Sünde lernen. Man kann sehen, welche Abgründe in uns Menschen stecken und wie schwer es ist, aus diesen Abgründen heraus zu kommen. Das dramatische ist ja, dass Humbert ganz genau weiß, dass sein Handeln falsch ist. Aber er schafft es nicht anders zu handeln. Und am Ende ist er so in seinem Wahn gefangen, dass er die Realität auch nicht mehr annähernd richtig wahrnehmen kann. Hat mich an Römer 7 erinnert: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.