Leo Tolstoi: Anna Karenina

Tolstoi: Anna KareninaEiner der bekanntesten Romane der Weltliteratur mit einem der bekanntesten Anfangssätze: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Obwohl ich das Buch schon vor längerer Zeit einmal gelesen habe, war mir der Sinn dieses Beginns noch nie so richtig deutlich. Nach dem Wiederlesen des Romans wird er mir zum ersten mal etwas klarer. Damit eine Ehe und Familie glücklich sein kann, müssen viele Faktoren zusammen kommen. Weil so vieles passen muss, ähneln sich die glücklichen Ehen. Für eine unglückliche Ehe und Familie genügt es aber, dass nur ein Faktor nicht erfüllt ist. Es kann viele verschiedene Ursachen haben, die zu einer unglücklichen Ehe führen. Insofern ist jede unglücklich Familie auf ihre eigene Weise unglücklich. Leo Tolstoi: Anna Karenina weiterlesen

Philip Yancey: Disappointment with God

Yancey: Disappointment with GodEin Ausschnitt aus dem Buch hat mich neugierig gemacht und großer Erwartungen in mir geweckt. In einer Predigt habe ich ein längeres Zitat aus dem Buch gelesen und war von der offenen und schonungslosen Art, wie hier jemand von enttäuschtem Glauben redet getroffen. Anhand dieses Ausschnittes schien es mir, dass sich der Autor auf ebenso offene und schonungslose Art im ganzen Buch mit dem Thema beschäftigt. Schon während des Lesens musste ich feststellen, dass meine Erwartungen sich nicht so richtig erfüllt haben, bzw. dass ich die falschen Erwartungen hatte. Aber trotzdem ist es ein gutes und empfehlenswertes Buch.

Ausgangspunkt ist für Yancey die Erfahrung eines Freundes, welcher den Glauben an Gott verloren hatte. Anhand von dieser Infragestellung Gottes geht Yancey im Buch drei großen Fragen nach: Ist Gott unfair? Schweigt Gott? Ist Gott verborgen? Diese drei Fragen behandelt er in zwei großen Teilen: im ersten Teil des Buches geht er die ganze Bibel durch und versucht aus Gottes Perspektive auf menschliche Enttäuschung einzugehen. In einem zweiten Teil beleuchtet er die Fragen vom Buch Hiob aus. Philip Yancey: Disappointment with God weiterlesen

Juli Zeh: Corpus delicti

Zeh: Corpus delictiSchade! Eine gute Schriftstellerin und eine gute Romanidee – und doch hat mich ihr Buch nicht so richtig überzeugt. Es geht um eine Zukunftsvision von einer Welt in der Mitte des 21. Jh., in welcher Gesundheitsfanatiker den Staat und alles öffentliche Leben bestimmen. Eine schöne neue, saubere und gesunde Welt. Das höchste Gut für den Einzelnen und für die Gesellschaft wird in einem gesunden Körper gesehen. Juli Zeh: Corpus delicti weiterlesen

Juli Zeh: Schilf

Zeh: SchilfKrimis sind eigentlich nicht mein Ding. Aber dieser Roman hat es mir dann doch angetan. Es ist eine ziemlich abstruse Geschichte um eine Männerfreundschaft zwischen zwei hochbegabten Physikern. Die Krimielemente reichen von Kindesentführung, über Mord bis hin zu einem todkranken und skurrilen Polizeikommissar. Daneben geht es aber um Quantenphysik, Paralleluniversen und die Frage nach unserer Wirklichkeit. Einmal kräftig geschüttelt und heraus kommt ein ungewöhnlicher Kriminalroman.

So manche Kritiker finden das Plot zu konstruiert, die Figuren zu schematisch und den ganzen Roman zu überambitioniert. Mich hat das wenig gestört. Denn der Roman ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben und spannend zu lesen. Es ist klar, dass die Autorin hier keinen möglichst realitätsnahen Fall schildern will, sondern das Krimigenre benutzt, um über unser Wirklichkeitsverständnis zu philosophieren. Ich finde das ist ihr gelungen. Und es ist ja kein Fehler, wenn man dabei noch gut unterhalten wird.

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Kazuo Ishiguro: Never let me go (Alles, was wir geben mussten)

Ishiguro: Never let me goDen Roman habe ich während eines Urlaubs in England auf englisch gelesen. Zuerst hab ich gedacht es liegt an meinen mangelhaften Englisch-Kenntnissen, dass ich so manches des Erzählten nicht gleich verstanden habe oder nicht so richtig einordnen konnte. Mit der Zeit hab ich dann festgestellt, das liegt nicht an meinem Englisch, sondern an der Geschichte.

Eine einundreissigjährige Frau erzählt aus ihrer Kindheit in einer Art Internat in England. Es geht auf der einen Seite um die typischen Schülererfahrungen und um eine sich entwickelnde Dreiecksbeziehung zwischen der Erzählerin Kathy und ihren Mitschülern Tommy und Ruth. Doch von Anfang an merkt man, dass mit diesem „Internat“ etwas nicht stimmt. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was der Hintergrund ist. Die Schüler werden von ihren Aufseherinnen als etwas ganz besonderes bezeichnet, sollen sich gesund ernähren, viel Sport treiben und sich auch künstlerisch entwickeln. Immer wieder kommt eine Frau, „Madame“ genannt, um die besten Schülerkunstwerke für eine Ausstellung mitzunehmen. Kazuo Ishiguro: Never let me go (Alles, was wir geben mussten) weiterlesen

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden

Tolstoi: Krieg und FriedenWas für ein monumentales Werk! Das Buch ist wie ein riesiger Berg: Auf dem Weg zum Gipfel kann man sich leicht verlaufen, man kann die Lust verlieren, man kann müde werden, man fragt sich, ob es sich überhaupt lohnt, diesen Berg zu erklimmen,… und ich muss zugeben auch ich hab mich durch das Buch durchkämpfen müssen. Aber ich bin froh, dass ich es getan habe. Es ist gut, am Ende auf dem Gipfel zu stehen und die Aussicht zu genießen. Lew Tolstoi: Krieg und Frieden weiterlesen

Uwe Timm: Rot

 „Ich schwebe. Von hier oben habe ich einen guten Überblick, kann die ganze Kreuzung sehen, die Straße, die Bürgersteige. Unten liege ich.“ Ein genialer Beginn dieses Romans. Das hat mich in der Buchhandlung gleich so gefesselt, dass ich mir das Buch gekauft habe, obwohl ich von dem Autor bisher noch nicht gekannt habe. Man ist gleich mitten drin in der Geschichte. Offensichtlich endet die Geschichte mit dem Tod des Erzählers und alles was folgt ist im Rückblick erzählt.

Auch mit seiner Hauptfigur hat mich der Autor sofort gehabt: Der Alt-68er Thomas Linde ist Jazzkritiker und Beerdigungsredner. Eine interessante Kombination. Für mich als Pastor, der ja auch auf Beerdigungen zu reden hat, war es spannend zu lesen, wie Thomas Linde diese Aufgabe angeht. Jemand der Trauerreden hält muss sich ernsthaft mit dem Thema Tod auseinander setzen. Wie sieht das bei jemand aus, der ohne den Horizont des christlichen Glaubens über den Tod spricht? Uwe Timm: Rot weiterlesen

Hermann Hesse: Siddhartha

Siddhartha ist für mich persönlich ein wichtiges Buch. Das erste mal habe ich es als Jugendlicher gelesen und damals war es eine wichtige Stufe auf meinem persönlichen Lebensweg. Wie so viele Jugendliche war ich auf der Suche – auf der Suche nach Halt, nach Sinn, nach Leben. Hesses Buch hat mich deswegen so bewegt, weil man in diesem Buch spürt, dass auch der Autor auf der Suche ist und er sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt. Hermann Hesse: Siddhartha weiterlesen

Hermann Hesse: Demian

Ein Hesse-Buch mit dem ich mich eher schwer tue. Im Hintergrund steht eine der vielen Lebenskrisen von Hesse. Er hat in Bern mit psychotherapeutischen Gesprächen angefangen, wobei zum Therapeuten J.B. Lang bald eine Freundschaft entsteht und es zunehmend Gespräche auf Augenhöhe werden. Der Demian ist von dieser Erfahrung geprägt.

In dem Buch zeichnet Hesse die innere Entwicklung der Hauptfigur Emil Sinclair nach. Dabei verwischen sich die Grenzen von Traum und Wirklichkeit. Man kann den ganzen Roman auch als rein innerseelische Entwicklungsgeschichte des Emil Sinclairs lesen. Die vorkommenden Figuren sind dann Aspekte der einen Persönlichkeit, welche sich im Mit- und Gegeneinander der Persönlichkeitsabspaltungen weiterentwickelt. Hermann Hesse: Demian weiterlesen

Hermann Hesse: Roßhalde

Wie der Roman „Gertrud“ wieder ein Buch, das vor allem für Hesse selbst wichtig ist. Er spielt hier in Gedanken seine eigene gescheiterte Ehe durch und kommt zu der Konsequenz, dass er sich um der Kunst willen von seiner Familie befreien muss – was er dann einige Jahre später auch tut.

In dem Roman geht es um den Maler Veraguth, der auf dem schönen Anwesen Roßhalde mit seiner Frau und ihrem jüngsten Sohn Pierre lebt. Aber eigentlich leben sie gar nicht mehr zusammen: der Maler arbeitet und schläft in seinem Atelier, welches sich ein Stück entfernt vom Haupthaus befindet. Das einzige was die Eheleute noch zusammen hält, ist der von beiden sehr geliebte Sohn Pierre. Veraguth liebt ihn über alles und kann sich nicht dazu durchringen, seine Frau zu verlassen, weil er damit auch seinen Sohn verlieren würde. Hermann Hesse: Roßhalde weiterlesen