Kohelet 6, 1-12 Düster, düster!

Kohelet spricht von Reichtum, Kindersegen und einem langen Leben. Nach der damaligen Vorstellung war all dies ein deutliches Zeichen für ein gesegnetes Leben. Aber er stellt fest: All das bringt auch nichts, wenn man dabei nicht glücklich ist, wenn Gott es nicht schenkt, dass man es genießen kann. Was ist die Konsequenz? Es lohnt sich nicht nach solch irdischen Gütern zu streben, es kommt ja doch nur darauf an, dass Gott einem Glück schenkt. Aber auch das kann man ja nicht erzwingen, das ist für Kohelet ein freies Geschenk Gottes. Was bleibt dann? Schicksalsergebenheit in das was kommt oder was nicht kommt? Wenn man Glück hat, kann man sein Leben ein bisschen genießen, wenn man Pech hat, dann wäre es besser eine Fehlgeburt gewesen zu sein (V.3)?

Gottes Wort hin, Gottes Wort her – das ist mir doch ein wenig zu düster! Ich kann Kohelet nicht lesen, ohne das Neue Testament im Hinterkopf. Kohelet geht davon aus, dass nach dem Tod alles aus ist. Ich gehe davon aus, dass nach dem Tod etwas ganz Neues beginnt. In manchen Dingen korrigiert sich die Schrift auch selbst und wir müssen manche Texte im Gesamtzusammenhang der Bibel in einem anderen Licht lesen, als sie ursprünglich gedacht waren. Das heißt nicht, dass wir leichtfertig alle düsteren, unbequemen und schwierig zu verstehende Texte aus der Bibel streichen sollen. Aber es bedeutet für mich z.B. solch einen Text im Licht von Ostern zu lesen. Und in diesem Licht wird eben deutlich, dass das Glück oder Unglück in diesem Leben nicht das letzte Wort ist.

Kohelet 5, 9-19 Körnchen des Glücks

„Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben.“ (V.9) Zack! Das sitzt! Recht hat er! Und wie! Bis heute! Mehr denn je! Das Gute bei Kohelet ist, dass er nicht einfach ein Polemisierer ist, der mit extremen, vereinfachenden und platten Positionen alles niedermäht. Er sagt nämlich nicht, dass man nur ohne Geld glücklich werden kann, dass das Kapital abgeschafft werden sollte, dass man nur richtig glücklich wird, wenn man von der Luft und der Liebe lebt: „Denn wenn Gott einem Menschen Reichtum und Güter gibt und lässt ihn davon essen und trinken und sein Teil nehmen und fröhlich sein bei seinem Mühen, so ist das eine Gottesgabe.“ (V.18)

Also: Reichtum lieben? Nein! Davon wirst du niemals satt. Du willst immer mehr und wirst immer hungriger dabei! Aber: Reichtum genießen? Ja! Als Gabe Gottes, als Geschenk. Die Kunst ist, mit „seinem Teil“ zufrieden zu sein und sich darüber zu freuen, anstatt immer von der Sehnsucht nach dem Ganzen getrieben zu sein. Das Ganze, die Fülle des Lebens, der Reichtum des völligen Friedens und Glücks, den kriegst du hier auf Erden nie zu fassen. Darum genieße die Körnchen des Glücks, die Gott dir jetzt schon schenkt!

| Bibeltext |

Kohelet 4, 13-16 Der Traum vom Star

Je nach Übersetzung ein gar nicht so einfach zu verstehender Abschnitt. Es geht um hypothetische Überlegungen zu Weisheit, Erfolg und Volksgunst. Grundsätzlich wird festgestellt, dass es besser ist arm und weise zu sein, statt mächtig, reich und töricht. Nun wird der Gedanke aber weiter gesponnen. Selbst wenn ein armer, aber weiser Mann König wird und das Volk ihm zujubelt, so ist das doch auch nicht von bleibender Bedeutung. Denn Die Gunst des Volkes kann sich schnell wenden und sich auch gegen den weisen König wenden. Letztendlich ist das auch alles „Haschen nach Wind“. Politische Macht, Reichtum und Popularität ist selbst verbunden mit Weisheit nichts Bleibendes.

Das ist ja bis heute so: An einem Tag werden prominente Politiker, Sportler oder Medienstars von den Massen hochgejubelt und am anderen Tag sind sie schon vergessen. Es geht dem Prediger nicht in erster Linie darum, diese Wechselhaftigkeit zu kritisieren, sondern darauf aufmerksam zu machen, dass man sein Leben nicht auf Popularität, Erfolg und Reichtum aufbauen sollte. Diese Dinge können genau so schnell vergehen, wie sie gekommen sind. Wenn das der einzige Sinn im Leben ist, dann ist man letztendlich arm dran.

Die ganzen Castingshows, von denen es im Fernsehen nur so wimmelt sind ein gutes Beispiel dafür. Da wird der Traum vom Star verkauft: „Wenn du die Castingshow gewinnst, dann bist du populär, erfolgreich und reich, dann hat dein Leben einen Sinn.“ Aber eigentlich weiß doch jeder, wie schnell dieser Ruhm auch wieder zerbröseln kann… Haschen nach Wind!

| Bibeltext |

Kohelet 2, 1-11 Die große Konsumlüge

Wir sind nicht wirklich schlauer geworden. Schon vor tausenden von Jahren hat der Prediger festgestellt, dass Reichtum nicht glücklich macht. Großartige Immobilien und weitläufige Grundstücke, ein Heer von Dienern und Wellnessassistenten, Kohle bis zum Abwinken, Wein, Weib und Gesang,… all das stellt vielleicht für einen kurzen Augenblick Befriedigung her – macht aber letztendlich auch nicht glücklich.

Das wissen wir ja alle und doch fallen wir immer wieder auf diese große Konsumlüge herein, die es in ähnlicher Weise wohl schon damals gegeben hatte. Immer wieder beschleicht uns der Gedanke: Wenn ich nur von allem ein bisschen mehr hätte, dann, ja dann, könnte ich glücklich sein. Der Prediger sagt: Das ist alles eitel und vergänglich, das ist genauso sinnlos wie der Versuch den Wind einzufangen.
Bibeltext

Jeremia 9, 11-25 Angeber

Aus gegebenem Anlass darf ich heute ein bisschen angeben 😉 :

„Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.“ (V.22-23)

Nicht dass ich denke, dass ich Gott wirklich im umfassenden Sinne „kenne“. Es geht hier mehr um das anerkennen. Und wer das tut, der ist ganz schön schlau. Viel schlauer als alle, die sich auf ihre eigene Klugheit, Stärke und Reichtum verlassen…
Bibeltext

Psalm 112 – Reich gesegnet?

Warum steht so was in der Bibel? „Die Kinder der Frommen werden gesegnet sein. Reichtum und Fülle wird in ihrem Haus sein.“ (V.2-3) Natürlich glaube ich, dass Gott die segnet, die ihm vertrauen. Aber warum wird dieser Segen hier so undifferenziert mit Reichtum in Verbindung gebracht? Jeder der Augen im Kopf hat, sieht doch, dass das nicht stimmt. Es ist eben nicht automatisch so, dass jeder fromme Christ auch mit einem fetten Bankkonto gesegnet ist.

Auch Jesus spricht davon, dass er gekommen ist, um uns „das Leben in ganzer Fülle zu schenken.“ (Joh.10,10; Neues Leben) Aber bei Jesus ist es ganz klar, dass es eben nicht um materiellen Reichtum geht, sondern um eine Fülle in einem umfassenderen Sinn. Für Jesus ist Reichtum nicht unbedingt ein Segen Gottes, sondern er warnt sehr scharf vor den Gefahren des Reichtums: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt.6,24) „Es ist leichter dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ (Mt.19,24) Es geht nicht darum, reich in dieser Welt zu sein, sondern „reich bei Gott“ (Lk. 12,21).
Bibeltext

Psalm 49 – „Ich krieg euch alle!“

Tja, das mit dem „Wohlstandsevangelium“ hat schon damals nicht immer funktioniert ;)! Schon zu alttestamentlichen Zeiten gab es die Auffassung und Erwartung, dass Gott mein Leben – auch materiell und gesundheitlich – segnet, wenn ich ihm vertraue. Bekannt ist das auch unter dem Stichwort „Tun-Ergehen-Zusammenhang“: Wer Gutes tut, der wird von Gott auch Gutes empfangen. Gerade in den Psalmen wird aber immer wieder deutlich, dass dieser Zusammenhang nicht immer da ist. Gerade in den Psalmen klagen die Beter über Krankheiten und darüber, dass so mancher Gottlose reicher und materiell „gesegneter“ ist, als sie selbst. Ähnliche Erfahrungen machen uns ja bis heute zu schaffen.

Auch Ps. 49 versucht, auf diesen manchmal ausbleibenden Segen eine Antwort zu finden oder zumindest irgendwie damit klar zu kommen. Er tut das, indem er den „Tun-Ergehen-Zusammenhang“ in eine neue Perspektive stellt. Angesichts des Todes relativieren sich die irdischen Unterschiede. Jeder, egal ob reich oder arm, gottlos oder gläubig wird mal sterben müssen. Und dann nützt aller Reichtum nichts mehr, dann gibt es keine Unterschiede mehr, dann stehen wir alle nackt und hilflos vor dem Tod. Den Tod kann niemand bestechen, auch nicht so manche Manager und Bänker mit ihren Millionen Boni. Der Tod nimmt unterschiedslos alle zu sich, den einen in ein paar Jahrzehnten, den anderen vielleicht schon in den nächsten Minuten. „Gestatten, ich bin der Tod! Und ich krieg euch alle!“

Oder doch nicht alle?!? Der entscheidende Punkt ist, dass der Beter folgende Gewissheit hat: „Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf.“
Bibeltext

Matthäus 6, 1-4 – Geld geben macht fromm

Nach den sogenannten Antithese geht es in der Bergpredigt jetzt um drei grundlegende Frömmigkeitsübungen des Judentums: Almosegeben, Beten und Fasten. Jesus betont, dass wir mit unser Großzügigkeit nicht angeben sollen. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ein großes Problem ist. Im Gegenteil: Ich finde, dass heute Geld viel zu wenig mit Frömmigkeit und Glaube zu tun hat. Über Geld spricht man nicht, und vor allem nicht wenn’s um den Glauben geht. Almosengeben als eine Frömmigkeitsübung – das klingt sehr fremd für uns. Aber mein Geld hat sehr wohl was mit meinem geistlichen Leben zu tun.

Wenn ich an den reichen Jüngling denke, dann war sein Reichtum nicht in erster Linie etwas, mit dem er armen Menschen helfen sollte, sondern etwas, was ihn selbst in seiner Jesus-Nachfolge gehindert hat. Almosen geben fördert nicht nur die Armen, sondern es hilft selbst vom Götzen Mammon frei zu werden.

Jesaja 17 – Rufe mich an, schon vor der Not

Jesaja wendet sich hier gegen das Nordreich Israel und gegen Damaskus, die das Südreich Juda mit kriegerischen Mitteln zu einem Krieg gegen das mächtige Assyrien zwingen wollten. Beiden wird der Untergang angesagt. Und der kam dann auch tatsächlich: 732 v. Chr. wurde Damaskus von Assyrien erobert und 721 v. Chr. Israel. Beide Staaten verloren ihre Unabhängigkeit und wurden zu assyrischen Provinzen.

„Zu der Zeit wird der Mensch blicken auf den, der ihn gemacht hat, und seine Augen werden auf den Heiligen Israels schauen; und er wird nicht mehr blicken auf die Altäre, die seine Hände gemacht haben.“ (Jes. 17,7f) Erst wenn’s euch wirklich dreckig geht, dann kommt ihr wieder auf die Idee auf Gott zu schauen! Erstaunlich, wie sich manche menschliche Grundzüge über Jahrtausende hinweg durchziehen.

Ich hör das immer wieder: „Ja, es geht uns in Deutschland einfach zu gut. Da fragen die Leute nicht nach Gott.“ Ist das wirklich wahr? Wächst darum das Christentum in armen Ländern stärker als im „reichen Westen“? Verträgt sich Glaube nicht mit Reichtum und Wohlstand? Warum sind wir eher bereit Gott in der Not anzurufen, als dann wenn es uns gut geht?