Römer 9, 6-13: Rätselhafte Gnadenwahl

Manchmal sind Gottes Wege mit uns Menschen schwer nachzuvollziehen. So geht es mir auch bei diesem Text. Ausgangspunkt ist für Paulus die Frage nach Israel: Wenn Israel das erwählte Volk Gottes ist, warum verschließt sich die Mehrheit dem Sohn Gottes? Sein Argument in Kurzform ist: Schon früher hat Gott nicht einfach die leibliche Abstammung allein für die Träger der Verheißung gelten lassen, sondern er hat in seiner freien Wahl den Träger der Verheißung erwählt (V.11f). Besonders deutlich wird das bei Jakob und Esau. Noch vor der Geburt, noch bevor beide irgendwelche Dinge richtig oder falsch machen konnten, hat Gott schon entschieden, wenn er sich erwählt.

Nach heutigem Empfinden ist das nur schwer nachvollziehbar. Warum bekommt einer ohne jeden Grund einfach den Vorzug gegenüber einem anderen? Das lässt sich nicht logisch begründen. Hier wird Gott für mich rätselhaft. Aber vielleicht ist das genau der Punkt des Paulus: Auch er kann es sich nicht logisch erklären, warum sein Volk Jesus als den Messias ablehnt.

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Johannes 11, 1-16 Offene Fragen

Diesen Text finde ich immer wieder auf’s Neue rätselhaft. Auf der einen Seite wird zwei mal betont, dass Jesus Lazarus und seine Schwestern lieb hat (V.3.5). Andererseits zögert er zwei Tage lang, bevor er seinem Freund hilft. Offensichtlich soll mit diesem Auferweckungswunder ein Exempel statuiert werden, um anderen den Glauben zu erleichtern (V.15). Jesus lässt Leid und Schmerz zu, nur um dann zu zeigen, dass er mächtig genug ist, um Leid und Schmerz zu überwinden und neues Leben zu schenken?

Das zweite rätselhafte, das ich bis heute nicht richtig verstehe, ist die Aussage des Thomas: „Lasst uns mit Jesus gehen, dass wir mit ihm sterben!“ (V.16) Meint er das ernst oder ist diese Aussage sarkastisch zu verstehen? Ich habe bis jetzt noch keine Auslegung gefunden, die mich entweder von dem einen oder dem anderen wirklich überzeugt hätte.

Klar kann ich mir für jeden Bibeltext auch Erklärungen zurechtlegen. Aber ich denke, es ist wichtig, dass wir an manchen Stellen auch ehrlich zugeben, dass wir nicht alles in der Bibel verstehen. Manches bleibt rätselhaft und offen. Das ist angemessener, als wenn wir so tun, als ob wir mit der Bibel in der Hand alle Fragen ein für alle mal beantworten könnten.

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