Sacharja 7, 1-14 Warum beten?

Warum beten wir, lesen in der Bibel, besuchen Gottesdienste und haben Gemeinschaft mit anderen Christen? Damit es uns besser geht, damit wir wachsen, damit wir gesegnet werden und damit unsere Gebete erhört werden? Sacharja legt den Finger in die Wunde: Wenn es so ist, dann könnt ihr es auch bleiben lassen. Wenn ihr wirklich auf Gott hören wollt, dann hat Sacharja auch nichts anderes zu sagen als die Propheten vor ihm: Lebt Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Das ist das, was Gott von euch will. Ohne das bringt alles beten und fasten nichts.

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Sacharja 6, 9-15 Unerfüllte Verheißung?

Noch einmal tauchen hier zwei künftige Heilsfiguren auf. Mit „Spross“ (V.12) bezeichnen die Propheten den Messias. Neben ihm soll einen Priester geben und die beiden werden einmütig und in Frieden (V.13) Gottes Volk anführen. Auffällig ist, dass hier zwar der Name des damaligen Hohenpriesters Jeschua fällt – dieser wird jetzt schon zeichenhaft gekrönt – dass aber der Name Serubbabel nicht mehr erwähnt wird. In Sach. 4,6-10 wird er noch als derjenige angekündigt, der den Tempelbau vollenden wird. Jetzt wird ein zukünftiger „Spross“ erwartet, der den Tempel bauen wird (V.13).

Offensichtlich hat sich die messianische Erwartung an Serubbabel so nicht erfüllt. Nicht Serubbabel ist der zukünftige Messias, sondern Sacharja wartet auf jemand Anderes. Hier zeigt sich innerhalb eines biblischen Buches, dass Prophezeiungen nicht immer ihre automatische Erfüllung nach sich ziehen. Oder hat sich Sacharja geirrt? Aber dann hätte man die ursprüngliche Erwartung an Serubbabel ja konsequenterweise aus dem Buch gestrichen und verschwiegen. Nein, in Serubbabel hat sich die Verheißung des Wiederaufbau des Tempels ansatzweise erfüllt, aber noch nicht vollendet. Nun wartet Sacharja auf einen Anderen, einen Größeren (das Neue Testament spricht von einem, der Gottes Tempel in drei Tagen auf eine andere Weise wieder aufbaut…).

Sacharja selbst sagt zu dieser neuen Erwartung: „Das soll geschehen, wenn ihr gehorchen werdet der Stimme des Herrn“ (V.15). Er selbst macht deutlich, dass Gott seine Verheißungen nicht automatisch und unabhängig von unseren menschlichen Reaktionen erfüllt. Göttliche Verheißungen schließen unsere menschliche Reaktion nicht aus, sondern sie schließen sie ein. Wenn Gott handelt, heißt das nicht, dass wir nicht handeln brauchen…

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Sacharja 4, 1-14 Die beiden Ölsöhne und der eine Gesalbte

In dieser Vision tauchen zwei Gesalbte (wörtlich: „Ölsöhne“) auf. Sie stehen wohl für politische und religiöse Führungspersönlichkeiten, also für König und Priester. Die Vision scheint von den damaligen Erwartungen beeinflusst zu sein. Denn man erwartete die Wiederherstellung Israels unter dem Hohenpriester Jeschua (vgl. Kap. 3) und durch den in messianischen Farben geschilderten Serubbabel, der damals Statthalter von Juda war (vgl. 4,9f und Haggai 2,21-23). Allerdings lesen wir danach nichts mehr von Serubbabel – die Erwartungen haben sich wohl so nicht erfüllt.

Im Neuen Testament wird Jesus Christus als der eine wahre König und Hohepriester gesehen. In ihm vereinen sich als dem einen Gesalbten alle Erwartungen. Wir sehen wieder einmal, dass nicht alle Prophetien einfach eins zu eins aufgehen. Es sind Zukunfts- und Hoffnungsbilder, die etwas andeuten, aber nicht exakt voraussagen. In der damaligen Zeit haben sich die Erwartungen im Hohepriester Jeschua und dem Statthalter Serubbabel ansatzweise erfüllt. Die beiden sorgten für den Wiederaufbau des Tempels, trotz mancher Widerstände. In Jesus Christus ist diese Prophezeiung der „Ölsöhne“ auf veränderte Weise fortgeführt worden. Die endgültige Aufrichtung der Herrschaft des Messias steht noch aus und wird wohl auch etwas anders aussehen, als wir uns das jetzt noch vorstellen können.

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Sacharja 2, 1-9 Das Eigentliche

Erstaunlich wie nüchtern und knapp Sacharja von diesen himmlichen Visionen berichtet. Als ob es das selbstverständlichste der Welt sei, dass Engel mit ihm reden. Er beschreibt gar nicht genauer, wie wir uns die Engel ausgesehen haben und wie wir uns seine Vision vorzustellen haben. Wenn so etwas heute passieren würde, dann würde wahrscheinlich ein riesiger Hype daraus entstehen. Sacharja berichtet von acht Visionen. Eine einzige davon würde heute ausreichen, um das ganze auch kommerziell gut auszuschlachten.

Sacharja könnte in christlichen Fernsehshows auftreten und davon erzählen, wie die Engel aussehen und wie es im Himmel ist. Er könnte ein Buch über seine Erfahrungen schreiben, welches dann sicher zum Bestseller würde. Dann könnte er nach einiger Zeit ein zweites Buch nachschieben, um die Erfolgswelle weiter auszunützen. Er könnte Vorträge halten und Seminare geben: „Sieben Schritte auf dem Weg zum Propheten“.

Aber Sacharja geht es nicht um das Drumherum. Das ist für ihn völlig nebensächlich. Wichtig ist nur, was Gott zu sagen hat. Ich fürchte bei uns heute, geht es oft sehr viel mehr um das spektakuläre Drumherum, als um das Eigentliche…

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Sacharja 1, 1-6 Immer wieder neue Umkehr

Der Prophet Sacharja erfährt im Jahr 520 V. Chr. seine Berufung. Zu der Zeit waren die Juden aus dem Exil in Babylonien wieder zurück gekehrt nach Jerusalem in ihre Heimat. Allerdings war es keine triumphale Rückkehr und es gab so manche Probleme. Juda war kein selbständiges Königreich mehr. Nachdem die Babylonier ihre Vormachtstellung verloren hatten, waren die Perser die neue Großmacht, unter deren Einfluss auch Jerusalem stand. Neben den politischen Problemen war auch das religiöse Leben angeschlagen, was sich z.B. darin zeigte, dass der Wiederaufbau des Tempels nicht einfach und sich immer wieder verzögerte.

In dieser Situation erinnert Sacharja seine Zeitgenossen an die Geschichte ihrer Väter. Sie haben sich von Gott abgewandt und das Exil wurde dann als Abkehr Gottes von seinem Volk verstanden. Aber Gott hat sein Volk nicht verlassen und es wieder zurück ins verheißene Land gebracht. Deswegen ist es jetzt wichtig – auch wenn nicht alles glatt läuft – Gott treu zu bleiben, bzw. immer wieder neu zu ihm umzukehren. Glaube und Umkehr zu Gott ist etwas, das von jeder Generation und von jedem einzelnen Menschen immer wieder neu gefordert ist. Glaube ist nicht etwas, das man als Volk oder Einzelner einmal in der Tasche hat, sondern etwas, das sich immer wieder neu bewähren muss.

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Apostelgeschichte 2, 14-21 Teilweise erfüllt

Hier tut Petrus etwas, was im Neuen Testament ständig geschieht: die Gläubigen deuten ihre Erfahrung mit Jesus oder hier mit dem Heiligen Geist vom Alten Testament her. Die Glaubenserfahrung spricht nicht für sich selbst, sondern muss auf dem Hintergrunde der Schrift gedeutet werden. Aufgefallen ist mir, dass in diesem Zitat aus Joel nur ein Teil im Pfingstgeschehen erfüllt wird. Gott gießt seinen Geist aus und die Empfänger „weissagen“ (oder wie die Gute Nachricht übersetzt: „werden zu Propheten“).

Joel spricht darüber hinaus davon, dass Zeichen an Himmel und Erde geschehen, dass die Sonne sich verfinstert und der Mond in Blut verwandelt werden soll. An Pfingsten haben zwar die Jünger wie Propheten geredet, aber Zeichen am Himmel, an der Sonne und am Mond geschahen nicht. Für Petrus bestand darin offenbar kein Widerspruch. Mit der Ausgießung des Geistes hat die Zeit begonnen, in der sich diese Prophezeiung des Joel erfüllt. Wie wir heute wissen, ist die Zeitspanne zwischen dieser ersten Ausgießung des Geistes und dem großen Tag der Offenbarung des Herrn (V.20, damit ist der Tag des Gerichts gemeint) doch recht lange. Aber auch das ist typisch für die Bibel: Prophetische Zusagen erfüllen sich meist nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach. Gott hat seinen eigenen Zeitplan.

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Daniel 2, 27-49 Die vier Weltreiche

Jeder Text ist bis zu einem gewissen Grad offen für Interpretationen und Deutungen. Für einen Text in dem es um eine prophetische Zukunftsschau geht, gilt das noch stärker. Dementsprechend ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn es zu diesem Text aus Daniel 2 unterschiedliche Deutungen gibt. Es werden vier Weltreiche aufgezählt, die aber letztendlich alle untergehen werden und am Ende wird ein ewiges Reich Gottes aufgerichtet.

Traditionell werden die vier Reiche so zugeordnet: Das erste Reich ist vom Text her klar das babylonische Weltreich. Das zweite Reich wird als das medisch-persische Reich gesehen, das viert ist das griechische Reich unter Alexander dem Großen und das vierte Reich ist das römische Reich. Dazu passt auch, dass das römische Reich am Ende in zwei Teile zerfällt (Ost- und Westreich). Es gibt aber auch andere Zuordnungsmöglichkeiten: Wenn die Reiche von Medien und Persien als eigene Weltreiche gezählt werden, dann ist das vierte Reich das griechische Reich (was nach dem Tod Alexanders auch in verschiedene Teile zerfiel). Aus christlicher Sicht würde dazu zeitlich passen, dass nach dem Ende des griechischen Reiches Jesus von Nazareth geboren wurde und in ihm das ewige Reich Gottes seinen unscheinbaren Anfang genommen hat.

Da kann man jetzt herrlich hin und her argumentieren und sich in Einzelheiten verlieren. Mir ist das letztendlich egal. Und ich denke auch, die biblischen prophetischen Bücher wollen nicht exakte Zukunftsweissagungen sein. Nein, es geht um das große Ganze: Irdische Reiche mit ihren gewaltigen Herrschern und ihrer großen Macht kommen und gehen. Aber Gott bleibt. Er richtet ein Reich auf, das ewig Bestand hat. Das ist das wichtigste.

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Richter 4 Frauenpower

Erstaunlich in welch unbefangener Weise hier von Debora berichtet wird. Sie wird zum einen als Richterin bezeichnet, welche Gerichtsurteile über andere aussprechen durfte – sie ist also eine soziale und politische Führungsperson. Zum anderen ist sie eine Prophetin, hat also auch auf geistlich-religiösem Gebiet etwas zu sagen. In einer Gesellschaft, die ganz selbstverständlich vom Patriarchat bestimmt wird, scheint beides außergewöhnlich.

Aber hier im Text wird darum kein großes Aufheben gemacht. Sie ist einfach eine Person in der langen Reihe von Anführern in der Richterzeit – unabhängig vom Geschlecht. Aber noch eine andere Frau spielt in diesem Kapitel eine wichtige Rolle: die Keniterin Jael (V.17). Nicht Barak, der männliche und von Gott berufene Anführer des israelitischen Heeres besiegt den Feind, sondern Jael – eine Frau, und nicht einmal eine israelische Frau!

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Hesekiel 33, 21-33 Religiöses Unterhaltungsprogramm

„Und siehe, du bist für sie wie einer, der Liebeslieder singt, der eine schöne Stimme hat und gut spielen kann. Sie hören wohl deine Worte, aber sie tun nicht danach.“ (V.32) Erschreckend aktuell, wie hier der Prophet Hesekiel von seinen Zeitgenossen gesehen wird: Glaube und Gottes Wort als Unterhaltungsprogramm, das man sich gerne anhört und anschaut, an dem man aber nicht sein Leben ausrichtet! Ein religiöser Zuckerguss auf dem, was einem sonst noch so wichtig ist!

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Hesekiel 33, 1-9 Das Katastrophenhorn blasen?

Die Aufgabe des Propheten Hesekiel wird hier als die eines Wächters beschrieben. Er ist wie ein Wachmann, der mit einem Posaunenton Alarm schlägt, wenn der Feind anrückt. Er kann nicht verhindern, dass der Feind kommt und er kann auch nicht beeinflussen, wie die Hörer auf den Warnruf reagieren. Wenn man Hesekiel mit anderen Propheten, im Extremfall mit Jona vergleicht, so stellt man fest, dass es durchaus Unterschiede gibt, wie dieses Wächsteramt ausgeübt wird. Jona geht nur widerwillig nach Ninive und verkündigt dort kurz und lustlos das drohende Gericht Gottes. Hesekiel warnt über Jahre hinweg mit großem persönlichen Einsatz und auf immer neue kreative Weise vor einem Leben ohne Gott. Das dramatische ist, dass Jona „Erfolg“ hat (die Einwohner Ninivehs kehren um) und Hesekiel nicht. Ganz schön frustrierend, was Gott da seinem Propheten zumutet.

Ich habe mich bei diesem Text gefragt, ob wir Christen heute eine ähnliche Aufgabe haben? Müssen wir die Menschen vor dem Gericht Gottes warnen? Ich denke, unsere Botschaft ist anders, sie ist mehr als nur vor dem Untergang zu warnen. Wir haben nicht die Botschaft weiter zu geben, dass der Feind vor den Toren steht, sondern wir haben die Botschaft weiter zu geben, dass der Erlöser vor der Tür steht. Das ist etwas anderes! Unsere Aufgabe ist nicht Katastrophenangst zu schüren, sondern Hoffnung zu wecken und zum Leben einzuladen. Natürlich ist es einfacher, laut und kräftig in das Katastrophenhorn zu blasen. Aber angemessener ist es, auf möglichst vielfältige und einladende Weise zum Tanz des Lebens aufzuspielen.

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