Hebräer 9, 1-15 Barrierefreier Zugang

Der Hebräerbrief stellt dem irdischen Heiligtum (V.1) Christus als den Hohenpriester der größeren und vollkommeneren Stiftshütte (V.11) gegenüber. In der irdischen Stiftshütte, und in der Nachfolge auch im irdischen Tempel in Jerusalem, gab es das Allerheilgste, dass selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr betreten durfte. Vorher musste er ein Opfer bringen für die eigenen Sünden und die des Volkes. Der Zugang zu Gott war also streng begrenzt. Die Kluft zwischen uns sündigen Menschen und dem heiligen Gott ist so groß, dass selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr Zugang zum Allerheiligsten hatte. Dabei wurde das Allerheiligste nicht einmal als Ort der unmittelbaren Gegenwart Gottes gesehen, sondern die Bundeslade im Allerheiligsten lediglich als Fußschemel des viel größeren, alles irdische übersteigenden göttlichen Thrones gedacht.

Für den Hebräerbrief ist die irdische Stiftshütte nur eine Abbild der vollkommenen Stiftshütte. In diese ist Christus als Hohepriester eingegangen und hat ein für alle mal eine ewige Erlösung erworben (V.12). Das was in der irdischen Stiftshütte nur ansatzweise geschehen konnte, hat Christus letzt-gültig umgesetzt. Es braucht daher keine irdische Stiftshütte, kein Tempel und keine Opfer mehr. Die Erlösung, die Jesus Christus erwirkt hat, gilt für alle Ewigkeit, der Zugang zu Gott ist frei – nicht nur für den Hohepriester, sondern auch für mich.

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Hebräer 7, 1-10 Prophetisches Bibellesen

Für uns moderne Ohren ist das ein sehr eigenwilliger Umgang mit der Heiligen Schrift. Wir sind es gewohnt, analytisch an die Texte heran zu gehen – besonders wir Theologen. Wir fragen nach dem ursprünglichen Sinn der Texte und versuchen herauszufinden, was der Text in seinem damaligen Zusammenhang sagen wollte. Dann versuchen wir diese Aussage in unsere heutige Zeit zu übertragen. Der Hebräerbrief geht hier mit dem biblischen Bericht von Melchisedek ganz anders um. Ich würde das eher als eine prophetische und symbolische Auslegung des Textes bezeichnen.

Für den Hebräerbrief ist der königliche Priester Melchisedek ein Vorabbild und Voraushinweis für den königlichen Priester Jesus Christus. Er sieht im Priestertum des Melchisedeks ein Priestertum, das vor und über allen anderen folgenden aaronitischen Priestern steht. Das begründet er damit, dass schon der Stammvater Abraham sich Melchisedek unterordnete, indem er ihm den Zehnten gab. Historisch gesehen wissen wir nicht viel von Melchisedek, er wird in 1. Mose 14,18-20 als Priester des Höchsten bezeichnet. Aber gerade wegen diesen wenigen Informationen kann er dem Hebräerbrief als Bild für den Messias dienen.

Wenn wir heute alle so die Schrift auslegen würden, dann könnten wir alles mögliche aus den Texten herauslesen. Aber ich denke trotzdem hat diese Art des Bibellesens seine Berechtigung. Es geht dem Hebräerbrief nicht darum, den Text über Melchisedek auszulegen, sondern mit diesem Text die Person Jesu Christi besser zu verstehen. Seine prophetische Art die Bibel zu lesen ist von anderen als geistgewirkt bestätigt worden, deshalb steht dieser Brief heute im Neuen Testament. Wir können auch heute die Bibel nicht nur analytisch lesen, sondern auch prophetisch. Wir können darauf achten, was Gott uns dadurch sagen möchte. Aber das ist dann keine Schriftauslegung mehr, sondern geht schon darüber hinaus. Für mich ist beides wichtig: das analytische Lesen als Korrektiv (in Jesus Christus und der Bibel hat Gott maßgeblich gesprochen – an diesen Aussagen müssen wir alles andere messen), aber auch das prophetische Lesen als Offenheit für Gottes spezielles Reden in unsere Zeit und Situation hinein.

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Josua 13 Himmlisches Erbteil

Zweimal wird in diesem Kapitel betont, dass der Stamm der Leviten kein Land als Erbteil bekommt (Erbteil ist ein Anteil am Gesamtbesitz, welches nicht ohne weiteres verkauft werden darf – wenn, dann nicht an einen Fremden, sondern an den Nächstverwandten). Das Erbteil der Leviten besteht nicht in materiellen Dingen, sondern „der Herr, der Gott Israels, ist selbst ihr Erbteil“ (V.33). Die Leviten übernehmen die Aufgabe des priesterlichen Dienstes und stehen somit in besonderer Nähe zu Gott.

Nach dem Neuen Testament sind wir alle „das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft“(1. Petr. 2,9). Unser Erbe besteht nicht in materiellen Dingen, sondern in Gott selbst. Wer zu Jesus gehört, der ist Teil einer königlichen Priesterschaft! Wir dürfen alle in besonderer Nähe zu Gott stehen. Der irdische Landbesitz wird umkämpft und bedroht bleiben (das hat Israel in seiner langen Geschichte bis heute immer wieder erfahren müssen). Der irdische Landbesitz wird früher oder später einmal vergehen. Aber das Erbteil der königlichen Priesterschaft wird in Ewigkeit bestehen!

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Hesekiel 46 Das Privileg Gott nahe zu sein

Auch in diesem Kapitel wird wieder einmal die für Hesekiel typische Trennung zwischen heilig und profan deutlich. In seiner Vision des ideale Tempels und des idealen Opfergottesdienstes darf der Fürst und das normale Volk den inneren Vorhof nicht betreten. Allein am Sabbat und am Neumond soll das östliche Tor zum inneren Vorhof geöffnet werden und der Fürst und das Volk sollen Gott von diesem Tor aus anbeten. Nur die geweihten Priester dürfen den inneren Vorhof betreten.

Diese Trennung ist aus neutestamentlicher Sicht ungewohnt und kommt uns seltsam vor. Aber mir wurde heute beim Lesen wieder deutlich, welch ein Privileg es eigentlich für uns ist, dass wir so unkompliziert Zutritt zum heiligen Gott haben. Durch Jesus Christus darf jeder vor Gottes Thron treten, jeder darf ein Gott geweihter Priester sein und mit Gott reden, wie ein Kind mit seinem Vater redet. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein teuer erkauftes Privileg!

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Hesekiel 44 Rein und unrein

Hesekiels Vision vom zukünftigen Tempel bleibt ganz in seiner priesterlichen Welt. Vollendung bedeutet für ihn: vollkommener Opferdienst von absolut reinen Priestern in einem perfekten Heiligtum. Auch in diesem Kapitel trennt er streng zwischen dem reinen Bereich, der mit dem Heiligen in Berührung kommt und dem profanen Bereich, der mit unserer normalen irdischen Welt in Berührung kommt. Die Priester müssen streng darauf achten, dass beide Bereiche nicht vermischt werden.

Wie anders lebt und handelt Jesus: Er wird im Hebräerbrief als der eine Hohepriester bezeichnet. Aber er blieb nicht im absolut reinen und heiligen himmlischen Bereich, sondern er wurde vergängliches Fleisch. Er hat sich nicht im Heiligtum aufgehalten oder in der Abgeschiedenheit der Wüste, sondern er ging mitten unter die Menschen. Er hat sich nicht von Kranken und Sündern ferngehalten, sondern feierte mit Zöllnern und Huren. Er hat nicht versucht, die Reinheit des Heiligen durch Abschottung zu bewahren, sondern er hat das Unreine durch seine Gegenwart gereinigt.

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Hesekiel 42 Die heilige Priesterschaft

An manchen Stellen klingt Hesekiel recht neutestamentlich. Z.B. wenn er vom neuen Herz und neuen Geist redet, den Gott schenkt (Hes. 36,26f). Hier in dieser Tempelvision bleibt er allerdings seinem alttestamentlich-priesterlichen Gottes- und Weltbild treu. Am Ende des Kapitels schreibt er über die Tempelmauern. Sie sind dazu da, damit das Heilige vom dem Unheiligen geschieden sei (V.20). Davor berichtet er über die Kammern der Priester. Nur in diesen besonderen Kammern dürfen sie die heiligen Opfer verzehren. Danach müssen sie sogar ihre Kleider wechseln, bevor sie hinausgehen unter das Volk (V.14). Durch den Kontakt mit dem Heiligen sind selbst die Kleider heilig geworden und müssen vom profanen Volk getrennt bleiben.

In Jesus Christus zeigt sich der heilige Gott von einer ganz anderen Seite. Er hält sich in seiner Heiligkeit nicht getrennt vom profanen Volk, sondern wird selbst Mensch. Er wird selbst ein Teil der profanen Welt. Er trennt sich nicht durch hohe Tempelmauern ab vom Volk, sondern durch Jesus Christus baut er sich einen neuen, einen lebendigen Tempel. Nach 1. Kor. 3,16 sind wir selbst Gottes Tempel, weil Gottes Geist in uns wohnt. Wer zu Christus gehört ist selbst Teil der heiligen Priesterschaft, die nicht mehr Tieropfer schlachtet, sondern geistliche Opfer bringt (1. Petr. 2,5). Gott bleibt der Heilige, der ganz andere. Aber über Jesus Christus darf jeder Zugang zu ihm haben. Jeder kann Teil des lebendigen Tempels werden und jeder kann eintreten in die heilige Priesterschaft.

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Exodus 39 Priesterkleidung

Als freikirchlicher Pastor könnte ich bei dem Thema müde abwinken: Wir sind überzeugt vom Priestertum aller Gläubigen. Durch Jesus Christus gibt es keinen besonders herausgehobenen Priesterstand mehr – wir sind alle Priester (1. Petr 2,9f; Offb 1,6). Um einen Gottesdienst zu feiern oder auf die Kanzel zu steigen, brauchen wir kein besonderes Amt und auch kein besonderes Priestergewand. Ist dieser Text durch Jesus Christus für uns also unbedeutend geworden, hat er uns gar nichts mehr zu sagen?

Ich denke von den wörtlichen Bestimmungen her ist es tatsächlich so, dass wir durch Jesus Christus keinen Hohepriester und auch keine besondere Priesterkleidung mehr brauchen. Jesus ist der eine Hohepriester und durch ihn haben wir Zugang zu Gott, wir brauchen keine Priester mehr als Mittler.

Aber ich denke auch, dass wir von diesem Text durchaus etwas über die Bedeutung von Symbolen lernen können. Die Priesterkleidung macht deutlich, dass es hier nicht um den Menschen geht, der in irgendeiner Weise einen besonderen Vorzug hat, sondern um ein bestimmtes Amt, eine bestimmte Funktion. Ich merke das z.B. bei Beerdigungen. Dort trage ich auch als freikirchlicher Pastor meist einen Talar. Das macht mir selbst und der Trauergemeinde deutlich, dass ich nicht nur als Person dort am Grab stehe, sondern in der Funktion desjenigen, der Im Namen Gottes Trost zuspricht. Wohlgemerkt: Nicht die äußere Kleidung bewirkt das innere Geschehen des Trostzusprechens im Namen Gottes. Aber sie unterstreicht dieses innere Geschehen.

Wir Freikirchler sind schnell dabei Symbole als reine Äußerlichkeit abzutun. Die Gefahr besteht natürlich immer bei Symbolen, dass sie nur noch leere Forme ohne Inhalt sind. Aber sie können auch auf kraftvolle Weise das Eigentliche, den Inhalt unseres Glaubens unterstreichen und sinnfällig machen. Wenn wir leichtfertig darauf verzichten, verlieren wir auch etwas.

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Exodus 29 Blut geben rettet Leben

Krass! In diesem Kapitel geht es um die Weihe der Priester und des Altars. Ziemlich viele Opfer und viel Blut. Es wird deutlich, wie konkret man sich die Heiligkeit Gottes vorstellte und wie gefährlich es war, dieser Heiligkeit nahe zu kommen. Für die Begegnung mit dem Heiligen Gott mussten die Priester und der Altar mit Opfer und Blut geweiht werden.

Für uns heute hat Blut keine besondere Bedeutung. Es ist Teil des Körpers, es ist notwendig für unseren Organismus. Blut gehört für uns eher in den Bereich des Medizinischen. Für die Menschen damals galt Blut als Quelle und Sitz des Lebens. Darum gehört es in besonderer Weise Gott, dem Schöpfer des Lebens. Blut stand in einer besonders engen Verbindung zu Gott und hat dementsprechend eine hohe Bedeutung. Es hat keine medizinische Bedeutung, sondern eine zutiefst religiöse.

Bei der Priesterweihe kommt nun dem Blut der Opfertiere eine besondere Rolle zu. Mit dem Blut wird die Kleidung der Priester besprengt (und diese damit nicht verunreinigt, sondern rituell rein) und es werden bestimmte Körperstellen der Priester damit berührt. Das bringt die enge Verbindung von Gott und dem geweihten Priester zum Ausdruck. Und selbst nach dieser rituellen Reinigung ist es notwendig, dass jeden Tag Opfer gebracht werden, um diese besondere Verbindung zwischen Gott und seinem Volk aufrecht zu erhalten.

Beim Lesen dieses Kapitels wurde mir wieder neu deutlich wie genial und gar nicht selbstverständlich es ist, dass jeder durch Jesus Christus einfach so Zugang zum heiligen Gott hat. Da braucht es keine besonderen Rituale und Opfer – wer Jesus vertraut, darf vor dem Schöpfer und König der Welt stehen. Es wird auch deutlich, warum auch noch im Neuen Testament das Blut Jesu Christi, das er für uns gegeben hat, so eine wichtige Rolle spielt. Durch sein Blut sind alle anderen Opfer überflüssig geworden. Durch sein Blut haben wir Zugang zu Gott.

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Exodus 18, 1-12 Glaubt Jitro an den richtigen Gott?

Seltsame Figur dieser Jitro. Ich weiß nicht so genau, was ich von ihm halten soll. Er ist Priester in Midian. Die Midianiter sind mit den Israeliten verwandt, Midian war einer der Söhne Abrahams (Gen.25,2-4). Die Midianiter kannten also auf jeden Fall den Gott Abrahams. Aber verehrten sie ihn auch? Welchem Gott diente Jitro als Priester? Demselben Gott wie Mose? In späterer Zeit werden die Midianiter als Feinde Israels dargestellt, in Richter 6 erscheinen sie sogar als Todfeinde, welche Gideon vollständig ausrotten soll.

In diesem Text und dieser Situation wird er auf jeden Fall positiv dargestellt. Mit Mose preist er Jahwe und bringt ihm Opfer. Den Glauben anderer einzuschätzen ist immer schwierig. Glauben sie richtig? Glauben sie an den biblischen Gott? Die Bibel hält sich hier mit einer grundsätzlichen Bewertung zurück. Sie berichtet nur, dass er in dieser Situation den richtigen Gott anbetet. Ich denke wir sollten mit Bewertungen auch zurückhaltend sein. Wenn jemand sich offensichtlich zum Gott der Bibel bekennt, dann sollten wir uns darüber freuen und nicht über seine innere Motivation spekulieren. Wie es im Herzen aussieht, weiß alleine Gott.

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Jeremia 33, 14-26 Eine erfüllte Verheißung

Das hat sich so nicht erfüllt. Jeremia verheißt ganz konkret eine Zeit, in der ununterbrochen ein gerechter König auf dem Thron Israels sitzen wird und ununterbrochen levitische Priester die täglichen Opfer am Tempel darbringen wird. Nach der Rückkehr aus dem Exil gab es zwar Versuche, das davidische Königtum wieder her zu stellen und auch der Tempel wurde wieder aufgebaut, um darin Opfer bringen zu können – aber wir wissen heute, dass beides nicht sehr erfolgreich war.

Gott hat diese Verheißung auf einer ganz anderen Ebene wahr gemacht. Auf eine Weise, die unser menschliches Denken übersteigt. Ich denke auch Jeremia selbst hat eher mit einer wortwörtlichen Erfüllung dieser Verheißung gerechnet. Aber Gott hat einen anderen König und einen anderen Priester gesandt. Einen König, der bis heute ununterbrochen regiert und der mit seinem Opfer die tagtäglichen Opfer am Tempel überflüssig gemacht hat…

Wir sollten uns davor hüten, Gottes Verheißung zu eng in unsere menschlichen Vorstellungen ein zu pressen. Gott erfüllt seine Verheißungen. Aber diese Erfüllung sieht manchmal ganz anders aus, als wir uns das vorstellen.
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