Römer 10, 14-21: Ringen mit dem Unglauben

Mit vielen Schriftzitaten ringt hier Paulus darum zu verstehen, warum die meisten seiner Landsleute Jesus ablehnen. Er findet keine Erklärung. Das Wort Christi wurde ihnen ja gepredigt, sie haben es gehört. Sein Fazit folgt in V.21 (auch ein Schriftzitat): „Zu Israel aber spricht er: ‚Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach dem Volk, das sich nichts sagen läßt und widerspricht.'“ Gott müht sich um sein Volk, aber es lässt sich nichts sagen.

Das gilt eigentlich nicht nur für Israel, das gilt für alle Menschen. Wenn wir uns ein Land wie Deutschland anschauen, dann ist das Evangelium für alle frei zugänglich. Es ist kein Problem Sonntags in die Kirche zu gehen, es ist kein Problem eine Bibel oder christliche Bücher zu kaufen, viele Gemeinden bemühen sich auf kreative Weise die Botschaft Christi weiterzugeben. Aber die meisten lassen sich nichts sagen, die meisten halten Abstand. Warum nur?

Das gilt eigentlich nicht nur für Andere, sondern auch für mich. Ich nenne mich Christ, aber so oft lasse ich Jesu Worte gar nicht an mein Herz heran. So oft nehmen mich andere Dinge gefangen, so oft beschäftige ich mich mehr mit meinen Ängsten und Sorgen als mit Jesus Christus. Oft ist mein Unglaube größer als mein Glaube. Warum nur?

Es gilt uns allen: Gott streckt seine Hände aus nach uns. Gott müht sich um uns. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass wir ihm antworten und uns ganz auf ihn einlassen.

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Apostelgeschichte 17, 16-34 Anknüpfungspunkte

Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Zum einen ist Paulus wütend über die Götzenverehrung der Athener. Aber trotzdem sucht er einen positiven Anknüpfungspunkt. Er versucht ernsthaft sie zu gewinnen. Er versetzt sich in ihr Denken hinein. Er gebraucht ihr philosophisches Vokabular. Anders als in der Synagoge kann er bei den heidnischen Athenern nicht den Glauben an den Gott Israels voraussetzen. Er kann darum nicht an das Alte Testament anknüpfen, sondern sein Einstieg ist die Schöpfung der Welt durch Gott. Das können prinzipiell auch die Athener akzeptieren.

Das zweite, was mir aufgefallen ist: Der Punkt, an dem das Gespräch abbricht, ist die Auferstehung Jesu von den Toten. Die leibliche Auferstehung passt nicht in das philosophische Denken der Athener. Das Göttliche hat nichts mit dem Leiblichen und Materiellen zu tun. Das Göttliche ist ewig und unveränderlich, das Leibliche ist vergänglich. Paulus hat mit seiner Predigt nur wenig Erfolg. Nur wenige kommen zum Glauben.

In unserer heutigen aufgeklärten westeuropäischen Kultur sind die positiven Anknüpfungspunkte noch geringer. Selbst die Schöpfung ist für die meisten sehr gut ohne Gott vorstellbar. Und mit der Auferstehung haben sogar manche heutige Theologen ihre Schwierigkeiten. Was ist die Konsequenz? Sollen wir ganz auf argumentative Überzeugung verzichten? So geschieht es ja in der Praxis häufig: Wir argumentieren nur noch mit existentiellen Erfahrungen – die kann man nicht so leicht wegdiskutieren. Wie würde Paulus wohl heute predigen? Welche positiven Anknüpfungspunkte würde er finde?

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Lukas 24, 1-12 Ungläubige Apostel

Wieder mal erstaunlich, wie ehrlich die Bibel ist. Die Frauen erzählen vom leeren Grab und davon, wie Engel ihnen die Auferstehungsbotschaft gesagt haben. Und was machen die Apostel? Feiern sie auf diese Worte hin ein freudiges Osterfest? Grüßen sie sich mit dem Ostergruß: „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“?  Nein: „Es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.“ (V.11) Selbst die Apostel glauben die Osterbotschaft nicht! Worte allein können keinen Glauben hervorbringen. Dazu braucht es eine persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen.

Da befinden wir uns also in guter Gesellschaft. Die meisten Menschen heute können mit der Osterbotschaft auch nicht viel anfangen. Da können wir noch so viel predigen und noch so begeistert von unserem Glauben reden. Das wird anderen als leeres Geschwätz erscheinen. Und da befinde auch ich selbst mich in guter Gesellschaft mit meinen Zweifeln und Fragen. Wenn ich wenig vom auferstandenen Herrn in meinem Leben sehe, dann fällt es auch mir schwer zu glauben und zu vertrauen. Wie auch die Apostel brauche ich dringend die Begegnung mit dem Auferstandenen. „Herr Jesus Christus, du Auferstandener, lass es auch bei mir Ostern werden!“

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Lukas 9, 1-9 So selbstverständlich

Das klingt alles so einfach und selbstverständlich: Jesus ruft seine Jünger zusammen, befähigt sie und beauftragt sie zu predigen und zu heilen. Dann gehen die Jünger los, ziehen von Dorf zu Dorf und tun genau das, was Jesus ihnen aufgetragen hat: sie predigen und machen Kranke gesund.

Das mit dem Predigen kann ich ja noch einigermaßen nachvollziehen. Obwohl das für uns Jünger heute auch nicht mehr selbstverständlich ist. Klar: am Sonntag in der Kirche zu predigen – das ist selbstverständlich. Aber von Dorf zu Dorf zu ziehen, ohne Geld und Verpflegung – wer macht das heute? Und dazu nicht nur vom Heil reden, sondern das Heil anschaulich und konkret werden lassen, indem Menschen von Krankheiten gesund werden…

Ob das damals alles so selbstverständlich und problemlos ablief, wie es sich hier in dieser Zusammenfassung des Lukas anhört? Hat das bei manchen Jüngern besser funktioniert, als bei anderen? Wie haben die Menschen auf die Predigt der Jünger reagiert? Sind einfach alle Kranken auf wunderbare Weise gesund worden, oder geschah es zeichenhaft an Einzelnen? Würde Jesus seinen Jüngern heute, in unserer Zeit und Kultur, noch genau dieselben Aufträge geben? Was beabsichtigt Jesus für uns: sollen wir alle ohne Besitz als Wanderprediger durch die Lande ziehen? Das sind einige der Fragen, die ich mir bei diesem Text stelle…

Lukas 8, 19-21 Hören und Tun

„Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und darüber bloggen…“ Nein, das stimmt natürlich nicht. Jesus sagt: „…hören und tun.“ Das ist ein großer Unterschied. Das ist immer wieder auch eine Herausforderung. Es ist gut, wenn man Gottes Wort hört – wenn man in der Bibel liest, wenn man Predigten hört. Es ist gut, wenn man über Gottes Wort redet und sich darüber austauscht. Aber am allerbesten ist es, Gottes Wort zu tun.

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2. Timotheus 4, 1-4 Ohrenjucken

Paulus warnt Timotheus davor, dass die Menschen sich selbst nach eigenen Gelüsten Lehrer aufladen werden, „nach denen ihnen die Ohren jucken“ (V.3). Dieses Ohrenjucken ist nicht nur ein Problem bezüglich Irrlehrern in einer fernen Zukunft. Es betrifft jetzt schon jeden Christen. Denn wir alle hören am liebsten das, was wir von vornherein am liebsten hören würden.

Aus unserer postmodernen Perspektive wissen wir, dass jedes Hören auch einen subjektiven Anteil hat. Jeder setzt sich beim Hören den Sinn auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen und seines Verständnisses selbst zusammen. Und da hört man natürlich am liebsten das heraus, wonach einem sowieso die Ohren jucken. Gerade als Prediger ist es faszinierend und manchmal auch verstörend, was die Zuhörer so manches mal aus einer Predigt für sich selbst heraus hören.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch gar nicht so dramatisch und im Gegenteil, es kann sogar bereichernd werden. Schwierig wird es dann, wenn ich gar nicht mehr offen bin für das fremde Wort Gottes, wenn ich bei Predigt und Bibellese nur noch das heraushöre, was meine festgefahrene Meinung bestätigt und wenn Gott gar keine Chance mehr hat, mich zu korrigieren. Die größte Veränderung im Leben bringen eben nicht die Worte hervor, nach denen uns die Ohren jucken,sondern das Wort Gottes, das uns manchmal in den Ohren und im Herzen weh tut und aufrüttelt, das Wort Gottes, das manchmal so fremd und unverständlich ist, das Wort Gottes, das uns immer wieder neu überrascht.

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Exodus 28 Das predigende Gewand

Ausführlich wird in diesem Kapitel die Kleidung des Hohepriesters dargestellt. Ich finde das auf der einen Seite interessant, auf der anderen Seite bleibt es mir fremd. Einerseits ist es ein spannender Gedanke, dass hier die Bekleidung selbst zur Predigt wird. Der Hohepriester trägt die Namen der zwölf Stämme Israels auf seinen Schultern und auf seinem Herzen. Auf einem Stirnblatt steht „Heilig dem Herrn.“ Insgesamt macht das herrliche und kostbare Gewand deutlich, dass die Persönlichkeit des Priesters zurück tritt und der Auftrag des Priesters ihm selbst und anderen vor Augen geführt wird.

Als evangelischer Theologe bin ich dagegen doch sehr verkopft. Im evangelischen Bereich haben wir in den letzten Jahren gemerkt, dass auch Symbole, Riten und ganzheitlich gelebter Glaube wichtig sind – aber in der Praxis tun wir uns oft schwer damit. Unser Glaube ist oft sehr verkopft und abstrakt. Von da her bringt es mich zum Nachdenken, wie hier alleine mit der Kleidung gepredigt wird.

Andererseits stößt mich dieser Prunk und die besondere Kleidung für Würdenträger auch ab. Wenn ich das ganze Brimborium sehe, mit dem sich z.B. der Papst präsentiert, dann spricht mich das einfach nicht an. Für mich hat das dann wenig mit dem Geist Jesu Christi zu tun. Vielleicht liegt hier ein Unterschied zwischen diesem alttestamentlichen Text und einem Glauben, der sich zuerst an Jesus orientiert. Jesus ist für uns der eine Hohepriester – aber nicht weil er ein herrliches Gewand trug, sondern weil er sich selbst für uns geopfert hat. Jesus trug ganz normale Alltagskleidung, er war einer von uns. Er trug nur einen Lendenschurz am Kreuz und zeigte doch am Kreuz die Herrlichkeit Gottes. Wenn wir als Christen mit Symbolen und Kleidung predigen wollen, dann muss das anders aussehen als diese herrlichen Gewänder der alttestamentlichen Priester.

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Philipper 1, 15-18 Gute Früchte von einem schlechten Baum?

Unglaublich, was Paulus hier schreibt! Ich hab den Abschnitt schon öfters gelesen, aber ich staune jedes mal wieder neu über die Gelassenheit und das große Herz des Paulus. Paulus sitzt im Gefängnis und es gibt wohl einige Prediger, die diese Situation für ihren Vorteil ausnützen. Sie „predigen Christus aus Neid und Streitsucht“ (V.15), sie „verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir [Paulus] Trübsal bereiten.“ (V.17) Und was sagt Paulus? Er sagt: Was soll’s? Solange inhaltlich Christus verkündigt wird, ist mir die Motivation egal, ja er freut sich sogar darüber! (V.18)

Ich finde das schon hart an der Grenze. Geht das überhaupt? Christus verkündigen aus eigennütziger Motivation? Also ich wäre nicht glücklich über einen Prediger, der zwar ein korrektes Evangelium verkündigt, es aber tut, um selbst daraus Vorteile zu ziehen oder um anderen zu schaden. Man denke nur an manche Prediger, die eine große Show abziehen, sich selbst im Applaus baden und sich selbst bereichern.

Es geht dem Paulus hier nicht um theologische Beliebigkeit. Inhaltlich argumentiert er immer sehr scharf gegenüber Leuten, die ein anderes Evangelium verkündigen als er. Aber ich frage mich – im Bild eines Gleichnisses von Jesus: Kann ein schlechter Baum gute Früchte hervorbringen?
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Jeremia 35 Willst du?

Ein Wort ist mir in diesem Kapitel besonders aufgefallen: das Wort „wollen“. Es geht in dem Kapitel um den Gehorsam gegenüber Gott. Dieser Gehorsam wird an mehreren Stellen mit dem Willen verknüpft. Z.B. V.13: „Wollt ihr euch denn nicht bessern und meinen Worten gehorchen?“ Immer wieder hat Gott versucht, zu seinem Volk zu sprechen, aber sie wollten ihm ihre Ohren nicht zuwenden (V.15).

Beim Gehorsam ist das der erste und wichtigste Schritt: das Wollen. Es kommt nicht zuerst auf das Können an. Niemand (außer Jesus selbst) kann Gottes Geboten völlig gehorsam sein. Die entscheidende Frage ist aber: Will ich es versuchen? Mir ist klar, es wird schief gehen, aber ich will von ganzem Herzen gehorsam sein, auf das Wort Gottes hören.

Übrigens ist es in diesem Kapitel mal wieder herrlich zu beobachten, wie Jeremia Gottes Wort richtig anschaulich macht. Von ihm sind viele Zeichenhandlungen überliefert. Auch hier predigt er nicht nur oder schreibt seine Erfahrungen in einem Blog auf ;), nein er macht Gehorsam am Beispiel der Rehabiter deutlich und anschaulich. Er stellt sie seinen Landsleuten vor Augen, sie können an ihnen Gehorsam sehen und erleben.
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Jeremia 25, 1-14 Erfolgloses Predigen

„Ich habe zu euch nun dreiundzwanzig Jahre lang immer wieder gepredigt, aber ihr habt nie hören wollen.“ (V3) An diesen Worten wird die ganze Tragik des Jeremiabuches und auch der Person des Jeremia deutlich. 23 Jahre lang gepredigt und keiner nimmt ihn ernst!

Ich bin jetzt seit ungefähr zehn Jahren Pastor und predige regelmäßig. Wenn es mir so ginge wie Jeremia, dann hätte ich schon längst aufgegeben. Was bringt das Predigen, wenn doch nichts passiert, wenn die Predigt keinen „Erfolg“ hat? Bewundernswert und erstaunlich diese Ausdauer des Jeremia. Und erstaunlich ist auch die Geduld, die Gott mit seinem Volk hat!Bibeltext