Johannes 17, 1-16 Ewiges Leben

„Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ (V.3) Typisch für das Johannesevangelium wird hier das ewige Leben nicht als etwas gesehen, was erst in der fernen Zukunft oder nach dem Tod beginnt, sondern als etwas, das jetzt schon da ist. Ewiges Leben heißt: Gott und Jesus Christus erkennen – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt schon. Somit beginnt auch jetzt schon das ewige Leben.

Nach biblischen Verständnis geht es beim Erkennen nicht nur um ein intellektuelles Verstehen, sondern um eine ganzheitliche Erkenntnis. Leib, Seele und Geist kommen dem Erkenntnisgegenstand nahe. Erkennen in diesem Sinn bedeutet dann, Gemeinschaft zu haben mit Gott, dem Vater und Jesus Christus, dem Sohn. Diese Gemeinschaft fängt nicht erst nach dem Tod an, sondern sie ist jetzt schon möglich. Darum beginnt das ewige Leben, das bleibende Leben in Gemeinschaft mit Gott auch nicht erst in der Zukunft, sondern schon jetzt.

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Johannes 14, 1-11 Die Wohnung steht nicht leer

Jesus geht hin, um für seine Jünger in seines Vaters Haus eine Stätte zu bereiten. Bis jetzt hatte ich diesen Text immer als rein zukünftige Verheißung gelesen. Jesus geht zum Vater und bereitet alles für uns vor. Wenn wir einmal sterben werden, dann werden wir auferstehen und in die Wohnung einziehen, die Jesus für uns bereitet hat.

Beim heutigen Lesen hab ich mich aber gefragt, ob dieser Text wirklich rein zukünftige Aussagen macht.Wenn man die folgende Verse liest, dann könnte man ihn auch durchaus präsentisch verstehen: „Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ (V.7) „Wer mich sieht, der sieht den Vater!“ (V.9) Hier geht es eindeutig nicht um eine ferne Zukunft, sondern um das Jetzt und Hier. In Jesus können wir jetzt schon den Vater sehen und Gemeinschaft mit ihm haben.

Warum sollten die ersten Verse anders gemeint sein? Jesus geht hin, um eine Stätte zu bereiten. Er wird wiederkommen und seine Jünger zu sich nehmen. Das kann die Wiederkunft Jesu am Ende der Zeit meinen. Es kann aber auch das Wiederkommen Jesu nach dem Kreuz meinen (also die Auferstehung). Vom gesamten Johannesevangelium ist es auf jeden Fall klar, dass das Wohnen beim Vater nicht erst irgendwann später beginnt. Nein, in Jesus Christus ist jetzt schon das Heil in vollem Umfang gegenwärtig. So ist es auch mit der Wohnung beim Vater: Sie steht nicht leer bis zur endgültigen Wiederkunft Christi, sondern wie sind jetzt schon Hausgenossen Gottes (vgl. Eph.2,19) und dürfen in seiner Nähe wohnen.

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Johannes 5, 19-30 Ewiges Leben jetzt

Wieder ein gutes Beispiel für die Konzentration des Johannesevangeliums auf die Person Jesu. In der Begegnung mit Jesus geschieht jetzt schon alles Entscheidende. In der Begegnung mit Jesus spielt auch die Zeit keine große Rolle mehr. Es ist so, als ob im Glauben an Jesus alle Zeit aufgehoben ist und jetzt schon die Ewigkeit Gottes gegenwärtig ist: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ (V.24) Wer glaubt, der hat also jetzt schon das ewige Leben. Im Glauben oder Unglauben geschieht jetzt schon das Gericht.

Für uns ist das schwer zu verstehen, denn rein von unserem Erleben her ändert sich ja nichts in unserem äußerlichen irdischen Leben. Rein empirisch ist es schwer, die Gegenwart des ewigen Lebens festzustellen. Auch scheint es schwierig zu sein, das mit anderen neutestamentlichen Aussagen in Einklang zu bringen, die eindeutig von einem zukünftigen Gericht sprechen. Ist jetzt schon alles entschieden, oder wird es sich erst in Zukunft im letzten Gericht entscheiden? Wie so oft ist beides irgendwie richtig: Je nachdem wie jetzt mein Verhältnis zu Jesus ist, wird im Gericht entschieden. Die eigentliche Entscheidung fällt also jetzt schon: Wer Jesu Worte hört und ihm vertraut, der hat jetzt schon ewiges Leben.

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Johannes 3, 31-36 Ewiges Leben haben

Auch das kommt bei Johannes öfters vor: man weiß bei diesem Abschnitt nicht genau, wer hier eigentlich spricht. Rein von der Erzähllogik her spricht hier noch Johannes der Täufer. Aber vom Thema und vom Stil her, knüpft der Abschnitt eher an Joh. 3,13-21 an. Im Grunde ist es eine weiterführende Aussage auf die Vers 11-12. Jesus kommt vom Himmel und redet von himmlischen Dingen. Doch viele Menschen verstehen ihn nicht.

Ich denke, dass im Johannesevangelium die Grenzen zwischen den Aussagen verschiedener Personen oft fließend sind. Es kommt ihm nicht so sehr darauf an wer spricht (der irdische Jesus, der auferstandene Jesus, der Schreiber des Evangeliums oder wie hier Johannes der Täufer), sondern es kommt auf die Aussage an. Das Johannesevangelium bringt in seinen Geschichten und Dialogen sehr viel tief reflektierte Theologie unter. Es geht nicht in erster Linie um einen historischen Bericht, sondern um ein Reden Gottes in die Gegenwart des Lesers.

Auch typisch für Johannes wird in diesem Abschnitt die Gegenwart des Heils betont: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben“ (V.36). Das ewige Leben fängt nicht erst im Jenseits an, sondern es fängt in Jesus an. Wer ihm vertraut, der hat jetzt schon Anteil am ewigen Leben – und das gilt auch für uns heute noch, die wir an den auferstandenen Jesus glauben. So sehr mir das theologisch einleuchtet, so schwer fällt es mir doch oft, das mit meiner Lebensrealität in Einklang zu bringen. Sicher, der Glaube gibt mir Halt, Trost und Mut. Aber mein Glaubensalltag scheint insgesamt doch sehr weit weg zu sein von dem, wie ich mir die Ewigkeit in der Nähe Gottes vorstelle.

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Johannes 3, 13-21 Alles schon entschieden

In diesem Abschnitt werden die Akzente des johanneischen Gerichtsverständnisses deutlich. Das Gericht geschieht im Grunde nicht in einer fernen Zukunft, sondern es geschieht jetzt in der Begegnung mit Jesus: „Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet“ (V.18). An der Stellung zu Jesus entscheidet sich jetzt schon alles. Im Gericht wird nur das vollzogen, wozu sich der Mensch jetzt schon entschieden hat. Wer jetzt an ihn glaubt, hat auch jetzt schon das ewige Leben (V.16).

Das heißt nicht, dass es völlig egal ist, was wir dann jetzt noch mit unserem Leben anfangen. Trotzdem bleiben die Werke wichtig: „Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.“ (V.21) In Jesus ist zwar alles schon entschieden, aber gerade deswegen ist es wichtig, dass wir in unserem konkreten Leben und mit unseren konkreten Handlungen auch in Christus bleiben.

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