Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Joyce: Die unwahrscheinliche Reise...Die Geschichte klingt ziemlich abstrus. Auch etwas kitschig. Außerdem ist es ein Bestseller, also vermeintlich eher leichte und oberflächliche Kost… Diese Vorurteile haben sich auch während des Lesens mehr oder weniger bestätigt – aber trotzdem habe ich es gerne gelesen und fand es letztendlich zwar abstrus, aber trotzdem irgendwie realistisch, zwar kitschig, aber trotzdem tiefgründig, zwar leicht zu lesen, aber trotzdem auch herausfordernd.

Es geht um Harold Fry, ein Engländer, der an der Südküste Englands seinen Ruhestand genießt. Wobei es nicht wirklich was zu genießen gibt. Er lebt so vor sich hin und die Ehe mit seiner Frau Maureen ist mehr ein nebeneinander her leben. Diese ungute Ruhr kommt aus dem Gleichgewicht, als eines Tages ein Brief von einer ehemaligen Kollegin kommt: diese hat Krebs und befindet sich in einem Hospiz an der schottischen Grenze. Harold schreibt einen kurzen Brief und will ihn in den Briefkasten einwerfen. Doch es gelingt ihm nicht. Er kommt am ersten Briefkasten vorbei, dann an weiteren Briefkästen und Postämtern, und er spürt immer deutlicher, dass dieser Brief nicht genug ist. Er muss seine Kollegin persönlich sehen. Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry weiterlesen

Psalm 122 – Von Außen nach Innen

Dieser Psalm ist ein Wallfahrtslied. Die frommen Juden sollten nach Möglichkeit drei mal im Jahr zum Tempel in Jerusalem pilgern. In dem Psalm wird etwas von der Freude deutlich, die die Pilger bei der Ankunft in Jerusalem empfinden.

Ich hab noch nie eine Pilgerreise gemacht. Ich hab keinen großen Drang, irgendwo besondere heilige Orte aufzusuchen. Wie für viele evangelische Christen ist für mich der Glaube eine Sache des Herzens und nicht eine Sache des äußeren Ortes. Und doch bringt mich dieser Psalm ins Nachdenken: Haben wir da nicht auch etwas verloren? Konzentrieren wir uns zu sehr auf die Innerlichkeit und haben so manche äußeren Ausdrucksmöglichkeiten und Hilfsmittel des Glaubens verloren?

Ich glaube nicht umsonst sind viele (auch nichtgläubige) Menschen von solchen Pilgerwegen wie dem Jakobusweg begeistert. Ich glaube schon dass so eine Pilgerreise auch die innere Einstellung verändern kann. Diese Erfahrung – tagelang unterwegs zu sein, das Ziel vor Augen zu haben und dann endlich am Tempel, dem Symbol von Gottes Gegenwart anzukommen – diese Erfahrung kann ich durch reine Innerlichkeit nicht so leicht herstellen. Wir verweisen gerne auf die Gefahr, dass solche äußeren Traditionen leicht zum reinen äußeren Schrein verkommen können. Aber schütten wir da nicht manchmal auch das Kind mit dem Bade aus? Kann der Glaube nicht auch manchmal von außen nach innen wachsen?
Bibeltext