Philipper 4, 14-23 Glaube und Geld

Die Gemeinde in Philippi hat Paulus mit einer Spende unterstützt. Das hat sie wohl vorher auch schon zwei mal getan (V.16). Paulus freut sich darüber. Es ist ihm nicht peinlich, dass er jetzt Überfluss und Fülle hat (V.18), sondern er genießt es. Dabei geht es ihm nicht nur um sich, sondern er sieht die Gabe der Gemeinde als eine „Frucht“, die den Gebern „reichlich angerechnet“ wird (V.17).

Paulus bewegt sich hier auf heiklem Gebiet. Sehr diplomatisch drückt er einerseits seine Dankbarkeit aus und macht den Phlippern deutlich, dass es ihnen auch selbst etwas bringt, wenn sie großzügig sind. Andererseits überspannt er den Bogen auch nicht indem versucht, aus der Spendenbereitschaft der Gemeinde ein gutes Geschäft zu machen. Wir erleben es ja bis heute wie bei dem Thema Glaube und Geld, manche Kirchen, christlichen Gemeinschaften oder einzelne Leiterpersönlichkeiten auf die schiefe Bahn geraten.

Man braucht die Worte des Paulus nur ein wenig in eine bestimmte Richtung zu überspitzen, um ein prima religiöses Geschäftsmodell zu haben, um Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. „Je mehr ihr mir gebt, um so größer wird eure Frucht bei Gott sein.“ Andererseits bleibt es ja trotz aller Gefahren eine wahre Erfahrung: Wer großzügig schenken kann, der kann erleben, wie er selbst dadurch auch beschenkt wird, wie er frei wird von der Macht des Mammon.
Bibeltext

Philipper 4, 10-13 Mangel und Überfluss

Paulus hat gelernt mit Mangel umzugehen. Er hat gelernt, dass Christsein nicht immer automatisch bedeutet satt, reich und zufrieden zu sein. Er lehrt also kein Wohlstandsevangelium. Aber das Gute ist, dass er auch nicht ins andere Extrem verfällt und ein asketisches Christentum lehrt, bei dem man nur wahrer Christ ist, wenn man alles den Armen gibt und selbst kaum überleben kann. Er sagt, dass ihm beides vertraut ist: satt sein und hungern, Überfluss haben und Mangel haben. Beides kann vorkommen, mit beidem muss man als Christ rechnen  und beides ist nicht an sich falsch.

Paulus kann mit beidem zurecht kommen durch den, der ihn mächtig macht: Jesus Christus. Es ist nicht leicht mit Mangel zurecht zu kommen, es ist aber auch nicht leicht mit Überfluss zurecht zu kommen. In beiden Situationen haben wir Jesus nötig. Es kann sein, dass ich als Christ Mangel leiden muss, nicht jeder wird von Gott mit materiellem Segen und irdischen Glück überschüttet. Aber es kann auch sein, dass Gott uns Überfluss schenkt, und dann dürfen wir uns auch darüber ohne schlechtes Gewissen freuen.
Bibeltext

Philipper 4, 8-9 Menschliche Moral

Das mag ich bei Paulus: dass er trotz aller Radikalität und theologischer Schärfe dennoch differenziert bleibt und nicht in plattes schwarz-weiß-Denken verfällt. In Kap. 3 tut Paulus ja all seine frühere pharisäische Frömmigkeit als „Dreck“ ab (3,8). Damit wendet er sich gegen alle menschliche Religion die versucht, sich selbst zu erlösen anstatt auf die Gnade Gottes zu vertrauen.

In diesem Abschnitt hier zählt er jedoch ganz weltliche Tugenden und die ganz menschliche Moral auch für Christen als vorbildhaft auf. Paulus zählt hier Begriffe auf, die auch in hellenistischen Tugendkatalogen oder in jüdischen Schriften auftauchen. Weltliche Ethik ist nicht an sich schlecht, nein im Gegenteil sie ist sogar sehr gut und wertvoll – solange wir uns dadurch nicht das Heil verdienen wollen.

Paulus wendet sich gegen menschliche Religion, er schüttet aber nicht das Kind mit dem Bade aus. Er erkennt, dass im Bereich der Ethik Menschen sehr wohl auch ohne Gott das Gute und Richtige erkennen können und danach handeln können. Das deckt sich ja auch mit unseren Erfahrungen. Für mich ist es manchmal beschämend festzustellen, wie manche Nicht-Christen nach einem viel höheren moralischen Standard leben als viele Christen. Da haben wir Christen kein Grund uns selbstgerecht darüber zu erheben. Im Gegenteil: Paulus fordert uns dazu auf, diesen Tugenden nachzueifern.
Bibeltext

Philipper 4, 4-7 Freude auf Knopfdruck?

Irgendwie scheint die Bibel ein anderes Verständnis von Gefühlen zu haben als wir heute. In dem Text werden wir dazu aufgefordert, uns zu freuen und uns keine Sorgen zu machen. In vergleichbarer Weise fordert uns Jesus zur Liebe auf (Mt. 22,37-39). Wir heutigen denken spontan: Eigentlich geht das doch gar nicht. Das sind doch Gefühle, die kommen und gehen, die kann ich doch nicht herbei befehlen. Freude kann ich doch nicht machen, Liebe kann ich doch nicht auf Knopfdruck erzeugen und wenn ich mir Sorgen mache, dann kann ich das doch nicht einfach abstellen.

Wahrscheinlich geht auch Paulus nicht davon aus, dass wir diese Gefühle einfach per Knopfdruck herbeiführen können. Aber es macht für ihn offensichtlich Sinn, uns dazu aufzufordern, oder vielleicht muss man sagen: uns dazu zu ermutigen. Er geht offensichtlich davon aus, dass wir durchaus etwas dazu beitragen können, um uns zu freuen und uns weniger Sorgen zu machen. Es geht nicht um Gefühle, die uns einfach überwältigen und die wir nicht beeinflussen können, sondern es geht um Einstellungen, die wir fördern können oder behindern können.

Zum Thema nicht Sorgen gibt Paulus ja konkrete Anweisungen: „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!“ (V.6) Das Gebet, die Ausrichtung auf Gott, das Abgeben und das Sprechen über meine Sorgen vor Gott kann mir also dabei helfen, dieser Einstellung der Sorglosigkeit und Freude näher zu kommen.
Bibeltext

Philipper 4, 1-3 Eines Sinnes

Wir merken immer wieder wenn wir Bibel lesen, dass die Gläubigen damals ähnliche Problem hatten wie wir. Paulus muss in seinem Brief ganz gezielt zwei Personen aufrufen, ihre Streitigkeiten beizulegen: „Evodia ermahen ich und Syntyche ermahne ich, dass sie eines Sinnes seien in dem Herrn.“ (V.2) Wenn man sich das praktisch vorstellt, muss das ganz schön peinlich gewesen sein. Denn ein Brief des Paulus wurde wahrscheinlich im Gottesdienst vorgelesen und hatte besonderes Gewicht. Und neben vielen allgemeinen Aussagen, Grüßen und Ermahnungen werden nun zwei Frauen namentlich aufgerufen, sich zu vertragen!

Was aber bedeutet „eines Sinnes“? Müssen wir Christen in allem gleicher Meinung sein? Bedeutet christliche Gemeinschaft Konformität und Gleichschaltung? Ich glaube es ist hier wichtig auch auf die Fortsetzung zu achten: „… in dem Herrn.“ Nicht in jeder Frage sollen sie eines Sinnes sein, sondern in ihrer Ausrichtung auf den den Herrn. Die Neue Genfer Übersetzung schreibt hier: „… ihre Unstimmigkeiten beizulegen und sich ganz auf das gemeinsame Ziel auszurichten.“ Es geht nicht darum, dass wir in jeder Kleinigkeit die gleich Meinung haben, sondern dass wir alle dasselbe große Ziel vor Augen haben. Der Weg dorthin kann unterschiedlich sein, aber die gemeinsame Blickrichtung ist entscheidend.
Bibeltext

Philipper 3, 17-21 Folgt mir!

„Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.“ (V.17) Ganz schön eingebildet dieser Paulus. Ich will doch nicht Paulus folgen, sondern Christus. Was denkt er sich dabei? Warum nimmt er sich so wichtig? Warum stellt er sich selbst als Vorbild hin und nicht Christus?

Wenn man den Text weiter liest, so wird deutlich, dass es nicht um das Gegenüber von Paulus oder Christus geht, sondern um die Alternative: Paulus bzw. himmlisch gesinnte Christen oder Feinde des Kreuzes Christi bzw. irdisch gesinnte Christen. Bei diesen zwei Möglichkeiten soll man sich lieber Paulus zum Vorbild nehmen. Offensichtlich gab es in Philippi einige Leute, die Irrlehrern auf den Leim gegangen sind. Paulus meint: Folgt meiner Linie, anstatt diesen Evangeliumsverdrehern nach zu laufen.

Mir wär’s ja trotzdem lieber, wenn er einfach nur gesagt hätte: Folgt Christus! Aber vielleicht ist ja auch was dran an dem Gedanken, dass wir Menschen auch immer konkrete menschliche Vorbilder brauchen, um im Glauben zu wachsen. Für meinen Glauben waren auf jeden Fall immer wieder reifere Mitchristen wichtig, die mich weiter gebracht haben. Das ist natürlich eine andere Ebene der „Nachfolge“ als die Christusnachfolge, aber es ist auch wichtig, dass uns der Glaube von anderen ganz konkret vorgelebt wird, wir sie nachahmen können und wir so im Glauben wachsen können.
Bibeltext

Philipper 3, 12-16 Zwischen den Polen

Ich mag es nicht, wenn Christen selbstzufrieden und satt auf ihrer Kirchenbank sitzen und meinen, sie hätten alles schon erreicht, sie seien perfekte und vorbildliche Christen (und dabei verächtlich auf andere herunter schauen, die noch nicht so weit sind). Ich mag aber auch keine Christen, die sich ständig selbst bemitleiden, weil sie so schrecklich unperfekt sind und die gar keinen Antrieb haben an sich selbst etwas zu verändern. Auch ich selbst bin ein Wanderer zwischen diesen Polen.

Ich mag dagegen Paulus, der sich einerseits nicht einbildet, dass er schon vollkommen sei, der um seine eigene Schwäche und Unzulänglichkeit weiß und der das auch offen zugibt. Andererseits streckt er sich aus nach dem Ziel, er jagt dem Vollkommenen nach, er sieht sich selbst auf dem Weg und gibt alles, um auf diesem Weg vorwärts zu kommen. Paulus wandert nicht zwischen diesen Polen hin und her, sondern hält sie in einer guten Spannung.
Bibeltext

Philipper 3, 10-11 IHN erkennen

Was für Paulus das Allerwichtigste ist: „Ihn [Christus] möchte ich erkennen.“ Mit „erkennen“ ist hier nicht nur ein intellektueller Vorgang gemeint, sondern erkennen im biblischen Sinn: „einswerden, durchdringen und durchdrungen werden“. Und Paulus wäre nicht Paulus, wenn er dieses Erkennen nicht in ganz radikalem Sinn fasst: er möchte nicht nur eine Ahnung von Christus bekommen, er möchte sich nicht nur die Sahnestücke raus suchen, nein er will den ganzen Christus erkennen. Sowohl die Kraft seiner Auferstehung möchte er erkennen, als auch Gemeinschaft mit seinen Leiden haben, ja er möchte „seinem Tode gleichgestaltet werden“.

Bequemer und angenehmer wäre das ja, wenn wir nur an der Kraft von Jesu Auferstehung teilhaben könnten. Aber das ist nur der halbe Christus, zum ganzen Christus gehört auch die Gemeinschaft mit seinen Leiden. Das erstaunliche bei Paulus ist, dass er diese Leiden nicht nur notgedrungen in Kauf nimmt, sondern dass er sie möchte, um gerade so Christus ähnlicher zu werden. In unserer Gesellschaft ist das größte Ziel ja glücklich zu sein, wir wollen Leid und Schmerz vermeiden. Paulus sucht das Leiden, um Christus näher zu kommen, um engere Gemeinschaft mit ihm zu haben.
Bibeltext

Philipper 3, 2-9 Die Fleischeslust des Paulus

Immer wieder taucht bei Paulus das Gegensatzpaar Geist und Fleisch auf. Hier an dieser Stelle ist sehr schön zu beobachten, dass „Fleisch“ nicht gleichzusetzen ist mit rein körperlichen Begierden. Das ist ja ein modernes Missverständnis: Bei „Fleischeslust“ denken wir sofort an Sex. Paulus beschreibt hier dagegen sein früheres hoch-religiöses Leben als Pharisäer als „Fleisch“. Denn er versuchte sich damit selbst zu erlösen, selbst seine Gerechtigkeit zu verdienen, anstatt sich von Gott gerecht sprechen zu lassen.

Geist ist demnach, wenn ich mein Denken und Handeln (sei es im religiösen Bereich, sei es im ganz banalen Alltag) von Gott und seiner vergebenden Gnade bestimmen lasse. Fleisch ist, wenn ich mich um mich selbst drehe und mich selbst zu erlösen versuche (sei es auf hochgeistlichem religiösen Gebiet oder sei es indem ich hemmungslos meinen körperlichen Begierden nachgebe). Auch Leute die nach außen hin hochgeistlich erscheinen können demnach innerlich durch und durch fleischlich gesinnt sein.
Bibeltext

Philipper 3, 1 Freude im Herrn

Herrlich! Da sitzt einer im Gefängnis und schreibt über die Freude! Und zwar immer wieder. Auch in diesem Vers ruft Paulus seine Leser erneut zur Freude auf. Und darüber hinaus betont er noch, dass es ihn nicht nervt immer wieder dasselbe zu schreiben, sondern dass dies seine Leser umso gewisser macht. Wir müssen uns das immer wieder sagen lassen. Das ist nichts, was man einmal kapiert hat, umsetzt und worüber man dann kein Wort mehr verlieren muss.

Es ist wie mit der Liebe: Es wäre schlimm, wenn ein Ehepaar sich nur bei der Hochzeit sagt, dass sie sich lieben und dann nie wieder. Das muss immer wieder gesagt werden. Das muss ständig wiederholt werden und mit Leben gefüllt werden. Deswegen dürfen wir uns das immer wieder sagen lassen: Freut euch in dem Herrn! Wohlgemerkt: Nicht darüber, dass es euch gut geht (darüber darf man sich auch freuen, aber das ist nicht das Entscheidende), sondern in dem Herrn. Die „Neue Genfer Übersetzung“ schreibt hier sehr treffend: „Freut euch darüber, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid!“
Bibeltext