Hesekiel 31 Gottes Baumschule

Hesekiel vergleicht den Pharao und sein Land Ägypten mit einem wunderschönen und riesigen Zedernbaum. Zedernbäume waren in der damaligen Welt die gewaltigsten und größten Bäume. Doch Gott wird diesen Baum stürzen, weil er zu stolz und überheblich geworden ist. Aufgefallen ist mir v.a. V.8-9: „So war ihm kein Zedernbaum gleich in Gottes Garten… Ich hatte ihn so schön gemacht mit seinen vielen Ästen…“ Ägypten nicht als ein Baum außerhalb von Gottes Garten, sondern ein Teil von Gottes Garten. Nicht andere Götter oder gar der Teufel haben Ägypten so mächtig werden lassen, sondern Gott selbst. Es scheint mir, dass bei dieser Aussage sogar ein gewisser Stolz Gottes über diesen schönen, kräftigen Baum mitschwingt.

Gott ist so manches mal da am Werk, wo wir es gar nicht vermuten! Vielleicht gibt es auch bei uns so manche Menschen, bei denen wir denken: „Da ist Hopfen und Malz verloren, die wollen doch überhaupt nichts mit dem Gott der Bibel zu tun haben.“ Aber wer weiß: vielleicht ist Gott im Verborgenen schon längst am Werk bei ihnen und freut sich über den Wuchs eines schönen Baumes und seine kräftigen Äste. Allerdings kommt bei jedem Menschen einmal der Punkt, an dem er erkennen sollte, dass nicht er selbst für seinen Erfolg verantwortlich ist, sondern dass dies ein Geschenk ist. Jeder von uns steht in der Gefahr von Stolz und Überheblichkeit. Aber wir sind alle nur Bäume in Gottes Garten und er schenkt uns das Wachstum und die richtige Pflege.

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Exodus 11 In einen Topf geworfen

Das verstehe ich nicht. Da wird extra betont, dass das Volk der Ägypter schlauer war als sein Pharao. Die Israeliten und besonders Mose waren beim ägyptischen Volk und sogar von den Großen des Pharao angesehen (V.3). Doch dann wird das einsichtige Volk genau so bestraft, wie der uneinsichtige Pharao. Mose kündigt an, dass alle Erstgeborenen sterben werden, angefangen beim Sohn des Pharao bis hin „zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle hockt“ (V.6).

Ich weiß, dass damals die Menschen sich sehr viel mehr als Teil einer Gruppe und eines Volkes empfunden haben. Man war nicht so sehr ein Ich sondern ein Wir. Heute denken und empfinden wir uns dagegen als Individuen. Aber warum muss sich Gott bei seiner Strafe den damaligen kulturellen Gegebenheiten anpassen? Hätte es nicht genügt, den Pharao selbst zu bestrafen? Warum wird betont, dass nicht alle gegen Mose waren und dann werden doch alle in einen Topf geworfen?

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Exodus 10 Gekränkter Egoismus

Irgendwie kann ich den Pharao auch ein Stück weit verstehen. Mose hat ihm von Anfang an eine Lüge aufgetischt: Er hat gesagt sie wollen in der Wüste ein Opferfest feiern – dabei hatten sie vor mit Sack und Pack aus Ägypten zu fliehen. Der Pharao war zurecht von Anfang an misstrauisch. In diesem Kapitel stellt sich nun heraus, dass sein Misstrauen zu Recht bestand.

Es wird deutlich, dass nicht nur die Männer in die Wüste wollen, um dort zu opfern, sondern dass auch die Frauen und Kinder mitkommen sollen. Im ganzen Alten Orient war das Opfern aber eine Angelegenheit der Männer (vgl. z.B. 2.Mo.23,17). Und Mose will auch nicht nur ein paar einzelne Opfertiere mitnehmen, sondern den gesamten Viehbestand (V.26). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Der Pharao hat den Braten ganz richtig gerochen, er wollte sich nicht so einfach überlisten lassen. Wobei im Nachhinein gesehen das Nachgeben wohl schlauer gewesen wäre. Er hat die Wahrheit erahnt, er hat auch eine Ahnung von der Macht Gottes gehabt, aber er hat dann aus gekränktem Egoismus heraus die falschen Schlüsse gezogen.

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Exodus 8, 12-28 Eigentlich

Eigentlich ist die Sache gelaufen: Die ägyptischen Zauberer können nicht mehr mithalten (V.14) und der Pharao ist bereit, die Israeliten zum Opferfest in die Wüste ziehen zu lassen. Er bittet Mose und Aaron sogar darum, dass sie für ihn beten sollen (V.24)! Aber jetzt beginnt erst die wirkliche Dramatik dieser Geschichte, die wirkliche Dramatik von Verstockung!

Sobald es dem Pharao wieder besser geht, überlegt er es sich anders und lässt das Volk doch nicht ziehen (V.28). In diesem Abschnitt ist sehr schön zu beobachten, dass dies nicht nur ein Entschluss des Pharaos ist (V.28: „Aber der Pharao verhärtete sein Herz“), sondern dass Gott auch zu dieser Verstockung beiträgt (V.15: „Aber das Herz des Pharao wurde verstockt“).

Das ist bis heute ein dramatisches Geschehen: Wenn Menschen in der Not oder durch besondere Erlebnisse eigentlich kapieren, dass Gott existiert und dass er etwas von ihnen will. Sie erkennen eigentlich, wer Gott ist und dass sie etwas ändern müssen, dass sie sich Gott zuwenden müssen. Aber sobald es ihnen wieder besser geht oder andere Dinge wieder wichtig werden, verlieren sie Gott aus den Augen. Unglaublich. Tragisch. Traurig. Wie beim Pharao: er hat es eigentlich kapiert, aber er schafft es irgendwie nicht, diese Erkenntnis auch umzusetzen und zu leben.

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Exodus 5 Freiheit erkämpfen

Tja, dumm gelaufen… Mose und Aaron wollen beim Pharao erreichen, dass das Volk Israel in die Wüste gehen kann, um Gott ein Fest zu feiern – so zumindest die offizielle Version; inoffiziell wollen sie eine günstige Gelegenheit, um mit Sack und Pack aus Ägypten zu flüchten. Doch der Pharao geht gar nicht darauf ein, sondern reagiert mit Spott und Hohn. Mose und Aaron erreichen nur das Gegenteil: Die Bedrückung des Volkes wird noch härter. Anstatt der Freiheit näher zu kommen, ziehen sich die Fesseln der Gefangenschaft nur noch enger und erbarmungsloser zu.

Nun ist die Frage: Aufgeben oder weiter kämpfen? Klein bei geben oder weiter von der großen Freiheit träumen? Ich glaube manchmal ist das bei uns Christen heute ähnlich. Wer wirklich in Christus frei sein will, der wird auf Widerstand stoßen. Wer innerlich frei werden will von den Bindungen dieser Welt, der wird zunächst einmal kräftig auf die Nase fallen. Denn die ganzen Bindungen, in die wir uns verstrickt haben, die wollen uns nicht einfach so gehen lassen.

Der Weg in die Freiheit ist kein Spaziergang. Freiheit will erkämpft werden. Da braucht man Geduld, Ausdauer und Treue gegenüber Gott. Wo ich von irdischen Bindungen frei werden will, da muss ich mich um so enger an Gott binden. Und das ist nicht leicht, das kann schmerzvoll sein, das ist nicht der bequemste Weg. Einfacher ist es, alles beim Alten zu lassen.

Exodus 5, 18-31 Rätselhafter Gott

Hier wird zum ersten mal ein Thema angeschnitten, das die nächsten Kapitel bestimmt: die Verstockung des Pharao. Von Anfang an sagt Gott: „Ich aber will sein Herz verstocken.“ (V.21) Na toll!?! Wär es nicht sinnvoller das Herz des Pharaos nachgiebig zu machen, so dass er das Volk Israel gleich ziehen lässt? Wär’s schon. Aber in den nachfolgenden Kapiteln wird deutlich, dass Verstockung nicht nur ein Wirken Gottes ist, sondern das auch der Pharao seinen Anteil dazu beiträgt. Es wird sowohl davon gesprochen dass Gott das Herz des Pharaos verstockt (so wie an dieser Stelle hier), als auch davon, dass der Pharao selbst sein Herz verhärtet (z.B. 8,11.28). Trotzdem bleibt es rätselhaft, warum Gott diese Verhärtung noch bekräftigt anstatt ihr entgegen zu wirken.

Sehr rätselhaft an dieser Stelle sind auch die Verse 24-26. Da taucht plötzlich Gott auf und will Mose töten!?! Den Mose, den er gerade eben mit der Befreiung seines Volkes beauftragt hat. Diese Verse passen überhaupt nicht in den restlichen Zusammenhang und als Leser fragt man sich: Was soll das? Es gibt sicher so manche Auslegungsmöglichkeit, mit der man diese Stelle einigermaßen hinbiegen kann. Für mich wird hier vor allem deutlich, dass Gott – trotz aller Offenbarung – für uns Menschen letztendlich nie ganz zu verstehen ist. Es bleibt immer ein letztes Rätsel, ein Geheimnis, das wir nicht völlig erfassen können. Es bleibt ein grelles Strahlen in Gottes Wesen, das wir mit bloßem Auge nicht anschauen und ergründen können.

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Exodus 3, 16-22 Warum nicht eine elegantere Lösung?

Zwei Dinge sind mir aufgefallen an dem Text: Das erste ist, dass Gott den Mose beauftragt, dem Pharao eine Halbwahrheit zu sagen. Die Absicht Gottes mit seinem Volk wird ja klar in dem Text: Er will Israel aus Ägypten befreien. Dem Pharao soll man aber sagen, dass das Volk in die Wüste gehen will, um dort ihrem Gott zu opfern (V.18). Das ist nun nicht direkt eine Lüge, aber zumindest soll Mose nicht die ganze Wahrheit sagen. Interessant, dass auch Gott selbst so pragmatisch mit der Wahrheit umgeht!

Das zweite was mir aufgefallen ist und was ich am ganzen Buch Exodus befremdlich finde, ist folgendes: Von Anfang an ist klar, dass der Pharao das Volk Israel nicht gehen lassen will (V.19). Warum dann trotzdem die Verhandlungen mit dem Pharao, warum dieses ganze hin und her, warum die ganzen Plagen, warum nicht von Anfang an einfach fliehen? Hätte Gott da nicht eine elegantere Lösung finden können? Ich weiß, es ist müßig sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Die Geschichte ist nun mal so gelaufen und wir können Gottes Motivation nicht durchschauen. Aber es ist schon seltsam, dass Gott dem Mose den Auftrag gibt, dem Pharao etwas zu sagen, auf das dieser dann sowieso nicht hören will und wird.

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