Johannes 21, 20-25 So viele Wege

Jesus geht mit unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Wege. Petrus geht den Weg des Märtyrers (vgl. V.18f), der Jünger, den Jesus lieb hatte, wird bleiben (V.22), d.h. er wird nicht den vorzeitigen Märtyrertod sterben. Auch wenn es Petrus Auftrag ist, für Jesu Schafe zu sorgen, so bedeutet es doch nicht, dass er über ihre Wege bestimmen könnte. Auch wenn wir die Wege, die Jesus mit uns oder mit anderen geht nicht immer verstehen können, so bleiben es doch Jesu Wege.

Was nehme ich am Ende mit vom Johannesevangelium? Es ist anders als die anderen Evangelien. Es hat in vielem seinen eigenen und ganz besonderen Blickwinkel. Es ist müssig, darüber nachzudenken und zu diskutieren, welche Darstellung „historischer“ ist. Jedes der vier Evangelien hat seine Berechtigung und ist für uns wichtig. Jedes hat einen etwas anderen Blick auf Jesus. Jedes kann uns Gottes Wahrheit näher bringen. Schon diese Vierzahl der Berichte über Jesu Leben, Sterben und Auferstehen, mit all ihren Abweichungen in Details zeigen, dass es der Bibel nicht um einen einheitlichen und neutralen Bericht über Jesus geht. Gott will auch mit uns Lesern einen individuellen und persönlichen Weg gehen. Nicht jeder erlebt Jesus und den Weg des Glaubens völlig gleich. So war es schon damals im Jüngerkreis.

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Johannes 21, 15-19 Liebst du mich?

Liebst du Jesus? Ja, ich liebe ihn. Ich weiß, dass Leben nur mit ihm sinnvoll ist, dass nur er mich zum Ziel führen kann, dass ich auf seine Gnade, Liebe und Treue angewiesen bin. Liebst du Jesus? Nein, nicht in dem Maße und mit der Hingabe, wie er es verdient hätte. Meine Liebe ist bruchstückhaft und unvollendet, sie ist schwankend und zweifelnd. Meine kleine Liebe ist dem großen Gegenüber nicht angemessen.

Jesus kennt unsere Herzen. Ihm kann ich mein unvollkommenes und oft widerspenstiges Herz nur immer wieder neu hinlegen. Er versteht besser als ich selbst, was in diesem Herzen vorgeht. Ich bete darum, dass er es fest hält. Ich kann nicht mit der Größe meiner Liebe prallen. Ich kann nicht für die Stärke meiner Hingabe garantieren. Ich kann mich nicht auf meine eigene Liebeskraft verlassen. Ich kann mich nur auf Jesus verlassen, der mich sehr viel mehr liebt, als ich jemals lieben kann.

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Johannes 20, 1-10 Zwei Jünger

Auch dieser Bericht steckt, wie im Johannesevangelium typisch, voller Symbolik. Vor allem die Beziehung zwischen den beiden Jüngern, die zum Grab laufen ist interessant. Der eine ist Petrus, der andere wird nicht mit Namen genannt. Petrus war schon zu Lebzeiten Jesu so etwas wie der Anführer und Sprecher der zwölf Jünger. An verschiedenen Stellen in den Evangelien wird das deutlich. Aufgrund dieser Stellung wurde er auch in der Urchristenheit als maßgebliche Autorität anerkannt. Der andere Jünger scheint für die Adressaten des Evangeliums eine besondere Rolle zu spielen. Auf sein Zeugnis beruft sich das Evangelium, er wird aber nicht eindeutig identifiziert.

In dieser kurzen Begebenheit wird nun eine Verhältnisbestimmung zwischen den beiden Jüngern ausgedrückt. Beide laufen zu offenen Grab, aber der unbekannte Jünger ist schneller, er ist vor Petrus am Grab und schaut hinein. Aber er lässt Petrus den Vortritt. Er erkennt die Autorität des Petrus an. Besonders auffällig ist dann, das von dem unbekannten Jünger gesagt wird: er „sah und glaubte“ (V.8). Schon bevor er den Auferstandenen gesehen hatte, findet er den Glauben. Damit wird seine besonders enge Beziehung und sein starkes Vertrauen auf Jesus ausgedrückt. Im Johannesevangelium wird dieser Jünger zu einem besonderen Glaubensvorbild – ohne dass damit die Autorität des Petrus in Frage gestellt wird.

Interessant dass schon in dieser frühen Zeit die Frage nach Amt und Autorität aufkam. Die Stellung des Petrus war in der Urchristenheit eine besondere. Jesu hat ihn quasi offiziell an Leiter der Zwölf eingesetzt. Trotzdem gab es andere Nachfolger, die „schneller“ im Glauben waren. Das hat wohl schon früh zu Spannungen geführt. Aber das Johannesevangelium macht deutlich: Das muss kein Widerspruch sein. Wer einen großen Glauben hat, kann auch gelassen einer Amtsperson den Vortritt lassen.

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Johannes 18, 12-27 Zu Jesus stehen

Mir sind an dem Text einige Dinge aufgefallen. Zum ersten dieser „andere Jünger“, der nicht mit Namen genannt wird. Wer verbirgt sich dahinter. Wir wissen es nicht und können nur spekulieren. Weil sich im restlichen Evangelium der Schreiber auch nie selbst beim Namen nennt, vermuten manche, dass es sich um den Autor des Evangeliums handeln könnte. Aber das bleibt reine Vermutung. Interessant ist auf jeden Fall, dass ein Jünger Jesu guten Kontakt mit dem Hohenpriester hatte, so dass er ohne Probleme in den Hof des Hohenpriesters mitgehen konnte (V.15). Jesus scheint wirklich Anhänger aus allen Gesellschaftsschichten und allen religiösen Lagern gehabt zu haben. Da waren einfache Leute wie Fischer dabei, da gab es Zöllner (die mit den römischen Machthabern zusammenarbeiteten), da gab es gesellschaftlich geächtete Gruppen wie Dirnen oder Aussätzige, und da gab es eben auch Pharisäer (Nikodemus) oder Leute, die gute Kontakte zur jüdischen Aristokratie hatten.

Das zweite was mir auffiel, ist der Umgang Jesu mit dem Hohepriester. Jesus ist hier nicht schweigsam und duldend, sondern er verteidigt sich mit starken Worten. Er weiß, dass dies nichts an seiner Situation ändert, aber es wird deutlich, dass er sich nicht alles gefallen lässt. Liebe deine Feinde bedeutet nicht, dass wir alles (auch ungerechte Anschuldigungen) einfach nur still und duldsam runterschlucken sollen.

Zum dritten fällt in diesem Abschnitt natürlich das Verhalten des Petrus auf. Wir sind schnell dabei mit dem Finger auf ihn zu zeigen und zu fragen, wie dieses Großmaul nur so versagen konnte. War er nicht kurz vorher noch bereit, mit Jesus sogar in den Tod zu gehen? Und jetzt so kleinlaut und ängstlich?! Aber ich weiß nicht, wie ich in dieser Situation gehandelt hätte. Wenn ich so überlege, wie ich mein Leben mit Jesus lebe, gibt es da nicht auch genügend Situationen, in denen ich so handle, als ob es Jesus Christus nicht geben würde? Ist mein so oft fehlendes Vertrauen in Jesus nicht genauso eine Leugnung?

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Johannes 13, 1-11 Dreckige Füße

Die Fußwaschung ist offensichtlich eine Zeichenhandlung. Jesus will seinen Jüngern damit etwas deutlich machen. Wie so vieles konnten sie auch dieses Zeichen erst nach Kreuz und Auferstehung richtig verstehen. Zu Beginn wird auf Jesu Tod hingewiesen („erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater“, V.1). Der Zusammenhang legt darum nahe, die Fußwaschung als ein deutendes Zeichen für Jesu Tod am Kreuz zu sehen. Durch das Kreuz reinigt Jesus seine Jünger.

Simon Petrus sieht zunächst nur die äußere Handlung: Das Waschen der Füße war damals ein Sklavendienst. Darum will er es nicht annehmen, dass Jesus ihm die Füße wäscht. Aber wer nicht auf Jesu Heilstat am Kreuz vertraut, der hat keinen Anteil daran. Darum ist es auch für Petrus wichtig, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen.

Jesus wird zum Diener. Am Kreuz wäscht er uns die dreckigen Füße. Er reinigt uns von unserer Sünde. Er nimmt all unser Versagen, unsere Wut, unseren Hass, unsere Überheblichkeit, unseren Stolz, unsere Lieblosigkeit, unsere Unfähigkeit, unsere Müdigkeit, unsere Verzweiflung, … auf sich. Vielleicht verhalten auch wir uns manches mal wie Simon Petrus und wollen uns gar nicht eingestehen, dass wir das nötig haben. Wir sind doch Christen, wir verhalten uns im Vergleich zu anderen doch gar nicht schlecht, wir sind doch ganz okay, so wie wir sind. Ist es wirklich nötig, dass sich Jesus für uns die Hände dreckig macht? Ja! Jeder braucht das. Immer wieder neu.

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Apostelgeschichte 12, 1-25 Gottes Hand hält uns

Petrus wird auf wunderbare Weise aus dem Gefängnis errettet. Die Gemeinde bittet intensiv und ausdauernd für ihn und Gott erhört dieses Gebet. Er greift ein und rettet Petrus aus der Hand des Feindes. Die Beter können es selbst kaum glauben als Petrus an der Tür klopft. Es erscheint ihnen plausibler, dass ein Engel vor der Tür steht, als dass tatsächlich Petrus aus dem Gefängnis frei kam. Was für ein Wunder!

Aber bei dem Text sind mir auch die ersten zwei Verse aufgefallen. Hier wird nur kurz und ohne ausführliche Beschreibung erzählt, wie einer der zwölf Apostel – Jakobus, der Bruder von Johannes – von Herodes Agrippa (dem Enkel des Herodes, welcher für den Tod von Jesus mitverantwortlich war) getötet wurde. Das ist aus unserer Sicht ganz und gar nicht wunderbar. Warum hat Gott hier nicht eingegriffen und Rettung geschenkt?

Dieses Gegenüber beschäftigt mich: Einerseits kann Gott auf wunderbare Weise eingreifen und vom Tod bewahren. Andererseits kann er es zulassen, dass seine Nachfolger um des Glaubens willen getötet werden. Wir haben als Christen keine Garantie dafür, dass alles glatt läuft. Wir dürfen mit all unseren Anliegen zu Gott kommen. Sicher wurde auch für Jakobus und für andere Märtyrer gebetet. Aber Gott kann auf unterschiedliche Weise auf Gebet antworten. Er kann unser Leben auf unterschiedliche Weise führen. Er kann uns aus der Hand des Feindes erretten. Es kann aber auch sein, dass wir als Nachfolger in der Hand des Feindes sterben. Was in beiden Fällen sicher ist: wir sind von einer noch stärkeren und größeren Hand gehalten.

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Apostelgeschichte 11, 1-18 Ein Herz und eine Seele

„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“ (Apg.4,32) Mit diesen schönen Worten beschreibt Lukas die Einheit der ersten Christen. Im heutigen Abschnitt stellen wir fest, dass diese Einheit nicht bedeutet, dass die Urchristen sich nie gestritten hätten und immer einer Meinung waren. Als Petrus nach seiner Begegnung mit dem Hauptmann Kornelius wieder zurück kam, „stritten die gläubig gewordenen Juden mit ihm“ (V.2). Sie waren ganz und gar nicht einig mit dem, wie sich Petrus verhalten hatte.

Die Einheit zeigt sich nicht darin, dass die Urchristen immer einer Meinung waren, sondern darin, wie sie mit diesem Konflikt umgegangen sind. Petrus erzählt erst einmal in Ruhe, was passiert war und warum er so gehandelt hat. Die anderen lassen ihn reden und hören erst einmal zu. Sie beharren nicht auf ihrer Meinung, sondern lassen sich überzeugen: „Als sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott…“ (V.18) Sie erkannten, dass Petrus nicht eigenmächtig gehandelt hat, sondern dass er sich von Gott leiten lies.

Solch eine Einheit wünsche ich uns auch heute. Wir brauchen nicht immer einer Meinung sein. Wir können auch streiten. Aber es ist wichtig, dem Anderen zuzuhören und seinen Weg mit Gott ernst zu nehmen. Die Christen damals konnten ihre Meinungsverschiedenheit beilegen und haben sich gemeinsam an Gott ausgerichtet. Wobei dann in Apg. 15 deutlich wird, dass das Thema der Heidenmission weiterhin für Differenzen sorgte. Das Streitthema wurde nicht einfach beiseite geräumt, sondern sorgte weiterhin für Diskussion. Trotz allen Differenzen waren sie aber eins vor Gott.

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Apostelgeschichte 10, 34-48 Kurskorrektur

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der jungen Christenheit. Hier wird Petrus eindrücklich deutlich gemacht, dass Gott in Jesus Christus alle Menschen erreichen möchte. Gott sieht die Person nicht an (V.34). Petrus erkennt, dass Menschen nicht erst Juden werden müssen, um an Jesus zu glauben und den Heiligen Geist zu empfangen. Allein durch seine Predigt des Evangeliums (V.37-43) kommen Menschen zum Glauben und Gott schenkt ihnen den Heiligen Geist (V.44). Für die Judenchristen war das ein Schock (V.45) – dieser Gedanke war für sie so ungewöhnlich und fremd! Für sie war es selbstverständlich, dass man nur als Jude an den Gott Israels und an den Messias Jesus glauben konnte.

Ich habe mich bei dem Text gefragt, warum Gott das so kompliziert gemacht hat. Warum braucht es dieses besondere Erlebnis? Warum hat Jesus nicht einfach seinen Jüngern erklärt, dass auch Heiden ihm nachfolgen dürfen? Das hätte er doch schon zu Lebzeiten klar stellen können, dann wäre das für Petrus und die anderen Jünger später nicht so schwer zu verstehen gewesen.

Obwohl ich schon lange Jahre Christ bin, bleibt dieser Gott der Bibel immer auch ein rätselhafter, überraschender, unverfügbarer und oft auch verborgener Gott. Ich habe ihn nicht in der Hand. Ich verstehe ihn nie völlig. Er bleibt immer anders. Meine Theologie bleibt Stückwerk. Meine Ansichten über Glaube, Gott und die Welt haben immer wieder Korrektur nötig. Das war selbst bei Petrus so. Obwohl er viel Zeit in Jesu leiblicher Nähe verbracht hatte, viel gesehen, erlebt und gehört hatte, war seine Theologie Stückwerk und seine Ansicht über Glaube, Gott und die Welt hatte Korrektur nötig.

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Apostelgeschichte 4, 1-12 Gefangen um Jesu willen

Für mich hier in Deutschland ist es kein Problem, jeden Sonntag auf die Kanzel zu steigen und von Jesus zu erzählen. Bei Petrus damals war das nicht ganz so einfach. Er wurde wegen seiner Predigt gefangen genommen. In vielen Ländern der Welt ist es auch heute noch gefährlich, über Jesus öffentlich zu reden. In manchen Gebieten ist es sogar gefährlich, heimlich an Jesus zu glauben.

Ich bin dankbar für diese Freiheit. Ich weiß nicht, wie mein Glaube unter anderen Umständen aussähe. Hätte ich die Kraft und den Mut, mich trotzdem zu Jesus zu bekennen? Oder wäre ich zu feige? Würde mein Glaube dann schwächer sein – oder würde er durch die Widerstände sogar stärker werden?

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Apostelgeschichte 3, 11-16 Glaube und Heilung

Wie „funktioniert“ Heilung? Der heutige Text scheint eine einfache Antwort zu geben: „Der Glaube, der durch ihn [Jesus Chrsitus] gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.“ (V.16b) Der Glaube an Jesus Christus hat also den Gelähmten geheilt. Nach unserer menschlichen Logik sind wir schnell beim Umkehrschluss: Wenn jemand nicht geheilt wurde, dann ist der Glaube nicht stark genug.

Aber dieser Umkehrschluss steht erstens nichts so da. Hier steht nur, dass diese Heilung möglich war durch das Vertrauen auf Jesus Christus. Es steht nicht da, dass Glaube an Jesus Christus immer und automatisch auch zur Heilung führt. Und zweitens betont Petrus ausdrücklich, dass diese Heilung nicht durch „eigene Kraft oder Frömmigkeit“ (V.12b) bewirkt wurde. Es hing also nicht von der außerordentlichen Frömmigkeit des Petrus ab. Menschliche Glaubensstärke kann Heilung nicht erzwingen.

Aber trotzdem gehören Heilung und Glaube eng zusammen. Diese Heilung war keine magische Technik, welche richtig ausgeführt zum Erfolg führt. Sie war keine esoterische Kraftleistung eines Menschen. Nein, sie war ein Geschenk Gottes. Sie war eine Antwort Gottes auf das Vertrauen und den Glauben von Menschen. Aber welche Antwort Gott gibt, können wir ihm nicht vorschreiben. Wir können sein Wirken nur dankbar empfangen.

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