2. Petrus 3, 14-18 – Petrus vs. Paulus

Auch die Apostel waren nicht immer ein Herz und eine Seele. In Gal. 2,11-21 berichtet Paulus von einer Meinungsverschiedenheit mit Petrus und jetzt am Ende des zweiten Petrusbriefes stichelt Petrus gegen Paulus: Er bezeichnet Paulus zwar als einen „lieben Bruder“, aber er macht auch deutlich, dass er manches in seinen Briefen für schwer verständlich hielt und auch von „Unwissenden und Leichtfertigen“ leicht zu „verdrehen“. Paulus lehrt seiner Meinung nach also zu kompliziert und zu missverständlich!

Ich find’s beruhigend und auch irgendwie schön, dass wir in der Bibel solch eine Vielfalt von unterschiedlichen Sichtweisen auf das Evangelium haben. Wenn das nicht so wäre, dann müssten wir eigentlich an den vielen verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften die es heute gibt verzweifeln. Aber wir sehen ja, dass es da von Anfang an Unterschiede gab und dass selbst die Apostel nicht in allem so hundertprozentig einig waren. Auch Petrus und Paulus waren nur Menschen und trotzdem hat sie Gott auf großartige Weise gebrauchen können.
Bibeltext

2. Petrus 3, 10-13 – Der geerdete Himmel

Petrus schreibt von Jesu Wiederkunft und vom neuen Himmel und der neuen Erde. Bin heute vor allem an der „neuen Erde“ hängen geblieben. Petrus bezieht sich damit wohl auf Verheißungen aus Jes. 65,17 und Jes. 66,22. Wenn es um unsere Zukunft am Ende der Welt geht, dann denken wir ja normalerweise eher an eine himmlische Welt. Wir werden dann doch bei Jesus im Himmel sein! Wieso dann neue Erde?!?

Hab keine Ahnung wie sich Petrus das vorstellt und wie diese neue Erde aussehen soll. Aber es ist interessant zu sehen, wie geerdet die Zukunftsvorstellungen der Bibel sind. Natürlich grenzt sich Petrus hier auch ab von den Gnostikern, deren Zukunftshoffnung so aussah, dass der göttliche Seelenfunken irgendwann in Gottes übernatürliche Welt aufgenommen wird. Für sie die die Vorstellung einer „neuen Erde“ geradezu lächerlich, denn für sie ist alles irdische vergänglich und Gott ist ewig und geistlich. Er ist allem materiellen enthoben und nur die Seele kann Kontakt mit ihm haben. Alles irdische und körperliche ist für sie vergänglich und damit bedeutungslos.

In der Bibel wird dagegen von der neuen Erde gesprochen und von einem neuen geistlichen Leib (1. Kor. 15,44). Da drückt sich eine sehr viel höhere Wertschätzung des Irdischen und Leiblichen aus. Die Erde und der Leib sind nicht an sich schlecht, aber sie bedürfen einer Erneuerung und Neuschöpfung. Wie diese Neuschöpfung aussehen wird, darüber können wir nur spekulieren und das bringt nicht viel. Aber diese grundlegende Wertschätzung von Leib und Erde kann jetzt schon mein Verhalten gegenüber der Schöpfung und meinem Körper beeinflussen.
Bibeltext

2. Petrus 3, 1-9 – Ja wo bleibt er denn?!?

Petrus schreibt hier über Spötter, die sich darüber lustig machen, dass Jesu Wiederkunft ausbleibt: „Wo bleibt denn die Verheißung seines Kommens?“ (V.4) Wahrscheinlich steht auch hier im Hintergrund die Auseinandersetzung mit gnostischen Anschauungen. Die Gnostiker konnten mit der Wiederkunft Jesu auf die Erde und einer Neuschöpfung nicht viel anfangen. Für sie sah Errettung so aus, dass Gott den göttlichen Lichtfunken im Herzen des Menschen nach dem Tod des irdischen Leibes in seine himmlische Herrlichkeit aufnimmt. Dafür braucht man keine Wiederkunft Christi, dafür braucht man keinen neuen Himmel und keine neue Erde.

Die Spötter sind mit ihrem Spott wahrscheinlich auf offene Ohren gestoßen. Denn die Christen der ersten Stunde haben wirklich damit gerechnet, dass Jesus jeden Tag wiederkommen kann. Sie hatten eine feste Naherwartung: Es kann sich höchstens um ein paar Jahre handeln, bis Jesus wiederkommt. Und jetzt dauert’s doch länger. Einige „Väter“ der Gemeinde sind schon gestorben und die Christen sind total verunsichert: Was ist mit denen die schon gestorben sind? Wo sind die jetzt? Warum kommt Jesus nicht?

Petrus gibt Argumente für die Verzögerung von Jesu Wiederkunft: Zum einen sagt er, dass Gott andere Zeitmaßstäbe hat als wir (V.8: Ein Tag sind vor dem Herrn wie tausend Jahre) und zum anderen betont er, dass Gott Geduld mit uns Menschen hat und nicht will, dass jemand verloren geht (V.9) – er gibt uns einfach noch mehr Zeit, Jesus zu erkennen.

Mich macht das ganze sehr demütig in meinem theologischen Denken. Selbst die Apostel haben aus den Worten Jesu und der Schrift manchmal die falschen Schlüsse gezogen. Sie hatten fest mit einer nahen Wiederkunft Jesu gerechnet und sich doch getäuscht. Wenn das schon einem Petrus oder Paulus so ging, dann muss ich erst recht bei mir und meinem Bibelverständnis damit rechnen, dass ich so manches noch nicht hundertprozentig richtig verstehe… Allerdings macht Petrus ja auch klar, dass diese Verzögerung von Jesu Wiederkunft nichts an der ursprünglichen und klaren Verheißung ändert, dass er kommt. Für ihn ist das nach wie vor eine klare und unmissverständliche Aussage von Jesus. Diese Demut heißt dann also nicht, dass damit alles fraglich und unsicher wird.
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2. Petrus 2, 1-22 – Zu viel Geistliches

Das ganze Kapitel ist eine ziemlich heftige und polemische Breitseite gegen damalige Irrlehrer. Ich hab mich beim Lesen gefragt, ob die Abgrenzung gegenüber einer anderen Lehre so heftig und hart sein muss. Das könnt man doch auch ein bisschen diplomatischer ausdrücken. Aber mir wurde dann klar, dass Petrus nicht vom Hass gegen Irrlehrer getrieben ist, sondern dass seine heftigen Emotionen eher daher kommen, dass er die Gemeinde schützen möchte. Es geht ihm nicht zuerst darum, andere fertig zu machen, sondern er hat Angst, dass diese Irrlehren auch andere Christen vom Glauben abbringen.

Wahrscheinlich sind die genannten Irrlehrer Vertreter der Gnosis. Ein wichtiger Punkt in der Gnosis ist die Geringschätzung des Geschöpflichen. Wichtig ist vor allem alles Geistliche und alles, was unserer irdischen Welt enthoben ist. Wahre Einheit mit Gott finden wir nur außerhalb der Grenzen unserer irdischen Welt. Alles, was mit gegenständlicher Materie zu tun hat, spielt für den Glauben keine Rolle. Da zählt nur die absolut geistliche Dimension. Das führt interessanterweise zu zwei völlig unterschiedlichen Haltungen gegenüber unserer Geschöpflichkeit. Die eine Richtung geht in die völlige Askese. Alles Körperliche ist absolut böse und wir müssen alle leiblichen Lüste so gut wie möglich ablegen und vermeiden: Kein Fressen, kein Saufen, kein Sex, … Das andere Extrem ist das Gegenteil: Weil der Körper nichts mit Gott zu tun hat, kann ich mit ihm machen was ich will – das hat ja dann für den Glauben keine Auswirkung: Ich kann fressen, saufen, ungezügelten Sex mit jedem haben,… das alles betrifft ja nur den Körper und nicht meine geistliche Beziehung zu Gott.

Petrus scheint hier eher mit der zweiten Position zu tun zu haben (vgl. v.a. V.13f). Er wendet sich scharf gegen solch ein Verständnis des Glaubens. Er sagt, dass die Irrlehrer zwar Freiheit versprechen (Freiheit vom allem irdischen), dass sie sich aber selbst zu Knechten machen (V.19). Eine falsch verstandene Überbewertung des Geistlichen kann also für unseren Glauben ganz schön gefährlich sein. Gott hat uns nicht nur ein geistliches Verlangen geschenkt, sondern er hat uns auch Leib und Seele geschenkt.
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1. Petrus 1, 16-21 – Alles hört auf mein Kommando!

Diesen Abschnitt hab ich beim ersten Lesen etwas falsch verstanden. Petrus berichtet von dieser wundervollen Erfahrung der sogenannten Verklärung Jesu: Petrus, Jakobus und Johannes waren mit Jesus auf einem Berg und plötzlich erscheint Jesus in strahlendem Licht. Die Jünger hören die Stimme Gottes, die ihnen sagt, dass Jesus sein Sohn ist (Muss ’ne geniale Erfahrung gewesen sein!). Dann schreibt Petrus: „Umso fester haben wir das prophetische Wort und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet“ (V.19). Ich dachte zuerst, hier geht es um die Autorität des Petrus: Er hat Jesu Herrlichkeit gesehen und nun sollen alle auf seine prophetischen Worte hören.

Aber beim genaueren Hinsehen kann man feststellen, dass Petrus nicht von seinen eigenen Worten redet, sondern dass es ihm um die prophetischen Worte des Alten Testaments ging. Diese Prophezeiungen haben sich in Jesus erfüllt und deswegen tun wir gut daran, auf die Worte der Propheten zu achten. In diesem Sinn verstehen viele Kommentare und auch viele Übersetzungen diese Stelle. Das macht auch Sinn, da es gleich in V.20 auch um Weissagungen in der Schrift geht.

Tja, da wollte ich dem armen Petrus doch gleich wieder Egomanie und Autoritätssucht vorwerfen. Aber auch Petrus ist nur jemand, der aus der Schrift lebt und der seine Erfahrungen mit Jesus auf dem Hintergrund der Schrift deutet und versteht… Er sagt eben nicht: „Alle hört auf mein Kommando!“, sondern er sagt: „Ihr tut gut daran, wenn ihr auf die Prophezeiungen der Schrift hört und ihr euch davon trösten und ermutigen lasst!“Bibeltext

2. Petrus 1, 12-15 – Vergesslichkeit des Herzens

Manchmal frag ich mich schon, ob es wirklich Sinn macht, jede Woche wieder neu zu predigen und bei allen möglichen Gelegenheiten Andachten und Bibelverse einzubringen. Wir wissen doch schon längst alles – naja, zumindest das Wichtigste. Wenn wir auch nur einen Bruchteil von dem was wir wissen auch leben würden, dann würden unsere Gemeinden völlig anders aussehen. Warum immer wieder das Evangelium wiederholen und neu durch kauen?

Petrus schreibt, dass er die Leser allzeit erinnern will, obwohl sie das, was er sagt, ja schon längst wissen und sie schon längst „gestärkt sind in der Wahrheit“ (V.12). Also auch Petrus hat schon die Christen immer wieder an das erinnert, was sie schon wussten. Er gibt dafür keine Begründung an, sondern sagt nur lapidar: „Ich halte es aber für richtig (V.13).

Tja, ich denke, er kennt ganz gut unsere Vergesslichkeit. Selbst wenn wir etwas vom Gedächtnis und vom Verstand her noch wissen, so vergisst unser Herz und unser Willen so manches viel zu schnell. Gerade wegen dieser Vergesslichkeit des Herzens ist es wichtig, dass wir immer wieder auch an die Grundwahrheiten des Evangeliums erinnert werden.
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2. Petrus 1, 3-11 – Paradoxes Geschenk

Wieder einmal dieses seltsame neutestamentliche Paradox, wenn es um ein Leben als Christ geht: „Dir ist alles geschenkt – darum bemühe dich, dieses Geschenk zu bekommen!“ Häh?! Ja! So steht’s tatsächlich da!

V.3: „Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt.“ Und dann wird das ganze noch ein bisschen ausgemalt und bekräftigt: Uns sind die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt, wir bekommen Anteil an der göttlichen Natur, wir sind den verderblichen Begierden der Welt entronnen. Fantastisch! Alles geschenkt, wirklich alles! Es gibt nichts wichtiges, was noch fehlt – es ist alles schon da!

Aber dann vor lauter Glück und Freude das weiterlesen nicht vergessen! V.5: „So wendet nun alle Mühe daran und erweist in eurem Glauben Tugend… Erkenntnis… Mäßigkeit… Geduld… Frömmigkeit… brüderliche Liebe… Liebe zu allen Menschen.“ Und in V. 10 wird noch mal betont: „bemüht euch desto mehr eure Berufung und Erwählung festzumachen.“

Faszinierend und verstörend! Kein Wunder dass wir Christen ständig auf der einen oder anderen Seite vom Pferd fallen! Und so mancher fängt an, dieses Paradox zu pervertieren, indem er nachträglich versucht, sich Gottes alles umfassendes Geschenk zu verdienen…
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2. Petrus 1, 1-4 – Glauben empfangen

„Ich bin zum Glauben gekommen.“ „Ich habe mich bekehrt.“ „Ich bin Christ geworden.“ Das sind so unsere normalen Beschreibung für den Anfang unseres Lebens mit Gott. Petrus beschreibt diesen Prozess hier auf eine faszinierend andere Weise: Er schreibt an alle, die „mit uns denselben teuren Glauben empfangen haben.“ Glauben als etwas, das wir nicht selbst machen oder suchen, sondern als etwas, das wir empfangen. Glaube als das Wunder des beschenkt werdens. Glaube als die offene Hand, die empfängt und nicht als die Hand, die sich selbst etwas nimmt.

Glaube ist wirklich ein seltsames Ineinander von Suchen und Gefunden werden. Bei mir selbst war es zumindest so, dass ich einerseits nach Glück, Sinn und Erfüllung gesucht habe. Und ich denke dieses Suchen ist wichtig („Suchet, so werdet ihr finden“). Aber andererseits kann ich nur unterstreichen, dass Glaube ein Geschenk ist, etwas das mir gegeben wurde und das ich nicht selbst finden und machen konnte.
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1. Petrus 5, 10-15 – Der heilige Kuss

Hat Petrus etwa an eine Hippie-Gemeinde geschrieben?! „Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe.“ (V.14) Ein Küsschen hier, ein Küsschen dort, am besten jeder mit jedem, damit sich niemand vernachlässigt fühlt… 😉

Ein schönes Beispiel für eine biblische Aufforderung, die man im kulturellen und zeitgeschichtlichen Zusammenhang einordnen muss. Anscheinend war es wohl im Alten Orient durchaus üblich, dass man sich nicht mit Handschlag, sondern mit einem Kuss begrüßt oder verabschiedet hat (Auf die Wange? Auf den Mund? Auch geschlechterübergreifend? Keine Ahnung…). So z.B. schön nachzulesen in 2. Mo. 18,7 oder Apg. 20,37. An fünf Stellen in den neutestamentlichen Briefen taucht die Aufforderung auf, dass Christen sich untereinander mit dem Kuss der Liebe (1. Thes. 5,26; 1. Petr. 5,14), bzw. mit dem heiligen Kuss (Röm. 16,16; 1. Kor. 16,20; 2. Kor. 13,12) grüßen sollen.

Diese Sitte wurde auch in christlichen Gemeinden praktiziert und es war bis ins zweite Jahrhundert v.a. im Zusammenhang mit dem Abendmahl üblich, sich zu küssen. In manchen Ländern ist das heute ja auch noch normal, bei einer normalen deutschen Gemeinde würde die wörtliche Befolgung dieser biblischen Aufforderung wohl allen etwas seltsam und sehr peinlich vorkommen.

Deswegen müssen wir immer wieder schauen, wie wir die Bibel in unsere heutige Welt übersetzen können. Das ist nicht immer einfach und nicht immer so deutlich, wie in diesem Fall. Manchmal ist es sehr schwierig, zwischen kultureller und zeitlicher Gegebenheit und göttlicher Aufforderung zu unterscheiden. Manchmal ist es nicht so einfach, zu entscheiden, was wir wörtlich befolgen sollten und was wir an unsere heutige Zeit anpassen sollten. Hier in diesem Fall müsste man diese Aufforderung so übersetzen, dass wir uns mit eine heiligen Handschlag oder eine Handschlag der Liebe grüßen sollten. Und das geschieht ja auch z.B. wenn wir uns beim Abendmahl mit dem Friedensgruß grüßen und dabei die Hände geben.
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1. Petrus 5, 5-9 – Ein süßes, kleines Kätzchen

In seine Schlussmahnungen packt Petrus noch einmal einiges rein – es wird deutlich, was ihm wichtig ist. Die Stichworte sind: Demut, Vertrauen auf Gottes Fürsorge und Nüchternheit angesichts der Leiden in dieser Welt. Diese Aufforderung zur Nüchternheit unterlegt er mit einem eindrücklichen Bild: „Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (V.8). Wahrscheinlich geht dieses Bild auf Psalm 22,14 zurück, wo die Feinde des Beters mit Löwen verglichen werden.

Für die damalige Verfolgungssituation mag das ein sehr treffender Vergleich gewesen sein. Die Christen wurden angefeindet und mussten mit offenem Hass und Ablehnung zurechtkommen. Ich glaube zu unserer heutigen Situation in Deutschland passt das nicht mehr so richtig. Hier hat der Satan eine andere Strategie. Er begegnet uns nicht als brüllender Löwe, den wir schon von weitem erkennen können (niemand droht uns offensichtliche Verfolgung an weil wir an Jesus glauben), sondern er ist eher ein verführerisch, schnurrendes Kätzchen, das uns langsam und unbewusst vom Weg der Nachfolge ablenkt: „Ich bin so süß und harmlos. Komm spiel doch ein wenig mit mir. Man muss die Sache mit dem Glauben ja nicht übertreiben und ein bisschen Ablenkung tut dir gut…“
Bibeltext