Philipper 2, 14-18 Der Grunde der Freude

Fast schon unwirklich und übermenschlich, wie Paulus hier mit seiner Situation umgeht. Er sitzt im Gefängnis und hätte allen Grund, frustriert zu sein – aber er freut sich und ruft die Philipper auf, sich mit ihm zu freuen. In diesem Abschnitt stellt er das Murren und Zweifeln gegenüber Gottes Wegen (V.14) der Freude gegenüber (V.17-18). Selbst wenn Paulus geopfert werden sollte, d.h. wenn er im Gefängnis sein Leben geben muss, so freut er sich doch. Vier mal (!) kommt in V.17-18 die Freude vor. Paulus freut sich, er freut sich mit den Philippern, und er will dass sie sich auch freuen und sie sich mit ihm freuen.

Das ist beschämend: Wenn wir uns unser Leben anschauen und eigentlich erkennen können, wie relativ gut es uns geht und wie wenig wir uns freuen können. Wie oft sind wir innerlich am Murren und Zweifeln! Aber der Grund für die Freude des Paulus ist nicht, dass es ihm gut geht, sondern dass er Christus nahe ist. Und wenn er um Christi willen leidet, dann ist er ihm umso näher und kann sich umso mehr freuen! 🙂 🙂 🙂
Bibeltext

Philipper 1, 15-18 Gute Früchte von einem schlechten Baum?

Unglaublich, was Paulus hier schreibt! Ich hab den Abschnitt schon öfters gelesen, aber ich staune jedes mal wieder neu über die Gelassenheit und das große Herz des Paulus. Paulus sitzt im Gefängnis und es gibt wohl einige Prediger, die diese Situation für ihren Vorteil ausnützen. Sie „predigen Christus aus Neid und Streitsucht“ (V.15), sie „verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir [Paulus] Trübsal bereiten.“ (V.17) Und was sagt Paulus? Er sagt: Was soll’s? Solange inhaltlich Christus verkündigt wird, ist mir die Motivation egal, ja er freut sich sogar darüber! (V.18)

Ich finde das schon hart an der Grenze. Geht das überhaupt? Christus verkündigen aus eigennütziger Motivation? Also ich wäre nicht glücklich über einen Prediger, der zwar ein korrektes Evangelium verkündigt, es aber tut, um selbst daraus Vorteile zu ziehen oder um anderen zu schaden. Man denke nur an manche Prediger, die eine große Show abziehen, sich selbst im Applaus baden und sich selbst bereichern.

Es geht dem Paulus hier nicht um theologische Beliebigkeit. Inhaltlich argumentiert er immer sehr scharf gegenüber Leuten, die ein anderes Evangelium verkündigen als er. Aber ich frage mich – im Bild eines Gleichnisses von Jesus: Kann ein schlechter Baum gute Früchte hervorbringen?
Bibeltext

Philpper 1, 1-2 Hallo, ihr Heilige!

Nach der langen Beschäftigung mit Jeremia jetzt mal wieder etwas kürzeres aus dem Neuen Testament: Der Brief des Paulus an die Philipper. Philippi liegt in Mazedonien und war damals eine römische Kolonie. Aus geschichtlichen Gründen war die Stadt vor allem von römischen Veteranen besiedelt (also so etwas wie eine Militärkolonie). Auf seiner zweiten Missionsreise gründete Paulus hier die erste Gemeinde auf europäischen Boden (ca. 49/40 n.Chr.). Den Philipperbrief verfasst Paulus aus dem Gefängnis. Bis heute ist nicht sicher aus welchem Gefängnis. Möglich wären Rom, Cäserea oder Ephesus .

Die ersten Sätze einer Schriftrolle standen damals als Absender und Empfängerangabe. So wie bei uns heute Absender und Empfänger auf dem Briefumschlag stehen. Auffällig beim Philipperbrief ist, dass neben Paulus auch Timotheus als Absender genannt wird. Das liegt wohl daran, dass Timotheus vorhatte, die Gemeinde bald zu besuchen (Phil.2.19). Vielleicht war er sogar der Überbringer des Briefes. Da sehen wir mal wieder, dass selbst der große Missionar Paulus auf Teamarbeit setzte – er war nicht der alleinige große Macher, sondern er war mit anderen zusammen unterwegs.

Interessant auch die Empfängerangabe: „Die Heiligen in Christus Jesus in Philippi.“ In Christus sind wir Heilige! Nicht weil wir ein heiligeres Leben führen als andere, oder weil uns irgendein Papst heilig gesprochen hat. Nein, wir sind heilig, weil wir in Christus Sündenvergebung und Erneuerung haben: wir stehen rein und heilig vor Gott!

Neben allen Heiligen werden besonders auch die Bischöfe und Diakone angesprochen. Es gab offensichtlich schon früh in den Gemeinden bestimmte „Ämter“. Schon von Anfang an musste Gemeinde organisiert werden und es waren bestimmte Personen für bestimmte Aufgaben zuständig. Bei Bischof darf man nicht an einen Bischof im heutigen Sinn denken. Von der Wortbedeutung her besagt Bischof: „Vorsteher, Aufseher“. Das Wort steht hier im Plural: Es geht also um die Gemeindevorsteher, um die Gemeindeleitung. „Diakon“ bedeutet einfach „Diener, Knecht“. Das waren also Leute die, auf welche Weise auch immer, der Gemeinde dienten.

Ich (und viele andere Christen) träumen so manches mal von einer Gemeinde, die ohne Verwaltung und ohne Ämter auskommt. Kaum jemand hat noch keine negativen Erfahrungen mit „kirchlicher Verwaltung“ oder mit kirchlichen „Amtsträgern“ gemacht. Wir wünschen uns eine Gemeinschaft, die sich einfach trifft und sich ohne große Organisation von Gott selbst leiten lässt. Aber das ist eine Illusion. Von Anfang an hat Gemeinde Strukturen und auch Ämter gebraucht. Wie diese Strukturen am besten aussehen sollten, darüber kann man sich streiten (und tut es ja auch zu Genüge). Aber dass wir solche Strukturen brauchen, steht für mich außer Frage. Das NT gibt uns da auch leider keine einheitlich Struktur vor, sondern wir können an verschiedenen Stellen nur erahnen, wie es verschiedene Gemeinden damals gemacht haben.
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2. Petrus 3, 14-18 – Petrus vs. Paulus

Auch die Apostel waren nicht immer ein Herz und eine Seele. In Gal. 2,11-21 berichtet Paulus von einer Meinungsverschiedenheit mit Petrus und jetzt am Ende des zweiten Petrusbriefes stichelt Petrus gegen Paulus: Er bezeichnet Paulus zwar als einen „lieben Bruder“, aber er macht auch deutlich, dass er manches in seinen Briefen für schwer verständlich hielt und auch von „Unwissenden und Leichtfertigen“ leicht zu „verdrehen“. Paulus lehrt seiner Meinung nach also zu kompliziert und zu missverständlich!

Ich find’s beruhigend und auch irgendwie schön, dass wir in der Bibel solch eine Vielfalt von unterschiedlichen Sichtweisen auf das Evangelium haben. Wenn das nicht so wäre, dann müssten wir eigentlich an den vielen verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften die es heute gibt verzweifeln. Aber wir sehen ja, dass es da von Anfang an Unterschiede gab und dass selbst die Apostel nicht in allem so hundertprozentig einig waren. Auch Petrus und Paulus waren nur Menschen und trotzdem hat sie Gott auf großartige Weise gebrauchen können.
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Psalm 19 – Das Gesetz

Psalm 19 ist eine interessante Verbindung von Lob von Gottes Schöpfung und Freude über Gottes „Gesetz“. Während uns noch heute die Freude über die Schönheit der Schöpfung gut verständlich und zugänglich ist, haber wir beim Stichwort „Gesetz“ nicht unbedingt positive Assoziationen. Im nichtreligiösen Sprachgebrauch verbinden wir mit Gesetz eher etwas kontrollierendes und einengendes.

Und im Bereich des Glaubens sind wir evangelischen Christen sehr stark vom Gesetzesbegriff des Paulus bestimmt. Im Römerbrief sieht Paulus das Gesetz zwar als positive Gabe Gottes (heilig, gerecht und gut; Röm. 7,12), aber von der Wirkung her richtet das Gesetz Zorn an (Röm. 4,15).  Denn es sagt uns zwar, wie wir richtig leben sollen, gibt uns aber nicht die Kraft dazu. So dient für Paulus das Gesetz v.a. dazu, dass wir unsere Sünden erkennen können (Röm. 3,20), aber es hilft uns nicht dabei diese Sünden loszuwerden.

Psalm 19 hat ein umfassenders Verständnis von „Gesetz“. In diesem Psalm sind damit Gottes gute Weisungen insgesamt gemeint. Gottes Worte wollen uns zum Leben helfen. Und der Beter rechnet damit, dass sie es auch tun können. Ich denke Paulus hat nur einen Aspekt von Gottes Gebote heraus gearbeitet. Wir dürfen aber Gottes Gebote nicht nur eindimensional von diesem Aspekt her sehen. Auf einer anderen Ebene kann uns Gottes Gesetz tatsächlich zum Leben helfen und uns Freude schenken: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es schenkt Kraft und Leben.“ (Ps. 19,8; Gute Nachricht)
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1. Korinther 7, 29-31 – Ein Apfelbäumchen

ApfelbäumchenMhm… bei diesem Text beschleichen mich ähnliche Gefühle, wie das letzte mal, als ich ihn gelesen habe (1. Korinther 7,17-40 – Der weltfremde Paulus). Haben als hätte man nicht, freuen als freute man sich nicht,… Das bekomme ich letztendlich gedanklich und gefühlsmäßig nicht auf die Reihe. Auch wenn Douglass wie immer auch hier scharf beobachtet und gut erklärt – ich finde auch bei ihm bleibt es letztendlich eine unaufgelöste Spannung.

Die Spannung besteht in dem Gegenüber von einem verantwortungsvollen und gelingendem Leben im hier und jetzt auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Leben mit einer gewissen Distanz und Gelassenheit gegenüber dieser vergänglichen Welt, weil wir wissen, dass das Beste noch kommt. In gewisser Weise wird für mich diese Spannung in dem berühmten Luther Zitat deutlich: „Auch wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Auch wenn wir wissen, dass das Jetzige vergeht, sollen wir trotzdem das Jetzt intensiv leben und gestalten.

Problematisch bei Paulus finde ich, dass seine Worte diese Spannung eher in Richtung Zukunft auflösen wollen. Das Jetzige scheint kaum zu zählen, kaum wichtig zu sein, wir sollen so leben, als ob das Jetzt keine große Rolle mehr spielt. Wer ein Apfelbäumchen hat, der soll so leben, als hätte er keins. Aber dann kann ich’s ja auch gleich bleiben lassen: Warum soll ich ein Apfelbäumchen pflanzen, wenn ich sowieso so leben soll, als hätte ich keins? Da ist mir dann doch Luther lieber, da bleibt zwar die Spannung bestehen, aber so bekommt wenigstens sowohl das Jetzt wie auch das Morgen sein Gewicht.

Oder versteh ich Paulus da falsch?

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Foto: Wolfgang Jürgens / pixelio.de

Matthäus 8, 1-4 – Wenn du willst

Ein Aussätziger kommt zu Jesus und sagt: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Und Jesus tut’s. Schwupdiwupp – und geheilt ist der Mann. Warum „funktioniert“ das nicht immer so? Ich habe auch Heilung nötig, ich habe Reinigung nötig. Da gibt es viel zu viel „Aussatz“ in meinem Leben. „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Will er nicht? Will ich nicht richtig? Ist es bei mir nicht so wichtig? War das nur eine beispielhafte Heilung? Habe ich zu wenig Glauben und Vertrauen?

Was mich etwas tröstet ist, dass er auch beim großen Paulus nicht jedes Gebet erhört hat. Er hat ihm den „Stachel im Fleisch“ gelassen. Er hat ihn nicht geheilt. Wohl nicht weil Paulus zu wenig Glauben hatte, sondern weil Gott selbst es nicht so wollte. Aus welchen Gründen auch immer…

2. Korinther 12, 1-10 – Ein Schwächling

Um so schwach zu sein wie Paulus muss man ganz schön stark sein. Das ist ja eine paradoxe Sache. Paulus sieht sich selbst als schwach: Damit meint er sich als ganz normaler natürlicher Mensch. Er weiß, dass er in den Augen der Welt kein besonders toller Hecht ist. Er weiß, dass er kein begnadeter Rhetoriker ist, wie manche andere. Er kennt nur zu gut seine körperliche Schwäche, die ihn immer wieder plagt (V.7: Pfahl im Fleisch). Er weiß: er kann nichts. Wenn er etwas zustande bringt, dann nur durch die Kraft Gottes.

Gerade in diesem Vertrauen liegt seine Stärke. Es ist nicht einfach, sich selbst aufzugeben, nichts selbst machen zu wollen, sondern in allem nur auf Gott zu vertrauen. Es ist nicht einfach, weiter auf Gott zu vertrauen, selbst wenn Gebete nicht erhört (zumindest nicht so wie sich das auch ein Paulus gewünscht hat: Er wäre seinen „Pfahl im Fleisch“ auch gern losgeworden – aber Gott wollte nicht…).

Nach außen hin Stärke zu demonstrieren ist auch heute noch einfacher, als vor anderen seine Schwäche einzugestehen. Schwach sein kann ganz schön weh tun. Schwach sein macht angreifbar. Die Schwächlinge sind schon in der Schule ein beliebtes Opfer…

2. Korinther 11, 16-33 – Angebliche Schwachheit

„Wenn ich mich denn rühmen soll, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen.“ (V.30)

Dabei ist Paulus gar nicht so schwach, wie er tut. Er beschreibt, was er alles um seines Glaubens erdulden musste: Mühe, Arbeit, Hunger, Verfolgung, Todesnot, Folter,… Um das alles zu ertragen, braucht man sehr viel Kraft. Sehr viel Ausdauer. Einen sehr großen Glauben. Ich will mich jetzt mal meiner Schwachheit rühmen: Ich könnte das alles nicht. Ich wäre zu schwach dazu…

2. Korinther 11, 1-15 – Starker Tobak

Starker Tobak, den Paulus hier raucht! Es geht wieder einmal um die Auseinandersetzung mit anderen christlichen Leitern und Predigern, die in Korinth wohl einiges an Verwirrung gestiftet haben. Er bezeichnet diese Leute als falsch, betrügerisch und bringt sie dann sogar mit dem Satan in Verbindung (V.13-14). Darf man so argumentieren??? Natürlich kann ich die Situation von damals nicht einschätzen. Ich weiß nicht genau, was diese falschen Apostel vertreten haben – in den Augen des Paulus müssen es ja offensichtliche und schwere Irrlehren gewesen sein.

Aber ich möchte Paulus hier nicht als Vorbild nehmen. Wenn ich manchmal höre wie heute bei unterschiedlichen Auffassungen von Glaube und Bibel von Christen aufeinander eingedroschen wird, dann dreht es mir den Magen um. Viel zu schnell sind manche Christen dabei, andere Meinungen als „von unten“ zu sehen. Da ist ja dann überhaupt keine Diskussion mehr möglich. Das ist ein Totschlag-Argument bei dem es nur die Möglichkeit gibt: Du oder ich. Wie gesagt: Wahrscheinlich war es ja bei Paulus durchaus angebracht und er hat das als inspirierter Bibelschreiber nicht einfach so aus Affekt dahingeschrieben. Aber all zu leichtfertig sollten wir solch scharfen Angriffe nicht übernehmen.