Exodus 12, 1-28 Das Passahlamm

Was für ein Text und was für ein Geschichte, die dahinter steckt! Der Pharao bleibt verstockt und es kommt zum großen Showdown. Der „Verderber“ geht in Ägypten um (V.23). Er tötet alle Erstgeborenen – Tier oder Mensch. Nur die Israeliten werden verschont. Sie schlachten Passahlämmer und feiern in ihren Häusern das Passahmahl. Vom Blut des Opfertieres wird etwas an den Türrahmen der Häuser gestrichen. Das ist das Zeichen für den „Verderber“ an diesem Haus vorüber zu gehen.

Eine fremde, orientalische, blutrünstige Welt taucht da vor uns auf. Als moderner Mitteleuropäer hab noch nie ein Tieropfer gebracht. Ich tue mir schwer mit der Vorstellung, dass Gott selbst einen „Verderber“ schickt, der Kinder und Tiere hinweg rafft. Und doch habe ich als Christ Anteil an dieser Geschichte und dieser Tradition. Ich glaube, dass Jesus das eine, wahre Passahlamm ist, das für mich gestorben ist. Ich glaube, dass sein Blut das Zeichen meiner Rettung ist. Ich glaube, dass Menschen ohne ihn verloren gehen. Ich glaube, dass das Abendmahl die Fortführung des Passahmahls ist und im Abendmahl Jesu Tod für uns gegenwärtig wird.

| Bibeltext |

Matthäus 26, 17-25 – Herr, bin ich’s?

Jesus feiert mit seinen Jüngern das Passahmahl. Eigentlich ein Familienfest, bei dem man sich an die Wurzeln des jüdischen Volkes erinnert und es sich bei einem Festmahl gut gehen lässt. Allerdings war die Stimmung alles andere als festlich und fröhlich. Jesus kündigt an, dass einer von den Jüngern ihn verraten wird. Gemeinsames Essen und Feiern war damals noch viel mehr als heute ein Zeichen für Gemeinschaft und Verbundenheit – einer wird diese Gemeinschaft verraten.

Das erstaunlich ist nun, dass jeder einzelne anfing zu fragen: „Herr, bin ich’s?“ Jeder einzelne hat ernsthaft mit der Möglichkeit gerechnet, dass er Jesus verraten könnte. Jeder hätte es sein können. Das passt ganz gut zu meinen gestrigen Überlegungen…

Im Nachhinein ist es leicht, den Judasen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Nach dem Motto: „Hab ich mir doch gleich gedacht, dass der Judas ihn verraten wird. Der war schon immer so geldgierig und hinterlistig. Der hat es doch von Anfang an nicht ehrlich gemeint. Zum Glück bin ich nicht so wie der…“ Die Jünger sind an dieser Stelle aber erstaunlich ehrlich: „Auch wenn ich es eigentlich nicht will, es könnte trotzdem sein, dass ich es bin. Es könnte sein, dass gerade ich versage.“