Apostelgeschichte 27, 13-44 Der ruhende Pol

Ja, so sollte es eigentlich sein – auch heute noch. In einer stürmischen Welt, in der wir die Orientierung verloren haben, sollten die Christen der ruhende Pol sein, der auch den anderen Hoffnung schenkt. Aufgrund der Verheißung Gottes kann Paulus mitten im Sturm gelassen bleiben und andere trösten. Er gibt Hoffnung und ganz automatisch fangen die anderen an, ihm mehr und mehr zu vertrauen.

Das wäre schön, wenn wir Christen auch heute noch so leben und so wahrgenommen werden könnten. Als Menschen die auch im Sturm eine Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlen, die nicht von dieser Welt kommen kann. Als Menschen die sich gehalten wissen von einer Macht, die stärker ist, als jeder irdische Sturm. Als Menschen die aufgrund ihres ruhigen Handelns und Redens auch andere aus dem Sturm retten.

| Bibeltext |

1. Johannes 2, 7-11 Hass macht blind

„Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall. Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.“ (V.10f)

Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Das ist eine tiefe Wahrheit, die nicht nur in der Gemeinde gilt, sondern darüber hinaus. Hass macht uns blind, er nimmt uns die Orientierung, er lässt uns den Weg verlieren, er verrückt die Maßstäbe, er führt in die Finsternis…

| Bibeltext |

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

Ein schönes, zartes, liebevolles Buch, das aber doch nicht kitschig ist. Der Schriftsteller Arno Geiger schreibt über seinen Vater, der an Alzheimer erkrankt ist. Das klingt ziemlich deprimierend und es wird an vielen Stellen des Buches auch deutlich, wie schwierig es für Familienangehörige ist, mit dieser Krankheit zurecht zu kommen.

Aber es ist kein schwermütiges Buch, sondern es ist trotz allem Schweren auch ein hoffnungsvolles Buch. Denn der Autor lernt seinen Vater auf ganz neue Weise kennen, schätzen und lieben. Das alles stellt gut zu lesen dar und mich hat diese Vater-Sohn Geschichte sehr berührt.

Eine Stelle, die nicht direkt etwas mit dieser Beziehungsebene zu tun hat, fand ich besonders spannend: „Uns Gesunden öffnet die Alzheimerkrankheit die Augen dafür, wie komplex die Fähigkeiten sind, die es braucht, um den Alltag zu meistern. Gleichzeitig ist Alzheimer ein Sinnbild für den Zustand unserer Gesellschaft. Der Überblick ist verlorengegangen, das verfügbare Wissen nicht mehr überschaubar, pausenlose Neuerungen erzeugen Orientierungsprobleme und Zukunftsängste. Von Alzheimer reden heißt, von der Krankheit des Jahrhunderts reden. Durch Zufall ist das Leben des Vaters symptomatisch für diese Entwicklung. Sein Leben begann in einer Zeit, in der es zahlreiche feste Pfeiler gab (Familie, Religion, Machtstrukturen, Ideologien, Geschlechterrollen, Vaterland), und mündete in die Krankheit, als sich die westliche Gesellschaft bereits in einem Trümmerfeld solcher Stützen befand.“ (S.58)

(Amazon-Link: Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil)

Auto-Pilot aus

Hatte heute Nacht einen Traum, den ich behalten konnte, weil ich gleich danach aufgewacht bin und er mir besonders eindrücklich war. Normalerweise vergisst man ja die meisten Träume wieder… In dem Traum war ich nachts im Auto unterwegs. Allerdings saß ich nicht vorne am Steuer, sondern auf der Rückbank und achtete auch nicht besonders auf den Weg. Am Steuer sass niemand, das Auto schien von einer Art Auto-Pilot gesteuert zu sein. Was mich aber nicht besonders beunruhigte, da das Auto seinen Weg durch die Straßen und Städte zu finden schien. Irgendwann fragte ich mich, wo ich eigentlich bin und wo ich eigentlich hin wollte. Ich schaute aus dem Fenster und konnte Bäume und Straßen einer unbekannten Stadt erkennen. Und ich hatte keine Ahnung wo ich hinwollte und was ich tun wollte. Dann bin ich aufgewacht.

Mich hat der Traum ins Nachdenken gebracht: Fahren wir nicht meist genau so durch unser Leben? Mit Auto-Pilot den Alltag bewältigen ohne genau zu wissen, warum und wozu wir das alles tun. Ohne uns bewusst zu sein, wo unser Ziel ist? Mir kommt meine Erkrankung und die Zeit hier im Krankenhaus ein bisschen so vor, als ob Gott (auf ziemlich radikale Weise) den Auto-Piloten abschaltet. Mein Leben kommt zum Stillstand, Ruhe kehrt ein, raus aus dem Alltag, aber anders als Urlaub: nicht so viel Abwechslung und Zerstreuung. Fast ein wenig wie ein Kloster-Aufenthalt: Reduktion des Lebens auf Grundfunktionen. Auto-Pilot aus und Konzentration auf das Wesentliche: Was ist dir wichtig im Leben? Worauf kommt es an?

Ich erlebe das alles nicht als ein Verlassensein von Gott, sondern im Gegenteil, als eine neue Tiefe in der Beziehung zu ihm. In all dem weiß ich mich getragen. Er ist da! Ich weiß, dass diese Einstellung im Alltag zwangsläufig wieder verloren geht. Alltag geht nicht ohne Auto-Pilot. Aber die Zeit jetzt hilft mir, wieder neu die Richtung zu bestimmen, mich wieder neu an Gott auszurichten.

Noch ein ganz profaner Nachtrag: Heute morgen musste der Bluterguss unter meiner Wunde noch mal punktiert werden und somit hab ich meinen Turban wieder auf… 😉 Voraussichtlich darf ich am Mittwoch wieder nach Hause.