Römer 12, 1-2: Ein Leben in Hingabe

Eigentlich müsste einem das im Lauf eines Lebens als Christ immer besser gelingen: Sich selbst Gott hingeben und ein Leben zu führen, das Jesus Christus immer ähnlicher wird. Ich hab bei mir oft den Eindruck, dass es mir schwerer fällt. Am Anfang des Glaubens ist man voller Begeisterung und Hingabe. Man ist bereit, alles für Jesus zu tun. Aber mit der Zeit merkt man, dass auch als Christ nicht immer alles glatt läuft – trotz aller Hingabe. Es tauchen so manche Fragen auf, die man nicht so einfach beantwortet bekommt. Die tollen Visionen von einem erfüllten Leben als Christ erfüllen sich nicht immer so, wie man sich das erträumt und erhofft.

Ich merke immer mehr, wie schwer das eigentlich ist, sich Gott ganz hinzugeben. Ich merke immer mehr, wie unfähig ich dazu eigentlich bin. Ich merke immer mehr, wie sehr ich gerade dabei auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen bin. Das ist nichts, das ich einfach aus eigener Kraft tun kann und Gott segnet dann sozusagen als Belohnung mein Leben dafür mit Glück und Zufriedenheit. Je länger ich Christ bin, desto demütiger und bescheidener werde ich an dieser Stelle.

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Hebräer 10, 1-18 Vollkommen geheiligt

Noch einmal betont der Hebräerbrief die Vorläufigkeit des alttestamentlichen Opferdienstes. Dagegen sind wir durch „das Opfer des Leibes Jesu Christi“ (V.10) ein für alle Mal geheiligt. Dieses Opfer muss nicht wiederholt werden. Es ist nicht vorläufig. Es muss nicht ergänzt werden. Mit ihm ist alles geschehen. Der neue Bund ist erfüllt (V.16f). Durch Jesu Opfer sind wir ein für alle mal geheiligt.

Das heißt nicht, dass wir jetzt schon in unserem Verhalten und Leben eine moralische und geistliche Vollkommenheit erreicht haben. Nein, wir fallen nach wie vor in Sünde, wir machen nach wie vor Fehler, es ist für uns nach wie vor nicht einfach, nach dem Willen Gottes zu leben. Aber all dies kann uns nicht mehr vom heiligen Gott trennen. Insofern ist unsere Heiligung vollendet (V.14). Wir brauchen nicht immer wieder neue Opfer für unsere Sünden. Wir brauchen uns nicht immer wieder neu darüber Gedanken machen, ob Gott uns vergibt oder nicht. Wir dürfen uns der Vergebung sicher sein.

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Hebräer 9, 1-15 Barrierefreier Zugang

Der Hebräerbrief stellt dem irdischen Heiligtum (V.1) Christus als den Hohenpriester der größeren und vollkommeneren Stiftshütte (V.11) gegenüber. In der irdischen Stiftshütte, und in der Nachfolge auch im irdischen Tempel in Jerusalem, gab es das Allerheilgste, dass selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr betreten durfte. Vorher musste er ein Opfer bringen für die eigenen Sünden und die des Volkes. Der Zugang zu Gott war also streng begrenzt. Die Kluft zwischen uns sündigen Menschen und dem heiligen Gott ist so groß, dass selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr Zugang zum Allerheiligsten hatte. Dabei wurde das Allerheiligste nicht einmal als Ort der unmittelbaren Gegenwart Gottes gesehen, sondern die Bundeslade im Allerheiligsten lediglich als Fußschemel des viel größeren, alles irdische übersteigenden göttlichen Thrones gedacht.

Für den Hebräerbrief ist die irdische Stiftshütte nur eine Abbild der vollkommenen Stiftshütte. In diese ist Christus als Hohepriester eingegangen und hat ein für alle mal eine ewige Erlösung erworben (V.12). Das was in der irdischen Stiftshütte nur ansatzweise geschehen konnte, hat Christus letzt-gültig umgesetzt. Es braucht daher keine irdische Stiftshütte, kein Tempel und keine Opfer mehr. Die Erlösung, die Jesus Christus erwirkt hat, gilt für alle Ewigkeit, der Zugang zu Gott ist frei – nicht nur für den Hohepriester, sondern auch für mich.

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Hebräer 7, 11-28 Keine Opfer mehr

Der Abschnitt hört sich mit seiner klaren Abgrenzung gegenüber dem levitischen Priesterdienst etwas überheblich an – nach dem Motto: bei uns Christen ist alles viel besser. Aber von der Sache her wird deutlich, warum wir Christen keine Hohepriester und keine täglichen Opfer mehr brauchen. Jesus Christus ist für uns der einzige Hohepriester, er stirbt nicht, wie menschliche Priester, sondern er lebt als bleibender Mittler zwischen uns und Gott. Das tägliche Opfer hat er überflüssig gemacht, indem er „ein für alle Mal“ (V.27) sich selbst opferte. Das genügt, dem brauchen wir keine weiteren Opfer hinzufügen, dieses Opfer können wir nicht überbieten und wir brauchen es nicht ergänzen.

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Hesekiel 48 Hier ist der Herr

Das letzte Kapitel des Hesekielbuches (geschafft!!! 😉 ) und der Abschluss der großen Heilsvision des Propheten. Hesekiel schließt mit der Verheißung einer neuen Landverteilung an die zwölf Stämme Israels. Für die damaligen Hörer war das wohl eine zentrale und wichtige Hoffnung. Viele Israeliten waren (wie Hesekiel selbst) im Exil in Babylonien, der Tempel und die Hauptstadt Jerusalem waren zerstört, das ganze Land stand unter der Oberherrschaft der Babylonier. All das, was Gott den Israeliten in ihrer Geschichte zunächst versprochen und dann auch gegeben hatte, war verloren.

Hesekiels Vision macht deutlich, dass Gott mit seinem Volk neu anfangen will, dass er es nicht aufgibt. Dass der Prophet von den zwölf Stämmen spricht, macht deutlich, dass Gott das ganze Volk wiederherstellen will, nicht nur einen Teil. Die Landverteilung geschieht in gleich große Gebiete: Gott bevorzugt keinen Stamm vor dem anderen. Das Heiligtum und die Stadt Jerusalem bekommt ein extra Gebiet, d.h. alle Stämme haben gleiches Anrecht und Zugang. Für ein Volk, das alles verloren hat, müssen diese Zukunftsbilder sehr wichtig gewesen sein.

Für mich bleibt die Frage, ob diese Zukunftsvisionen des Hesekiel wörtlich verstanden werden wollen. Sie haben sich zumindest bis jetzt nicht wörtlich erfüllt. Ich denke aus neutestamentlicher Perspektive können wir sehen, dass Gott seine Verheißungen auf andere Weise erfüllt hat. Auf einer tieferen und sehr viel grundsätzlicheren Ebene. In Jesus Christus hat er den Opferdienst überboten, wir brauchen Gott keine Opfer mehr bringen, sondern er hat uns durch seinen Sohn mit uns versöhnt. Die Gemeinde ist der Leib Christi und der Tempel des Heiligen Geistes, wir brauchen kein zentrales Heiligtum aus Steinen. Wer Christus vertraut, ist Teil des Volkes Gottes und jeder hat unmittelbaren und gleichberechtigten Zugang zum Thron Gottes. In Christus können wir sagen, was Hesekiel am Schluss seiner Vision als Verheißung sagt: „Hier ist der Herr.“ (V.35)

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Hesekiel 23 Gott als Opfer

Ein häufiges Bild bei den Propheten: Gott als liebender Ehemann und seine Volk als Ehefrau, die ihren Mann mit anderen Männern betrügt. In diesem Kapitel wird das Volk durch zwei Frauen symbolisiert: eine steht für das Nordreich Israel, das zu Zeit des Hesekiel schon von den Assyrern erobert wurde und die andere steht für das Südreich Juda, das kurz davor steht, von den Babyloniern erobert zu werden.

Spannend an diesem Kapitel finde ich die Frage, welches Bild hier von Gott vermittelt wird. Hesekiel beschreibt hier nicht einen allmächtigen und in sich ruhenden Gott, sondern einen zornigen und enttäuschten Ehemann. Gott ist nicht derjenige, der als unparteiischer Richter das Urteil fällt, sondern er ist das Opfer, das betrogen wurde. Er leidet an der Untreue seines Volkes. Sein Volk hat sich selbst das Urteil gesprochen, indem sie sich anderen Mächten und Göttern zugewandt haben als ihm. „Da übergab ich sie in die Hand ihrer Liebhaber.“ (V.9) „Weil du mich vergessen und mich verworfen hast, so trage nun auch du deine Unzucht und deine Hurerei!“ (V.35)

Das ist ein Grundmotiv durch die ganze Bibel hindurch: Gott will (und kann?) unsere Liebe und Treue nicht erzwingen. Er wartet darauf, er hofft darauf, er schafft die Voraussetzungen dafür – aber wir haben die Freiheit uns von ihm abzuwenden. Dann müssen wir allerdings auch die Konsequenzen dafür tragen.

In Jesus Christus geht Gott noch einmal einen Schritt weiter: Er nimmt selbst die Konsequenzen für die Untreue seiner Ehefrau auf sich. Er wird auf doppelte Weise Opfer. Er leidet darunter, dass sich seine Geschöpfe von ihm abwenden und er nimmt selbst die Konsequenz für diese Abkehr vom Schöpfer auf sich: den Tod! Unglaublich!

Exodus 35, 4-29 Freiwillig

In diesem Abschnitt geht es um Gaben für die Stiftshütte – sowohl materieller Art wie auch von Zeit und Fähigkeiten. Stark betont wird die Freiwilligkeit. „Erhebt von eurem Besitz eine Opfergabe für den Herrn, sodass einer jeder die Opfergabe für den Herrn freiwillig bringen.“ (V.5) Schon an dieser Formulierung wird deutlich, dass die Sache mit der Freiwilligkeit gar nicht so einfach ist. Damit die Stiftshütte gebaut werden kann, müssen möglichst viele ihre Gaben einbringen, es geht gar nicht anders – von nichts kommt nichts. Da ist durchaus ein gewisser Druck da – es ist schließlich das Gebot des heiligen Gottes, dass das Heiligtum so gebaut wird, wie er es befohlen hat. Zugleich wird jedoch die Freiwilligkeit betont. Jeder soll nur das geben, was er freiwillig gibt.

Das ist bis heute in jeder Gemeinde oder christlichen Gemeinschaft dasselbe: Wir sind darauf angewiesen, dass möglichst viele sich einbringen. Wenn sich jeder nur zurück lehnt und den anderen machen lässt, dann wird daraus nichts. Zugleich betonen auch wir heute immer wieder, dass alles freiwillig geschehen soll. Das steht in einer gewissen Spannung.

Man kann nun unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Manche möchten den Druck erhöhen, damit auch wirklich was passiert, damit wir den Ansprüchen Gottes gerecht werden. Ich selbst tendiere lieber zur anderen Seite: lieber weniger tun, als etwas zu erzwingen und nur mit schlechtem Gewissen zu tun. Der Sinn dieses Bibelabschnittes liegt ja gerade darin zu betonen, dass auf dieser Freiwilligkeit ein besonderer Segen liegt. Wenn allerdings nichts von freiwilligen Gaben zu sehen ist, dann muss sich eine Gemeinschaft fragen, ob nicht an anderer Stelle etwas im Glauben schief läuft…

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Exodus 29 Blut geben rettet Leben

Krass! In diesem Kapitel geht es um die Weihe der Priester und des Altars. Ziemlich viele Opfer und viel Blut. Es wird deutlich, wie konkret man sich die Heiligkeit Gottes vorstellte und wie gefährlich es war, dieser Heiligkeit nahe zu kommen. Für die Begegnung mit dem Heiligen Gott mussten die Priester und der Altar mit Opfer und Blut geweiht werden.

Für uns heute hat Blut keine besondere Bedeutung. Es ist Teil des Körpers, es ist notwendig für unseren Organismus. Blut gehört für uns eher in den Bereich des Medizinischen. Für die Menschen damals galt Blut als Quelle und Sitz des Lebens. Darum gehört es in besonderer Weise Gott, dem Schöpfer des Lebens. Blut stand in einer besonders engen Verbindung zu Gott und hat dementsprechend eine hohe Bedeutung. Es hat keine medizinische Bedeutung, sondern eine zutiefst religiöse.

Bei der Priesterweihe kommt nun dem Blut der Opfertiere eine besondere Rolle zu. Mit dem Blut wird die Kleidung der Priester besprengt (und diese damit nicht verunreinigt, sondern rituell rein) und es werden bestimmte Körperstellen der Priester damit berührt. Das bringt die enge Verbindung von Gott und dem geweihten Priester zum Ausdruck. Und selbst nach dieser rituellen Reinigung ist es notwendig, dass jeden Tag Opfer gebracht werden, um diese besondere Verbindung zwischen Gott und seinem Volk aufrecht zu erhalten.

Beim Lesen dieses Kapitels wurde mir wieder neu deutlich wie genial und gar nicht selbstverständlich es ist, dass jeder durch Jesus Christus einfach so Zugang zum heiligen Gott hat. Da braucht es keine besonderen Rituale und Opfer – wer Jesus vertraut, darf vor dem Schöpfer und König der Welt stehen. Es wird auch deutlich, warum auch noch im Neuen Testament das Blut Jesu Christi, das er für uns gegeben hat, so eine wichtige Rolle spielt. Durch sein Blut sind alle anderen Opfer überflüssig geworden. Durch sein Blut haben wir Zugang zu Gott.

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Exodus 13, 1-16 Erinnerung mit allen Sinnen

Dieser Text ist schon sehr von der Erinnerung geprägt. Es wird erklärt warum die Israeliten das Fest der ungesäuerten Brote feiern und warum die Erstgeburt in besonderer Weise Gott gehört. Es wird sogar ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man den Kindern die Ereignisse der Befreiung weiter erzählen soll (V.14). Viermal wird in diesem Abschnitt das Wichtigste betont: Der Herr hat Israel mit mächtiger Hand aus der Knechtschaft in Ägypten befreit (V. 3.9.14.16). Daran soll erinnert werden.

Erinnerung ist wichtig. Wie schnell vergisst man all das Gute, das Gott einem getan hat! Interessant ist, dass im jüdischen Glauben das Erinnern nicht nur im Denken geschieht, sondern mit konkreten Handlungen verbunden ist: Es wird das Fest der ungesäuerten Brote gefeiert, die Erstgeburt der Tiere wird geopfert und die menschliche Erstgeburt wird mit Opfer ausgelöst. Das sind ganz handfeste Erlebnisse, die Erinnerung geschieht nicht nur abstrakt, sondern mit allen Sinnen.

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Kohelet 4, 17 – 5, 6 Höre!

Um was geht es im Gottesdienst? Schon damals, zur Zeit des Predigers, gab es offensichtlich Leute, die sich vor allem selbst darstellen wollten (indem sie viele Worte beim Gebet machten – nach dem Motto: „Seht her wie fromm ich bin!“) oder die ihr religiöses Gewissen mit Opfergaben beruhigen wollten (die Glaube also nicht als Herzenssache angesehen haben, sondern die mit rein äußerlichen Handlungen das Thema Glaube abhaken und erledigen wollten).

„Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst, und komm, dass du hörst.“ (V.17) Darum geht es im Gottesdienst. Mit der Formulierung „bewahre deinen Fuß“ ist gemeint, dass man nicht gedankenlos und überhastet zum Gottesdienst gehen sollte. Der Fuß sollte wissen, wo er jetzt hingeht und was an diesem Ort zählt. Und dann: „komm, dass du hörst.“ Es geht um das Hören!

Also sage ich dir: „Geh am Sonntag in den Gottesdienst und höre! Höre!“

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