Johannes 4, 27-42 Was macht satt?

Mich hat bei diesem Text vor allem V.34 angesprochen: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.“ Jesu Jünger waren im Dorf und haben etwas zu Essen besorgt. Jetzt sagt ihnen Jesus, dass er schon etwas gegessen hat. Wieder mal ein typisches Missverständnis: Jesus redet von einer anderen Speise, einer Speise die einen anderen Hunger stillt.

Was macht mich satt? Was stillt meinen tiefen inneren Hunger? Ich kenne so manches, was mich oberflächlich satt macht. Ich kenne so manches, was mich von meinem inneren Hunger ablenkt. Jesus wird satt, indem er Gottes Willen tut. Das erlebe ich auch, aber leider immer nur ansatzweise und bruchstückhaft. Viel zu oft gebe ich mich mit der oberflächlichen Befriedigung meines Hungers zufrieden. Viel zu oft verdränge ich diese tiefe innere Leere, die gefüllt werden will.

Schön finde ich an diesem Text, dass er anders endet als die Begegnung mit Nikodemus. Der vorbildlich fromme Nikodemus bleibt beim Fragen stehen. Die samaritanische Außenseiterin wird dagegen zu einer Zeugin, welche auch andere Menschen zu Christus führt.

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Johannes 4, 1-10 Gib mir zu trinken!

Schon durch seine Auswahl und seine Anordnung des Stoffes betreibt das Johannesevangelium Theologie. Das erste längere Gespräch hat Jesus mit Nikodemus, einem gesellschaftlich und religiös hoch angesehenen und respektierten Mann. Sozusagen als Ergänzung folgt nun gleich ein Gespräch mit einer Frau, die gesellschaftlich am Rand stand und die als Samaritanerin religiös von den Juden nicht akzeptiert war. Jesus lässt sich auf beide ein, redet mit ihnen und lässt sich Zeit für sie. Für Jesus spielt das Geschlecht, die gesellschaftliche Stellung und auch die religiös-moralische Ausgangslage eines Menschen keine Rolle. Er kommt zu allen, nicht nur zur Mitte der Gesellschaft. Das sollte uns vielleicht auch für manch aktuelle Debatte zu denken geben…

Was mir an dieser Geschichte auch auffällt ist, wie menschlich Jesus zu Beginn geschildert wird. Das ist gerade im Johannesevangelium ungewöhnlich, denn in ihm wird ja auf extreme Weise von Anfang an Jesus Hoheit und seine göttliche Seite betont. Hier jedoch ist er ganz Mensch. Er ist müde von der Reise (V.6) und er bittet eine Frau um Hilfe (V.7). Für jemand der Wasser in Wein verwandeln kann, wird er hier ganz schön schwach und hilfsbedürftig dargestellt.

Für mich ist das ein Trost: Gott verzichtet in Jesus auf seine Hoheit und will uns Menschen gerade auch in unserer Schwachheit und Menschlichkeit gebrauchen. Die Frau kann kein Wasser in Wein verwandeln, aber sie kann ihren Wasserbehälter nutzen, um Jesus zu trinken zu geben. Obwohl Jesus es ist, der ihr das entscheidende Wasser gibt – das lebendige Wasser – kann sie ihren ganz menschlichen Teil beitragen, um Jesus zu helfen. So möchte auch ich mich in meiner Schwachheit gebrauchen lassen. Ich kann kein lebendiges Wasser geben, aber wenn Jesus mich ruft, etwas kleines und mir mögliches zu tun, dann will ich es tun.

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Johannes 3, 1-12 Neugeburt

Interessant dass im Johannesevangelium gleich nach der Tempelreinigung Nikodemus zu Jesus kommt. Die Tempelreinigung ist ein Affront gegen die Vertreter der offiziellen und geregelten Religion. Und Nikodemus ist ein Vertreter dieses religiösen Establishments. Er ist Mitglied des Hohen Rates und damit einer der höchsten Vertreter des jüdischen Glaubens. Allerdings wird schon hier deutlich, dass er sich gerade in dieser Rolle nicht in aller Offenheit an Jesus wenden kann, sondern er kommt im Schutz der Nacht.

Er wählt einen unverfänglichen Gesprächseinstieg und signalisiert damit seine Offenheit gegenüber Jesus. Aber wie so oft im Johannesevangelium hält sich Jesus nicht mit Äußerlichkeiten auf, sondern kommt gleich zum Zentrum. Er antwortet auf eine Frage, die Nikodemus noch gar nicht gestellt hat: Wer Gottes Reich sehen will, der muss von neuem geboren werden (V.3). Das ist für das ganze Evangelium eine zentrale Aussage. Es geht Jesus nicht um menschliche Anstrengungen, sei es im moralischen oder im religiösen Bereich, um Gott näher zu kommen. Nein, das Zentrale ist, dass wir neu geboren werden. Das ist ein uns unverfügbares Geschehen, das widerfährt uns, das können wir nicht erzwingen, es ist ein Geschenk Gottes.

Natürlich taucht auch in diesem Gespräch ein typisch johanneisches Missverständnis auf. Nikodemus versteht Jesus auf der Wortebene und fragt sich, wie ein alter Mensch neu geboren werden kann (V.4). Aber Jesus geht es nicht um eine Neugeburt im Kreissaal, sondern eine Neugeburt aus „Wasser und Geist“ (V.5). Mit diesen Stichworten ist wohl auf die Taufe angespielt. Jesus macht mit diesen Begriffen „Wasser und Geist“ deutlich, dass es nicht allein auf den äußerlichen Ritus des Wassers ankommt, sondern dass Gottes Geist wirken muss. Und dieser Geist ist uns unverfügbar, er weht wo er will (V.8). Nicht die Taufe als sakramentale Handlung ist wirksam, sondern Gottes Geist, der in ihr wirkt. Neu geboren werde ich nicht weil ich mich für Jesus entscheide und dies durch die Taufe bekenne – das gehört als Voraussetzung mit dazu. Neu geboren werde ich allein, weil Gottes Geist in mir wirkt.

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