Kolosser 4, 7-18 Gebetsringen

Bei diesen Grüßen und Segenswünschen bin ich bei Epaphras hängen geblieben: Er ringt allezeit in seinen Gebeten für die Empfänger. Ich frage mich: Was bedeutet das konkret? Wie sah das damals aus bei Epaphras? Was hat er gebetet? Wie oft und wie lange? Was heißt es konkret, im Gebet um jemand zu ringen? Bräuchten wir auch heute mehr solche Christen, die im Gebet um andere ringen? Sind sie nicht wichtiger als die Macher und Gestalter?

Gibt es bei solch einem Ringen Siege und Niederlagen? Was sind Kennzeichen für einen Sieg oder eine Niederlage? Die Gefühle des Beters, sichtbare Erfolge? Oder kann man das Ergebnis des Gebetsringens letztendlich gar nicht messen und beurteilen? Wer ist der Gegner bei diesem Ringkampf? Gott? Der Teufel? Böse Mächte? Die Selbstsucht der Umbeteten? Widrige Umstände?

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Jeremia 40 Seiner Stimme nicht gehorcht

Das ist schon tragisch! Der babylonische Offizier versteht sofort was hier passiert ist: „Der HERR, dein Gott, hat dies Unglück über diese Stätte vorhergesagt und hat’s auch kommen lassen und getan, wie er geredet hat; denn ihr habt gesündigt wider den HERRN und seiner Stimme nicht gehorcht; darum ist euch solches widerfahren.“ (V.2) Das ist genau das, was Jeremia die ganze Zeit gepredigt hat und was seine Landsleute nicht wahrhaben wollten.

Sie haben es ganz einfach nicht glauben können, dass Gott so etwas zulässt, dass er den Feind triumphieren lässt und seinem Volk solch eine Niederlage zumutet. Inzwischen dürfte es auch ihnen dämmern, dass Jeremia und dieser babylonische Soldat Recht hatten. Besser spät als nie!
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Psalm 60 – Das Feuer der Niederlage

Israel glaubt an den Schöpfer und Herrn der ganzen Welt. Es glaubt an einen Gott, dem nichts unmöglich ist. Und doch musste es immer wieder erfahren, dass das nicht bedeutet, immer nur zu siegen und nie eine Niederlage einstecken zu müssen. Psalm 60 ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Israel immer wieder lernen musste, mit (militärischen) Niederlagen umzugehen. Es geht los mit dem noch staunenden Erschrecken, dass Gott nicht geholfen hat, dass er die Niederlage zugelassen hat. Israel hat Gott als zornig erlebt. Ein Gott, der sie verstoßen hat. Dann folgt eine Zusage und Verheißung Gottes. Am Ende folgt dann die Erkenntnis, dass menschliche Kraft nichts nützt und nur mit Gottes Kraft Großes möglich ist.

In der Stuttgarter Erklärungsbibel wird das sehr schön zusammen gefasst: „Die Niederlage hat deutlich gemacht, dass auf die eigene Kraft kein Verlass ist. Andererseits wirft eine Niederlage das Volk Gottes nicht nieder, sondern zurück auf Gott, der alle Macht hat.“ Das mag ich an diesem Psalm: Dass hier die Zuversicht durch das Feuer der Niederlage und des Zweifels hindurch gegangen ist. Das ist keine blauäugige und leichtfertige Erwartung: „Ja, Gott wird’s schon richten!“ Sondern das ist ein schmerzlich erkämpftes und tief existentielles Festklammern an Gott, weil man erlebt hat, dass alles andere ja doch nichts bringt.
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