Lukas 18, 31-43 Öffne du mir die Augen

Interessant und raffiniert wie Lukas hier zwei Texte direkt zusammen stellt. Bei Markus und Matthäus steht zwischen der dritten Leidensankündigung und der Heilung eines Blinden ein Streitgespräch der Jünger über die Frage, wer von ihnen der Größte sei. Lukas bringt dieses Streitgespräch in einem anderen Zusammenhang unter (Lk.22,24-27 – direkt nach dem letzten Abendmahl!). Außerdem hebt er das Unverständnis der Jünger über Jesu Ankündigung von Tod und Auferstehung betont hervor.

Dadurch wird die Erzählung von der Blindenheilung zu einer Art Antwort auf das Unverständnis der Jünger: die Jünger sind (bisher noch) blind für das, was mit Jesus geschehen wird. Sie können den Sinn von Jesu Worte nicht verstehen. Nur Gott kann ihnen die Augen dafür öffnen (so wie Jesus dem Blinden die Augen geöffnet hat).

Auch ich bin für so manches blind. Auch ich verstehe so vieles nicht. Auch ich muss Jesus bitten – so wie der Blinde: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Herr, öffne du mir die Augen!

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Lukas 8, 16-18 Zuhören üben

Beim ersten Lesen hab ich mich gefragt, was diese Verse jetzt in diesem Zusammenhang zu suchen haben. Die Aussagen sind ja recht allgemein gehalten, ohne gross gedeutet zu werden. Es ist ja eine Allerweltsweisheit, dass man ein Licht nicht unter die Bank stellt, sondern auf einen Leuchter setzt. Und auch dass dem, dem gegeben ist noch mehr gegeben wird findet sich im Neuen Testament in verschiedenen Zusammenhängen. Warum also hier?

Die Stuttgarter Erklärungsbibel haben mich auf die Spur gebracht: Auch wenn Jesus nach Lk. 8,9-10 in Gleichnissen redet und diese nicht von allen verstanden werden, so ist es trotzdem seine Absicht, dass viele Menschen seine Lehre verstehen und annehmen (das Licht sehen). Er will keine esoterische Geheimlehre weitergeben, sondern sein Licht leuchten lassen. Allerdings ist es wichtig, genau zuzuhören. Denn wer schon etwas von Jesu Worten verstanden hat, dem wird das weitere Verständnis leichter fallen („wer hat, dem wird gegeben“). Wer sich allerdings gar nicht darum bemüht zu verstehen, dem wird Jesus fremd bleiben.

„So seht nun darauf, wie ihr zuhört.“ Es ist nicht immer einfach Jesus zu verstehen. Manches wird uns ein Leben lang fremd bleiben. Manches werden wir erst in der Ewigkeit verstehen. Aber je genauer wir hinhören, je besser wir das Zuhören einüben, desto mehr von Jesu Licht werden wir sehen.

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Psalm 94 – Fragen und Anfragen

Erstaunlich, wie oft in den Psalmen immer wieder neben das Lob und die Vertrauensäußerungen die Fragen und Anfragen an Gott treten. Auch in diesem Psalm fragt der Beter Gott, warum er es zulässt, dass in seinem Volk das Recht von irgendwelchen habgierigen und hochnäsigen Machtmenschen mit Füßen getreten wird. Interessanterweise macht der Beter das Unrecht vor allem an der ungerechten Behandlung von Witwen, Fremdlingen und Waisen fest: Nicht erst Jesus hat sich um die Schwächsten der Schwachen gekümmert, sondern schon der an manchen Stellen sehr despotisch und willkürlich erscheinende Gott des Alten Testaments hatte ein Herz für die Schwachen und Ausgestoßenen.

Ich möchte gern bei dieser „offenen“ Sicht Gottes bleiben. Er hat sich in Jesus geoffenbart, er hat in Jesus sein tiefstes Wesen gezeigt. Und doch haben wir Gott nicht in der Tasche. Auch mit Jesus bleibt meine Gotteserkenntnis Stückwerk. Auch mit Jesus treten bei mir neben das Lob und das Vertrauen auch die Fragen und Anfragen. Es gibt so manches, was ich nicht verstehe… Aber trotz mancher Fragen geht’s mir so wie dem Psalmbeter: Dass ich auch in den Fragen und Tiefpunkten erlebe, dass Gott da ist, dass er hält und tröstet (V.18-19).
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Matthäus 16, 5-12 – Hahaha!

Hahaha! Köstlich, wie verpeilt die Jünger sind. Die Pharisäer wollens nicht kapieren (vgl. gestriges Post zu Mt.16,1-4) und die Jünger könnens anscheinend nicht kapieren – zumindest nicht so schnell. Jesus warnt sie vor dem Sauerteig der Pharisäer und meint damit ihre falsche Lehre, die das ganze Leben auf falsche Weise prägen kann. Aber die Jünger sind in Gedanken an einer ganz anderen Baustelle: Sie denken an ihren leeren Bauch und machen sich Sorgen, dass sie kein Brot haben. Dabei haben sie doch gerade eben erlebt, dass Jesus auch mit fast nichts Tausende satt machen kann (Mt.15,29-39).

Hahaha! So müssten wir ehrlicherweise auch oft über uns selbst lachen, weil wir es manchmal genau so wenig blicken, wie die Jünger damals. Ich glaube mit dem, worüber wir uns oft verzweifelt den Kopf zerbrechen oder worüber wir uns leidenschaftlich streiten, sind wir oft meilenweit von dem entfernt, was Jesus im Moment eigentlich wichtig ist. Das gute bei den Jüngern (im Gegensatz zu den Pharisäern) ist, dass sie Jesus verstehen wollen, dass sie nach seiner Erklärung kapieren, um was es geht.

Ich wünsch mir Mut, auch mal über mich selbst lachen zu können. Darüber wie bescheuert auch ich mich oft in Glaubensdingen verhalte und darüber, dass ich manchmal ’ne ewig lange Leitung hab, bis ich endlich kapiere, was Sache ist. Darüber, dass ich mir manchmal über die unwichtigsten Dinge den Kopf zerbreche und darüber dass ich manchmal meine ganz genau zu wissen, was Jesus meint – obwohl ich doch in Wirklichkeit total daneben liege…